Pro:
herrliche Stadt mit vielen Freizeitmöglichkeiten offene Menschen, herrliches Muldental
Kontra:
ehemalige sowjetische Kasernen Gebäude verfallen
Empfehlung:
Ja
Am Donnerstag 15.08.2002 fuhr ich nach Grimma um einen alten Freund zu besuchen. Ich hatte lange hin und herüberlegt, ob ich nun überhaupt hin fahren sollte. Ich war ja noch nie dort und vor 2 Tagen war ja dieses schreckliche Hochwasser in der Stadt.
Die Mulde ein sonst ach so friedlicher Fluß war über die Ufer in die Stadt geschwappt. Das große Pech von Grimma war ja das es in einer Flußbiegung der Mulde liegt, so das die ganzen Wassermassen hinein in die Stadt gedrückt wurden. Die Mulde ist bis kurz vor Grimma ( bei Sermut) zweigeteilt in eine Freiberger und eine Zwickauer Mulde.
Mein Freund hatte mich aber nochmal angerufen und mich ermuntert doch zu kommen. Da mein Freund in Grimma - West wohnte war er zum Glück nicht direkt vom Hochwasser betroffen. An der Autobahn A 14 mußte ich eine Ausfahrt früher runter da ja die Innenstadt von Grimma komplett gesperrt war. So kam ich über Klinga - Großsteinberg - Grethen nach Grimma.
Ich war sehr erstaunt das mein Freund in einem tollen neu errichteten Haus wohnt, weil er mir erzählt hat das dort wo er wohnt eine ehemalige sowjetische Kaserne war. In der nähe sind auch noch einge Gebäude dieser Kaserne zu sehen. Renovieren lohnt sich da nicht mehr. Sie werden wohl mit der Zeit abgerissen werden. Bis dahin sind sie dem Verfall preisgegeben. In der Nähe sind auch noch Gebäude die von den Sowjets als Pferdeställe genutzt wurden. Eigentlich sollte es ja nur ein Kurzbesuch sein. Ich wollte wieder zurückfahren. Aber ich habe mich dann kurzfristig entschlossen noch bis Sonntag zu bleiben.
Mein Freund hat mir ein Quartier in Großbardau einer Ortschaft etwa 3 Kilometer entfert besorgt. Dort konnte man für 15 Euro Übernachten und bekam ein äußerst reichliches Frühstück dafür. Marmelade (selbstgemachte aus Quitten) Wurst, Käse,einfach alles was das Herz am Morgen so begehrt.
Am Freitag habe ich dann erst so richtig gesehen wie das Ausmaß der Flut gewesen ist. Menschen haben ihr Hab und Gut verloren und standen quasi vor dem nichts. Mein Freund zeigt mir vieles und war dabei den Tränen nahe. Wir waren am Kloster Nimschen einem kleinen zur Stadt gehörenden Vorort von Grimma. Dort war Katharina von Bora die spätere Frau von Martin Luther als Nonne. Im Jahre 1523 kam es dort zur Nonnenflucht. Gegenüber befindet sich ein Gasthof, eine Bowlingbahn und eine Minigolfanlage. Neben der Klosterruine war auch noch ein Gehege mit Hirschen.
Alles wurde leider von den Wasser und Schlammassen überrollt. In Grimma unten an der Mulde ist eine wunderbare Hängebrücke die durch die Flut richtig verdreht wurde und so unbegehbar wurde. Noch schlimmer erwischt hat es weiter vorne eine Brücke mit dem Namen Pöppelmann-Brücke. Sie wurde glatt weggerissen. Eine Brücke die einen großen Historischen Wert hatte. Zwischen den beiden Brücken befindet sich das 450 Jahre alte Gymnasium St. Augustin. Hier stand das Wasser bis zum 1. Stock wurde mir erzählt. Das Gymnasium trug früher auch den Namen Fürstenschule. Es ist zu Bekanntheit gelangt durch einen Tatort mit Peter Sodan.
Auch die Fußball-Arena in Grimma ( Stadion der Freundschaft ) wurde ein Opfer der Fluten. Die komplette Innenstadt mit alle ihren wunderbaren Geschäften und Wohnhäusern wurde überflutet.
Die Flut hat Grimma wirklich hart getroffen und viele Menschen standen vor dem Nichts. Ich habe niemand gesehen der sich von all dem hat Kleinkriegen lassen. Im Gegenteil - die Menschen sind zusammengestanden und haben Einander geholfen so gut es ging. Kinder deren Schule ausgefallen war packten an und malochten mit ganz freiwillig. Menschen aus Umliegenden Ortschaften kamen spontan und boten ihre Hilfe an und packen mit an und schufteten. Mit dabei waren natürlich auch THW, Feuerwehr und Rotes Kreuz.
Die Bilder die ich an diesem Tag gesehen habe, haben mich lange nicht mehr losgelassen.
Am Samstag ging ich dann in das Göschenhaus. Ein Museum das nach einem Ortansässigen Verleger namens georg Joachim Göschen benannt wurde. Zu sehen sind dort viele Relikte aus der Zeit von Göschen. Man bekommt einen Einblick wie man damals gelebt hat. Zu sehen sind auch alte Bücher und Reisliteratur von Johann Gottfried Seume. Dieser Seume ist ein Mann der einmal eine Reise von vielen, vielen Tausend Kilometern getan hat zu Fuß. Darüber hat er Reiseberichte geschrieben.
Am Sonntag bin ich wieder gefahren mit dem festen Entschluss wieder zu kommen. Das bin ich dann auch genau ein Jahr nachdem ich des erste mal in Grimma war. Was ich in den Tage nach dem 15.08.2003 in Grimma gesehen haben, das hat erstaunen und Bewunderung zugleich in mir geweckt. In Nimschen ist der Minigolfplatz und die Bowlingbahn wieder in Betrieb. Über der Mulde drüben steht das Restaurant "Schiffsmühe" wie eh und jeh.
Die Hängebrücke ist neu errichtet und ist wieder begehbar. Die Pöppelmannbrücke wurde leider nicht wieder errichtet. Der Marktplatz ist wieder mit einem Kopfsteinpflaster überzeugen. Fast alle Einzelhändler haben ihre Läden in der Innenstadt wieder. Stellvertretend möchte ich hier den Metzger Mai nennen der eigentlich 2002 das Hunderjährige bestehen feiern wollte.
An Einkaufsmöglichkeiten ist Grimma üppig bestückt. Das ist in Grimma West beispielsweise das PEP Einkaufzentrum das fast 40 Einzelgeschäfte beherbergt.
Hier bekommt jeder was er braucht und hat keine langen Wege und gute Anfahrtsmöglichkeiten.
Der einzige Wermutstropfen in Grimma sind diese ehemaligen Kasernengebäude.
Grimma ist Dank seiner Menschen wieder auferstanden und ist auf dem Weg zu einer wahren Perle im Muldental.
PS: Dieser Bericht wurde von mir schon bei Ciao veröffentlicht. weiterlesen schließen
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