Pro:
nichts außer der Anerkennung von Dummen
Kontra:
alles, inklusive der Anerkennung von falscher Seite
Empfehlung:
Nein
Stets u. überall hört u. liest man, dass Alkohol u. Tabak ja auch Drogen wären. Welchen Sinn diese Aussage haben soll, außer Drogenkonsum u. seine Folgen zu verharmlosen, habe ich nie verstanden u. konnte mir auch niemand erklären. Die ständige Wiederholung dieser Aussage macht sie im übrigen nicht sinnvoller o. zutreffender, denn es wird ein wesentlicher Unterschied zwischen Alk. u. Tabak zu übrigen Drogen (bewusst?) ignoriert: Wer alkoholische Getränke zu sich nimmt oder raucht, kann dies des geschmacklichen Genusses wegen tun! Das müsste mir mal einer erklären, der Heroin spritzt - dass er es mag, die Nadel in der Vene zu spüren?!
Gut, Haschisch mag ein Grenzfall sein, vielleicht kann man es des Rauchgenusses wegen rauchen. Aber ich kenne niemanden, der es raucht, ohne sich berauschen zu wollen, ohne hinzunehmen, dass etwas ihm Fremdes Gewalt über seinen Geist u. seine Seele erlangt u. ihn sich subjektiv aus der Wirklichkeit verabschieden lässt. Das geschieht aber nicht, wenn ich einen Wein zum Essen trinke o. abends den Roten genieße u. genüsslich dabei rauche. Ich konsumiere kein Rauschgift, sondern sogenannte Genussgifte, zu denen übrigens auch koffeinhaltige Getränke gehören.
Das ist für mich DER UNTERSCHIED ZUR DROGE: Ich trinke mein Glas Wein u. ich rauche nicht, um mich zu bedröhnen! Ich will mich gar nicht berauschen, will Herr meiner Sinne sein u. Gefühle aus mir heraus erleben u. nicht aus den Ingredenzien von Pflanzen oder Chemikalien! Fürs Wegtauchen aus dieser Welt eignen sich Bücher u. die Liebe besser. Sie erweitern den Horizont u. tragen zur Sublimierung des Menschseins bei.
Kiffte ich o. spritzte ich gar, täte ich es des Rausches wegen. Selbst die stärksten französischen Boyards ohne Filter mit papier mais u. 50 mg Kondensat versetzen mich nicht in einen Rausch! Biere u. Weine, in geringen Mengen genossen, gelten anerkanntermaßen sogar als gesundheitsdienlich. Von Rauschgift kann man das nicht behaupten.
Aber ich liebe die Würze des Tabakrauchs - ohne anderen dergleichen etwa empfehlen zu wollen! Nur will ich mir einfach nicht einreden lassen, deshalb rauschgiftsüchtig zu sein, das ist absurd. Suchtgiftabhängig, ein "Nikotinknecht" freilich bin ich schon. Habe ich nichts zu rauchen, fehlt mir etwas, werde ich nervös. Das sollte abschreckendes Beispiel genug sein. Doch wie kam ich zu der schädlichen Angewohnheit des Rauchens?
Als ich aufs Gymnasium kam, kannte ich niemanden. Rauchend war ich plötzlich wer u. hatte Anschluss, war "cool" - bis ich auf diese Art von Anschluss verzichtete. Das Nikotin hatte mich aber gepackt. Also stellte ich mich mit Zigarre zu den Rauchern - u. siehe da, ich war wieder "out"! Etwas später erlebte ich ähnliche Prozesse bei Mitschülern: Keiner wurde vom Herrn mit dunklem Anzug auf dem Schulhof zum Rauschgiftkosum verführt, keiner nahm es aus seelischer Not, die er nicht anders zu ertragen vermochte. Er war einfach nur schick u. cool u. gehörte dazu, war ja so souverän u. stand über den Dingen u. den altklugen Reden der Erwachsenen!
Nun, dann war ich eben Außenseiter. 50 "Freunde", wie die Kiffer, hatte ich nicht; ich wurde auch seltener zu Parties eingeladen. Zwei, drei Freunde gewann ich schon, aufgrund übereinstimmender Interessen u. gegenseitigen Verstehens, nicht weil man sich toll vorkam.
Manche meiner Schulfreunde habe ich heute noch. Von den Rauschgiftbenutzern sind manche tot.
Ich wendete mich ab von dieser Art Schickeria. Da war ein Mädchen, das mir äußerlich gefiel. Ich konnte mich ihr nicht nähern, denn ich war ja "spießig", weil ich den Joint angewidert weiter gab. Ich strich sie aus meinen Sinnen, bis ich sie Jahre später wiedertraf u. ihre Sensibilität u. Aufmerksamkeit zu schätzen lernte. Sie war verzweifelt wegen ihrer Sucht. Etwas später starb sie.
Ich hätte sie geliebt.
In meinem Umfeld erlebte ich Haschisch als Einstiegsdroge u. mit bewusstseinsveränderden Folgen. Nikotin u. Alkohol kamen da nicht mit, die Alkoholiker blieben Alkoholiker. Das mag schlimmer sein, als zu kiffen. Aber es kotzt mich (Verzeihung) heute noch an, auf Parties o. von Menschen, die ich kennen lerne, womöglich von Frauen, in die ich mich am liebsten verlieben würde, mild belächelt u. als etwas zurückgeblieben betrachtet zu werden, weil ich beim Kiffen nicht mitmache u. sogar dazu stehe, es nie probiert zu haben.
Außerdem sollte man auch einmal über Tradition u. Zukunft nachdenken u. nicht immer tun, als wären die Welt neu u. das Leben ewig u. als hätte man alles u. jede Frage völlig neu u. auf scheinbar unbeeinflusster, autonomer Grundlage selbst zu entscheiden, ohne Propaganda, Zeitgeist u. Miterziehern ausgesetzt zu sein u. auch ohne überliefertes Erfahrungswissen: Alkohol, Nikotin, Koffein u. Teein sind tradierte Volks- u. Genussgifte. Welchen Vorteil sollte es für die Volksgesundheit haben, neue hinzuzufügen? Ein Wahnsinn! Dennoch erscheint mir die Kifferverfolgung unangemessen wie die Prohibition. Man sollte andere Wege suchen, vielleicht individuell beschränkte Apothekenabgabe. Unsere Vorfahren rauchten durchaus Hanf - allerdings wohl fermentiertes Blattwerk, oftmals als "Knaster" bezeichnet, z. B. bei Wilhelm Busch. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben