Pro:
alles bis auf ein Kontra
Kontra:
die Hauptdarstellerin Hannah Schygulla wirkt für die Rolle zu alt
Empfehlung:
Ja
===Wie ich auf die Idee kam, mir Effi Briest anzugucken===
Monatelang habe ich im Deutsch LK ,,Effi Briest" als Thema gehabt.
Letzte Woche habe ich eine Klausur darüber geschrieben und genau
aus diesem Grund habe ich mir die Verfilmung von Effi Briest
geliehen und angeschaut.
Es gibt viele Verfilmungen vom gesellschaftlichen Eheroman
Effi Briest, u.a. eine von Gustaf Gründgens, der in einer Faust-
Verfilmung den bösen Mephisto verkörperte.
Die beste Verfilmung scheint jedoch die von Rainer Werner
Fassbinder zu sein, was auch viele Lektürehilfen bestätigen.
Besonders gelobt wird der Film, weil es sehr buchgetreu ist
und die wichtigsten Elemente und Symboliken im Film
hervorhebt.
:::::V.I.I. - Very Important Information:::::
Darsteller: Hanna Schygulla, Ulli Lommel
Regisseur: Rainer Werner Fassbinder
Format: Dolby, HiFi Sound, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 1.0)
Bildseitenformat: 4:3
Farbe: Nein, schwarz-weiss
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Kinowelt Home Entertainment/DVD
DVD-Erscheinungstermin: 24. Mai 2005
Spieldauer: 135 Minuten
DVD Features:
* Biographie Rainer Werner Fassbinder
* Fotogalerie
* Porträt des Künstlers RWF 1977 (29 Min.)
* Trailer
:::::Handlung:::::
Effi Briest ist 17 Jahre alt und ein gut erzogenes Dorfmädchen,
das die Natur liebt und gerne mit ihren Freundinnen spielt.
Eines Tages besucht der 21 Jahre ältere Geert von Instetten;
der früher mit Effis Mutter liiert war, ihre Familie und hält um
Effis Hand an. Effi lässt sich von ihrer Mutter, die im Interesse von
gesellschaftlicher Anerkennung und Wohlstand ist, zur
Eheschließung überreden und kommt prompt in die Rolle
einer verheirateten Frau.
Da Instetten ein Karrierist ist und die junge Effi auf Grund von
Beruflichem immer allein zuhause lässt und ihr mit Spukgeschichten,
die er als Erziehungsmittel nutzt, Angst macht, fühlt sich Effi
in ihrer Ehe unwohl und einsam.
Der einzige Freund, dem sie ihre Seele ausschütten kann, ist
der Apotheker Gieshübler.
Die Liebe und Zärtlichkeit suchende Effi findet Trost und Anerkennung
bei Crampas, einem Bekannten von Instetten.
Dieser lebt nicht wie Instetten nach Grundsätzen, sondern glaubt
an Romantik und Liebe. Mit ihm beginnt Effi eine heimliche
Affäre.
Aus Angst und Schamgefühlen trennt sich die inzwischen Mutter
gewordene Effi schriftlich von Crampas und wechselt mit ihrem
Mann und dem Kinde den Wohnort, um die steifen Leute dort
und den Fehler, den sie begangen hat, zu vergessen.
Sieben Jahre später findet Instetten zufällig Briefe in Effis
Nähschrank, deren Verfasser Crampas ist und bemerkt,
dass die inzwischen schon gelb gewordenen Briefe
Beweise einer Affäre seiner Frau sind.
Schnell trennt er sich von Effi und fühlt sich dazu verpflichtet,
den ehemaligen Freund Crampas erschießen zu müssen,
da man ihn in der Gesellschaft sonst als ehrlosen Mann
sehen und ausgrenzen würde.
Im Duell tötet Instetten Crampas zwischen den Dünen,
da wo dieser sich immer mit Effi heimlich getroffen hat.
Nach dem Duell ist nach Instetten seine Ehre widerhergestellt,
doch sein Unglücklichsein vergeht nicht.
Der Roman und der Film enden mit dem tragischen Tod Effis
und der Resignation Instettens.
Filmische Umsetzung
Der Film ist in schwarz-weiß und ist an idealen Orten gedreht
worden, die ziemlich auf die Ortsbeschreibungen im Roman von
Fontane zutreffen. Am Einführungsszene ist mit dem ersten Kapitel
im Roman identisch und auch die Dialoge gleich, auch wenn
viele Teile fehlen.
Fassbinder hat geschickt die Elemente hervorgehoben, die
für die Handlung und auch für die Interpretation von großer
Relevanz sind. Effi schaukelt zum Beispiel am Anfang,
was auch im Film am Anfang und nach der Scheidung von Effi
gezeigt wird. Diese Schaukelszenen sind wichtig, um zu betonen,
dass Effi am Anfang ein kindliches, verspieltes Mädchen ist und
nach der gescheiterten Ehe, in der sie die Wendung zur Frau erlebte,
im Dorf wieder wie im Kindesalter verspielt schaukelt und sich
wohl fühlt.
Auch der Chinesenspuk, ein interessantes Detail aus dem Roman,
das die kühle Beziehung zwischen Effi und Instetten verdeutlicht,
kommt im Film nicht zu kurz.
Der Film zeigt die gesellschaftlichen Verhältnisse in Preußen,
zur Zeit als Otto von Bismarck regierte und kritisiert mit ihrer
Darstellung die Gesellschaft, die auf die Menschen Druck ausübt
und den Ehrenkodex höher als menschlich-natürliche Bedürfnisse
stellt.
:::::Meine Meinung:::::
Die Handlung möchte ich nicht kritisieren, da es in meinem Bericht
nicht um Fontanes Roman, sondern um die Verfilmung geht.
Die Verfilmung an sich finde ich sehr gut, da sie unwichtige,
langweilige Details auslässt und wichtige Schlüsselszenen
mit klassischer, edler Musik unterstreicht, u.a. die Mondscheinsonate
von Beethoven.
Besonders gut gefällt mir die Wahl der Darsteller, da sie sogar
optisch sehr gut zu ihren Rollen passen.
Bei der Schauspielerbesetzung ist mein einziger Kritikpunkt,
dass Hannah Schygulla, die Darstellerin von Effi Briest zu alt wirkt.
Am Anfang des Filmes ist Effi 17 aber Hannah Schygulla sieht
aus wie Anfang 30. Doch das macht sie mit ihrer Schauspielkunst
wieder gut. Besonders beeindruckend ist ihr Tonfall und die Art, wie
sie redet. Die Monologe, die sie im Film führt, habe ich mir immer
gerne angehört. Die verspielte als auch die am Ende resignierende
Effi, wird von Hannah Schygulla sehr authentisch rübergebracht.
Manchen Charakteren konnte ich keine Sympathie zollen,
da sie ziemlich konservativ eingestellt sind und durch ihre
Mimiken, Gestiken etc. wirklich nur Abneigung ernten, aber
da dies bewusst gemacht worden ist, sehe ich es als Erfolg.
Des Weiteren find ich es gut, dass Fassbinder vor wichtigen
Szenen immer längere Titel und wichtige Zitate einblendet.
Das gibt dem Film etwas Individuelles.
Für diejenigen, die Effi Briest schon einmal gelesen haben,
mit Sicherheit sehenswert!
hier ein paar aussagekräftige Zitate aus dem Film:
"Es ist ein weites Feld." (Effis Vater über ihre Eheschließung)
"Es ekelt mir davor, was ich getan, aber was mich mehr
ekelt, ist eure Tugend." (Effi am Ende)
DANKE FÜR DAS LESEN, BEWERTEN UND KOMMENTIEREN
eure gamze(f) weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben