Pro:
Schöne und interessante Pflanze, wächst und blüht ganzjährig, recht günstig zu bekommen
Kontra:
Giftig. Braucht Aufmerksamkeit und bestimmte Umgebungsvoraussetzungen, nicht unbedingt für Anfänger geeignet
Empfehlung:
Ja
...oder auch ein paar mehr ;-)
Was die wenigsten wissen: Der olle Pharao ist zwar ein waschechter Ruhrie aber das heisst nicht, dass es hier keine grünen Ecken gibt – Im Gegenteil! Aufgewachsen ist der Pharao in einem Naherholungsgebiet etwas außerhalb der Stadt, zuwenig um es als „ländlich“ zu bezeichnen, wenngleich sich nebenan gleich 2 Bauernhöfe und eine Menge Wald befanden. Erst mit 15 wurde der mittlerweile jugendliche Pharao auf die urbane Zivilisation losgelassen und wohnt seither städtisch. Dennoch habe ich mir meine Liebe zur Natur und allem was wächst erhalten, auch meine zahlreichen Allergien konnten daran nie etwas ändern. Ich mag Pflanzen, kann eine Menge heimischer Baum-, Gras- und was-weiß-ich-Arten blind benennen (logisch, als Power-Allergiker sollte man wissen was man besser weiträumig meidet *g*) und ich habe das, was man gemeinhin als „Grünen Daumen“ bezeichnet. Selbstverständlich habe ich mir mein persönliches Stück Natur mitgenommen, als ich damals in die weite Welt auszog, um meinen eigenen Tempel fernab der elterlichen Pyramide zu beziehen. Keine leichte Aufgabe, denn in meiner Dachwohnung kann ich leider nicht alle Pflanzen stellen, sei es wegen zu hoher Temperaturen im Sommer oder aber wegen meiner 5 göttlichen Perserlinge, die statt in Fleisch auch gerne mal in pflanzliches Gewebe beissen *grumpf*. Daher...*räusper* Ladies and Gentlemen, noble readers...the Pharaoh proudly presents...Seine Wochen des grünen Daumens, wo er Euch ein paar seiner liebsten Gewächse vorstellt. Der Anfang macht ein buchstäblicher Evergreen... Die Spathiphyllum (auch „Einblatt“ genannt)...
Der Steckbrief
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Name: Spathiphyllum (Aracea)
Deutsches Synonym: Einblatt
Gruppe: immergrüne Aronstab-Gewächse (Araceene)
Heimat: Südamerika, speziell Kolumbien
Blüte- und Wuchszeit: Ganzjährig
Wuchshöhe: 60 bis 80 cm
Standort: Schatten bis Halbschatten ohne direktes Sonnenlicht
Düngung: 1 x im Monat
Wurzelform: Rhizom
Boden: Humus, Blumenerde oder auch gerne Hydrokultur/Granulat
Bewässerung: Boden stets feucht halten, darf nicht austrocknen!
Luftfeuchte: ab 60% rel. (besser 80%)
Temperaturen: Nicht frostfest / 5 – 35° C (kurzeitig etwas drüber)
Topfgröße: mindestens 15 cm Durchmesser oder mehr
Blattschuss – Die Anatomie
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Aus dem Rhizom (ein länglich knorriges Etwas, das entfernt an eine Ginseng-Wurzel erinnert *g*) des Einblatts spriessen so etwa 10 – 15 Stängel, ein EINZIGES davon weist eine weiße Färbung auf und umschließt eine Fruchtdolde, dabei handelt es sich tatsächlich um ein speziell geformtes Blatt und keine Blüte im herkömmlichen Sinne, wie man annehmen möchte. Diesem besonderen Blatt verdankt die Pflanze auch ihren Namen, zum Einen heisst das Hüllblatt botanisch korrekt „Spatha“, zum anderen ist an jedem Rhizom jeweils nur ein einziges dieser Blätter zu finden, daher das passende, deutsche Synonym: „Einblatt“. Den Wortteil „phyllum“ kennt vermutlich noch jeder noch aus dem Bio-Unterricht von „Chlorophyll“ (dem für die Photosynthese zuständigen Blattgrün), als Immergrün-Pflanze, hat sich die (oder müsste es nicht eher „das“ heißen?) Spathiphyllum ihren (seinen) Namen redlich verdient.
Neue Triebe wachsen senkrecht, lanzenförmig aus dem Dickicht nahe des Rhizoms heraus und rollen sich bei Erreichen der maximalen Höhe auseinander (Das geht innerhalb weniger Stunden und ist bärig interessant zu beobachten), jeder dieser Stängel trägt ebenfalls nur EIN sehr breitflächiges, glattes (aber dafür satt-grünes) Blatt. Schneidet man das (kleinere) weiße Hüllblatt samt Stängel ab, kann man es beispielsweise für sich alleine schön dekorativ in eine kleine Vase stellen, die Biester sind sehr lange haltbar und ein ausgesprochen netter Tischschmuck. Die Mutterpflanze reagiert auf diesen brutalen, menschlichen Akt der Barbarei ziemlich gelassen, indem einfach ein neuer Trieb statt eines grünen Blattes ein einzelnes, weißes mitsamt Fruchtdolde ausbildet, um den erlittenen Verlust zu kompensieren...Pfiffig die Natur, oder? ;-)
Ein Blatt geht um die Welt
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In seiner Dschungelheimat Südamerikas wächst das Einblatt im ewigen Dämmerlicht und Schatten des Unterholzes, daher sollten auch wir pflegewütigen Wohnungseuropäer dem Wunsch entsprechen und die Spathiphyllum an ein schattiges Plätzchen verfrachten, Sonne kann diese eigenwillige Südamerikanerin nämlich nicht besonders gut verknusen. Sie gehört zu den (Halb-)Schattengewächsen und darf auch nur morgens bzw. abends die schwachen Strahlen der Sonne kosten, ansonsten lässt sie die Blätter hängen und geht innerhalb von wenigen Tagen ein. Der Blattwuchs an sich ist stabil und fast schon gummiartig, doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen: Unter gewissen widrigen Umständen ist das Einblatt ziemlich zickig und keine besonders zu empfehlende Anfängerpflanze. Neben zuviel Licht hasst die Spathi auch hohe Trockenheit, entweder werden ihre Blattspitzen dann braun und läuten den baldigen Tod ein oder sie wird leichtes Opfer von Schädlingen. Woll-Läuse und die kleinen roten Mini-Spinnen befallen sie dann mit Vorliebe, daher ist eine relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 60% anzuraten, wenn's geht sogar hoch bis 80%. Bei zu hohen Temperaturen und Lichteinfall lässt die Spathi schnell die Blätter hängen, höchste Alarmbereitschaft und Zeit sofort einzugreifen!
Apropos Wasserhaushalt: Der Boden im Topf muss stets feucht sein, gerne nimmt die Spathi auch Ton-Granulat (Seramis etc.) und lässt sich in eine Hydrokultur pflanzen, trotzdem muss man weiterhin peinlichst auf ihre Wasserversorgung achten - eine Hydrokultur ist gut zum Überbrücken einiger Tage – ein Allheilmittel ist sie nicht. Des Weiteren liebt die Spathi duschen, Jawoll! Ab und Zu verfrachtet man den ganzen Topf unter die Dusche und spült die Pflanze leicht (!) ab oder besprüht sie vor Ort mit einem feinen Wassernebel aus einer handelsüblichen Sprühflasche. Das hat zwei Vorteile: Gerade in einer trockenen Umgebung bekommt die Pflanze Flüssigkeit auch über die Blätter (Man bedenke die bevorzugte Luftfeuchte *g*) und Schädlinge werden rasch die Lust verlieren sich auf ihr zu tummeln. Einmal im Monat verlangt das Einblatt was zu futtern in Form von Düngestäbchen oder Flüssigdünger für Grünpflanzen. Bei letzterem gilt: Bitte nur verdünnt und nicht pur düngen! Das Rhizom ist zwar nicht ganz so anfällig gegen „Verbrennen“, wie andere Wurzelarten bei Überdüngung durch Nitrate oder Kalium, aber man muss es ja nicht unbedingt provozieren, gell? ;-)
Das Kranken-Blatt
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Wie alle Vertreter der Aracea-Gruppe ist das Einblatt auch für den Menschen und vor allem für Haustiere beim Verschlucken GIFTIG! Wer also Kleinkinder oder knabberwütige, tierische Hausgenossen bei sich beheimatet, sollte entweder auf das Stellen einer Spathiphyllum verzichten oder Lebewesen und Pflanze ganz besonders gut im Auge behalten. Das gilt speziell bei Menschen und Tieren, die Allergiker oder Nierenpatienten sind und daher „von Haus aus“ schon Probleme mit ihrem Calcium-Haushalt im Blut haben. Das Gift der Spathiphyllum (Calciumoxalat) fällt Calcium aus dem Blut aus, was in kristalliner Form die Niere schädigt. Alarmzeichen sind: Blutungen im Mund (Zahnfleisch), Magen-Darm-Trakt sowie der Gebärmutter, verstärkter Speichelfluß, Atem- und Schluckbeschwerden. Eine tödliche Dosis ist bei der Universität Zürich nicht angegeben, diese hält aber weitere, aufschlussreiche Informationen (denen ich auch diese kleine Aufstellung der Symptome und Gegenmaßnahmen entnommen habe) zu diesem Thema und im Falle einer eventuellen Vergiftung bereit: [ http://www-vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0123_vet.htm ] Natürlich ist sofort ein Arzt aufzusuchen, wenngleich Antihistaminka und Calcium-Präparate laut dieser Website helfen (Allergiker wie ich haben beides vermutlich sowieso immer im Haus), doch Selbstmedikation ist immer nur ein Notstopfen.
Nun habe ich eingangs bereits meine Saubande der Gattung Felidae erwähnt, das 5-köpfige, fellgewordene Terror-Kommando „Pharaos Blumentopf-Brigaden“, sie gehen lustigerweise nicht an die Spathis und fraßen sie auch nicht versuchsweise an. Ein verstohlenes Schnüffeln und angewidertes Verziehen der Schnurrhaare war alles was meine Perser vorzubringen hatten, als ich meine beiden Einblätter aufstellte. Anscheinend haben die Katzen dieser Rasse ein sehr feines Näschen dafür, was ihnen bekommt und was nicht, sonst sind die nämlich überhaupt nicht zimperlich, was Grünpflanzen angeht... Trotzdem halte ich stets die Augen offen, schliesslich weiß man nie, ob sich die Rasselbande nicht doch mal daran versuchen will. Nochmals und mit aller Eindringlichkeit: Wer kleine Kinder hat sei bitte besonders auf der Hut, aber auch Erwachsene sind nicht gefeit - ein allergischer (anaphylaktischer) Schock kann auch Nicht-Allergiker treffen und in arge gesundheitliche Not bringen! Wer sich beispielsweise eins der wunderschönen weißen Blätter von der Mutterpflanze abschneidet, um es in einer Vase unterzubringen wäscht sich bitte vor jeglichem Essen oder Trinken gründlich (!) die Hände und langt nicht direkt danach gedankenlos in eine Chips-Tüte etc...der Pflanzensaft ist GIFT.
Bitte umblättern – Das Fazit
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Zwischen 4,99 und 7,99 € rangieren die Preise meist, zu denen die Spathiphyllum im Bau-, Gartenmarkt (und sogar bei IKEA) topfweise gehandelt werden. Zu beachten ist beim Kauf ein gesundes Grün, ein schönes Hüllblatt und dass die Stängel möglichst senkrecht stehen, die Blätter neigen sich aufgrund ihres Gewichtes immer in die Waagerechte, das ist normal. Pflanzen mit braunen Rändern oder gar Schädlingsbefall lasst bitte stehen, die machen's vermutlich nicht mehr lang, genauso checkt man kurz ob die Blumenerde feucht ist – ist sie furztrocken: Besser Finger weg und einen anderen Topf genommen bzw. den Laden gewechselt ;-)
Das Einblatt ist dank seines recht hohen und ausladenen Wuchses ein prima Lückenfüller für „tote“ und dunkle Ecken in der Wohnung, wenn man sich gut um die Pflanze kümmert beschert sie einem das ganze Jahr durch einen tollen Anblick mit ihrem satten grün und dem einzelnen, weißen Hüllblatt. Die Spathi ist nicht wirklich anspruchslos und wenn, dann nur was die Lichtverhältnisse angeht. Für Anfänger kann ich sie nur bedingt empfehlen, sie benötigt doch etwas Aufmerksamkeit (Ja, ich oute mich, ich spreche auch mit meinen Pflanzen *g*). Trotz der fehlenden „Massenkompatibilität“ bekommt das Einblatt satte 4 Sterne, wenn man den Dreh einmal raus hat ist es eine sehr schöne und dekorative Pflanze mit faszinierenden Eigenschaften und dann auch leidlich robust. Man muss sich eben halt ein wenig mehr um sie kümmern und sie ist dank ihres giftigen Charakters nicht unbedingt für alle Haushalte geeignet, das sind meine einzigen wirklichen Kritikpunkte.
SoLong
Der Pflanzenflüsterer-Pharao
Warnhinweis:
Bei Schnellklickern soll der Grüne Daumen versagen und dem schwarzen Klickfinger Platz machen, der fällt (wie welke Blätter) auch hoffentlich bald von selbst ab... ;-) weiterlesen schließen
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