Pro:
- siehe Text -
Kontra:
Nur im gut sortierten Handel erhältlich.
Empfehlung:
Ja
„der Edradour mit zehn Jahren Alter und 40 % Vol in der Tube“ … ist natürlich Denglisch vom Schlimmsten und Blödsinnigsten. Dass der Whisky ganz famos ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
„Edradour (…) in der Tube“ – das ist, egal wie mensch das ausspricht, natürlich Blödsinn. Ganz gleich ob die Tube eine deutsche Verpackungsform für Pastöses ist oder ob die Tube als „the tube“ ausgesprochen wird, was bekanntlich ein Spitzname (bitte: „Spitzname“, nicht „Nickname“, denn das ist schon wieder sprachpanscherischer Unfug) für die Londoner Untergrundbahn ist.
Wörtlich übersetzt ist die „tube“ einfach eine Röhre. Im Falle Edradour besteht sie aus Blech, und wer die schlicht als Geschenkverpackung beschriebe, läge damit sicher richtiger als der Übersetzer, der aus dem false friend „tube“ einfach die deutsche „Tube“ macht. So, genug der Umverpackungsbeschreibung – der Edradour stckt in einer Blechröhre, und das ist für Whisky, zumal solchen besserer Provenienz, nicht ungewöhnlich.
Ich habe kürzlich eine Flasche des „Edradour“ geschenkt bekommen und habe mich darüber natürlich gefreut. Zum einen, weil das eine nette Geste war, zum anderen, weil ich den Edradour bis dato nur dem Namen nach kannte.
Die Destillerie, aus der das Stöffchen stammt, rühmt sich, die kleinste von ganz Schottland zu sein. Angeblich reicht für deren Betrieb eine Mannschaft von drei Mann, und angeblich produziert die Mini-Destillerie pro Jahr nur soviel Whisky, wie die größten der schottischen Destillerien pro Woche in den Handel bringen (und zwar nicht gemeinsam, sondern jede für sich), und die „Three Men of Edradour“ helfen der Farbe ihres Erzeugnisses auch nicht mit Zuckerkulör auf die Sprünge.
Diese Angaben findet mensch auf der Blechröhre, in der der Edradour steckt, und es scheint sich bei ihnen tatsächlich nicht um bloßes Werbegeklingel zu handeln. Jedenfalls war der Händler, aus dessen Laden meine Flasche stammt, dem Vernehmen nach stolz auf die Erweiterung des Sortiments um den Edradour, und angeblich weiß die Kundschaft das auch zu schätzen.
Im erweiterten Sinne gehöre ich jetzt wohl auch zu dieser zufriedenen Kundschaft. Denn auch wenn ich den Edradour nicht selbst gekauft habe, bin doch vom ersten „Sampling“ auf Anhieb sehr angetan. Gestern habe ich die gedrungene Flasche entkorkt (jawoll, entkorkt, und nicht etwa aufgeschraubt) und mir einen Testschluck genehmigt. Mein Eindruck: Der Edradour ist, sowohl in der Nase wie am Gaumen, rund, buttrig, vollmundig. Noten von Toffee und Honig dominieren und machen diesen Whisky zum Genuss, den nicht nur fortgeschrittene Whisky-Fans zu schätzen wissen müssten. Was mir außerdem positiv aufgefallen ist: Seine runde Süße erkauft sich der Edradour für meine Begriffe nicht mit übergroßer Sherrynote (nichts gegen Aberlour, Macallan & Co. – aber selbst diese fraglos ganz ausgezeichneten Malts haben mich nicht zum bekennenden Fan von Whiskys mit ausgeprägter Sherrynote gemacht). Trotz seines für einen Malt vergleichsweise geringen Alters von nur 8 Jahren erscheint der Edradour erstaunlich warm und ausgereift – auch nicht der leiseste Anflug von Sprittigkeit trübt hier den überaus positiven Gesamteindruck.
R e s ü m e e
Ein toller Whisky – buttrig, vollmundig, mit Noten von Toffee und Honig, komplett unrauchig und ungetorft und damit gewissermaßen die Antithese zu den von mir ebenfalls geliebten Insel-Malts, denen ich an dieser Stelle verschiedentlich bereits das eine oder andere Denkmal gesetzt habe. Der Edradour hat mich auf Anhieb sehr für sich eingenommen – ich kann es gut nachvollziehen, dass der Whisky aus der kleinsten Destillerie sich bei einer wachsenden Zahl von Whisky-Fans großer Beliebtheit zu erfreuen scheint. weiterlesen schließen
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