Pro:
Verschieden zu interpretieren, leicht zu lesen durch einfache Sprache, offenes Ende
Kontra:
Kaum Spannung, keine Kapitelunterteilung, offenes Ende
Empfehlung:
Ja
Vor ein paar Jahren bekam ich von meiner Mutter das Buch "Die Wand" von Marlen Haushofer mit dem Zusatz geschenkt, es sei etwas eigenartig. Sie hatte es in Elke Heidenreichs Sendung "Lesen!" kennen gelernt. Von ihrer Aussage habe ich mich offensichtlich etwas zu sehr beeinflussen lassen und das Buch erst einmal eine Weile liegen lassen. Erst als meine Schwester meinte, sie fände das Buch ganz toll, nahm ich es mir mal vor.
Buchdaten:
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Roman von Marlen Haushofer mit einem Nachwort von Klaus Antes
Taschenbuch: 260 Seiten
Verlag: Dtv (März 1999)
ISBN-10: 3423125977
ISBN-13: 978-3423125970
Preis: 8,- ?
Worum geht es?
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Eine Frau, die mit ihrer Cousine und deren Mann für ein paar Tage in ein Jagdhaus in den Bergen zieht, findet sich plötzlich alleine in einem von einer gläsernen Wand abgegrenzten Stück Natur wieder. Nur die Dinge, die sie in dem Jagdhaus findet, sowie der Hund Luchs und ein paar andere Tiere bleiben ihr. Jenseits der Wand scheint alles Lebendige zu Tode erstarrt zu sein. Sie schafft es, sich mit wenigen Hilfsmitteln am Leben zu halten.
Ich denke, mehr muss ich hier nicht schreiben. Es ist nicht so, dass ständig etwas passiert. Es ist der ständige Überlebenskampf, der für die Erzählerin bald zur täglichen Routine wird und es sind ihre Gedanken , die durch diesen Roman führen.
Über die Autorin:
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Marlen Haushofer wurde 1920 in Oberösterreich geboren. Aus ihrer Ehe mit dem Zahnarzt Manfred Haushofer stammen zwei Kinder. Neben ihrem ersten Erfolg, der Novelle "Das fünfte Jahr" und einigen anderen Romanen, verfasste sie auch Kinder- und Jugendbücher, für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. 1970 starb sie an Knochenkrebs.
Klaus Antes schreibt in seinem Nachwort, sie sei eine Frau gewesen, die sich früh von ihren Mitmenschen distanzierte. "Sie war eine ebenso bescheidene wie bedeutsame Dichterin, diese Marlen Haushofer, die man in unsrer Zivilisation, die sich dreht und windet und lautlos schreit, wohl vieles gelehrt hatte, aber nie das Glück. Als es nicht zu haben war, entfremdete sie sich sehr bald der Welt: eine Hoffende ohne Hoffnung, früh Verzicht übend, den Sicherheitsabstand zu Menschen ständig vergrößernd, in einem Leben, das der Poesie entbehrte."
Leseproben:
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"Verdutzt streckte ich die Hand aus und berührte etwas Glattes und Kühles: einen glatten kühlen Widerstand an einer Stelle an der doch gar nichts sein konnte als Luft ... Dann hörte ich lautes Pochen und sah um mich, ehe ich begriff, dass es mein eigener Herzschlag war, der mir in den Ohren dröhnte." (S. 14)
"Einmal im Frühling, als ich Heu aus dem Stadel holte, sah ich drei oder vier Veilchen. Gedankenlos streckte ich die Hand aus und stieß an die Wand. Ich hatte mir eingebildet, ihren Duft zu spüren, als aber meine Hand die Wand berührte, war auch der Duft weg. Die Veilchen hielten mir ihre kleinen violetten Gesichter entgegen, aber ich konnte sie nicht anfassen. So gering der Anlass war, er verstörte mich tief." (S. 152)
"Manchmal fielen mir Gedichtzeilen ein, und ich wusste nicht, von wem sie stammten, dann packte mich das quälende Verlangen, in die nächste Bibliothek zu gehen und Bücher zu holen. Es tröstet mich ein wenig, dass es die Bücher noch geben musste und ich sie eines Tages beschaffen würde. Heute weiß ich, dass es dann zu spät sein wird. Ich könnte selbst in normalen Zeiten nicht lange genug leben, um alle Lücken aufzufüllen." (S. 204)
Was soll das eigentlich mit der Wand?
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Der Roman von Marlen Haushofer hat so eine geradlinige Handlung, birgt aber gleichzeitig so viele Bilder in sich und hat zudem noch ein offenes Ende, so dass man ihn höchst unterschiedlich interpretieren kann. Ich will mich hier natürlich nur auf das beschränken, was mir beim Lesen in den Sinn kam.
Die Wand war für mich zum Einen eine Metapher für die persönliche Abschottung Haushofers von der Außenwelt, bzw. ihren Mitmenschen. Dies lag insbesondere daran, dass ich, bevor ich den Roman zu lesen begann, das Nachwort von Klaus Antes las, das sich auf 8 Seiten im Anhang des Buches befindet.
Die gläserne Wand bedeutet für die Erzählerin, dass keiner mehr zu ihr durchdringen kann, so, wie die Autorin sich von ihren Mitmenschen abschottet. Insofern hat sie die Wand selbst um sich herum gebaut. Sie findet sich mit dieser Situation mehr oder weniger ab, indem sie sich - gezwungenermaßen - mit dem Überleben beschäftigt und mit den Tieren, die sie in ihrer Abgeschlossenheit findet.
Zum Anderen ist es für mich ein Plädoyer für ein Leben in Einklang mit der Natur und für einen liebevollen und fürsorglichen Umgang mit den Lebewesen, die uns nicht zuletzt auch ernähren. Durch die Wand ist die Erzählerin dazu gezwungen, sich mit der Lebensmittelbeschaffung zu beschäftigen, Kartoffeln und Bohnen anzubauen, aber auch Tiere zu töten, was ihr bis zuletzt schwer fällt, da die Tiere die Einzigen sind, zu denen sie noch eine Beziehung aufbauen kann, auch wenn sie sich dagegen wehrt. Aber ganz ohne Zuneigung kann auch sie nicht sein.
Wie liest sich der Roman?
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Die Autorin schreibt im Stil der Ich-Erzählerin, nennt dabei bewusst niemals den Namen der Erzählerin. Dadurch, dass die Erzählerin ganz alleine mit ihren Tieren ist, bleibt das ganze Buch ohne Dialog. Es ist eine Art Tagebuch, ohne wirklich einzelne Tage zu beschreiben. Das Buch ist in keinerlei Kapitel untergliedert. Der Schreibstil ist recht schlicht. Haushofer bildet kurze, einfache Sätze. Sie wiederholt sich oft. Das "einfache" Leben der Frau, findet sich so wohl auch in der recht einfachen Sprache wieder. Eine gewisse Spannung wird dadurch erzeugt, dass Haushofer Ereignisse andeutet, die sich in naher Zukunft ereignen werden.
Mich hat der Roman durchaus gefangen genommen, auch wenn nur geringfügig Spannung erzeugt wird. Den Schreibstil finde ich schwierig. Trotz der einfachen Sätze empfand ich das Lesen als mühsam. Ereignisse werden oft wiederholt Das, was der Erzählerin widerfährt, hat mich zwar interessiert, aber doch eher als unbeteiligter Zuschauer. Wirklich mitfühlen konnte ich mit ihr nicht.
Durch die fehlende Untergliederung hätte es sich zwar angeboten, den gerade einmal 250 Seiten starken Roman am Stück durchzulesen. Doch zeitlich habe ich das nicht geschafft. So fiel es mir gelegentlich doch schwer, am nächsten Tag wieder einen Anlauf zu nehmen und in das Geschehen einzusteigen.
Fazit:
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Es ist meiner Meinung nach auf jeden Fall ein Buch, das sich zu lesen lohnt. Es ist natürlich ein Buch der leisen Töne. Aber durch das eher offene Ende bleiben dem Leser viele Interpretationsmöglichkeiten. Ich denke, dass somit jeder Leser für sich persönlich viel aus diesem Werk herausholen kann. Gerade das macht das Buch aber doch auch in gewisser Weise sogar spannend. weiterlesen schließen
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