Pro:
kein Kopierschutz!!, geniale deutschsprachige Musik, Texte die wirklich Sinn ergeben, endlich wieder frischer Schwung in der Musiklandschaft...
Kontra:
3 Ausrutscher
Empfehlung:
Ja
Die Musikindustrie bietet derzeit wirklich nichts erwähnenswertes: international ist nichts dabei was erhöhte Aufmerksamkeit des Musikfreundes gerechtfertigen würde. "Superstars", "Popstars" und "Star Search" beherrschen im Wesentlichen die nationale Musikszene - einige Ausnahmen bestätigen aber dennoch mal wieder die Regel. So die Berliner Nachwuchsband "Wir Sind Helden", die nun ihr von Insidern heiß ersehntes Debütalbum ablieferte. Musik machen sie schon lange, erspielten sich in Berliner Szenekneipen bereits einen Namen und brachten auch schon ohne Plattenvertrag Single und EP unter's Volk. Aber trotz des Plattenvertrag bei einem Major-Label sind sie noch immer so unbekümmert wie eh und je: sie managen sich selbst, egal ob Promotermine oder eine ganze Tournee, und sind auf dem Teppich geblieben. Ihre Musik ist frisch, unverbraucht und unbekümmert, genau wie sie selbst. Judith Holofernes, ihres Zeichens Frontfrau der Band, schreibt alle Texte selber: teils ironisch, teils kritisch und manches Mal einfach nur humorvoll. Zusammen würzen sie mit diesen Texten ihre Musik und vermischen dabei unterschiedlichste Stile zu einem Gesamtwerk.
1. Ist das so?:
Ein aufdringliches Keyboard-Riff begrüßt den Hörer und gibt einen recht flotten Takt vor, der im Laufe der Zeit jedoch eher klingt, wie das zurückhalten eines Hundes der an der Leine zieht und gerne losrennen möchte. Der Gesang hingegen rhythmisch schnell im recht hohen Tempo. Rhythmisch schnell und dennoch abgehackt wartet der Chorus - verleitend zum im Takt tanzen.
Ihr könnt so lange wie ihr wollt mit euren Regeln wedeln
So lange Regeln in der Regel nur den Redner edeln
Verflucht ihr weiter nur den Wind in euren trägen Segeln
Ihr könnt so weit ich weiß noch nicht einmal den Regen pegeln
Textlich befasst sich die Nummer mit der Alltagsroutine und durchleuchtet diese gekonnt zwischen Ironie und Kritik und spart dabei nicht an Wortspielereien.
Fazit: Note 1-2
Dauer: 3:04 Minuten
2. Rüssel an Schwanz:
Bass und Schlagzeug geben eine gemütliche und gleichmäßige Midtempo-Nummer vor, leider stört das sehr quietschende Keyboard-Gedudel im Intro doch ziemlich. Die Strophen sehr basslastig ohne großartige Melodie; schwüle Urwald-Stimmung wurde dabei musikalisch perfekt in Szene gesetzt. Erst der Chorus besticht mit eingängiger und lockeren Melodie.
Bisschen suhlen bisschen buhlen bisschen Wedeln mit den Ohren
Kurz geblinzelt Huch! Den Anschluss schon verloren
Ein bisschen flennen bisschen rennen und dann Rumms von hinten rein
In die Verpassen Rüsseln tasten fassen Quasten, rasten ein - fein
Inhaltlich geht es um den Herdentrieb der Menschen, alles blind nachzumachen was andere vormachen ohne dabei zu wissen wo der Weg hinführt. Präsentiert wird es dabei als Geschichte mit Elefanten, die Rüssel an Schwanz durch die Gegend ziehen und dabei den Herdentrieb symbolisieren.
Fazit: Note 2+
Dauer: 4:54 Minuten
3. Guten Tag (Die Reklamation):
Weiter geht es mit der ersten Singleauskopplung. NDW, rotziger Punkrhythmus und Synthiepop werden hier gekonnt ineinander verschmolzen und zu einem Track verschmolzen, der sich sehr deutlich zu den bisherigen beiden Titel abgrenzt. Sowohl die Melodieführung als auch der Gesang scheinen sich bei dem Tempo zu überschlagen, doch haben die 4 alles fest im Griff.
Judith singt diesmal vom modernen Leben, die Lockmittel mit denen man schier unabdingbare Neuerungen braucht. Eine Kritik am Konsumverhalten mit dem Fazit: alles unnötiger Schnickschnack.
Fazit: Note 2-
Dauer: 3:35 Minuten
4. Denkmal:
Ein ruhiger Midtempo-Song erwartet den Hörer mit Lied 4. Musikalisch vom ruhigen Schlagzeug und Bass bestimmt, während sich die Gitarre eher im Hintergrund hält, während sich der Gesang zähflüssig in die Musik schmiegt.
Textlich wage ich mich jetzt ziemlich weit aus dem Fenster, denn auf was die Helden hier zielen kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Meine Sichtweise ist jedoch, daß jedem Deppen noch zu Lebzeiten ein Denkmal gebaut wird. Diese Unsinnigkeit bekämpfen die Helden symbolisch durch die Zerstörung ihres Denkmals und das Besprühen mit Graffiti.
Fazit: Note 2
Dauer: 3:17 Minuten
5. Du erkennst mich nicht wieder:
Die erste Ballade auf dem Album wird nun hörbar und die Helden beweisen damit sehr viel Gefühl. Nur die Akustikgitarre und im späteren Verlauf der Bass begleitet das Lied, während Judith mit recht einprägsamer Stimme den Text sehr sanft vorträgt. Im letzten Teil starte die E-Gitarre durch und verleiht dieser wunderschönen Ballade richtig Power! Gebt dem Song eine Chance bevor Ihr ihn als langweilig abtut, denn gerade dieser Stilbruch zu den vorherigen Songs kann sehr leicht als unbegründet negativ abgetan werden...
Es geht um Veränderungen, hier speziell um ein Wiedersehen bei dem man den anderen nicht mehr erkennt. Die Zeit bleibt nicht stehen, bei nichts und niemanden...
Fazit: Note 1
Dauer: 4:56 Minuten
6. Die Zeit heilt alle Wunder:
Wieder ein sehr ruhiges Lied, das (wie die meisten Lieder) durch den Gesang lebt. Als Begleitung einmal mehr nur der Bass und das Schlagzeug, die Gitarre nur als Füllmittel um die Sterilität zu vermeiden.
Textlich befasst sich dieses Lied mit der Hysterie in Bezug auf Wunder. Alles mögliche wird als Wunder bezeichnet, was in ein paar Jahren nur noch Narben hinterlässt, sprich: nichts. Die wirklichen Wunder werden jedoch nicht erkannt und die Leute rennen daran vorbei.
Fazit: Note 1-2
Dauer: 4:09 Minuten
7. Monster:
Also um ehrlich zu sein weiß ich nicht so wirklich was ich davon halten soll. Für mich der erste Ausrutscher auf dem Album und zumindest von der Melodie nicht überzeugen kann. Das Schlagzeug wie immer im Mitwipp-Takt und der Bass schafft mit seinem Hämmern einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen. Ansonsten ist nicht viel mit Melodie und ödet dadurch auch recht schnell an.
Die Textaussage soll wohl aussagen, daß jeder in sich ein Monster birgt und somit jeder Mensch zwei Seiten in sich trägt.
Fazit: Note 4+
Dauer: 3:48 Minuten
8. Heldenzeit:
Ein Synthie-Intro, abgelöst vom Schlagzeug und sofort werden Erinnerungen an "My Favourite Game" von den Cardigans wach. Wieder ein sehr schneller Takt von Schlagzeug und Bass, die Gitarre darf nur ab und zu ein paar Töne spielen.
"Hat irgendwer gesagt es wäre Zeit für Helden?" fragt Judith sich, "Wir kommen um die anderen Helden abzumelden". Im Zeitalter von selbsternannten Helden (der Musik, des Films...) macht mal jemand deutlich, daß dies alle keine Helden sind und niemand diese sog. Helden braucht. Die Leute wieder auf den Teppich zu bringen, eben die anderen Helden abzumelden. Natürlich bietet auch der Song wieder jede Menge Wortwitz.
Fazit: Note 2-
Dauer: 4:23 Minuten
9. Aurélie:
Die dritte Auskopplung aus dem Album ist mal wieder etwas recht flottes und zudem sehr melodiös. Genialer Rock'n'Roll mit etwas Swing vermischt erwartet den Hörer, die Drums hämmern gleichmäßig das Tempo voran und bestimmen das musikalische Hauptbild, während die Gitarre den Rhythmus verstärkt.
Aurelie so einfach ist das eben nicht
Hier haben andre Worte ein ganz anderes Gewicht
All die Jungs zu deinen Füßen wolln sie küssen auch die Süssen
Aber du merkst das nicht weil er dabei von Fussball spricht
Judith singt hier von Aurélie, die in Sachen Liebe/Flirten absolut keine Ahnung hat. Auf humorvolle Weise wird hier das Flirtverhalten der Deutschen auf den Arm genommen.
Fazit: Note 1
Dauer: 3:33 Minuten
10. Müssen nur wollen:
Lied Nummer 10 und gleichzeitig die aktuelle Single wartet mit feinstem Underground-Rock auf. Das Schlagzeug im konstanten Kopfnick-Beat, der Bass sorgt für satten Sound und die Gitarre im Chorus rundet das Bild eines perfekten Rocksongs perfekt ab.
Wir können Pferde ohne Beine rückwärts reiten
Wir können alles was zu eng ist mit dem Schlagbohrer weiten
Wir können glücklich sein und trotzdem Konzerne leiten
Wir können alles schaffen, genau wie die tollen dressierten Affen
Wir müssen nur wollen
Textlich geht es um den Zwang immer etwas besonderes machen zu müssen. Sein Können zur Schau zu stellen und dabei den anderen bis zur eigenen Lächerlichkeit zu überbieten.
Fazit: Note 1
Dauer: 3:35 Minuten
11. Außer dir:
Mit Lied Nummer 11 folgt wieder eine Ballade. Sanftes Schlagzeug, fetter Bass und hier und da das Keyboard bestimmen diese Nummer. Und zugegeben plätschert die Nummer doch mehr vor sich hin und kann nicht so voll überzeugen. Leider ist zwischen Strophen und Chorus keine musikalische Stufe erkennbar und so langweilt sich diese Nummer knapp 4 Minuten vor sich hin.
Ein Liebeslied ist es diesmal, das die starken Gefühlen zum anderen sehr eindrucksvoll beschreibt.
Fazit: Note 4
Dauer: 3:41 Minuten
12. Die Nacht:
Und auch der letzte Track ist wieder eine Ballade und gleichzeitig der längste Track auf dem Album. Wieder langweilt sich die Nummer, diesmal knapp 7 Minuten, mit Bass und gähnendem Schlagzeug vor sich hin. Balladen sind ab definitiv nicht die Stärke von Judith Holofernes...
Auch diese Ballade ist wieder ein Liebeslied, das zärtlich eine Nacht mit dem Partner beschreibt und ein Gedicht von Judith musikalisch umsetzt.
Fazit: Note 4
Dauer: 6:50 Minuten
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**** FAZIT ****
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"Wir Sind Helden" liefern hier ein sehr kompaktes Album ab, daß mit gut 45 Minuten reiner Spielzeit zwar nicht sonderlich lang ist, aber es wirklich wert ist um genauer gehört zu werden. Zudem gibt es für den handelsüblichen Preis auch noch zusätzlich ca. 15 Minuten Videomaterial über die Band und deren Werdegang. Das benötigte QuickTime findet sich auf der CD wieder und muß nur installiert werden um das Video zu sehen. Nena hat das Potential der Berliner erkannt, nahm sie mit auf Tour und fördert und unterstützt sie zu Recht wo sie kann. Das die Helden so erfolgreich in den Albumcharts vertreten sind liegt mit Sicherheit nicht daran, daß ihre Lieder zu kommerziell bzw. dem Mainstream angepasst sind - im Gegenteil. Mit ihrem Underground-Style und dem oftmals bissigem Text sind sie so gar nicht auf die breite Masse ausgelegt und ich bin mir sicher daß der Großteil der Hörer die Botschaften der einzelnen Lieder gar nicht kapiert. Ich hoffe und wünsche mir, daß wir von den Helden auch in Zukunft noch viel hören werden und Judith auch weiterhin derart klasse Songs schreibt und ihrem Stil nicht untreu wird. Bands wie sie braucht die Musikwelt um nicht im akustischem Müll zu ersticken.
Ich bedanke ich mich bei allen die wirklich gelesen haben und betone daß dies KEIN Comeback war, aber für dieses Album mußte ich einfach eine Lanze brechen:-)
In diesem Sinne verbleibe ich als
Euer ♪-König:-)
->Music is my message <-
PS: Alle Schnellklicker sind wieder mal zu blöd um ihren Horizont zu erweitern und stagnieren weiterhin in ihrer geistigen Einfaltslosigkeit... weiterlesen schließen
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