Pro:
-
Kontra:
Das Ende / Erzählweise / Vorwegnahme vom Geschehen / fehlende Handlung / fehlende Aufklärung über die Wand
Empfehlung:
Nein
Verdutzt streckte ich die Hand aus und berührte etwas Glattes und Kühles: einen glatten kühlen Widerstand an einer Stelle, an der doch gar nichts sein konnte als Luft. Dann hörte ich lautes Pochen und sah um mich, ehe ich begriff, daß es mein eigener Herzschlag war, der mir in den Ohren dröhnte.
Allgemein
Autorin: Marlen Haushofer
Erstausgabe: 1968 Claassen Verlag
Vorliegende Ausgabe: 2005 List Verlag
ISBN: 978-3-548-60599-9
Seitenzahl: 285
Widmung: Für meine Eltern
Preis: 9 Euro
Marlen Haushofer
1920 geboren, gilt sie als eine der wichtigsten österreichischen Autorinnen der Nachkriegszeit. Sie starb 1970 in Wien und ihr Schaffen umfasste Werke wie: Bartls Abenteuer, Himmel der nirgendwo endet, Die Mansarde, Schreckliche Treue, Gesammelte Erzählungen und Wir töten Stella.
Das Buch
Eine namentlich ungenannte Frau begibt sich mit ihrer Cousine und deren Mann auf zu einem Jagdhaus in den Bergen. Eines Morgens wacht sie auf und findet sich allein mit dem Hund der beiden wieder. Die Cousine mit Mann ist von dem Spaziergang ins Dorf nicht zurückgekehrt. Besorgt macht sich die Frau auf die Suche und sieht sich einem unüberwindbaren Hindernis gegenüber: Einer Wand. Eine durchsichtbare, aber unüberwindliche Wand und auf der anderen Seite herrscht Totenstille und Totenstarre.
Tagelang versucht sie einen Weg zu finden die Wand zu überwinden und auf die andere Seite zu gelangen, bis sie sich irgendwann mit dem Gedanken abfinden muss, dass es nicht gelingen wird.
Mit den ihr zur Verfügung stehenden Utensilien versucht sie zu überleben (Nahrung im Haus, einige zugelaufene Tiere, etc) aber sieht sich vollkommen allein gelassen von der Welt als österreichischer Robinsoe Crusoe (ihr Freitag ist der Hund) einem Eindringling gegenüber.
Bis dahin jedoch ist es jedoch ein weiter Weg, der über verschiedene Jahreszeiten und Verluste hinweg dazu führt, dass der Leser dem Geschehen in Form eines Tagebuchromans folgt. "Es fällt mir auf, daß ich meinen Namen nicht niedergeschrieben habe. Ich hatte ihn schon fast vergessen, und dabei soll es auch bleiben." - Dies ist einer ihrer Einträge, der das Namenlose erklärt.
Mit einem unglaublichen Überlebenswillen beschreibt sie die täglichen Herausforderungen, wie den Mangel an Zucker und Hundefutter. Die Erzählweise ist dabei jedoch rückwirkend und bezieht sich auf einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren. Und das ist es was das Buch für mich problematisch macht. Neben zwei weiteren Aspekten.
Meine Meinung
1 Stern! für die Idee.
- fehlende Geschichte
- Vorwegnahme der Wandlung
- das Ende
Zum ersten Punkt sei gesagt, es ist sicherlich Ansichtssache. Ich kenne viele Menschen, die das Buch als Psychostudie lieben. Ich mag es nicht. Mit der Entdeckung der Wand habe ich eine Entwicklung erhofft und erwartet, die nicht eingetreten ist. Sicherlich kann das Beschreiben des Alltags interessant sein, aber nur wenn ich nicht weiß, wie es ausgehen wird. Tatsache aber ist, dass die rückwirkenden Beschreibungen Wertungen beinhalten, die bereits anzeigen, wie sich die Schreiberin entwickelt hat. Wodurch eine bestimmte Entwicklung vollzogen wurde, weiß man zwar nicht, aber man kann manchmal zwischen den Zeilen lesen und das nervt. Man weiß, das und das wird passieren, aber man weiß nicht wann und will die Stelle eigentlich überspringen. Ziemlich bald habe ich in dem Buch eigentlich nur noch geblättert. Die Tage glichen sich - einer dem anderen - und spannende Momente kündigten sich eh langfristig an. Das wäre der zweite Punkt gewesen.
Zum dritten Punkt: Das Ende... Was soll ich sagen. Ich nominiere dieses Buch als das Buch mit dem beschissensten Ende. Sowas von unnötig und sinnlos. Mal ganz davon abgesehen, dass die beschriebene Handlung sowas von dumm war und das Ende hätte anders ausfallen lassen können.
Ich fand das gesamte Buch äußerst depressiv und belastend. Weniger aufgrund der Vorstellung einer Wand, als mehr aufgrund der Erzählweise.
Ach so... und das Geheimnis um die Herkunft der Wand wird natürlich nicht gelöst. Äußerst deprimierend.
Wie schon vorher angesprochen, kann man das zweifelsohne psychologisch bearbeiten und zumindest oberflächlich dürfte das auch niemandem schwer fallen. In Emma Nr. 9, S. 47 steht zum Beispiel "Die Wand ist aber auch eine Parabel: Eine Frau, abgeschnitten von all den Bedingungen, unter denen sie zu leben gewohnt ist, beginnt sich selbst zu vertrauen, lernt ihre ungeahnten Fähigkeiten kennen, wird autonom. Trocken ist der Bericht, in dem die Frau ihr neues Leben beschreibt, die Sprache am Praktischen orientiert, am Überlebenskampf, die Worte bezeichnen konkrete Dinge: Milch, Stall, Heu, Gewehr, Schlucht." Hmmmmmmmmmmm.
Sicher, ja ... das Feministische kann man nachvollziehen, aber wer das Buch nicht vorher kennt, geht davon nicht aus und erwartet etwas vollkommen anderes. Wenn ich das Buch noch einmal lesen würde, mit dem Wissen, das ich jetzt um dieses Buch habe, würde ich es vielleicht sogar irgendwie mögen - inhaltlich (auch wenn es gar keinen richtigen Inhalt gibt - aaaaaaaaah). Aber ich KANN es NICHT noch einmal lesen. Ein so langweiliger Stil ist mir schon ewig nicht mehr untergekommen und so wenig Handlung auf so vielen Seiten erst recht nicht. Und ein so schlechtes Ende habe ich noch nirgends gesehen. Ja. Das also ist meine Meinung.
Finger weg. weiterlesen schließen
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