Pro:
außergewöhnlich, Selbstvertrauen wird gelernt, Spaß
Kontra:
auf die Finger aufpassen, ohne Lehrer und Hilfestellung geht am Anfang gar nichts, oft brauchen mehrere Leute das gleiche Rad
Empfehlung:
Ja
Ich habe vor einigen Semestern im Kursangebot des Hochschulsports der Uni Göttingen gestöbert, weil ich etwas suchte, was mal "was anderes" ist. Mein Blick fiel auf Rhönradturnen und ich nahm mir vor, zumindest einmal vorbeizuschauen. Ich hatte bisher nur im Fernsehen gesehen, was ein Rhönrad ist, hatte von der genaueren Benutzung also keine Ahnung. Im folgenden Bericht erzähle ich also von meinen Erfahrungen mit dem Rhönradturnen beim Hochschulsport in Göttingen.
* Das Rhönrad *
Das Rhönrad wurde 1925 von Otto Feick in der bayerischen Rhön zum Patent angemeldet.
Es besteht aus zwei großen parallelen Reifen aus Eisen (Ich vermute, dass es Eisen ist - auf jeden Fall ist so ein Rad ziemlich schwer), die durch sechs Sprossen verbunden sind. Zwei Sprossen davon haben Trittbretter im Radinneren und an zwei anderen Sprossen befinden sich Griffe. Außerdem gibt es an jedem Rad noch einen Griff. An den Brettsprossen werden Ledergurte befestigt, durch die man die Füße steckt, um Halt zu bekommen.
* Das Turnen *
Ich kam zu diesem Kursangebot, ohne genau zu wissen, was mich erwartet. Ich ließ alles auf mich zukommen. Ich stellte fest, dass der Kurs aus lediglich 7 - 8 Personen bestand, also viel kleiner war als ich gedacht hatte.
Das Training an sich begann mit dem obligatorischen Aufwärmen - laufen, dehnen, usw. Man muss ziemlich beweglich sein beim Rhönradturnen. Einige, die schon länger dabei waren, konnten sich mühelos in den Spagat setzen oder mühelos im Rad einen Spagat machen, was mir erstmal die Sprache verschlug, aber ich sagte mir, dass ich ja erst anfange und deshalb noch keinen Spagat können muss! :-) Dem war auch so!
Es fing damit an, dass getestet wurde, welche Radgröße ich brauche. Diese richtet sich nach der Körpergröße. Man stellt sich auf die Bretter und fasst an die Griffsprossen und da sollten die Arme dann nicht ganz durchgestreckt, aber auch nicht stark angewinkelt sein - halt so, dass man auch ein wenig Halt hat.
Zu Beginn sollte ich mich einfach ins Rad stellen und ein wenig hin - und herschaukeln. Das reicht für den Anfang auch erstmal, weil man sich erstmal an das ungewohnte Sportgerät gewöhnen muss. Das Schaukeln wurde dann immer höher (natürlich immer unter Aufsicht) und teilweise auch mit einem anderen Neuling zusammen.
Dann das erste Mal über Kopf: Die Füße (Am besten zieht man fest sitzende Turnschuhe mit biegsamen Sohlen an - knöchelhohe Chucks eignen sich nach meiner Erfahrung gut...) durch die Schlaufen durch, quer stellen und an den Brettern seitlich nach unten drücken - so, dass man nicht nur in den Gurten hängt (die sind nicht so fest, dass sie einen alleine halten würden, weil es Übungen gibt, bei denn man mal rein und mal raus muss - natürlich kann man die Schlaufen noch verstellen). Mit den Armen oben festhalten und dann gehts los: Die Trainerin rollte mich einmal herum. Ich war überrascht, dass mir nicht so schwindelig war wie ich befürchtet hatte. Später, d.h. an dem Tag und auch in den folgenden Wochen, kamen noch andere Übungen dazu - erst mit Hilfestellung und wenn ich mir relativ sicher war, auch allein.
Es gibt beim Rhönradturnen die Möglichkeit im rollenden Rad zu turnen - entweder innerhalb des Rades (die Sprossen wechseln, Füße umstellen, usw.) oder auch außerhalb des Rades (von innen nach außen, oben draufsetzen, Überschlag ins Innere des Rades, Hinein - oder Herausspringen) - natürlich meistens beim sich bewegenden Rad - und auch im fallenden Rad, also wie eine Spirale. Dabei kippt man das Rad um, während man sich darin befindet und es bewegt sich spiralförmig - man kann es sich so vorstellen, wie wenn man ein Geldstück nimmt und das dreht. Ich hoffe, Ihr könnt Euch vorstellen, was ich meine.
Es gibt natürlich auch Wettkämpfe in dieser Disziplin, aber damit kann ich mich hier nicht weiter befassen, da das bei mir nicht zur Debatte steht. :-)
* Die Betreuung *
Als ich beim Kurs war, gab es die meiste Zeit zwei Trainer und manchmal nur einen. Das "Problem" war, dass sie selbst auch ihre Übungen gemacht haben und daher nicht immer "verfügbar" waren. Sie haben sich allerdings schon persönlich um einen gekümmert und die Übungen gezeigt und mit einem geübt, aber es gab halt auch Momente, in denen man nichts Neues machen konnte. Und zum 100. Mal eine der wenigen Übungen machen, die man alleine kann, wird irgendwann auch langweilig. Aber im Prinzip war es ganz ok.
Was ich manchmal nervig, aber im Nachhinein doch ganz gut fand, war, dass die eine Trainerin immer darauf achtete, dass man ordentlich gestreckt im Rad steht und auch am Anfang beim Schwungholen gerade steht - so als wäre es ein Wettkampf, bei dem es dann ja auch um Haltungsnoten geht. In dem Moment war es teilweise nervig, aber wenn man es sich erstmal richtig angewöhnt, ist es sicher besser als es sich erst falsch anzugewöhnen und dann umändern zu wollen.
* Kosten *
Ein Rhönrad ist nicht gerade billig - der Preis liegt je nach Größe etwa zwischen 550 und 800 Euro.
Der Kurs beim Unisport kostet im Prinzip 10 Euro im Semester, weil man seit einiger Zeit ja Smeestergebühren bezahlen muss. Was allerdings negativ auffällt, ist, dass man, wenn man den Kurs nur in den Semesterferien nutzen möchte, trotzdem komplett die 10 Euro zahlen muss - genauso wie diejenigen, die es das ganze Semester inkl. Ferien nutzen können. Allerdings steht auf der Homepage, dass es sich in den Ferien lediglich um freie Trainingszeit handelt - also vermutlich ohne Trainer bzw. ohne ausgiebige persönliche Betreuung.
* Vorteile *
- Es macht Spaß.
- Es ist mal etwas anderes.
- Man lernt die Schwerkraft kennen und wie man sich bewegen muss, damit das Rad so reagiert wie man will und umgekehrt.
- Man lernt seinen Körper kennen und überwindet eventuell Ängste.
* Nachteile *
- Ich kann es nicht beurteilen, aber es kann sein, dass Leuten, die sowieso schnell zu Schwindel neigen, dabei schwindelig wird, wobei es nicht so schlimm ist, wie ich es anfänglich vermutet hätte.
- Es wird sehr viel Platz benötigt, weil man ja immer nur auf einer Bahn rollt. Also braucht man quasi die volle Länge / Breite der Halle oder muss häufig die Richtung wechseln.
- Vermutlich aus finanziellen Gründen und natürlich auch aus Platzgründen gibt es hier nicht so viele Rhönräder bzw. von einer Größe meistens nur eins oder zwei. Wenn mehrere Personen die gleiche Größe brauchen, muss man unter Umständen eine Weile warten, bis man drankommt.
- Man kann zumindest am Anfang so gut wie nichts alleine machen und ist immer auf eine Hilfestellung angewiesen.
- Die Trainer trainineren selbst auch viel und sind daher nicht immer sofort verfügbar. (Es kam bei mir vor, dass ich an manchen Trainingstagen oft rumgesessen habe, weil entweder kein passendes Rad frei war oder kein Trainer zur Verfügung stand, um mir eine neue Übung zu zeigen.)
- Man muss aufpassen, um Verletzungen zu vermeiden - z. B. könnte man sich die Finger unter den Reifen quetschen oder mit dem Kopf an eine Sprosse stoßen. Dies passiert allerdings im Normalfall eher selten.
* Fazit *
Auch, wenn die Punkte bei den Nachteilen etwas mehr sind, bewerte ich diese Sportart doch als eher positiv. Gut, in der Bewertung habe ich "durchschnittlich" angegeben, aber dies berechnet sich halt aus den oben genannten Punkten. Mir persönlich hat es Spaß gemacht und ich denke darüber nach, es evtl. noch einmal zu machen.
Ich hoffe, ich habe nichts Wichtiges vergessen. Falls doch, sagt Bescheid und ich versuche es zu ändern.
luise22 für ciao und yopi.de weiterlesen schließen
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