Pro:
sehr unterhaltsam, witziger Schreibstil, Grundidee für die Story, Darstellung der Figuren
Kontra:
plötzliches und etwas hektisches Ende, ein Tag und man ist durch
Empfehlung:
Ja
Vor einer Weile (ich glaube in meinem Sommerurlaub im letzten Jahr) habe ich das Buch "Für jede Lösung ein Problem" von Kerstin Gier gelesen (siehe Bericht) und fand die Story witzig und den Schreibstil sehr unterhaltsam - jetzt liegen wieder drei Wochen Urlaub vor mir und ich war auf der Suche nach ganz viel Lesestoff für die nächsten Tage. Also wurde das Amazon-Sortiment gleich nach anderen Büchern von Kerstin Gier durchwühlt - die Kurzbeschreibung von "Ein unmoralisches Sonderangebot" klang witzig also *klick* ab in den Einkaufswagen. Und hier jetzt meine Eindrücke…
::::: Die Story :::::
Der alte Fritz Gaertner ist verwitwet, tyrannisch, geizig bis zur Halskrause - kurz einfach unerträglich. Noch unerträglicher ist nur die gemeinsame Frühstücksrunde, die seine drei Kinder (die Söhne Stephan und Oliver sowie die Tochter Katinka) mit ihren jeweiligen Ehepartner sowie den drei Kindern von Katinka über sich ergehen lassen müssen.
Jede Woche das gleiche Drama. Aber fangen wir von vorn an:
Der alte Fritz hat viele Jahre erfolgreich als Manager für einen bekannten Automobilkonzern gearbeitet - durch seine sparsame oder sagen wir besser extrem geizige Lebenseinstellung konnte er ein recht ansehnliches Vermögen auf die Seite legen. Den gleichen (beruflichen) Erfolg erwartet Fritz nun auch ganz selbstverständlich von seinen zwei Söhnen. Beide sind zwar mehr oder weniger glücklich verheiratet, allerdings jeweils mit den falschen Frauen und auch die Enkelkinder sind bisher ausgeblieben. Beide Paare haben sich aus unterschiedlichen Gründen stark verschuldet: Olivia und Stephan haben ein Grundstück mit einem heruntergekommenen Haus (im Buch liebevoll die Ruine genannt) gekauft, um eine hoffentlich bald erfolgreiche Gärtnerei aufbauen zu können. Oliver und Evelyn haben sich stattdessen ein Penthouse, ein dickes Auto und einen schicken Lebensstil geleistet.
Fritz könnte sehr wohl - ohne mit der Wimper zu zucken - finanziell etwas helfen, aber er weigert sich strikt seinen nichtsnutzigen Söhnen das Geld auch noch hinterher zu werfen!
Als Fritz allerdings eines Tages wieder in seiner Herrenrunde zusammensitzt (alles wohlhabende reiche schnöselige Säcke mit ganz viel Zeit), kommt den Alten eine hervorragende Idee und sie schließen eine Wette ab. Fritz ist sich sicher, dass seine Söhne für Geld so gut wie alles tun würden. Das unmoralische Sonderangebot lautet also: beide Söhne tauschen für ein halbes Jahr ihre Ehefrauen miteinander (strenge Umgangsregeln werden in einem schriftlichen Vertrag festgelegt) - halten alle vier durch, erhalten beide Paare jeweils 1 Million Euro. Und die können die Pärchen wirklich extrem gut gebrauchen…
Der Frauentausch beginnt und wird von den vier alten Herren akribisch überwacht. Zu den unmöglichsten Zeiten taucht einer von ihnen auf, um zu kontrollieren, dass sich auch alle an die Regeln halten - und da die Herren sonst eher wenig zu tun haben (nach ihrer Pensionierung!), macht ihnen der ganze Quatsch natürlich höllisch Spaß.
Der Tausch löst allerdings innerhalb der zwei Paare so einige Missverständnisse und Streitereien aus - aber das war ja absehbar.
So ist es für die schicke Evelyn zunächst äußerst schwierig sich an das Leben in der Ruine zu gewöhnen, in der der Putz von der Decke bröckelt - doch sie weiß sich zu helfen - und außerdem hat sie ja noch den stotternden Rentner Ka-kabulke, der als Aushilfe in der Gärtnerei arbeitet. Olivia muss sich auch erst an die klinisch eingerichtete Stadtwohnung von Evelyn und Oliver gewöhnen. Eifersucht, Verwechslungen, Verwirrungen, Dramen, herrlich. Aber allzu viel will ich an dieser Stelle nicht verraten.
Nur noch kurz ein paar Stichworte zu den wichtigsten Figuren des Romans:
Die ganze Geschichte wird aus Sicht von Olivia erzählt, die wegen ihrer blonden wirren Locken von ihrem Schwager Oliver auch Blumenköhlchen genannt wird. Ihr Mann Stephan, mit dem sie seit 10 Jahren verheiratet ist, nennt sie weniger liebevoll Molli-Olli. Olivia liebt die Gartenarbeit und hasst die billigen Kaufhausblumen und Holland-Importe, mit denen Stephan den "großen Gewinn" machen will. Ihr Traum hingegen ist es, die Kunden durch Qualität und die Zucht seltenerer Pflanzen zu gewinnen - dafür hat Stephan allerdings wenig Sinn. Insgesamt gibt der gelernte Diplom-Betriebswirt seiner Frau die Schuld daran, dass er von seinem ursprünglichen Karriereplänen abgekommen ist und sich dieser dämlichen Gärtnerei gewidmet hat - und das obwohl das mal der gemeinsame Traum der beiden war! Aber Stephan ist eher der Luxus-Mann, der nicht dafür "geboren wurde in Armut zu leben" - hört, hört!
Oliver arbeitet in einer Nachrichtenredaktion eines kleinen regionalen Senders. Meist ist er der "Korrespondent vor Ort" in die weite Welt und in "spannende" Krisengebiete zieht es ihn überhaupt nicht - sehr zum Ärger seines Vaters. Zusammen mit seiner schicken Frau Evelyn wohnt er in einer schicken Wohnung, fährt ein schickes Auto und dabei ist ihm das alles gar nicht so wichtig. Sein einziger Wunsch lässt sich mit der Million sowieso nicht erfüllen: Kinder und eine trollige Familie. Aber Evelyn hat da irgendwie andere Pläne für ihre Zukunft.
Und zum Schluss wären da noch die jüngere Schwester Katinka und ihr sehr anstrengender Ehemann Eberhard: Katinka wird von Oliver und Stephan gern als "der schnelle Brüter" bezeichnet - drei Kinder toben bereits um den Sonntagsfrühstückstisch, das vierte ist bereits unterwegs. Zusammen mit Eberhard, der natürlich in der alten Firma von Fritz einen guten Posten inne hat, wohnt sie in einem Reihenhaus - wie es sich gehört.
Eberhard ist sehr schwierig zu ertragen und man ist im Laufe des Buches immer wieder sehr dankbar nicht so einen Ehemann an seiner Seite zu haben - aber Katinka scheint es ja nicht anders zu wollen. Sein Wortschatz besteht aus allen nervigen Floskeln, die man sich so denken kann. Diese werden wild aneinandergereiht und Eberhard ist der festen Überzeugung, dass er sehr weltmännisch wirkt!
Er hat ein enormes Schweißproblem und wird auch sonst eher unappetitlich beschrieben, aber "keine Panik auf der Titanic", ich werde nicht weiter ins Detail gehen und jetzt "Tschö mit ö!"
::::: Klappentext :::::
Sehr ärgerlich: Seine Söhne haben die dreißig schon überschritten, aber noch immer nichts im Leben erreicht - findet Fritz. Verwitwet, tyrannisch und außerordentlich geizig, ist er eine Plage für die Schwiegertöchter. Und dann scheint der alte Herr völlig verrückt geworden: Einer Wette wegen plant er einen Partnertausch für seine Söhne. Die verträumte Olivia soll zu Oliver ins schicke Stadtappartement ziehen, die ehrgeizige Evelyn zu Stephan in die heruntergekommene Gärtnerei. Und damit alle bei diesem absurden Spiel mitmachen, winkt Fritz mit Geld. Mit viel Geld…
::::: Leseprobe (Seite 19 f.) :::::
Wie jeden Sonntag war Stephans gesamte Familie vollzählig angetreten. Stephans jüngere Schwester Katinka (in Pastellrosa, passend zum Außenputz) arrangierte in der Küche Aufschnitt auf einem Teller, während ihre Kinder versuchten, meinen Schwiegervater zu erklettern, der wie ein Eisberg auf seinem Lieblingssessel saß und die Sonntagszeitung las. Die Kinder hießen Till, Lea und Jan, was eigentlich knapp und einprägsam war, aber mein Schwiegervater nannte sie trotzdem nie anders als »Dings«, »Dings« und »Dings«, wenn er sie denn überhaupt nannte.
Wie immer ignorierte er seinen Besuch so lange wie möglich. Außer zu seiner Familie pflegte er nur noch Kontakt zu einer Hand voll Herren seines Alters, die Stephan den »Club der scheintoten Geizhälse« nannte. Ich vermute, dass sie zusammen Doppelkopf spielten, Asbach Uralt tranken und sich gegenseitig mit den vielen, vielen Nullen ihres Gesamtvermögens beeindruckten.
(…)
Der Frühstückstisch war stets im Wintergarten gedeckt, egal, ob Winter oder Sommer. Stephans großer Bruder Oliver und seine Frau Evelyn saßen dort bereits mit Eberhard, Katinkas Mann. Eberhard war eine echte Landplage. Es war mir ein Rätsel, was Katinka jemals an ihm gefunden hatte oder gar noch fand. Während sie sich nach jeder Schwangerschaft wieder in Größe 38 zurückhungerte, hatte er mit jedem Kind etwas Bauch und ein Kinn dazubekommen, aber komischerweise war sein unerschütterliches Selbstwertgefühl mit jedem Kilo noch gewachsen. »Frauen müssen auf ihre Figur achten, Männer müssen nur auf ihre Frauen achten«, pflegte er zu sagen und dabei sein merkwürdiges, keckerndes Lachen hören zu lassen.
::::: die Autorin :::::
[Info aus dem Klappentext im Buch:]
Kerstin Gier hat als mehr oder weniger arbeitslose Diplompädagogin 1995 mit dem Schreiben von Frauenromanen begonnen. Mit Erfolg: Ihr Erstling "Männer und andere Katastrophen" wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt, und auch die nachfolgenden Romane erfreuen sich großer Beliebtheit. "Das unmoralische Sonderangebot" wurde mit der "DeLiA" für den besten deutschsprachigen Liebesroman 2005 ausgezeichnet. Heute lebt Kerstin Gier, Jahrgang 1966, als freie Autorin mit Mann, Sohn, zwei Katzen und drei Hühnern in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach.
Kerstin Gier ist Mitglied der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und - Autorinnen (DeLiA). Siehe dazu auch den Link http://www.delia-online.de/html/mitglieder_gier_kerstin.html
Außerdem veröffentlicht Kerstin Gier auch Romane unter den Pseudonymen Sophie Bérard und Jule Brand.
::::: weitere Bücher :::::
»Gegensätze ziehen sich aus« (TB - voraussichtlich September 2008)
»Ach, wär ich doch zu Hause geblieben« (TB - Juli 2007)
»Jungs sind wie Kaugummi - süß und leicht um den Finger zu wickeln« (TB - Februar 2007)
»Für jede Lösung ein Problem« (TB - Januar 2007)
»Die Patin« (TB - März 2006)
»Die Mütter-Mafia« (TB - April 2005)
»Ein unmoralisches Sonderangebot« (TB - April 2004)
»Lügen, die von Herzen kommen« (TB - September 2002)
»Ehebrecher und andere Unschuldslämmer« (TB - Oktober 2000)
»Die Laufmasche« (TB - Oktober 1998)
»Fisherman's Friend in meiner Koje« (TB - März 1998)
»Männer und andere Katastrophen« (TB - August 1996)
»Die Braut sagt leider nein« (TB - März 1997)
Viele dieser Bücher erscheinen voraussichtlich im Oktober 2008 in einer neu gestalteten Auflage.
Weitere Veröffentlichungen unter dem Pseudonym Jule Brand:
»Liebe im Nachfüllpack« (1996)
»Ein Single kommt selten allein« (1996)
»Küsse niemals deinen Boss« (1997)
»Macho verzweifelt gesucht« (1998)
»Lügen haben schöne Beine« (1998)
»Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt« (1997)
»Herzattacken« (1998)
»Gigolo im Handgepäck« (1998)
»Zur Hölle mit den guten Sitten« (1999)
»Sektfrühstück mit einem Unbekannten« (1999)
»Der Teufel und andere himmlische Liebhaber« (2001)
sowie unter dem Pseudonym Sophie Bérard:
»Lavendelnächte: Provence-Roman« (2001)
»Vom Himmel ins Paradies« (2002)
::::: Meine Meinung :::::
Die Autorin Kerstin Gier kannte ich ja nun bereits durch das Buch "Für jede Lösung ein Problem". Das hatte mir ganz gut gefallen also kaufte ich mir dieses hier für den Start in den Urlaub. Und ich muss sagen, dass es mir sogar etwas besser gefallen hat. Auch wenn es sich hier wieder um die übliche - von vielen belächelte - Frauenliteratur handelt. Sie ist unterhaltsam und witzig.
Wie das vorliegende Buch: Die Grundidee der Story fand ich witzig und war gespannt, was die Autorin daraus macht. Einige Aspekte waren absehbar, andere haben mich wieder überrascht.
Der Sprachstil der Autorin ist sehr locker, lustig und unterhaltsam. Einmal angefangen, kann man das Buch nur schwer aus der Hand legen und ist in einem *ruck* durch. Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen, es lässt sich also super lesen und die Story bleibt trotz einiger Klischees spannend bis zum Schluss. Der Schluss: ist leider wie auch in dem anderen Buch ("Für jede Lösung ein Problem") etwas eilig. Urplötzlich überschlagen sich die Ereignisse und *ruckzuck* ist das Buch zu Ende. Dem Buch an sich tut das aber keinen Abbruch: die Figuren sind witzig, eigensinnig und schrullig - über einige muss man schmunzeln, andere wie Eberhard findet man furchtbar schrecklich und die alten Herrn inklusive Fritz mausern sich im Verlauf des Romans, so dass man sie gar nicht mehr sooo übel findet - sie bekommen dann sogar ein paar schrullig-sympathische Seiten. Eigentlich entwickeln sich einige der Figuren im Laufe der Story in eine Richtung, die man zu Beginn gar nicht vermutet hätte…
Insgesamt gebe ich dem Buch vier Sterne für die unterhaltsame Story, das flotte Lesevergnügen, die herrlich ausgewählten Figuren und Gestaltung des Covers (da hat es bei einigen anderen Auflagen schon weit schrecklichere gegeben). Ein Sternchen ziehe ich ab - das Ende hätte vielleicht nicht ganz so urplötzlich über mich hereinbrechen müssen? Dann wäre das Buch vielleicht ein paar Seiten länger gewesen ïŠ.
Alles in allem eine Empfehlung für alle, die diese Art von Büchern mögen!
::::: noch fix ein paar Eckdaten :::::
Ein unmoralisches Sonderangebot
Taschenbuch
302 Seiten
Bastei Lübbe (Verlagsgruppe Lübbe)
April 2008
ISBN 3-404-16255-2
Preis: 7,95 EUR weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben