Pro:
erfrischend, nicht süß
Kontra:
etwas zu salzig, überteuert im Verhältnis zu den einfachen Zutaten
Empfehlung:
Ja
VORSPIEL:
„Ah, wir haben wir ja endlich wieder Lassi im Kühlschrank“ höre ich meine Tochter aus der Küche rufen. „Das ist Ayran und nicht Lassi!“ rufe ich zurück. „Ist doch wohl das gleiche“, erwidert sie, „ich nenne es eben Lassi“.
WAS IST AYRAN ?
Das „türkische Nationalgetränk“ Ayran ist ein Mixgetränk aus Joghurt und Wasser, reichlich mit Salz gewürzt. Da besteht natürlich eine Ähnlichkeit zum indischen Lassi, das ja ebenfalls aus Joghurt und Wasser zusammengequirlt wird, sich dann aber in eine Vielfalt von süßen und salzigen Geschmacksnoten verzweigt.
Der Name Ayran sei übrigens in der Türkei und im Libanon geläufig; das entsprechende Produkt in den angrenzenden Arabischen Ländern würde „Laban“ genannt - behauptet jedenfalls die Seite www.marchelevant.com. Ich persönlich sehe das anders, in Jordanien jedenfalls ist Laban viel sämiger, er erinnert da mehr an mazedonischen „Joghurt“. Der ist allerdings ohne Salz und wird gerne zu fettem Bürek beim Zehn-Uhr-Frühstück getrunken. Jawohl, getrunken. Und sogenannte „Sauermilch“ kommt in Töpfchen und wird gelöffelt.
Das arabische Equivalent zu Ayran ist eher ein Getränk namens „Shahineh“, in Jordanien kostet davon die stabile Kunststoffliterflasche umgerechnet schlappe 60 Eurocents. Gibt es übrigens auch in der Schafsmilchversion, dann ist es ein Drittel teurer und nicht weiß sondern mit Färberdistel hellgelb gefärbt.
DAS ERSTE MAL ...
dass mir das Wort „Ayran“ über die Augen lief war in einem Dönerrestaurant in der Rüttenscheider Straße in Essen. Jawohl, Restaurant - in der Rüttenscheider Straße gibt es keine „Buden“. „Türkische Buttermilch“ stand auf der Tafel über der Theke – ein Begriff, der dieses Getränk ebenso anschaulich wie unpassend beschreibt. Aber immerhin: ein nicht gesüsstes Sauermilchgetränk. Dem Gast soll dies genügen und den Rest soll er erschmecken.
WO FINDE ICH AYRAN ALS FERTIGPRODUKT
Die Randzonen unserer Innenstädte wären vermutlich längst verödet, hätten nicht türkische Lebensmittelläden und Imbisse die frei werdenden Ladenkokale übernommen. In Deutschland hat sich inzwischen eine ganze Industrie entwickelt, die im großen Stil diese Läden beliefert.
Zwei dieser Lebensmittelhersteller, nämlich „Istanbul Feinkost“ in Kerpen (bei Köln) mit der Marke „Emek“ und die garmo AG in Stuttgart (bei Daimler-Chrysler) mit der Marke „Gazi“ beliefern seit Jahren darüber hinaus auch die real.- Warenhauskette. Emek hat sich auf Produkte spezialisiert, die nicht gekühlt zu werden brauchen (wie Tee, Reis und eingelegte Paprikaschonen im Glas). Gazi dagegen produziert Sachen fürs Kühlregal, wie Joghurt, Käse, Wurst (jetzt nicht mehr im Programm) und eben auch Ayran.
Unter www.gazi.de findet man weitere Einzelheiten, auch dass der Firmenchef Eduardo Garcia spanisch-schwäbischer Abstammung ist und überhaupt nicht türkisch kann und auch nicht mehr spanisch sondern nur noch schwäbisch – also noch nicht einmal hochdeutsch. Aber der Mann versteht offensichtlich was von Marketing, jedenfalls beliefert er die „ethnischen Märkte“ (toller Begriff, was? Kannte ich vorher auch nicht) nicht nur in Deutschland sondern gleich noch im benachbarten EU-Raum.
Im Osnabrücker real.- hat man, zwischen Sauerkonserven und der Tierfutterabteilung, extra ein ganzes Regal eingerichtet, wo unsere ethnischen Minderheiten die Ihnen vertrauten Lebensmittel finden. Links für die Türken und rechts für die Russlanddeutschen – anders rum wäre ja auch irreführend. An der Stirnseite wurden die Kühlprodukte angeboten, auch Gazi Ayran. Das war aber meist vergriffen (wohl weil zu gut sichtbar) und nach einem Zwischenaufenthalt in der Nähe der Schwäbischen Schupfnudeln finde ich jetzt mein Gazi Ayran neben den Designer-Joghurts von Nestlé und Danone. Zweifellos ein gelungenes Beispiel für sozialen Aufstieg und gesellschaftliche Integration.
DIE PACKUNG GAZI AYRAN AUF MEINEM SCHREIBTISCH
Gazi Ayran gibt es in zwei verschiedenen Verpackungsformen, dem 250 ml Plastikbecher mit Aludeckel und dem 330 ml Tetrapak „Prisma“. Grundriss und Oberseite dieser Prismenform sind quadratisch, der Querschnitt des recht hohen Kartons jedoch achteckig. Hübsch anzusehen und mit dem weißen Verpackung und den roten GAZI Schriftzug an die vielen anderen GAZI Brüder und Schwestern erinnernd. Der in einer Ellipse dargestellte Code (D – HE 013 – EWG) verrät mir übrigens, dass mein Ayran nicht aus Baden-Württemberg sondern aus Hessen stammt.
Zum Thema Tetra Pak: Der Name rührt wohl von den Halb-Liter Tetraeder Packungen her, die der inzwischen weltweit vertretende Konzern aus Schweden vor mehreren Jahrzehnten als Milchverpackung erfunden hat. Er bezieht er sich aber ebenso gut auf das Patent der Verbundpackung von vier verschiedenen Schichten (1. farbige Polyetylenfolie (PE), 2. Pappe, 3. Aluminium, 4. Transparente PE-Folie). In verschienenen Bakterienbädern liessen sich diese Materialien tatsächlich von einander wieder trennen. Die Gesellschaft Grüner Punkt benutzt jedoch laut Eigendarstellung (www.gruener-punkt.de/Getr_nkekartons.61.0.html) ein anderes Verfahren: die gemahlen Kartons gehen in die Zementherstellung, wobei die Aluschnipsel den Zement verbessern und die Kunstoffteile in „Dampf und elektrische Energie verwandelt“ verwandelt, mit anderen Worten verbrannt werden. In Pakistan geht man den entgegengesetzten Weg: die weggeworfenen und wieder eingesammelten Verpackungen werden z.B. zu Schulmöbeln zusammengepresst.
Zurück aus der Umwelt in die Innenwelt:
WAS IST DRIN ?
55% Joghurt, Wasser, Jodsalz und 3 Stabilisatoren: E 466, E 440 und E 410. Die sind wohl nötig, damit auch nach monatelanger Lagerung nur ein kurzes Schütteln nötig ist, um meinen Ayran in eine völlig homogene Flüssigkeit zu verwandeln. Von der Notwendigkeit einer Kühlung steht übrigens NICHTS drauf, obwohl ich Ayran bislang nur im Kühlregal gefunden habe.
Gefahr durch Chemie? In diesem Fall offenbar nicht. E 410 steht für Johannisbrotkernmehl. Das wird aus Samen des Johannisbrotbaums extrahiert und wirkt allenfalls abführend. E 440 (Pektin) wird aus Preßrückständen der Apfelsaft- oder Apfelweinherstellung hergestellt und sogar von der WDR Hobbythek empfohlen. Und E 466 (Carboxymethyl-Zellulose,) klingt zwar etwas gefährlicher, ich habe aber nichts über unerwünschte Nebenwirkungen gefunden. Es wird übrigens synthetisch aus Zellulose hergestellt und ist typischer Weise in Fertigbackmischungen zu finden. (Quelle: Tierschutzseite Österreich, www.tiere.or.at/schutz/enummern.htm).
Welchen Fettgehalt der Joghurt ursprünglich hatte ist nicht angegeben, aber das gegenseitige Verhältnis der Nährwertangaben (1,7 g Eiweiß, 2,6 g Kohlenhydrate und 1,9 g Fett auf 100 ml) weicht nicht allzusehr von dem 3,7 prozentigen Biojoghurt ab, den ich in meinem Kühlschrank finde. Nur der etwas überhöhte Anteil an Kohlenhydraten überrascht beim Ayran.
LOOK AND FEEL
Ich öffne den Karton, indem ich die kleine Alulasche auf der Oberseite abziehe. Nun, das geht einfacher als das Öffnen eines Joghurtbechers (oder gar jener unsäglichen Knick- und Reiß-Verschlüsse, die man sonst von Tetra Pak kennt). Das Gießloch hat einen Durchmesser von etwa 15 mm – groß genug, um ordentlich gießen zu können, und klein genug, um zu verhindern, dass ich versehentlich etwas Verschwappe. Nun gieße ich den Inhalt in ein Glas. Die Flüssigkeit erinnert von Konsistenz und Farbe her an Milch und keinesfalls an Buttermilch, die ja viel sämiger ist.
Und wie schmeckts? Salzig, ganz schön salzig und angenehm säuerlich. Ganz sicherlich erfrischend und energiespendend, aber zum Durst löschen brauche ich wohl zusätzlich noch etwas Mineralwasser – vielleicht einen halben Liter pro Packung Gazi Ayran, um den Salzgehalt zu kompensieren.
DAS PREIS/LEISTUNGSVERHÄLTNIS
Für meine 330 ml Gazi Ayran habe ich bei real.- 49 Cent bezahlt. Wenn ich berücksichtige, dass fast die Hälfte des Getränks aus reinem Wasser besteht, käme die Selbstherstellung aus normalem Joghurt sehr viel billiger. Aber das gleiche gilt wohl auch für Rigo und Smirnoff Ice – selbst wenn ich die ursprünglichen Markengetränke zum Mixen verwenden würde. weiterlesen schließen
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