Pro:
Das Thema könnte so schön aufgearbeitet werden
Kontra:
Langatmig, niveaulos, unrealistisch
Empfehlung:
Ja
| Fakten
Titel: Pompeji
Autor: Robert Harriy
Verlag: Heyne
ISBN: 3-453-47013-3
Preis: 8,95
Seiten: 378
| (Kauf-)Lesegrund
Mein Kollege las gerade den Roman "Pompeji" und da er wusste, dass ich dieses Jahr Pompeji besucht hatte, lieh er mir das Buch. Seine Worte: "Das ist total interessant! Man erfährt, was damals passiert ist und da du dort warst, interessiert es dich bestimmt auch. Weißt du was, ich gebe es dir gleich. Ich bin zwar noch nicht fertig, aber ich habe noch so viele Perry-Rodan-Hefte aufzuholen. Ich komme gar nicht mehr hinterher."
Nun, was erfahren wir daraus? Das mein Kollege üblicherweise Perry-Rodan-Hefte liest und von dem Roman "Pompeji" total begeistert war. Spätestens hier hätte ich skeptisch sein sollen...
| Autor
Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren. Nachdem er in Cambridge studiert hatte, wurde er Reporter bei BBC, Redakteur beim "Observer" und schließlich Kolumnist bei zwei namhaften Zeitungen. Er schrieb unter anderem "Der lautlose Tod", "Vaterland", "Aurora" und "Enigma". Sein neuestes Werk heißt "Imperium".
| Inhalt
Wir schreiben das Jahr 79 n. Chr. Dies sind die Abenteuer des Aquarius Marcus Attilius Primus, der mit seiner unzuverlässigen und arroganten Besatzung aufgebrochen ist, neue Wasserquellen zu erforschen und alte Wasserleitungen zu reparieren....
Na ja, ganz so wie im Raumschiff Enterprise ist es nun doch nicht. Denn eigentlich geht es hier nicht um Sience Fiction, sondern um einen "historischen Kriminalroman". Doch manche Dinge sind mir in diesem Roman aufgefallen, die nach Fiction klingen. So z.B. als der Autor vom Strand bei Herculaneum erzählt, an dem Sonnenschirme und bunte Vergnügungsboote stehen. Oder an der Stelle, an der ein Mann dem anderen den Mittelfinger zeigt.... Nun ja, darüber später mehr. Erst einmal kurz erklärt, worum es in diesem Roman geht.
Der neue Aquarius Marcus Attilius Primus stellt eines Morgens fest, dass das Wasser der Aqua Augusta nach Schwefel riecht. An anderer Stelle sterben Fische in einer Fischfarm. Die Schuld wird dem verantwortlichen Sklaven gegeben, welcher zur Strafe den Muränen zum Fraß vorgeworfen wird. Für den Sklaven kann der Aquarius nichts mehr tun, doch als er erkennt, dass die Fischfarm das Wasser aus einer "verseuchten" Leitung erhält, lässt er den Zulauf des Reservoirs schließen. Aus diesem Wasservorrat muss nun die ganze Stadt und das Umland versorgt werden. Ihm ist klar, dass er die Ursache dieser "Wasserverseuchung" finden muss, bevor der Vorrat zur neige geht. Er hat nur zwei Tage für dieses Unterfangen Zeit....
Seine Arbeit wird ihm nicht leicht gemacht. Da ist zum einen Corax, der offensichtlich etwas zu verbergen hat und ihn - den jungen Aquarius - kaum unterstützt. Zum anderen ist da der profitgierige Emporkömmling und Ex-Sklave Ampliatus, der den jungen Aquarius Marcus Attilius Primus auf seine Seite ziehen möchte. Und dann ist da noch die Vergangenheit des Aquarius, die ihm immer noch zu schaffen macht und die ihn daran hindert, sich in die hübsche Millionärstochter Corelia zu verlieben.
| Meinung zum Schreibstil
Ich muss zugeben, als ich anfing, das Buch zu lesen, nahm ich den Namen des Autors gar nicht war. So fehlten mir von Anfang an der erforderliche Respekt und die Erfurcht, die der Name "Robert Harris" in einem auslösen sollte. Das hatte allerdings einen Vorteil: Ich ging äußerst unbefangen an die Sache heran!
So fiel mir schon nach wenigen Seiten auf, dass ich einen Roman vor mir hatte, der sich durch einfache Sätze, klare Beschreibungen und einem übersichtlichen Aufbau auszeichnet. Eigentlich ein Schreibstil, der mir gefällt. Was mich während des Lesens allerdings sehr störte, waren die teils "unanständigen" Ausdrücke oder Szenen. So wird zum Beispiel von einem Mann berichtet, der "nichts ausließ, nicht einmal Tiere". - Auch die Dialoge bewegen sich auf diesem Niveau. An dieser Stelle möchte ich ein Textbeispiel wiedergeben, auch wenn es mir unangenehm ist. Doch ich möchte verdeutlichen, in welchem Stil das komplette Buch geschrieben ist.
[Quelle: Pompeji, Heyne-Verlag, S. 94] - Der Kai stank nach Kot und Fischabfällen. Unter ihnen, zwischen den Pfeilern des Piers, schwappten eine verfaulte Melone und der weiße, aufgedunsene Kadaver einer Ratte im Wasser. Ein Thema für Poeten! Plötzlich sehnte sich Attilius nach einem dieser kalten, nördlichen Gewässer, von denen er gehört hatte - dem Atlantik vielleicht oder dem Mare Germanicum, wo die Gezeiten täglich Sand und Felsen sauber spülten; einem Ort, der gesünder war als dieser lauwarme römische Teich.
Er sagte: »Wenn wir die Augusta in Ordnung gebracht haben, kann Becco meinetwegen jede Frau in ganz Italien vögeln.«
»Hast du das gehört, Becco? Dein Schwanz wird bald so lang sein wie deine Nase...«
An anderer Stelle stellt der Autor eine Szene dar, in der ein Sklave seinen Herrn massiert hat. Dazu schreibt er folgendes: "Brittius lag jetzt auf dem Rücken, und der junge Sklave hatte ihm offenbar mehr gegeben als nur eine Massage, denn sein Penis war rot und angeschwollen und zeigte auf die fette Rundung seines Bauches." [Quelle: Pompeji, Heyne-Verlag, S. 137]
Genau an dieser Stelle beschloss ich, das Buch aus der Hand zu legen und es nicht zu Ende zu lesen. Ich bin der Meinung, man hätte die einfache und manchmal deftige Art der damaligen Umgangsform anders darstellen können, als der Autor das getan hat. Ich bin sicher, einige werden das Argument vorbringen "so ging das damals eben zu" und "die Menschen waren damals eben so, das ist erwiesen". Aber das hätte man sicherlich einfallsreicher tun können, als Robert Harris das getan hat, indem er solche Szenen immer und immer wieder in ähnlicher Weise darstellte. Die Ausschweifende Lebensweise der Bevölkerung der damaligen Zeit nimmt in diesem Buch eine viel zu dominierende Rolle ein und das Thema des Vesuv-Ausbruchs wird in den Hintergrund gedrängt.
| Meinung zum Inhalt
Und somit bin ich schon mitten drin im Thema "Inhalt", der leider nicht dazu beitrug, dass mir der Roman gefiel. Ich hatte eigentlich erwartet, dass mir Informationen zum Ausbruch des Vesuvs geliefert werden, die meine Neugierde wecken würden. Ich hoffte, dass mir das Buch Dinge bestätigte, die ich in den Ausgrabungsstätten von Pompeji "live" bereits gesehen oder erfahren hatte. Aber bis zur Hälfte des Buches - also bis zu der Stelle, an der ich mit dem Lesen aufhörte - erfuhr ich nur oberflächlich, wie die damalige Wasserversorgung aufgebaut war, und dass Sklaven die Galere mit Muskelkraft in Bewegung setzten. Dafür erfuhr ich jedoch, welchen Freizeitaktivitäten die Menschen damals nachgingen. So erzählt der Autor z.B., dass am Strand von Herculaneum Sonnenschirme aufgestellt waren und man die Reichen dort liegen sehen konnte. Außerdem schwammen Vergnügungsboote im Wasser und Kinder spielten im Sand. Solche Beschreibungen fand ich unrealistisch. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Menschen der damaligen Zeit ein Sonnenbad nahmen. Viel mehr vermute ich, dass sie sich im kühlen Inneren des Hauses aufhielten, wenn draußen die Mittagshitze brannte. An anderer Stelle zeigte ein Mann einem anderen den Mittelfinger. Mittelfinger? Man(n) soll schon 79 n. Chr. den Mittelfinger gezeigt haben??? Auch wenn ich nichts Gegenteiliges beweisen kann, möchte ich diese Behauptungen doch anzweifeln. Auf jeden Fall stießen mir diese Abschnitte unangenehm auf und es gab immer wieder ähnliche Stellen, an denen ich den Kopf schüttelte und mir die Lust am Weiterlesen verging.
Nach etwa der Hälfte des Buches hatte sich immer noch nichts Nennenswertes ereignet und die Story fing an, mich zu langweilen. Ich schloss das Buch und gab es meinem Kollegen zurück. Aufgrund dieser kurzen Erfahrung, dürfte ich wohl keinen Erfahrungsbericht verfassen. Aber nachdem ich nur die Hälfte des Buches gelesen hatte, war meine Meinung ganz klar festgelegt: dieses Buch ist Mist! Es ist sowohl stilistisch als auch inhaltlich dümmlich, niveaulos und nicht einmal als leichte Lektüre am Strand von Caorle geeignet. Jeder Groschen-Liebesroman ist ästhetischer, gefühlvoller und unterhaltsamer als dieses Buch. Wer sich für die Geschichte Pompejis und des Vesuvs interessiert, wird hier meiner Meinung nach enttäuscht. Da ziehe ich jedes langatmige Sachbuch diesem Schundroman vor. Und auch wenn ich hier vielen anderen Yopi-Autoren widersprechen muss (aua, schlagt mich nicht!), die von dem Buch begeistert waren, weil es angeblich fesselnd und spannend sei, so kann ich absolut keine Kaufempfehlung aussprechen.
| Fazit
Auf meiner Homepage gibt es eine Bücherwurm-Liste. Unter "Ab in den Müll damit" landet ab sofort auch dieser Roman.
In diesem Sinne... alles bleibt anders... Eure Dotti
[...auch bei ciao und dooyoo unter ähnlichem Nick tätig ;-) ] weiterlesen schließen
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