Pro:
Schlafen unterm Himmelszelt. Keine Verantwortung, keine Bankgebühren, keine Verpflichtungen.
Kontra:
Alleine kommt man nicht mehr raus. Ohne Adresse kein Bankkonto. Ohne Konto kein Job ohne Job, ....! Ein teuflischer Zirkel
Empfehlung:
Nein
Obdachlosigkeit – schnell hinein, sehr schwer wieder heraus!
In letzter Zeit sind mir vermehrt Begriffe oder Headlines wie: Arbeitslosigkeit, Drogen, Alkohol, Suizid, Jugendkriminalität, Zuwachs der Scheidungsrate, Privatkonkurs, Delogierung aufgefallen. Der weitere Weg führt zumeist vor das Gericht und in weiterer Folge ...!
Vorgeschichte:
Im Jahre 1990 drehte ich gemeinsam mit 2 Kollegen im Rahmen eines psychiatrischen Projektes einen Kurz-Film mit dem Thema "Obdachlosigkeit in Wien". Uns interessierten die Gründe, die dazu führen sowie das Verhalten bzw. der psychische Aspekt während dieser Zeit. Es war natürlich auch von großem Interesse, ob bzw. wie man es schaffen kann, wieder in ein für uns „normales Leben“ zurück zu finden.
1. Schiene Drogenabhängigkeit
Unsere Recherchen starteten wir zunächst am Karlplatz. Bei Touristen beliebt wegen der wunderschönen barocken Karlskirche, bei Bettlern und Obdachlosen eben wegen der Touristen bzw. deren Almosen beliebt. Aber es gab damals auch eine sehr dunkle Seite. War doch der Karlsplatz in der Szene der Drogenabhängigen als „der Umschlagplatz“ schlechthin bekannt. Damals aus dem Grunde, weil man hier zwar von Zeit zu Zeit Razzien durchführte, jedoch nicht bestrebt war, den Umschlagplatz als solchen zu zerschlagen. Man war bestrebt hier kontrollierend einzuschreiten. Für Streetworker (Psychologen, Therapeuten) war dieser Platz auch eine Möglichkeit, an Drogenabhängige heranzukommen, die selbst den Weg aus der Sucht zu finden bemüht waren.
Damals deshalb, weil heute Kameras installiert sind und weit stärker kontrolliert wird. Irgendwann explodierte der Handel durch Profis aus Russland, Afrika, um nur zwei zu nennen. Es gab Bandenkriege und der Karlsplatz war für Fußgeher und Touristen unsicher geworden.
Es liegt mir ferne zu behaupten, dass am Karlsplatz nicht mehr gedealt wird, aber er hat eben als Schwerpunkt-Umschlagplatz seine Bedeutung verloren. Kehrseite der Medaille, und traurige Bilanz: An fast jeder Straßenecke, Bahnhöfen und Stationen der U – Bahn wird gedealt wie nie zuvor! Die Anzahl der Abhängigen steigt und steigt.
2. Schiene: Alkoholkrankheit
Zu diesem Klientel will ich nicht allzu viele Worte verlieren, da sicher jeder Leser irgendjemand kennt, der als Säufer seine Karriere begonnen hat und dann eben alkoholkrank wurde. Zumeist folgt die Scheidung vom Ehepartner(in) und die Obdachlosigkeit nimmt ihren Lauf.
3. Schiene: Prostitution
Auch die Damen und Herren, aus dem ältesten Gewerbe der Welt werden einmal alt. Was bleibt, sind außer Erinnerungen an ein Leben voller Schein und Brutalität, ganz selten ein Dach über dem Kopf...! Die Wenigsten schaffen es in guten Zeiten etwas auf die Seite zu legen, aus welchen Gründen auch immer!
4. Schiene: Ehescheidung
Zumeist behält die Frau mit Kindern die gemeinsame Wohnung, das Haus, usw. dem Mann bleibt nur das „Bett im Kornfeld“. Fairer Weise muss ich dazu sagen, dass es mittlerweile auch genügend Frauen gibt, die gehen ...!
5. Schiene: Arbeitslosigkeit
Gerade aus diesem Klientel wird der Zulauf täglich mehr! Firmen und Konzerne verlagern die Produktion ins Ausland, Personalabbau bringt Kostenersparnis, Privatisierung Staatlicher Betriebe (Post, Bahn,...) Konkurrenz von Megakonzernen (Lebensmittelbranche, Möbelbranche, Baumärkte, Baufirmen, u.v.m.). Zu guter letzt möchte ich nicht auf alle Jenen vergessen, die für eine Firma zu ALT – soll heißen zu TEUER geworden sind. Genau diese armen Leute, können irgendwann (nach einem langen Leidensweg) die Miete nicht mehr bezahlen und landen auf der Strasse.
6. Schiene: Krankheit
Hier bei uns in Österreich laufen bereits mehrere Anträge (sinnbildlich) Österreich auf Österarm umzutaufen. Zwar reden noch die Politiker (ich frag mich manchmal wer denen noch was glaubt) wie reich wir sind, jedoch langsam verliert das „Statussymbol Auto“ an Wertigkeit. Im Speziellen wenn der Hunger quält, oder die Heizung gesperrt wurde, oder, oder,...! Am Schlimmsten jedoch ist es, wenn man unverschuldet KRANK wird. Die Firma spricht schnell die Kündigung aus. Medikamente müssen bezahlt werden, Irgendwann wird man wirklich arm (auch an Besitz und Geld). Die Verwandten, so vorhanden, wollen mit „so Einem“ nichts zu tun haben, und bis der Staat hilft, hat man bereits Alles verloren ...!
7. Schiene: illegale Zuwanderer
Auch hier lebt eine nicht gerade kleine Gruppe unter freiem Himmel ...!
Es gibt bestimmt noch einige Gruppen, die erwähnenswert sind, aber ich möchte mich nicht zu sehr im Detail verlieren (Hab ich wahrscheinlich eh schon!
Zahlen und Fakten: (Die Dunkelziffer ist weit höher!!!)
2007 sprach man von ~200.500 Betroffenen. Ende 2003 sollen es 102.920 Personen gewesen sein.
Ich frage mich, wie man solche Zahlen erhebt? Schickt man Beamte aus um diese bedauernswerten Leute zu zählen????
2004 gaben die österreichischen Bundesländer insgesamt 2,1 Milliarden Euro für Sozialhilfe aus.
Bisher wurde für Abfangjäger vom Steuergeld 1,82 Milliarden Euro ausgegeben!!!!
Ein perverser Vergleich von mir, dennoch! Krieg kostet Menschenleben, und bringt Arbeit! Das hatten wir doch schon ...?!
Im Gespräch mit Betroffenen: (bei unserer Studie)
Interviews am Wiener Gürtel (November, leichter Regen). In den Gebüschen und unter Passagen der U-Bahn fanden wir einige Obdachlose. Die meisten wollten keine Auskunft geben, liefen davon. Ein Mann lag auf Kartons gebettet, mit irgendwelchen alten Stoffresten zugedeckt und machte einen fiebernden Eindruck auf uns. Ich fragte, ob er Fieber oder Schmerzen hat? „Nix Problem“ meinte er, „bitte gehen!“ Ein zweiter Mann so um die 40 Jahre alt, dem Dialekt nach ein Steyrer, meinte dass der Tschusch krank ist und in ein Spital muss! „Der liegt schon ein paar Tage da.“ Ich rief die Rettung, sie nahm ihn nach langen Diskussionen schließlich mit. Er hatte eine Lungenentzündung und verstarb am nächsten Tag. Wenigstens mit Würde, gewaschen und in einem reinen Bett dachte ich erschüttert.
Insgesamt kamen wir kaum in Kontakt mit Obdachlosen, da keiner bereit war über sich und sein trauriges Schicksal zu reden.
Was hat sich verändert?
Wir schreiben das Jahr 2008.
Meine Recherche ergab folgende Anlaufstellen bzw. HILFE für Obdachlose in Wien:
„VinziBett“ WÄRME für 1 NACHT
Antonia Schubert hat diese Institution gegründet. Mittlerweilen gibt es diese Einrichtung in mehreren Wiener Bezirken, sowie in Graz, ...!
So zum Beispiel im 16. Wiener Gemeinde Bezirk, in der Ottakringer Straße 20. Hier bietet man 48 Notschlafplätze für jene Obdachlose, die in den Hilfseinrichtungen der öffentlichen Hand keinen Platz mehr finden.
Im 17. und 19.Wiener Gemeindebezirk gibt es ebenfalls das Vinzi Bett.
Weitere wichtige Anlaufstellen:
- Als letzte Rettung: Einmal täglich braucht man etwas Warmes!
„Canisibus“ dieser bringt immer AbendsGratisessen zu 8 Anlaufstellen in Wien. So zum Beispiel bei der U-Bahn Station Friedensbrücke. 365 Tage im Jahr, bei jedem Wetter. Auch der „Francescobus“, beide gehören der Caritas. Mit freiwilligen Spenden und freiwilligen Helfern wird diese Einrichtung möglich. Auch Presenzdiener helfen mit.
Viele Obdachlose nehmen hier gerne und regelmäßig , zum Beispiel Suppe mit zerkleinertem Gemüse und Erdäpfeln an. Nachschlag gibt es nur, so lange der Bus parkt. Zu diesem Treffpunkt kommen auch immer mehr „Neue Arme“, die zwar noch ein Dach über dem Kopf haben, aber kein Geld für Essen, Heizung usw.
Die gratis ausgegebene Essenanzahl belief sich im Jahr 2005 auf ca. 50.000 Portionen. Im Jahr 2007 waren es bereits 69.000! Tendenz: stark steigend!
Laut EU lag die Armutsgrenze bei 900 Euro. Energie, Miete, etc., was bleibt da noch übrig! Heuer werden die Mieten wieder angehoben und die Inflation steigt und steigt. Lebensmittel werden so teuer, dass man sich nur noch ungesund ernähren kann. Mangelerscheinungen feiern ihr Comeback!
Viele Menschen müssen mit 8 Euro pro Tag ihr Auslangen finden. Noch sind es 16%, die mit max. 2 Euro am Tag leben müssen! Und das im Öster“reich“!?
Vergangene Woche bettelte mich vor dem Supermarkt ein alter Mann an. Seine Bierfahne war kaum zu „überriechen“. Meine Frage warum er für Alkohol bettelt, beantwortete er lächelnd: „Na weil des Zeug billiger ist als des Essen! Außerdem spür ich den Hunger net, wenn ich sauf!“
Unlängst las ich in einer Zeitung über die „Zahnfee“ E. B. Ihr Engagement gilt seit 8 Jahren der Behandlung von Obdachlosen. Als Dentistin (und das ist sie seit 50 Jahren) macht sie das gratis. Im Übrigen war ich umso mehr überrascht, weil ich diese Zahnärztin zwischen meinem 4. und dem 20. Lebensjahr selbst konsultiert hatte.
Wann und wo die Busse Station machen:
Canisibus
19:45-20:10: U4 Friedensbrücke
20:20-20:45: Bahnhof Wien Nord / 2. Bezirk Ausgang Prater, Schnellbahn, U1 Praterstern
20:50-21:10: Bahnhof Wien Mitte / 3. Bezirk, ehemaliger Busbahnhof Schnellbahn, U3, U4
21:25-22:00: Westbahnhof/ Europapark / 15. Bezirk, U3, U6
Francescobus
19:45-20:10: Bahnhof Wien Meidling / 12. Bezirk, U6 Philadelphiabrücke, U-Bahnaufgang Schediffkaplatz
20:20-20:50: Südbahnhof / 10. Bezirk Ausgang Arsenalstraße , Nähe U1 Südtirolerplatz
21:00-21:20: Karlsplatz / 4. Bezirk, Wiedner Hauptstraße, unter der TU-Eule, U1/U2/U4
21:30-21:50: Schottentor / 1. Bezirk, innere Nebenfahrbahn Schottenring, 1. Bezirk, U2 Universität
„Louise-Bus“ dieser ist eine fahrende Ambulanz.
„Die Gruft“ das Obdachlosen Zentrum der Caritas in Wien unter der Mariahilfer Kirche.
Hier wird ebenfalls um 20 Uhr, ein warmes Essen für Obdachlose angeboten und natürlich dankend angenommen.
Vier Bewohner des Obdachlosenzentrums haben eine Benefiz CD aufgenommen, auf der sie über das eigene Schicksal singen. Der Erlös fließt natürlich zu denen die es am Meisten brauchen!
Gewalt – auch gegenüber Obdachlosen:
Immer öfter werden Obdachlose von Jugendlichen attackiert, geprügelt und bestohlen. Denen, die kaum noch Eigentum besitzen, wird das Letzte auch noch genommen! Unfassbar, unentschuldbar, Skandalös !!!
Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass es noch einiges Mehr an Angeboten gibt, die ich hier nicht alle erwähnen kann. Dennoch, meiner Meinung nach ist das ein brandaktuelles Thema, denn es gibt keinen Schutz vor Armut!
Eine Gesellschaft hat nur den Wert ihres schwächsten Gliedes! Traurig? Aber wahr!
Armut ist wirklich keine Schande! Sie kann mich genauso treffen wie dich!
Möge Gott, Buddha, Allah, oder wer immer das verhindern!
Ich hoffe mein Bericht hat Euch ein Wenig nachdenklich gestimmt!
Ich danke für das Lesen & Bewerten sowie über Kommis
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