Pro:
schnell und günstig
Kontra:
zu wenig Linienflugverbindungen
Empfehlung:
Ja
Seit ich vor über 16 Jahren ins Osnabrücker Land zog, nenne ich den Flughafen Münster/Osnabrück (kurz FMO genannt) meinen "Hausflughafen". Allerdings fliege ich nicht immer von dort - und auch NICHT immer öfter.
In diesen 16 Jahren hat FMO eine beachtliche Entwicklung durchgemacht - von einem besseren "Flugplatz" (Betonpiste mit Abfertigungsbaracke) zu einer Installation, die sich großmundig "... International" nennt. Trotzdem: die Wege sind immer noch kurz, die Abfertigung zügig, Parken nicht mehr gratis aber immer noch relativ günstig.
Ein paar Daten: 40 Minuten vor dem Abflug einzuchecken ist ausreichend. Kurzparken bis 15 Min. ist kostenlos. 10 Tage auf dem Langzeitparkplatz kosten derzeit € 29.50, jeder weitere Tag 1 €. Busse von und zu den Bahnhöfen von Münster sowie Osnabrück verkehren nach Fahrplan etwa alle ein bis zwei Stunden. Früher musste man den Bus von oder nach Münster telefonisch bestellen; das ist jetzt nicht mehr nötig, der private Kleinbus im Auftrag der Stadtwerke Osnabrück fährt auch leer seine Strecke (und das kommt gar nicht so selten vor).
Trotz der Neubauten und Erweiterungen wirkt die Flughafenanlage architektonisch recht einheitlich, nicht luxurös aber hell, zweckmäßig und aufgeräumt. Ein milchiges Blaugraugrün ist die vorherrschende Farbe . Auch die gut strukturierte und informative Webseite www.fmo.de ist in diesem Ton gehalten, und schließlich findet er sich auch in Werbematerialien (Kugelschreiber, Streichholzschachteln) sowie kostenpflichtigen Fanartikeln (Badelaken, Mützen etc.) wieder.
Wobei wir bereits bei der hauptsächlichen Kundengruppe angelangt wären: den Gelegenheitsfliegern, die einmal pro Jahr in den Urlaub fliegen oder - von günstigen Angeboten angelockt - sich vielleicht noch ein paarmal eine kurze Städtereise genehmigen. Zu dem Thema später noch mehr.
Für den Geschäftsreisenden, der wie ich Anschlüsse zu internationalen Verbindungen braucht, ist das Angebot dünner geworden. Die Hubs München und Frankfurt werden mehrmals täglich angeflogen - aber das ist es dann auch schon. Die Flüge von Swiss nach Zürich wurden vor knapp drei Jahren eingestellt, als Swiss zum ersten mal sein Streckennetz zusammen strich. Eurowings fliegt auch nicht mehr nach Amsterdam, seit die Kooperation mit KLM gekündigt wurde und sich Eurowings unter die Fittiche der Lufthansa begab. Direktflüge nach Wien, dem dritten größeren Knotenpukt der Star Alliance in Mitteleuropa? Fehlanzeige! Die Flüge, die Air Berlin nach Wien anbietet, sind keine Alternative, weil mit dieser Fluggesellschaft kein Codesharing Abkommen besteht, Tickets also teuer werden. Die Konsequenz: ich muss nach wie vor viele meiner Flüge in Düsseldorf beginnen bzw. enden lassen.
Für diese Reduzierung der Flugverbindungen habe ich allerdings Verständnis - manchmal waren es wirklich nur drei oder vier weitere Fluggäste, die mit mir zusammen von Amsterdam oder Zürich flogen.
Betriebswirtschaftliche Vernunft setzt sich also langsam durch - volkswirtschaftliche noch lange nicht.
Wie kann es sein, dass Flüge so billig angeboten werden? Effektiveres Arbeiten der Billigfluganbieter? Zweifellos; und dies verbunden mit Gehaltsstrukturen, die sich mehr an den Arbeitsmarkt orientieren als an das Besitzstanddenken der Gewerkschaften. Unkonventionelle Preissysteme? Bei Air Berlin sicherlich, wenn man Pech hat, wird das Ticket teurer als bei Lufthansa (aber dafür ist ja auch der Service besser).
Aber das ist noch nicht alles. Es gibt ja kaum einen Wirtschaftszweig in unserer Republik, der nicht subventioniert wird. Der Flugverkehr gehört dazu. Einmal über steuerfreien Kraftstoff, zum anderen über besonders günstige Flughafengebühren, über die sich die öffentlichen Flughafengesellschaften gegenseitig die Fluggäste abzuwerben versuchen. Nur ab und zu klagt dann ein Flughafen (nachdem er selber hunderte von Millionen an Fördergeldern eingestrichen hat), dass Konkurrenzflughäfen die Fluggesellschaften mit nicht kostendeckenden Gebühren abzuwerben versuche.
Das Werben um den Fluggast zeigt sich auch im Service der Lounge: wo es in Frankfurt für Vielflieger nur Gummibärchen, Erdnüsse und weiche Kekse gibt, werden in FMO knusprige belegte Brötchen angeboten - die gleichen,für die Otto Normalflieger draußen 3,50 € bezahlt. Außerdem steht ein PC zum kostenlosen Surfen zur Verfügung. Dafür komme ich gerne der Aufforderung entgegen, doch bitte hinterher mein Geschirr zu dem Abstelltisch zu bringen.
Gleichzeitig zu FMO wurden z.B. Dortmund und Lippstadt/Paderborn großzügig ausgebaut - alle drei Flughäfen liegen in einem Umkreis von knapp 100 Kilometern. Dabei ist ein Flughafen "auf der grünen Wiese" aus Umweltgründen nicht verkehrt: im dünnbesiedelten Emsland (also dort wo FMO liegt) gibt es außer ein paar Kühen kaum jemanden, den nächtlicher Fluglärm stören könnte.
Sinn würde solch ein abgelegener Standort, der Nachtflüge erlaubt, z.B. für Luftfracht machen. Der Flughafen Köln/Bonn hat es wohl recht erfolgreich geschafft, sich hier zu etablieren. Das Frachtaufkommen in FMO ist dagegen marginal - wie sollte es auch anders sein, wenn kaum Frachtmaschinen den Flughafen anfliegen und als Linienmaschinen nur kleine Canadair Jets oder ATR 42 Turboprops fliegen?
Wieder kann ich sagen, dass das für mich als Privatkunde postiv ist. Ich habe ja nur ab und zu ein wenig Luftfracht aus einer Haushaltsauflösung im Ausland abzuholen. Während mir in Düsseldorf gesagt wurde: "Füllen Sie dieses Formular hier aus. Wenn Sie nicht wissen, welche Codes einzusetzen sind - eine Etage höher sitzen die Spediteure, die machen das gegen Gebühr - und dann kommen Sie bitte wieder, damit wir die Gepäckstücke kontrollieren können" hieß es in FMO beim Zoll: "Was, Sie haben eine Packliste vorbereitet? Dürfen wir die hier abheften? Wunderbar, dann können Sie gleich aufladen und rausfahren."
Ja, in FMO freut man sich noch auf jeden Kunden und bedient ihn zuvorkommend. Wenn es trotzdem häufig zu Unpünktlichkeiten kommt, dann ist dies meist „höhere Gewalt“. Die hat, wie der aufgeklärte EU-Bürger weiß, ihren Sitz in Brüssel. Und wirkt sich so aus, dass, wenn der Himmel über Frankfurt mal wieder dicht ist, die Flüge der kleinen Maschinen von und nach FMO zurückgestellt werden. Im August diese Jahres passierte es mir zweimal, dass wir schon alle angeschnallt im Flieger saßen, aber dann noch über 30 Minuten warten mussten, bis die Startgenehmigung aus Brüssel gegeben wurde.
Etwas geheimnisvoller war dagegen, was mir kurz vor Weihnachten 2001 passierte, im Jahre des September 11. Die ersten Vorboten kamen in November. Aus Jordanien kommend, wollte ich mit dem ersten Flieger von Frankfurt nach FMO fliegen. Der Flieger war pünktlich gelandet, bekam aber keine Starterlaubnis: Grund: er musste erst geputzt werden, denn beim Start in FMO war er durch eine Gruppe von schlafendem Wassergeflügel gerauscht, das sich, auf der Reise von Skandinavien in wärmere Gefilde, ausgerechnet die Startbahn des Flughafens zur nächtlichen Ruhestätte ausgesucht hatte.
Ob es nun die treuen Graugänse waren, Al Qaida’s Anschlagsversuche auf startende Maschinen in Nairobi und London oder einfach nur ungenügende Buchungszahlen – die ersten und letzten Flüge von München und Frankfurt wurden in diesem Winter ersatzlos gestrichen (so dass die Maschinen auf den besser bewachten Flughäfen von MUC und FRA übernachten konnten). Das Dumme dabei war, dass es weder auf der Webseite von FMO noch auf der von Eurowings (als durchführende Fluggesellschaft) irgendein Hinweis darauf gab. Genauer gesagt: bei FMO waren die Flüge kommentarlos herausgenommen worden, bei Eurowings stand dagegen immer noch der alte Flugplan. Die örtlichen Büros der Fluggesellschaften waren ratlos: da hatte ich doch Tickets für einen Flug, den es überhaupt nicht gab. Erst nach direktem Kontakt mit unserem Reisebüro in Deutschland konnte die Sache geklärt und mein Flug nach Düsseldorf umgebucht werden. Ein Flug in die "Pampa" ist eben doch immer noch ein wenig mit "Abenteuer" verbunden. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben