Pro:
1 ertragbarer, 1 interessanter Titel
Kontra:
ansonsten nur krampfhaftes, unnützes Zeug
Empfehlung:
Nein
Hallo erstmal,
ich möchte mit diesem Bericht einmal kurz dazu auffordern, den aktuellen Hype um die Band Juli etwas zu vergessen.
Und ich möchte 2 Bands aus deutschen Landen mal als Referrenz daneben stehen. Sicher, das ist nicht unbedingt fair, da sie so weder ideologisch noch musikalisch exakt an Juli grenzen, aber es sind halt deutsche Bands die nicht erst seit gestern Musik machen und deshalb schon ein gewisses Maß an Erfahrung mit sich bringen.
Die Wahl viel auf:
Kettcar (aus Hamburg, Ehemals Butt Alive)
und Rosenstolz(muß man dazu noch sagen??;))
Kettcar dienen soundmäßig und teilweise mit ihren teilmelancholischen, teilromantischen, aber immer unterhaltsamen Texten als Referrenz, während Rosenstolz als Referenz hinsichtlich Gesang und Texte dienen sollen.
Doch zunächst einmal ein kleines Song by Song Review:
WARUM
WARUM ist einer der wohl peinlichsten Opener der Musikgeschichte, allein von der recht belanglos daherdümpelnden Musik Marke preiswerte Massenware mal ganz abgesehen:
Wir schau'n über die Dächer, ich schreib deinen Namen in die Nacht.
Hey, wir brauchen nicht mal Worte, denn es reicht schon, wenn du lachst.
Aus Sekunden werden Stunden, und ich weiß es klingt verrückt,
doch wenn's ganz hart kommt, drehn wir die Zeit zurück…
Was sagt uns das also? RIchtig, Kleinmädchenpoesie wie sie in den Poesiealbum von 13 jährigen Bravoleserinnen zu finden ist.......hat mit anspruchsvoller Textgestaltung soviel ja nicht zu tun.
STERNE- 4:00
Auch der längste TItel des Albums hat radiotaugliche Spiellänge. Was allerdings nicht bedeuet, dass die Belanglosigkeit hier ein Ende findet..........und auch das klassische Julthema, also harte Riffs im Refrain,sanfte Klänge in den Strophen,findet wieder seine Verwendung*gähhhhhhhhn*
Inhaltlich plätschert man auf der Oberfläche, ohne dabei etwas erstaunliches zu sagen zu haben:
Du stehst in den Sternen,
und ich schau rauf zu dir.
Und ich find's geil, dich so zu sehen.
Du stehst in den Sternen
und ich schau rauf zu dir.
.
Auch hier fehlt die große Überraschung-welch Wunder.........
GEILE ZEIT-3:47
Man stelle sich einen normalen Midtempotitel der Rockgeschichte vor, z.B. GOOD TIMES BAD TIMES von Led Zeppelin.
DIeses Lied lässt sich leicht in GEILE ZEIT umwandeln:
Man entferne alle charakteristischen Elemente, entferne auch das BLuesriffing, ersetze es durch den billigsten Akkord den man kriegen kann,lasse Tempiwechsel auf und lässt das mit deutschem Text möglichst Gleichgültig daherplätschern, wobei es so radiotauglich sein muß, dass gar kein Solo die monotonie des Liedes stören darf. Und schon hat man GEILE ZEIT! Unaufgeregt, unspektakulär,mit richtig schöner am-Arsch-vorbeigeh Melodie und ich-tu-keinem-weh-weil-ich-so-0815-pseudojugendlich-bin
Text. Den einzigen AKzent hier setzt die Unfähigkeit der Sängerin, den schnellen Wechsel von tiefen zu höhen Tönen ohne plötzliches aufstoßen eines hohen Piepslautes undohne eine unrgelmäßigen,unklarenIntonierung hinzukriegen
Hast du geglaubt, hast du gehofft, dass alles besser wird?
Hast du geweint, hast du gefleht, weil alles anders ist?
Wo is die Zeit? Wo ist das Meer?
Sie fehlt, sie fehlt hier, du fragst mich, wo sie geblieben ist!?.
Naja, wioe bereits angedeutet, textlich anspruchsvolles war hier niocht zu Erwarten-es bleibt irgendwie pseudodichterisch, die Wortwahl farblos, die entstehenden Bilder im Kopf bleiben leblos.
TAGE WIE DIESER
Was macht man als Band wenn die Ideen fehlen? Richtig.........man nimmt sich irgendwoher einen Track aus der Bandgeschichte. Und was macht man, wenn die Band als solche neue Pfade betritt?........Na eigentlich sollte mans dann besser sein lassen und keinen weiteren Titel aufs Album zwingen, doch Juli machen genau das und kopieren GEILE ZEiT mit ähnlicher Melodie, sehr ähnlichen Strukturen, ähnlichem Textinhalt, nur minimal anderer Stimmung durch andere Intonierung.......was kein neues Lied ergeben kann!
Tage wie dieser
kommen nie wieder
Tage wie dieser
sollen nie vergessen gehen
TRÄNENSCHWER- 3:27
Wie immer..........denkt man sich nur:
Einfache, ja zu einfache Melodie, pseudolyrischer Text und Akkorde aus dem Abfalleimer.........jaja ich mag jetzt sehr zynisch klingen,aber so ist es, und da die Texte ehrlich sein wollen will ich es dementsprechend auch...........
Der Wechsel des Gesangs zwischen hoch schmachtend und tief treibend will hier auch nicht so wirklich passen, zudem bleibt das ganze Liedkonstrukt sehr dahingekritzelt und blutleer.
Die Chöre beim ,,Höhepunkt" können da soviel auch nicht retten, und das Minidrumsolo wirkt höchst deplaziert und klingt unechter als jeder Drumcomputer.
Und der Text...........
Doch tränenschwer stehst du jetzt hier vor mir.
Ich hab gewusst, dass wir uns – dass wir uns irgendwann wiedersehn.
Und tränenschwer stehst du in meiner Tür.
Ich hab gewusst, dass du kommst,
weil du nicht ohne mich leben kannst,
du bist tränenschwer.
Diese wunderbaren Zeilen lass ich mal lieber so,unkommentiert,in ihrer schieren Bedeutungslosigkeit stehn.
PERFEKTE WELLE-3:20
Dieses Stück ist ja wegen der Flutkatastrophe auf dem Index der Musiksender und Radiosender gelandet, dochwiedemauchsei..........Die Melodie ist so simpel wie nur irgend möglich, um irgendwie eingängigkeit zu schaffen, die Strophen sind von simplen Minimalriffs begleitet, der Refrain ertönt hingegen mit stolz geschwellten,harrten,rumschwirrenden Gitarren-das Juli-STandardrezept also, zum erneuten mal muß es herhalten............Und das macht das simple Liedgut sehr Massengeschmackstauglich,aber nicht unbedingt Qualitativ gut,daran ändert auch die kurze, sich steigernde Rythmuspassage wenig.
Das ist die perfekte Welle – das ist der perfekte Tag.
Lass dich einfach von ihr tragen – denk am besten gar nicht nach.
Das ist die perfekte Welle – das ist der perfekte Tag.
Es gibt mehr als du weißt – es gibt mehr als du sagst
............Gekonnt weckt der Text allerdings positive Emotionen, so sinnlos er auch sein mag........
REGEN UND MEER- 3:36
..............Naja, das ist doch recht ertragbar,aber auch nur fast: lockere Popakorde, mit der Akustikgitarre herbemüht, sanfte Melodien- belanglos, aber nicht so krampfhaft rockig wie der Rest des Albums, wirkt dieser Titel weitaus überzeugender und vor allem authentischer als der Rest und.......irgendwie will das Lied halt nicht etwas seinw as es nicht sein kann.
Ich hab gedacht, ich kann es schaffen,
es zu lassen, doch es geht nicht.
Hab'n bisschen übertrieben,
dich zu lieben, doch es geht nicht.
Hab nichts unversucht gelassen,
dich zu hassen, doch es geht nicht, es geht nicht.
Das der Text hier auch nicht besser als das übrige ist fällt kaum auf...........Hier passt die anspruchslosigkeit und Naivität des Textes ja mal zur Musik an sich.
NOVEMBER- 2:59
...............Was bin ich? Fragt uns dieses Lied.....Ballade oder normaler Popsong????????Naja eigentlich ein normaler Julisong, dem nur die Riffs im Refrain fehlen und dessen gedrückte Instrumentierung einen Hauch Melancholie verleihen will..........
Auch hier ist der Text aufgesetzt, allerdings noch mehr als sonst, und die eintretenden Akustikakkorde bessern das jetzt auch nicht mehr wirklich.........
Frag' nicht nach Morgen, denn er bleibt dir verborgen.
Frag' nicht was gestern war, wir ziehen unsere Kreise,
auf unserer Reise, wo eben noch Sonne war.
Wir ertrinken zu zweit in unseren Worten.
Wir ertrinken zu zweit in Einsamkeit.
ANDERS -3:09
Ein abgehackter und reichlich dünn klingender Gitarrenriff eröffnet das Lied und setzt sich so erstmal fort- aus der Mottenkiste,unkreativ und unoriginell. Danach wird zu einem ganz billigem Mittel gegriffen,dass uns noch öfters bei Kuli begegnen: Der Gitarrenriff verstummmt für die Strophen, und ein sichter Riff setzt ein, dominieren tuen dann die Drums.
Das Ganze wirkt so zumal sehr zusammengeklaut und verzichtet ganz auf ureigene Elemente und ist zudem reichlich konventionell Aufgebaut...........Zudem weisen die Verkrampften Tempowechsel gravierende Schwächen aus.
Na, ok,denkt man sich, all das wäre so noch zu verkraften, wäre der Text jetzt gut,sinnvoll und durchdacht. Und genau das will dann der Text zumindest sein, doch zerlegt man die Zeilen in Einzelstücke, sieht das leider gaaaaaanz anders aus:
Du sagst, du hast es gefunden.
Du hast ja auch lang genug gesucht
So'n bisschen Normalität
tut uns allen mal ganz gut.
Ich kann nicht glauben, dass du meinst, was du da sagst.
Du hast aufgegeben, wenn du mich fragst
Aha. Von tiefgründer Lyrik meilenweit entfernt dieser Refrain,recht plakativ,simpel.
Und..markant genug sind die ,,Melodiefetzen" mit denen das Ohr gequält wird auch nicht als dass die Melodie einem lange im Ohr hängen bleiben würde.
KURZ VOR DER SONNE - 3:15
EIn miniriff hat hier keine Chance, sich zu entfalten-direkt legt der Gesang los..................
und naja wieder das Juli Standardthema, wie oft wirds auch hier überstrapaziert: Ruhige Strophen, pseudorockiger Refrain...........
Interessant der versucht mit Reggaerythmen das ganze etwas aufzufrischen, was dem ganzen eine ganz eigene, doch irgendwo interesseriende Note gibt, vielleicht nicht aufregend, aber doch nett diese Kombination, auch wenns nicht ganz passen will,macht dieses Element den Titel zum einzig irgendwie spektakulären, Neuen Einfluß auf dem Album.
Du siehst di Tage, siehst die Stunden,
wie sie an dir vorüber ziehen.
Und irgendwann schließt du die Augen.
Es scheint dich nicht mehr zu berühren.
Alles was dir so viel Wert war,
liegt am Boden, ist zerstört.
Du willst jetzt einfach nur noch raus hier.
Es gibt nichts mehr, was dich hält.
ICH VERSCHWINDE-3:40
Nett,poppig, ja , so fängt es an...........und hätte besser so herrlich belanglos,aber auch emotionslos bleiben sollen,denn was folgt ist nicht unbedingt ein Genuß: Sinnlos schrammelnde Gitarren zu samtigen Gesang, passt nicht so recht,will nicht so recht passen und wirkt so als wäre wem das Lied an sich zu nett gewesen. Schade,denn so sind die sinnlosen Wechsel an der Tagesordnung, doch auch die hätten, mit gutem Gitarrensound verbunden, noch erträglich sein können. Mit Gitarren, die so klingen wie die einer zehntklassigen AC /DC Coverband, ist das jedoch denkbar nicht der Fall, und der vermeitliche Titelinterne Höhepunkt mit den riesigen Gesangsausbrüchen entpuppt sich als der klägliche Versuch,das ganze mit einer agressiven Klangfarbe zu versehen.
Und ich weiß,
dass alles in dir schreit,
weil gar nichts von mir bleibt.
Ich verschwinde…
........was sagt uns das? Richtig, man will philosophisch sein,ohne es zu können.......*seufz*
WENN DU LACHST- 3:48
Ja, hier will jemand tiefste Depression,tiefste Melancholie erzeugen.................was nicht so recht klappen kann und will. Ein schweres Klaviergeklimper reicht leider nicht,man brächte dazu noch eine Stimme von Format, Leute von Format in der Band und einen griffigen Text der SInn macht:
Kalter Wind in meinem Herzen,
Kalter Wind in meinem Haar.
Kälter als hier unten wird's nicht mehr…
Niemals wird's so werden, wie es war…
.............Belangloser Teeniepop mit verkrampft nachdenklichem Anspruch.
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Kommen wir nun zur Vergleich mit der Referenz.
Rein musikalisch möchte ich nun WENN DU LACHST mit einigen Rosenstolz Balladen vergleichen.
Direkt fällt auf, was auffallen soll..........Ziehen wir als Beispiel zwei klassische ROsenstolz Balladen heran, LAUT und DIE SCHLAMPEN SIND MÜDE.
DIe Schlampen sind Müde, aus der Urzeit von ROsenstolz stammen,beweißt,das auch eine Gruppierung, die sich auf neues Terrain begibt, rumreiches vollbringen kann.
Die Schlampen sind müde überzeugt auf voller Linie- ein intelligenter Text,der gekonnt mit voller Breitseite anspielt auf die Schmalzigkeit französischer Chansons, eine aus dem vollen schöpfende Anna mit massivem Stimmvolumen und faszinierender Klangfarbe, bewußt sparsame Instrumentierung........
Daumen nach oben.
Wenn du lachst kommt dagegen in allen Bereichen dünn daher............
dünne Stimme mit wenig Klangfarbe, die vom Klavier übertönt wird..............
Dass die Stimmung nicht rüberkommt, das der Inhalt leer ist........das ist wohl selbstverständlich.
...Noch besser fälltes beim Vergleich mit Laut auf.........Laut von Rosenstolz ist sozialkritisch, vordernd, trotz der Langsamkeit einer Ballade treibend.........
Aber ok, es mag verdammt unfair sein, die Balladen mit Rosenstolz zu vergleichen.
Bedienen wir uns also der zweiten Referenz, Kettcar, und dem 2002 erschienen Album DU UND WIEVIELE VON DEINEN FREUNDEN, ein Freudenfest des Deutschrock.
Überzeugend hier neben den intelligenten Texten:
Volle,satte Gitarrenriffs mit hohem Wiedererkennungswert und gutem Klang.
Und genau das fehlt Juli neben vielen anderen Dingen.........
ZUM SCHLUß NOCH EIN PAAR WORTE ZUR AUFMACHUNG:
So richtig übergestylt kommt die Ganze CD samt Cover und Booklet daher, als hätte man unbedingt flippig sein wollen..........aber sein wollen reicht nicht.......
der seltsame Stilmischmasch ist auf jeden Fall in meinen Augen gründlich misslungen.
Deshalb Mein Fazit:
Juli ist was für kleine Schulmädchen, die gerade die Liebe zu echter Musik entdeckt haben,sonst aber nichts.
Das mag sehr abfällig klingen,ist aber meine Meinung.
Die Texte sind primitiv, naiv und stellenweise peinlich,die Riffs albern, die Liedstrukturen sind nur sich ständig wiederholender Unfug ein und desselben Themas...................
Und so bleibt nur zu hoffen, dass dieser Trend bald ein Ende nimmt.
Anmerkungen:
Der Stern ist Resultat eines nutzbaren Liedes und meiner Liebe zur deutschen Sprache-denn allein das eine Band mit kommerzieller Ausrichtung deutschsprachige Musik singt ist mir das wert.
Und ich besitze die Cd nicht sndern hab sie mir geliehen um sie längere Zeit durchzuhören,was viele Nerven kostete.......
Desweiteren hoffe ich,dass ihr die Bewertung dieses Berichtes negativ ausfallen lasst weil ihr Juli ach so toll findet.
Ansonsten, vielen Dank für die Aufmerksamkeit
><))*>
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