Pro:
Total spannend...muss man einfach selbst gelesen haben :)
Kontra:
hat leider nur 450 Seiten ;)
Empfehlung:
Ja
"An einem Nachmittag im Sommer ging Jane Whittaker zum Einkaufen und vergaß, wer sie war..." Mit diesem Satz beginnt Joy Fieldings 'Lauf, Jane, lauf', welches 1992 in Deutschland das erste mal released wurde. Bekannt ist die Autorin bestimmt und wer noch nichts von ihr gelesen hat, kennt vielleicht wenigstens die Verfilmung ihres Buches 'Ein mörderischer Sommer'. Die Bestsellerautorin schreibt packende Psychothriller, die wohl hauptsächlich die weiblichen Leser ansprechen dürften. Ich habe schon einige Bücher von Joy Fielding gelesen, aber dieses war für mich immer eines ihrer spannendsten...und zählt auch zu meinen Lieblingsbüchern.
Mitten im geschäftigen Boston findet sich eine junge Frau wieder. Sie weiß nicht wie sie heißt, woher sie kommt oder wohin sie will - sie hat vergessen wer sie ist! Ok, keine alltägliche Situation, aber dennoch nicht die Ungewöhnlichste...doch es kommt ja noch besser...
In ihren Manteltaschen findet sie nämlich ein paar hübsche Bündel Banknoten; zehntausend Dollar um genau zu sein. Zu dem hat sie ein blutbeflecktes Kleid an. Also wären da erst mal ein paar Fragen für sie zu klären: Wie kommt sie an soviel Geld? Warum ist Blut auf ihrer Kleidung? Und das Wichtigste, wer ist sie überhaupt?
Doch wie es der Zufall soll will klärt sich gerade letztere Frage ziemlich schnell, denn als sie sich in einem Krankenhaus untersuchen lässt wird sie von jemandem erkannt. Immerhin weiß sie nun, dass sie Jane heißt, Mutter ist und zudem die Frau des erfolgreichen Kinderchirurgen Michael Whittaker. Dieser nimmt sie auch gleich mit zu sich nach Hause, wo er sich vorbildlich um sie kümmert und rund um die Uhr pflegt. Fast schon erdrückend diese Fürsorge! Die Ärzte haben bei Jane 'hysterische Amnesie' diagnostiziert. Was bedeutet, dass man sein Gedächtnis verliert, da man seine Vergangenheit nicht bewältigen kann. Der Gedächtnisverlust als eine Art Flucht vor dem Erlebten...so zu sagen. Nun will Jane natürlich rausfinden was vorgefallen ist?...was so schlimm war, dass sie lieber vergisst wer sie ist, anstatt sich damit auseinander zu setzen.
Leider will sich Jane´s Erinnerungsvermögen auch nach mehreren Wochen nicht einstellen. Ausser ein paar Träumen in denen sie Szenen aus ihrer Vergangenheit sieht, erinnert sie sich an nichts. Auch die Medikamente die ihr Michael täglich verabreicht helfen nicht. Im Gegenteil, Jane verliert immer mehr den Mut...wird depressiv und lethargisch. Sie hat kaum noch Hoffnung, zieht sich immer mehr in sich zurück. Die Fragen quälen sie aber weiterhin. Von dem blutverschmierten Kleid und dem Geld, das sie bei sich trug hat sie Michael nie was erzählt. Ausserdem wird sie von Tag zu Tag körperlich schwächer, dabei ging es ihr, bevor sie nach Hause kam gar nicht schlecht. Liegt es an den Medikamenten die man ihr verabreicht? Wenn sie wenigstens mit ihren Freunden Kontakt aufnehmen könnte, doch Michael sagt ihr sie müsse sich schonen. Verheimlicht er etwas vor ihr? Und wieso hat sie in all der Zeit ihre Tochter noch nicht gesehen?
Langsam aber sicher, hat Jane das Gefühl Teil eines teuflischen Plans zu sein...
Man stellt sich während des Lesens unendlich viele dieser Fragen...und die grausame Wahrheit findet sich nur Stück für Stück. Einzig der Gedanke an ihre Tochter hält Jane davon ab nicht aufzugeben. Sie begibt sich selbst auf die Suche nach den Antworten...gleichzeitig beginnt damit ein Alptraum für sie, für den Leser wird es jedoch richtig spannend. Denn was Jane herausfindet hätte sie vielleicht lieber gar nicht gewusst...
Was mir so gut an dem Ganzen gefällt ist, dass sich der Spannungsaufbau durch das ganze Buch zieht und eigentlich schon auf der ersten Seite beginnt. Man ist direkt mitten in der Geschichte, ohne das man sich großartig einlesen muss und ewig Zusammenhänge vorher geschildert werden. Denn alles was man wissen muss, erfährt man nach und nach...zusammen mit der Protagonistin. Man weiß nicht mehr als sie, sondern hat die Gelegenheit erst mal selbst seine eigene Theorie zu den Geschehnissen aufzustellen...es regt einen einfach zum Mitdenken an. Man stellt sich diese ganzen Fragen beim Lesen und das macht es viel interessanter, als wenn einem alles vorgekaut wird. Wenn man beispielsweise einen Film schaut, hat man oft viel mehr Informationen als die Figuren in der Geschichte (man nennt das omnipotent oder? *g*), was einem etwas die Überraschung nimmt, bei Joy Fielding´s Werk erlebt man aber oft unerwartete Wendungen.
Die Autorin hat auch den Dreh raus, wie man wirklich fesselnd schreibt, so dass es einem schwer fällt wieder mit dem Lesen auf zu hören, wenn man erst mal zum Buch gegriffen hat. Dadurch das man sich ständig fragt was dieses und jenes für eine Bedeutung hat, wie es im Zusammenhang steht und was es für eine Rolle im Gesamthandlungsstrang spielt ist man quasi gezwungen weiter zu lesen.
Was natürlich ins gesamt alles sehr positiv bisweilen ausfällt - aus meiner Sicht zumindest - für die Nerven allerdings weniger gut ist. Denn man kann sich sehr gut in die Protagonistin hineinversetzen und leidet dadurch quasi mit ihr. Besonders durch die Verkettung der Umstände: Je größer die Gefahr wird und je mehr sie sich der Wahrheit nähert, desto schutzbedürftiger ist Jane. Das Ganze steigert sich antiproportional, soll heißen in dem Ausmaß in dem die körperliche Verfassung abnimmt, nimmt die Gefahr zu...und die Hilflosigkeit zehrt doch schon sehr an den Nerven des Lesers.
Also alles in allem, sehr lesenswert. Und auch wenn die Rollenverteilung von Bösewicht und Heldin recht typisch und Klischee-behaftet ist, hebt sich das Buch doch von der Masse ab. Wie gesagt, ist das nicht das einzige Buch das ich von Joy Fielding kenne...drum kann ich auch einen direkten Vergleich zu ihren bekanntesten Werken ziehen. Ich finde sie schreibt durchweg spannende Storys, aber 'Lauf, Jane, lauf' schneidet neben 'Flieh, wenn du kannst' am besten ab - nach meiner Meinung zumindest.
Für Leute die sich im Genre 'Thriller' eh zu Hause fühlen unbedingt empfehlenswert, für alle anderen natürlich auch... ;)
- ISB N 3-442-41333-8
- ca. 6 Euro als Taschenbuch
Merci für´s lesen
©ChopSuey weiterlesen schließen
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