Pro:
wunderbare Geschichte, toller Einblick in Geishakultur
Kontra:
eigentlich nichts- uneigentlich siehe Bericht
Empfehlung:
Ja
"Endlich mal wieder ein Bericht"... oder "Boah nee...wieder seitenweise Geschafel" oder auch "Soll ich mir das jetzt wirklich durchlesen? -Hier haste dein sehr hilfreich" Jaja... ich kann eure Gedanken lesen, nicht wahr?
Aber nun geht`s los mit meinem neuen Bericht über das Buch "Die Geisha" von Arthur Golden, welches ich gestern endlich fertig gelesen habe.
1. Inhalt (Vorsicht laaaang, Kurzfassung darunter für die, die die lange Version abschreckt)
2. Das Buch (Entstehung, Vorbild)
3. Der Autor
4. Fakten zum Buch (Preis, Verlag...)
5. Wie fand ich`s?
6. Mein Fazit
1. Inhalt
Jeder von uns hat sicher schon einmal auf Bildern eine japanische Geisha gesehen und fast jeder von uns weiß kaum etwas über das Leben dieser geheimnisvollen weiß geschminkten Frauen mit ihrer geisterhaften Erscheinung.
"Prostituierte" werden viele denken oder zumindest so etwas ähnliches.
Doch die Geschichte der Geisha Sayuri zeigt uns ein ganz anderes Bild vom Geisha-Dasein und erzählt uns ihre Biografie.
In den 1930er Jahren lebt das kleine japanische Mädchen Chiyo mit ihren Eltern in einem alten armen Fischerdörfchen am Meer. Dort genießt die Kleine ein, zwar nicht ganz einfaches, aber unbeschwertes Leben- bis ihre Mutter krank wird und zu sterben droht. Denn ihr Vater ist schon sehr alt und glaubt Chiyo und ihre ältere Schwester Satsu nicht allein aufziehen zu können, da er auch nicht das ewige Leben hat. So scheint die zufällige Bekanntschaft, welche Chiyo mit dem Fabrikbesitzer Herr Tanaka macht mehr Schicksal als Zufall zu sein.
Chiyo glaubt er wolle sie und ihre Schwester adoptieren, doch wie sich herausstellen soll kauft er dem Vater die Mädchen ab, um sie nach Kyoto zu bringen.
Ihrer Familie entrissen und in eine völlig fremde Welt verschleppt trennen sich auch die Wege der Schwestern- die ältere Satsu wird an jorou-ya (ein Bordell) verkauft und muss dort als Prostituierte arbeiten, währen Chiyo in einer Okiya unterkommt. Eine Okiya ist ein Haus, in welchem nur Frauen leben- die Okiya lebt nur von den Einnahmen der dort lebenden Geisha (meist nur 1-3). Der Rest der dort ansäßigen Frauen sind die Familienmitglieder oder Bediensteten. Man könnte nun also meinen Chiyo hätte Glück gehabt in einer solchen Okiya unterzukommen. Doch dort wird das Mädchen nicht mit offenen Armen empfangen, denn die Herrin des Hausen, "Mutter" hat vor aus ihr Profit zu schlagen. Chiyo muss die erste Zeit die harte Arbeit einer Bediensteten übernehmen und hat dabei wirklich nichts zu lachen. Alles, was Chiyo an Nahrung, Medizin etc. benötigt, muss sie später an die Mutter zurückzahlen. Dazu muss sie jedoch erst eine Geishaausbildung beginnen, welche ebenso kein Zuckerschlecken ist, wie ihr sehen werdet. Wie ich schon erwähnte, wurde Chiyo nicht mit offenen Armen empfangen, denn die Geisha, welche das Geld für die Okiya verdient, Hatsumomo, sieht in der Neunjährigen eine Konkurrentin, da sie schon früh ihre Schönheit entdeckte- Chiyo hat, wie es für Japaner ungewöhnlich ist, sehr helle, graue Augen.
Hatsumomo erweist sich als Hausdrachen, welcher keine Möglichkeit auslässt, Chiyo zu Beschimpfen oder in Schwierigkeiten zu bringen, was ihre Schulden bei der Mutter selbstverständlich erhöht. Chiyo ist nicht das einzige Mädchen in der Okiya- außer ihr lebt noch ein anderes junges Mädchen dort, welches alle "Kürbisköpfchen" nennen. Die beiden Mädchen befreunden sich, doch zum spielen oder ähnlichem bleibt natürlich keine Zeit, da sie den ganzen Tag arbeiten.
Doch bald darauf beginnt Chiyos Ausbildung zur Geisha, welche aus Unterricht im Tanz, dem Shamisenspiel (ein japanisches Instrument) und weiteren Instrumentenunterricht, der Erlernen der Teezeremonie und so weiter bestand- also alles, was eine gute Gesellschafterin benötigt, um Männer unterhalten zu können. Das klingt natürlich nicht anstrengend, doch neben der Schule waren die Mädchen nicht von ihren Pflichten im Haus freigestellt und mussten nachmittags zusätzlich üben, sowie nachts warten, bis Hatsumomo von Engagements nach Haus kam, um ihr dann zu dienen.
Chiyo hält das anstrengende Leben in der Okiya bald nicht mehr aus und als sie erfährt, wo ihre Schwester sich befindet, macht sie sich natürlich auf dem Weg, um sie zu suchen. Als sie sie gefunden hat, machen beide einen Termin aus, an dem sie flüchten wollen. Doch Chiyo gelingt es nicht- sie möchte über das Dach des Hauses fliehen, fällt jedoch und bricht sich den Arm. Daraufhin erklärt die Mutter, sie sei keine lohnende Investition und bricht ihre Ausbildung ab... Chiyo steht nun ein Leben als Dienerin bevor- oder nicht?
Nein, denn nachdem sie 2 Jahre schon nicht mehr die Schule besucht, wird sie von einer der führenden Geishas Gions (das Geishaviertel Kyotos) Memeha, der Erzfeindin Hatsomomos, ausfindig gemacht, welche die Mutter überredet die Kleine wieder zur Schule zu schicken.
Mameha wird Chiyos "ältere Schwester"- solche familiären Titel haben in Japan nicht nur die Bedeutung, wie wir sie kennen. Denn die Herrin der Okiya heißt schließlich auch Mutter, ohne die leibliche Mutter zu sein, oder alle nennen ihre Schwester "Tantchen" und die "ältere Schwester" ist eine erfahrene Geisha, welche sich einer Maiko (Lerngeisha) annimmt und sie mit Kunden und dem Leben der Geisha vertraut macht.
Durch Mameha schafft es Chiyo schnell sich in Gion einen Namen zu machen und erlebt auch bald ihre mizuage- dies ist die Entjungferung, welche an den Höchstbietenden Mann geht und wird auch einige Zeit später eine richtige Geisha, welche Kürbisköpfchen, die nun die "jüngere Schwester" Hatsumomos ist, in ihrem Erfolg übersteigt. Die Mutter ist davon so begeistert, dass sie Chiyo, welche als Geisha den Namen Sayuri bekam, adoptiert- das heißt, dass sie später die Okiya leiten wird. Doch auch ihr danna- ihr Geliebter (obwohl von Liebe keine Rede sein kann- ein danna hat das Privileg mit der Geisha zu schlafen, muss aber dafür ihre Schule, ihre Kimonos etc bezahlen) ist ein reicher Mann, welcher ihr und der Okiya Wohlstand beschert.
Sayuris Leben scheint eine wundervolle Wende genommen zu haben, doch sie ist alles andere als glücklich, denn als kleines Mädchen machte sie, ebenso zufällig wie die mit Herrn Tanaka, die Bekanntschaft mti einem Direktor, welcher sie weinen sah und ihr ein Taschentuch schenkte. Dies war damals der einzige Mensch, der freundlich zu ihr war- seit sie also ein kleines Mädchen war, träumte sie davon den Direktor wiederzusehen und dies tat sie auch als Geisha, doch Geishas konnten sich nicht einfach ihre Männer heraussuchen- sie mussten denen Gesellschaft leisten, welche sie engagiert hatten, oder welche am reichsten waren und sich für sie interessierten. Der Direktor jedoch tat die`s augenscheinlich nicht, jedoch aber sein bester Freund- ein sehr erfolgreicher, aber sehr entstellter Mann namens Nobu. Nobu gelang es nicht Sayuris mizuage zu ersteigern und auch nicht ihr danna zu werden, dennnoch verband sie eine enge Freundschaft. Selbstverständlich konnte Sayuri angesichts des Interesses, welches Nobu an ihr zeigte, nicht seinem besten Freund, dem Direktor mehr Aufmerksamkeit schenken und so erfüllte sich ihr Traum von einem Zusammenleben mit dem Direktor nicht...nicht gleich, denn 1944 wurde auch Japan sehr stark in den Weltkrieg involviert und das Vergnügungsviertel Gion geschlossen- Sayuri verlor ihren danna und arbeitete in der Kimonoherstellung- Nobu hatte sie damit vor der Arbeit in einer der schlimmen Fabriken bewahrt.
als der Krieg vorüber war, versuchte Nobu Sayuris danna zu werden, was sie sehr erschütterte, da sie ihn nicht verletzen wollte, doch das hätte sie unweigerlich getan, wenn sie mit ihm geschlafen hätte, da sie ihn nicht liebte und auch nicht begehrte. Also schmiedete sie einen Plan, um Nobu davon abzuhalten ihr danna zu werden- sie ließ sich dabei erwischen, wie sie mit einem anderen Mann schlief. Doch statt Nobu erwischte sie der Direktor, was zunächst eine Katastrophe zu sein schien, doch es stellte sich heraus, dass Nobu so bös auf Sayuri war, als er davon Wind bekam, dass es jeglichen Kontakt abbrach- dies ebnete den Weg eines gemeinsamen Lebens mit dem Direktor- denn auch er begehrte Sayuri schon seit er sie das erste Mal sah, konnte wegen Nobu aber nie seine Gefühle zeigen.
Bis zu seinem Tod blieb er Sayuris danna, welche ein unglaublich schönes "Restleben" mit ihm genoss- denn sie hatte das erreicht, nach dem sie sich ihr ganzes Leben sehnte.
Um es kurz zu machen:
Es ist die Geschichte der kleinen Chiyo, welche von ihrem Vater verkauft wird und muss eine schwere Ausbildung zur Geisha machen. Sie sehnt sich ihr Leben lang nach einem Leben, was ihr gehört und nach einem Mann- diesen kann sie jedoch nicht haben, da sie als Geisha dazu verpflichtet ist den Mann zu nehmen, welcher finanziell am besten dasteht. Dennoch gelingt es Sayuri (den Namen trägt sie als Geisha) am Ende ihr Glück zu finden, nachdem sie qualvolle Jahre überstanden hat.
2. Das Buch (Entstehung, Vorbild)
Ich muss leider sagen, dass das Buch keine Biografie ist, sondern ein erfundener Roman- Warum leider? Das erkläre ich später. Dennoch ist es keine rein aus dem Hut gezogene Story, denn Arthur Golden ließ sich sehr stark von den Erzählungen einer echten Geisha inspirieren- Mineko Iwasaki, von welcher man schon einmal gehört haben sollte. Sie war eine der erfolgreichsten Geishas Japans und wurde durch ihre Biografie "Die wahre Geschichte der Geisha" berühmt.Golden hat jahrelang Recherchen angestellt und ist sogar nach Kiyoto gefahren, um einen richtigen Blick auf die Dinge zu bekommen. 1997 erschien der Roman, welcher ein Bild gerade rückt- Geishas als Frauen mit Schicksal, als Gesellschafterinnen, als Kunstwerk, als Geliebte und nicht als bloße Prostituierte.
Golden beschreibt dies auch am Ende des Buches in seiner Danksagung und es wird deutlich, dass er tiefe Einblicke in diese fremde Kultur hatte, welche bin heute noch den meisten Augen verschlossen bleibt. Er erarbeitete dieses Buch in fast 10 Jahren Arbeit und es sollte daran deutlich werden, wie detailverliebt er die Geschichte erzählt- obwohl es dabei wirklich nicht zuletzt um das Schiksal Chiyos/Sayuris geht, sondern darum, zu zeigen wie das Leben in dieser fernen abgeschotteten Welt der Okiyas und Teehäuser aussieht.
Golden studierte japanische Kunst und Geschichte und lebte selbst jahrelang in Japan- wir können also sichergehen, dass "Die Geisha" kein Hirngespinst eines Mannes ist, auch wenn Dinge, wie die Ersteigerung der mizuage (Entjungferung) so etwas manchmal vermuten lassen könnten.
3. Der Autor
Wie ich schon erwähnte, studierte Arthur Golden Japanische Geschichte und Kunst, sowie Anglistik in Harvard und an der Columbia University- kann also kein dummer Mann sein, denke ich mir mal. Er wurde 1957 in Tennessee geboren. Die Geisha ist sein erstes Werk, zu welchem ihm die Bekanntschaft mit dem Sohn einer Geisha inspirierte.
Heute lebt er mit seine Frau und seinen zwei Kindern in Massachusetts.
4.Fakten zum Buch
Originalausgabe erschien in den USA 1997
Originaltitel: "Memoirs of a Geisha"
dt. broschierte Ausgabe beim btb Verlag erhältlich für 10€ (Ausgabe von 2000)
ISBN: 3442726328
572 Seiten
Die gebundene Ausgabe gibt`s so gut wie nirgends mehr, aber
ISBN: 3570001555
5. Wie fand ich`s?
Ja, ich mag es, auch wenn es zum Teil schlechte Kritiken bekommen hat. Doch ich bin Golden dankbar für die Aufklärungsarbeit, die er da geleistet hat, auf so eine Art, dass man es nicht einmal mitbekommt.
Ich kann jedem erklären, was ein danna, eine Okiya, eine mizuage ist, oder wieso Lerngeishas rote Kissen in ihrer Frisur haben, die "Gespaltener Pfirsich" heißt, oder was ein Obi ist und wann Geishas welche Kimonos tragen, denn all diese Dinge werden, ohne es aufdringlich erscheinen zu lassen, erklärt. Natürlich sollte man Vorsicht walten lassen, da es ja nur ein erfundener Roman ist- die Männer in den Teehäusern sind zum Teil sehr sexistisch und so etwas erwartet man von Japanern nicht, ebenso dass die Parties in Trinkgelagen enden. Doch ich wusste dies ja am Anfang nicht und glaubte, es handle sich hier um die wirkliche Geschichte eine Geisha namens Sayuri, doch nachdem ich erfuhr, dass es nur Goldens Fantasie entsprungen ist, fing ich an, manche Stellen anzuzweifeln, was natürlich nicht zum Lesevergnügen beitrug. Denn plötzlich erschienen mir die Zufälle zu zufällig und manche Dinge einfach zu unglaubwürdig. Hätte ich dies nie erfahren, würde ich sagen, es sei die bewegenste Geschichte gewesen, die ich je lesen durfte. Denn es gab Momente, in denen es mir nicht gelang das Buch wegzulegen, da ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht, wie Chiyo wieder einmal von den Menschen in ihrer Umgebung benutzt wird. Denn mir wurde klar, ohne hier ein überemanzipiertes Statement abgeben zu wollen, dass die Geishas nur dazu da sind, dafür leiden, um Männern die Abende schön zu gestalten- die haben sie zu unterhalten, schön auszusehen, ihnen Sake nachzuschenken und wenn möglich ihnen die Nacht zu versüßen, jedoch niemals wahre Emotionen zeigen, etwas selbst bestimmen wollen.
Natürlich sind sie irgendwie Prostituierte, doch das ist nicht ihre Hauptaufgabe. Sie sind viel mehr und ihr Leben ist so komplex, dass es mich in seinen Bann gezogen hat- ich verschlinge alles, was ich über das Leben von Geishas finden kann, denn die Fremdartigkeit dieses Lebensstils begeistert mich. Dieses Buch hat mich dazu gebracht einen tiefen Einblick zu bekommen. Ich durfte eine herzergreifende Geschichte lesen und gleichzeitig meinen Horizont erweitern- dafür danke ich Arthur Golden.
6. Fazit
Natürlich empfehle ich es euch! Und es ist nicht nur ein Buch für Frauen- ich kenne schon 2 Männer, die ebenso begeistert waren, wie ich.
Am besten ihr lest es, ohne euch Gedanken darüber zu machen, ob die Geschichte wahr ist, oder nicht, dann ist es eine wirklich interessante Geschichte- nicht spannend, nicht mitreißend, aber außergewöhnlich und anfangs sehr fremd. Doch am Ende hat man einen Einblick in diesen Teil der japanischen Kultur, ohne trockene Lektüre gelesen zu haben, dennoch sollte man den Abstand wahren können und sagen, dass nicht alle Japaner in Vergnügungsviertels gehen und betrunken mit Geishas schlafen wollen, dass aber solche die gern die Gesellschaft dieser Damen in Anspruch nehmen, sehr wohl wissen, dass die Streifen in ihem Nacken Schamlippen symbolisieren.
Am besten man stöbert danach noch etwas bei wikipedia- es fällt dann leichter die Geschichte der kleinen Chiyo von dem zu trennen, was Golden und wirklich über die Kultur mitgibt.
Ich wollte eigentlich erst einen Stern abziehen, aber da dieses Buch eines meiner Lieblingsbücher geworden ist, bekomme ich es nicht über`s Herz- denn am Ende bin ich ja selber schuld, dass ich schon zu früh Nachforschungen angestellt habe und mir somit die Lesefreude ein wenig getrübt habe.
Also kauft es euch, oder leiht es aus- es interessiert sicher nicht jeden, aber wer eine schöne Geschichte lesen möchte, über das Bedürfnis nach Liebe, Selbstbestimmung und Freiheit oder wer einfach seinen Horizont erweitern möchte, kann sich ruhig im Buchhandel mal umschauen.
Wer fragen hat, kann sich an mich wenden.
Ich freue mich über Kommentare und Anregungen weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben