Pro:
fesselnd
Kontra:
es gibt bessere Follett-Romane, zu viele Handlungsstränge
Empfehlung:
Ja
Im Moment bin ich gerade dabei, einige Ken-Follett-Romane das zweite Mal zu lesen. Jetzt war Dreifach an der Reihe, eine Spionagegeschichte. Beim ersten Versuch habe ich (soweit ich mich erinnere) die Geschichte ziemlich verschlungen. Jetzt kommen also die Eindrücke, die ich beim zweiten Lesen gewonnen habe.
SCHAUPLATZ UND ZEIT:
Das ist gar nicht so einfach festzumachen. Der erste Schauplatz des Romans ist Oxford, England. Teile der Geschichte spielen aber auch in Israel, in Ägypten, Moskau, Luxemburg, in Frankreich und auf dem Meer. Alles beginnt Anfang November 1947, die meiste Handlung findet im Jahre 1968 statt und Dreifach endet 1974.
HAUPTFIGUREN:
Follett ist bekannt dafür, mehrere Handlungsstränge parallel zu schalten. Hier hat man es mit extrem vielen Figuren zu tun, die im Verlaufe des Romans sehr wichtig sind. Ich versuche, sie zuerst zu skizzieren, denn ansonsten würde es wahrscheinlich bei einem Kurzabriß des Romans schwer fallen, alle zu zu ordenen.
NAT DICKSTEIN:
Letztendlich stellt man fest, dass das allergrößte Gewicht auf ihm liegt, auf Nat Dickstein, einem eher unscheinbaren Juden. Er ist klein, schmal, mit Brille, erscheint zu Beginn geradezu ausgemergelt und entspricht damit so gar nicht dem Bild eines strahlenden Helden. In England ist Dickstein geboren und aufgewachsen. Im zweiten Weltkrieg war er von den Nazis interniert und zu Versuchen mißbraucht worden. Mit der Zeit findet Dickstein in Israel eine neue Heimat, arbeitet für den Mossad, den israelischen Geheimdienst als einer der Top-Spione. Durch die schmerzhaften Erfahrungen während seiner Internierung ist er alleinstehend geblieben, kann daher ohne Rücksicht auf Gefühle, Frauen, Beziehungen seine Missionen erfüllen. 1968 erhält er einen neuen, für Israel entscheidenden Auftrag.
Vielleicht gerade weil Dickstein nicht dem typischen Bild eines glorreichen Helden entspricht, wirkt er sympathisch. Andererseits fehlt ihm dadurch aber ein wenig Charisma, das andere Hauptfiguren haben. Und die Figur hat ein Manko: Auch wenn sie im Endeffekt die wahrscheinlich wichtigste in Dreifach ist, nimmt sie nur geringfügig mehr Raum ein als die anderen Charaktere, der Leser kann daher nicht vollständig mit Nat mitfiebern, sondern muss auch immer wieder erst einmal die Erlebnisse der anderen Charaktere verfolgen.
DAVID ROSTOW:
Sein Vorname klingt zwar ebenfalls israelisch-jüdisch, sein Nachname weißt aber auf seine tatsächliche Herkunft hin: Rostow ist Russe. Man ahnt es vielleicht schon (weil es sich um eine Spionage-Geschichte handelt): Rostow arbeitet für den KGB. Früher war auch er in Oxford, jetzt (1968) versucht er, im russischen Geheimdienst nach oben zu kommen. Seine Familie, Frau und zwei Söhne, macht dabei nur einen kleinen Teil im Leben des Russen aus. Immer wieder ist er froh, wenn er aus Jobgründen von ihnen weg kommt. Als höheres Tier im KGB, so hofft er, kann er noch mehr Privilegien erhalten und somit ein besseres Leben führen.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss David Rostow seinen früheren Mitstudenten Dickstein ausschalten. Und dazu setzt er alle Hebel in Bewegung.
Ein Stück weit kann man auch mit ihm mitfühlen. Doch während die weiteren Charaktere in anderen Follett-Romanen relativ lange auch interessant wirken, wird mir Rostow doch relativ schnell suspekt ...
YASIF HASSAN:
Der Araber ist der dritte im Bunde der früheren Oxford Studenten. 1947 hatte er eine Affäre mit der Frau des gemeinsamen Professors Ashford. 1968 arbeitet er für eine Bank in Luxemburg. Seine Familie hatte ihr Zuhause verlassen, asl der Staat Israel ausgerufen wurde, seitdem lebte der einst wohlhabende Vater in einem Flüchtlingslager. Entsprechend verbittert ist Hassan. Nebenbei ist auch er für den ägyptscihen Geheimdienst tätig, aber nur als ganz kleiner Fisch. Als er per Zufall Dickstein in Luxemburg wieder sieht, erkennt er seine Chance. Denn gemeinsam mit den Palästinensern will er sein eigenes Ding drehen ...
Doch Hassan ist weit weniger clever als Dickstein oder Rostow. Das wird ihm immer wieder beweußt.
SUZA ASHFORD:
Jeder, der die Tochter des Oxford-Professors kennen lernt, stutzt: Denn die junge Frau ähnelt verblüffend ihrer Mutter. Entsprechend schockiert reagieren auch Dickstein, Rostow und Hassan jeder für sich, als sie sie sehen ... Suza arbeitet als Stewardess. Als sie Nat begegnet, entwickelt sich mehr zwischen ihnen ... Doch sie ist auch halbe Araberin, es scheint für manche unklar, auf welcher Seite sie steht.
Suza steht für eine Zutat, die bei Follett auch nicht fehlen darf, für die Liebe. Dabei erfüllt sie nicht nur die Funktion einer Frau, die irgendwie schmuck wirkt. Sie ist gerade dadurch, dass sie als Halb-Araberin und als Frau, die Dickstein liebt, zwischen zwei Stühlen steht, ein ganz interessanter Charakter.
DIE GESCHICHTE:
In Oxford studieren einige junge Männer aus aller Welt, unter ihnen Dickstein, Rostow und Hassan. Sie alle bewundern die wunderschöne Frau des Professors. 19 Jahre später haben sie wieder miteinander zu tun. Jeder von ihnen arbeitet für einen anderen Geheimdienst. Dickstein, der inzwischen in einem Kibuz lebt, soll für Israel Uran stehlen. Damit soll eine Atombombe gebaut werden. Geschickt sucht er nach Möglichkeiten, an dieses Material zu gelangen, recherchiert bei der Atomenergiebehörde Euratom, in einem Kraftwerk, besorgt sich Listen über Transporte und feilt schließlich einen Plan aus einige Fässer Uran zu stehlen.
In Lusemburg unterläuft ihm ein fataler Fehler: Als Dickstein (der mit falscher Identität unterwegs ist) gerade im Hotel auschecken will, begegnet ihm Hassan. Dem erscheint die Situation suspekt, er informiert den ägyptischen Geheimdienst.
Auf Seite der Russen will auch David Rostow verhindern, dass Dickstein Erfolg hat. Er erhält den befehl, mit Hassan zusammen zu arbeiten, was er nur sehr widerwillig tut. Denn Rostow ist clever, ehrgeizig und abgebrüht, Hassan hat weit weniger Erfahrung, denkt weniger vorausschauend und wirkt wesentlich dümmer.
Professor Ashford wird für Dickstein und Hassan eine Anlaufstelle, Dickstein, der seit er im zweiten Weltkrieg zu Versuchen mißbraucht worden war, keine Frau mehr hatte, verliebt sich in die schöne Suza. Doch die Liebe bringt ihn ein Stück weit aus dem Konzept. Obwohl es ihm schwer fällt, muss er sie wieder verlassen, um seinen Auftrag durchzuziehen und seinen Verfolgern zu entkommen. Doch Rostow erfährt immer mehr Details von Dicksteins Plänen, ein Schiff mit Uran-Ladung zu kapern und entwickelt eine Strategie, den Israeli auszuschalten ...
DER ERZÄHLSTIL:
Auch in diesem Roman wählt Ken Follett parallele Handlungsstränge. Darin kommen aber nicht nur die gerade erwähnten Figuren vor, sondern noch einige mehr, die aber im Laufe der Geschichte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Doch durch die vielen Charaktere verliert man als Leser zeitweise den Überblick und auch die Lust am Lesen. Denn eigentlich möchte man bei den Hauptfiguren bleiben, erleben, wie sie im Laufe der Handlung weiter kommen. Doch statt dessen wird man auf Seitenwege geführt, die die die Geschichte ausbremsen. Schade eigentlich!
SPANNUNGSFAKTOR:
Die Tatsache an sich, dass es sich um einen Spionage-Roman handelt, in dem verschiedene Geheimdienste miteinander konkurrieren und versuchen, einander auszuschalten, sorgt sicher schon für Spannung. Und auch die Figur Dickstein trägt dazu bei, dass man trotzdem gerne weiter liest.
VERLAG UND PREIS:
Ich habe auch Dreifach in einem Bastei-Lübbe-Doppelband vor ein paar Jahren gekauft, also in einer Sonderausgabe, zusammen mit Der Schlüssel zu Rebecca. Diese beiden Romane waren für 15 DM zu haben, ein ausgezeichneter Kurs, denn beide Geschichten umfassen jeweils mehr als 400 recht dicht bedruckte Seiten. Inzwischen ist Dreifach wahrscheinlich für rund 10 Euro im Buchhandel.
FAZIT:
So ganz begeistert hat mich dieser Follett-Roman nicht. Auch hier ist zwar unverkennbar der Reiz da, immer und immer weiter zu lesen. Doch der tritt mal stärker auf, mal verschwindet er, weil gerade mal wieder auf einen Handlungsstrang verwiesen wird, der für mich eher uninteressant wirkt. Allen Leuten, die noch keinen Follett kennen, würde ich daher erst einmal zu Die Säulen der Erde oder Der Dritte Zwilling raten. Von mir gibt es für Dreifach eine mittlere Wertung und eine Empfehlung. weiterlesen schließen
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