Pro:
Großeltern sind eine Bereicherung für Kinder
Kontra:
manchmal sterben sie zu früh oder werden schwer krank
Empfehlung:
Nein
Hallo liebe Leserschaft!
Nach nur 1 Tag hat Yopi diesen Kategorievorschlag angenommen. Das Thema Großeltern. Und ich habe einiges zum Thema beizutragen. Es wird ein sehr emotionaler Bericht werden, doch ich will ihn schreiben für mich selber.
!Ich bitte alle Scroller, diesen Bericht wieder zu schließen und ihn nicht einfach wegzuscrollen, es steckt eine Menge Arbeit drin, und der Bericht wurde teilweise unter Tränen geschrieben. Habt wenigstens soviel Anstand, dann den Bericht zu schließen, wenn er euch nicht interessiert!
Großeltern, tja das sind oftmals wichtige Personen im Leben. Normalerweise hat man zwei Großelternpaare. Einmal sind es die Großeltern väterlicherseits (also die Eltern vom eigenen Vater) und dann noch die Großeltern mütterlicherseits (also die Eltern der eigenen Mutter). Leider haben nicht viele Menschen das Glück, mit den Großeltern Kontakt zu haben, oder sie zu kennen.
Meine Kinder haben nur Kontakt zu ihren Großeltern mütterlicherseits, also zu meinen Eltern. Zur Oma ihres Papas (meines Darlings Mutter) haben wir jeglichen Kontakt abgebrochen. Das warum gehört hier nicht hin, dazu hatte ich mich schon einmal in einem Bericht geäußert.
Meine Eltern sind noch recht jung, aber stolze Großeltern. Meine Mom war gerade mal 38 Jahre alt, als sie zum ersten Mal Oma wurde. Aber für die Kinder ist es schön, eine recht junge Omi zu haben. Mein Dad war gerade 41 als wir ihn zum Opi machten. Oftmals dachten viele Leute damals, unsere Tochter, seine Enkeltochter, wäre sein eigenes Kind ;o), weil man ihn seine 41 wirklich nicht ansah. Meine Eltern sind wirklich tolle Großeltern, und die Kinder lieben sie.
Aber worum es mir eigentlich geht, sind meine Großeltern. Meine Oma und meinen Opa mütterlicherseits kenne ich nicht mehr. Meine Oma starb als ich gerade mal 2,5 Jahre alt war. Es gibt Bilder von ihr, aber ich kann mich nicht an sie erinnern. Mein Opa mütterlicherseits verstarb als ich knapp 7 Jahre alt war. An ihn kann ich mich kaum erinnern. Nur an einen Satz, den ich mit 6 abließ erinnere ich mich noch, weil alles danach sehr lachen mussten ;o).
Meine Großeltern väterlicherseits haben mich mein ganzes Leben begleitet. Als Kind bin ich oft dort gewesen. Als ich noch im Kleinkindalter war, verbrachte ich die ganze Woche dort, weil meine Eltern beide berufstätig waren. Auch später war ich viel bei Omi(82,5 Jahre) und Opi. Da meine Mutter durch ihre Berufstätigkeit wenig Zeit für mich hatte, war immer meine Oma mein Anlaufpunkt, wenn ich Probleme hatte. Sie hat mir immer zugehört, und war immer für mich da. Mein Opa hat mich immer gerne geärgert, zwar liebevoll, doch kannte er meine wunden Punkte, und zog mich immer auf, bis ich „hochging“ wie eine Rakete. Trotzdem hatte ich ihn sehr lieb. Als ich älter wurde, sind wir stundenlang spazieren gegangen und haben über alles geredet. Mein Opa war der Beste. Aber leider steht hier sehr offensichtlich War!, denn er ist vor fast 10 Jahren verstorben. Es tut mir heute noch weh, das ich ihn vorher nicht mehr gesehen habe, und ihm nicht sagen konnte, wie sehr ich ihn geliebt habe. Er war dann auf einmal weg, und in mir blieb diese große Lücke zurück. Ich wollte ihm noch soviel sagen, ich wollte ihm gerne noch einmal in den Arm nehmen und ihn drücken, ihm Lebewohl sagen, doch leider war es nicht möglich.
Vor 11 Jahren erkrankte mein Opa an Krebs. Vorher hatte er schon 4 x einen Herzinfarkt gehabt. Den Krebs konnte er fast besiegen, auch wenn er keine Haare mehr auf dem Kopf hatte durch die Chemotherapie. Auch war er sehr dünn geworden, doch er hatte es geschafft. Er lernte sein zweites Urenkelkind (das erste war die Tochter meines Cousins), unsere Tochter noch kennen. Er konnte sie noch auf den Arm nehmen, mit ihr schmusen und kuscheln. Dann musste er wieder ins Krankenhaus. Dieses Krankenhaus war eine Katastrophe. Noch alter DDR Standart, wirklich Baracken. Weil wir 250 km von meinen Großeltern entfernt wohnten, hatten wir nicht sehr oft die Möglichkeit, Opa im Krankenhaus zu besuchen. Einmal haben wir ihn besucht im Juni 1992. Es war erschreckend, was ich dort sah. Sowas nannte sich Krankenhaus? Am liebsten hätte ich meinen Opa dort raus geholt und mit nach Minden genommen, vielleicht hätte er den Sommer dann überstanden. Doch in diesen schlecht belüfteten Baracken hat er sein Ende gefunden. Er verstarb am 01. August 1992 an einem Herzversagen.
Als die Nachricht von seinem Tod kam, war ich fertig, ich weinte 2 Tage und fühlte mich schlecht, weil ich ihn nicht mehr besucht hatte. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich hatte ihn im Stich gelassen. Die Beisetzung war zwar sehr gut vorbereitet, doch ich habe wenig mitbekommen, weil ich soviel weinen musste. Mein Opa war ein großer Mann, doch die Urne mit seiner Asche war so klein, dass ich nicht glauben wollte, das dies alles von ihm gewesen sein soll. Auch wenn ich meinem Opa nie nochmal zum Abschied sagen konnte wie lieb ich ihn hatte, er bleibt immer in meinem Herzen, und ich denke viel an ihn.
Nun kommen wir zu meiner Oma. Meine Oma ist für mich eine wichtige Person. Sie war immer für mich da, schon von Klein auf. In meinen Ferien war ich immer dort. Wir frühstückten gemeinsam, wir aßen gemeinsam zu Mittag, wir spielten zusammen Romme, Canasta und Mensch ärgere dich nicht. Sie hat mich immer teilhaben lassen an ihrem Leben. Sie hatte viele Geschichten aus ihrem Leben parat. Schöne und auch Traurige. Ich konnte stundenlang mit ihr reden, mit ihr knuddeln und schmusen. Wenn ich Probleme hatte, hörte sie mir zu, gab mir Ratschläge und half mir, wo es nur ging. Ich liebe meine Oma, und sie liebt mich.
Seit meines Opas Tod baute Oma immer mehr körperlich und geistig ab. Sie war ja nun ständig alleine. Sie wurde misstrauisch gegenüber anderen, und ließ kaum jemanden an sich ran, doch ich konnte immer zu ihr kommen. Nur einmal hat sie mich etwas vor dem Kopf gestoßen, da waren wir wieder in Westeregeln (so heisst der Ort, wo meine Oma wohnt), um sie zu besuchen, und sie ließ mich nicht rein, sie ließ mich einfach vor verschlossener Tür stehen. Da war ich fertig das tat weh.
Nun in den letzten Monaten baut meine Oma immer mehr ab, und es tut mir weh, es mit ansehen zu müssen, und nicht helfen zu können. Schon Ende letzten Jahres war einmal so eine Situation, wo ich Angst hatte, ihr wäre etwas passiert. Meine Cousine, die mit im Haus bei Oma wohnt, war im Urlaub, und wir konnten Oma telefonisch nicht erreichen. Den ganzen Tag hatte ich versucht dort anzurufen. Da sie zu dem Zeitpunkt etwas stark erkältet war, und auch mein Dad sie nicht erreichen konnte, alarmierten wir meine Tante, sie sollte dort mal vorbei gehen, und versuchen herauszufinden, was mit Oma los war. Doch sie klingelte und klopfte vergebens, es rührte sich nichts. Dann sind mein Dad und mein Darling abends noch dorthin gefahren (250 km). Es stellte sich dann heraus, das Oma sich Watte in die Ohren gesteckt hatte, weil sie Ohrenschmerzen hatte, und deshalb weder das Telefon, noch die Türklingel und das Klopfen gehört hatte. Als dann gegen 22:30 Uhr der erlösende Anruf von meinem Mann kam, fiel mir ein Stein vom Herzen. Die ganze Zeit über war ich total am Ende, bin wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Wohnung gelaufen und habe immer wieder mit meiner Mom telefoniert, die auch zu Hause geblieben war. Nachts um 2.30 Uhr waren mein Darling und mein Dad dann wieder zurück. Der Schrecken saß mir noch viele Tage später in den Knochen.
Da meine Oma sehr wackelig auf den Beinen ist, mache ich mir eh stets etwas Sorgen um sie. Oft ist sie schon gestürzt, und ich habe immer Angst, dass sie mal stürzt, wenn keiner in der Nähe ist, der ihr helfen kann.
Ende Juni stürzte sie wieder, als sie ins Dorf zum Einkaufen gehen wollte. Man hat ihr zwar gleich geholfen, und sie nach Hause gefahren, doch der Sturz war so schlimm gewesen, das sie bald gar nicht mehr gehen konnte. Zwei Tage später wurde sie mit dem Notarzt ins Krankenhaus nach Staßfurt gebracht. Dort war sie fast zwei Wochen. Am Samstag, den 29. Juni fuhr ich mit meinen Eltern hin, um sie im Krankenhaus zu Besuchen. Was da in mir vorging kann ich gar nicht beschreiben, es war Angst vor dem, was ich dort eventuell zu sehen bekam, denn das mit Opa ist nun knapp 10 Jahre her, und ich hatte Angst.
Als Oma dann am 05. Juli entlassen wurde aus dem Krankenhaus, stürzte sie zu Hause gleich wieder, doch zum Glück nicht so schlimm. Aber seit dem Sturz im Juni, kann sie sich noch schlechter(kaum noch) bewegen. Sie hat mittlerweile so abgebaut, dass sie einen Pflegedienst hat, der zu ihr kommt, ihr beim Waschen und Ankleiden hilft. Ihr die offenen Beine verbindet und auch so etwas hilft. Doch der Pflegedienst ist ja nie lange da, und die restliche Zeit braucht Oma auch Pflege(die meine Cousine dann übernimmt). Letztes Wochenende waren wir in Westeregeln. Meine Cousine wollte am Wochenende mal wieder weg, und wir übernahmen dann die Pflege von Oma. Wir fuhren Freitag hin und kamen am Sonntag zurück. Freitag abend habe wir mit Oma zu Abend gegessen. Dann habe ich sie später für die Nacht fertig gemacht, sprich, sie gewaschen, ihre Beinwunden versorgt, und ihr geholfen das Nachthemd anzuziehen. Dann hat sie noch etwas TV geschaut, und ich habe sie dann um halb Neun ins Bett gebracht. Da meine Oma kaum noch gehen kann, muss sie nachts sowas wie Windeln tragen. Diese muss ich ihr ummachen und tagsüber ihr Einlagen geben(sie merkt nicht mehr, wann sie mal Muss.)
Die Pflege am Wochenende war recht anstrengend, doch ich habe es gerne getan. Ich konnte ihr wenigstens zeigen, das auch ich mal für sie da bin, jetzt wo sie Hilfe braucht. Doch leider wohnen wir zu weit weg, um ihr öfter zu Helfen, und ich kann nicht mal gerade eben zu ihr fahren, schließlich habe ich auch meine Familie und muss arbeiten, und 250 km fährt man nicht mal eben schnell dahin.
Zum Glück war es am Samstag dann auch mal trocken und warm, so dass wir mit Oma im Hof sitzen konnten, und das schöne Wetter genießen konnten. Somit konnten wir ihr einen wunderschönen Tag bescheren. Sie hat etwas geweint, als wir Sonntag wieder nach Hause fahren mussten, und meinte, dass es schön wäre, wenn ich doch eine Ganze Woche dableiben könnte (anscheinend habe ich es gut gemacht mit der Pflege, obwohl ich so keine große Ahnung davon habe). Ich würde am liebsten öfter hinfahren, doch das geht leider nicht.
Was mich traurig macht, ist dass Oma nun so leiden muss, und kaum noch was alleine kann. Es tut weh, nicht soviel helfen zu können, zu sehen, wie sie immer mehr abbaut. Ich habe große Befürchtungen, dass meine Oma diesen Sommer nicht mehr überleben wird. Einerseits wäre es eine Erlösung für sie, denn sie hat auch keinen Lebenswillen mehr, doch für mich wäre es ein weiterer sehr großer Verlust. Klar muss ich sie gehen lassen, doch es tut weh, daran zu denken, und ich werde auch sehr dran zu knabbern haben. Aus all diesen Gründen haben ich mich derzeit auch etwas zurückgezogen, und falls Oma nun doch Erlösung findet, werde ich mich wohl noch mehr zurückziehen.
Ich denke Großeltern sind wichtige Personen für uns, und solange man sie hat, sollte man ihnen zeigen, wie lieb man sie hat, du wie wichtig sie einem sind. Auch wenn alte Leute manchmal etwas senil oder abweisend scheinen, lasst euch nicht davon abschrecken. Eure Großeltern haben ein langes, manchmal auch sorgenvolles Leben hinter sich. Oftmals bittere Erfahrungen machen müssen, und sowas prägt, und kommt manchmal im Alter auch wieder hervor. Ich bin froh und dankbar, dass ich so eine liebe Oma habe, dass sie immer für mich da war, wenn ich sie brauchte. Es macht mich traurig, nu nicht so für sie dasein zu können, wie es vielleicht von Nöten wäre. Solange ich ihr etwas von dem zurückgeben kann, was ich von ihr bekam, bin ich froh. Ich telefoniere derzeit täglich mit ihr, das ist mir wichtig.
OMA ICH HABE DICH SEHR DOLL LIEB, UND DU WIRST IMMER EINEN PLATZ IN MEINEM HERZEN HABEN!
Ich bedanke mich, dass ihr euch die Zeit genommen habt, diesen doch recht langen Beitrag zu Lesen. Ob ihr bewertet ist mir egal, dies ist ein persönlicher Bericht, wie ich zu de Thema Großeltern stehe, und wie ich meine Großeltern empfand/empfinde. Gefühle sind eh schwer zu Bewerten, aber ich musste es einfach mal loswerden.
Vor drei Tagen(04.0802002) kam meine Oma wieder mit akutem Flüssigkeitsmangel ins Krankenhaus. Sie ist nicht mehr in der Lage, alleine zu Essen oder zu Trinken. Sie erkennt ihre nahen Verwandten nicht mehr, und baut immer mehr ab. Es ist für mich ganz schrecklich, mitzubekommen, wie sie immer mehr abbaut und leidet, weil ich sie so sehr liebe. Gerade wenn man jemanden liebt, tut es doppelt weh.
Heute(13.08.2002) kommt meine Oma zur Kurzzeitpflege ins Pflegeheim. Am Freitag werden wir sie noch besuchen fahren, bevor wir Samstag früh um 3:00 Uhr Richtung Dänemark düsen und unseren Urlaub versuchen zu genießen.
Ich wünsche allen, die diesen Beitrag bis zum Ende gelesen haben einen schönen Dienstag und sage nochmals Danke fürs Lesen.
Eure
Weserhexe
Porta Westfalica, den 14.08.2002 17:34 Uhr
(Bericht steht seit Juli schon bei Ciao drin, daher die zwei Anhänge unten dran, weil ich immer was hinzufügte) weiterlesen schließen
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