Pro:
Gut zu lesen
Kontra:
Kurzzeitig etwas in die Länge gezogen
Empfehlung:
Ja
Vor etwa eintausend Jahren galt der Aderlass unter den Ärzten in Europa als Allheilmittel, den Ärzten war auch wenig daran gelegen, ob dem Patienten geholfen wird, viel mehr waren sie an dessen Geldbörse interessiert (Ist das Heute eigentlich anders ?) und so konnten auch nur die Vermögenden es sich überhaupt leisten.
Zu jener Zeit wuchs der Junge Robert J. Cole als eines von sieben Kindern eines Zimmermannes auf, seine Mutter war gerade mit dem achten Kind schwanger und stand kurz vor der Entbindung, doch beim Einkaufen wird sie von den Wehen überrascht und schafft es gerade noch eine Frau zu bitten, ihren Ehemann zu informieren. Zusammen mit seinem Vater bringt Rob die von der schweren Geburt erschöpfte Mutter und das Neugeborene nach Hause.
Nach kurzer Zeit scheint es ihr dann auch wieder besser zu gehen, doch am dritten Tag stellt Rob fest, dass sie sehr starkes Fieber hat und als er ihre Hand nimmt durchzuckt es ihn wie einen Blitz, mit absoluter Sicherheit weiss er, was mit ihr passieren wird. Am nächsten Tag ist sie tot.
Kurze Zeit später wird auch sein Vater bei einem Arbeitsunfall schwer verletzt und wieder sieht er den Tot, als er die Hand seines Vaters nimmt, kurze Zeit darauf stirbt auch er. Da die Kinder nun Waisen sind werden sie von anderen Familien aufgenommen, nur Rob bleibt alleine zurück, bis eines Tages ein fahrender Händler nach London kommt, der ihn als seinen Gehilfen aufnimmt. Dieser zieht mit seinem Karren durch das Land und verkauft dem gemeinen Volk, die sich ja keinen richtigen Arzt leisten können sein Allheilmittel.
So lernt Rob also, wie er Wunden und sonstige kleinere Verletzungen verarzten muss, doch das ist ihm bald nicht mehr genug, denn immer wieder kommt es vor, dass er den Leuten nicht helfen kann und so versucht er, eine richtige Ausbildung als Arzt zu bekommen, aber er muss schnell feststellen, dass das die Ärzte alles Scharlartane sind, bis er eines Tages auf einen jüdischen Arzt trifft, der einem Mann sein Augenlicht durch eine für damalige Verhältnisse als Wunder zu bezeichnende Operation sein Augenlich zurück gegeben hat.
Doch dieser Arzt darf ihn nicht ausbilden, den Rob ist ein Christ und es wäre für beide der sichere Tod gewesen, wenn ein jüdischer Arzt sich einen Christen als Lehrling genommen hätte. Aber so erfährt Rob von einer medizinischen Universität im fernen Persien und eine aufregende Reise quer durch Europa beginnt, denn für Rob ist klar, dass er die ihm von Gott gegebene Gnade einsetzten möchte um den Menschen zu helfen.
Das soll dann auch fürs Erste mal ausreichen. Zu "Der Medicus" bin ich gekommen, weil ich durch "Die Säulen der Erde" so sehr von dieser Zeit fasziniert war, dass ich mir etwas vergleichbares gesucht habe, allerdings kommt "Der Medicus" meiner Meinung nach nicht ganz an "Die Säulen der Erde" heran, weil ich es zumindest als nicht ganz so spannend empfunden habe, dieses ständige Verlangen, weiterlesen zu wollen habe ich hier einfach etwas vermisst. Zeitweise empfand ich das Buch sogar etwas zu sehr in die Länge gezogen, vor allem etwa durch das dritte viertel musste ich mich schon etwas quälen.
Trotzdem muss ich ganz klar sagen, dass es ein tolles Buch ist, vor allem, weil es auch aufzeigt, welche zerstörerische Wirkung religiöser Wahn haben kann, auch wenn die Geschichte der Phantasie des Autors entspricht könnte ich mir vorstellen, das es sich wirklich so zugetragen hat. Vor allem, wenn man die parallelen zu den heutigen religiösen Fanatikern, eintausend Jahre später zieht stellt man fest, dass sich eigentlich nur die Mittel geändert haben. Es zeigt aber auch, dass es eine Zeit gab, als auch in Europa zahlreiche Menschen wegen ihres Glaubens verurteilt und hingerichtet wurden.
Diese Reise nach Persien, dem heutigen Iran hat mich sogar so sehr fasziniert, dass ich im Atlas einmal versucht habe, den Reiseweg nachzuvollziehen und bekam so noch mehr das Gefühl, auf dieser Reise mit dabei zu sein. Genial hat Gordon auch zwei wahre Personen in seine Novelle mit eingebaut, denn der Chafarzt Ibn Sina und sein langjähriger Assistent haben laut Aufzeichnungen wirklich gelebt und so erfährt man durch das Buch auch noch etwas aus der Geschichte Persiens.
Geschrieben wurde "Der Medicus" von Noah Gordon, der 1926 in Massachusetts geboren wurde, bereits mit seinem erstern Roman "Der Rabbi" schaffte er den Durchbruch, doch "Der Medicus" dürfte wohl zumindest in Europa sein bekanntestes Werk sein, welches übrigens in "Der Schamane" seine Fortsetzung findet.
Zum Ende noch der Preis: Die Taschenbuchausgabe mit etwas über siebenhundert Seiten hat mich etwa 12 Euro gekostet. weiterlesen schließen
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