Pro:
Freeware; große Usergemeinde; umfangreiches Programm
Kontra:
Ressourcenfresser; unübersichtlich; nicht kompatibel zu anderen Messengern; Sicherheitsrisiko
Empfehlung:
Ja
ICQ (I seek You) nutze ich mittlerweile schon seit mehreren Jahren, genaugenommen seit dem Jahr 2000. Damals war es noch passend zum Jahr die Version 2000b. Über die Jahre 2001a und 2002a und über das jeweils dazu passende Jahr sind wir mittlerweile im Jahr 2003 bei der Version 2003a angekommen. Immer noch ist ICQ kostenlos, immer noch gehört es AOL, was ja eigentlich eher gegen dieses Freewaretool spricht. Doch da das Ursprungs-ICQ ja nicht von AOL entwickelt wurde, kann ja eventuell mal die Ausnahme ICQ die Regel bestätigen, dass alles, was von AOL kommt nicht so dolle ist... oder?
Was ist ICQ?
ICQ ist ein Messengertool, welches es dem Anwender ermöglicht, mit allen anderen Leuten, die bei ICQ ebenfalls registriert sind, zu chatten. Neben ICQ gibt es noch den AIM, MSN sowieso den Yahoo Messenger als Hauptkonkurrenten.
Systemvoraussetzungen
Heutige Hardware sollte keinerlei Probleme bereiten. Auch für die meisten gängigen Betriebssysteme gibt es Clients, die sich dann zwar im Umfang und im Aussehen unterscheiden, doch den Hauptzweck erfüllen natürlich alle, Ich selbst nutze das offizielle ICQ, welches unter Windows läuft.
Installation
ICQ bekommt man seit den Anfangstagen auf www.icq.com. In der Version 2003a ist die Setup-Datei sogar wieder etwas kleiner geworden: sie ist knapp 4 MB groß. Die Installation läuft dann auch weitgehend selbsterklärend ab, allerdings sollte man doch zumindest über rudimentäre Englisch-Kenntnisse verfügen, erst bei installiertem ICQ kann man eine deutsche Sprachdatei installieren und aktivieren – was ich allerdings noch nie getan habe. Noch während des Installationsprozesses verlangt das Tool nach einer Internetverbindung. Dies ist erforderlich, um ICQ überhaupt nutzen zu können, woher soll ICQ auch sonst wissen, dass man chatten will und woher soll man sonst eine ICQ-Nummer (UIN) bekommen? Bei dieser Anmeldung legt man auch gleich ein Passwort fest sowieso einige andere wichtige Grundeinstellungen (Nickname; Onlinestatus im Web sichtbar oder nicht; darf einen jeder andere in seiner Buddylist aufnehmen oder nicht). Diese Grundeinstellungen und noch vieles mehr kann man natürlich auch später noch verändern.
Wenn dann das Tool sich beim ICQ-Server angemeldet hat, erscheint unten rechts im Systray die ICQ-Sonnenblume. Klickt man auf diese, öffnet sich dann das ICQ-Fenster, quasi das ICQ-Zentrum. Die Kontaktliste steht hier im Vordergrund, alle weiteren Funktionen erreicht man über die Buttons (u.a. „Main“, „Services“, „Add User“ oder „MyICQ)
Umfang des Programms
Auf den ersten Blick wird man von den vielfältigen Funktionen, die ICQ bietet, regelrecht erschlagen. Zig Menus mit allen möglichen Einstellungen, die teilweise auch nicht wirklich sich einem auf den ersten Blick erschließen. Einsteigerfreundlich ist das Standard-ICQ wirklich nicht. Wohl deshalb wurde in ICQ selbst ein „Simple Mode“ implementiert, welcher sich dann auf die wesentlichen Funktionen beschränkt. Da man dann aber auch gleich zu ICQLite greifen kann, welches auch mit den Ressourcen schonender umgehen soll (ob dem wirklich so ist, weiß ich allerdings nicht), ist das wohl eher eine überflüssige Spielrei, die man bestenfalls als absoluter ICQ-Neuling wählt, um sich sukzessive den Möglichkeiten von ICQ zu nähern. Neben der Möglichkeit, andere Leute in der Buddylist aufzunehmen und mit diesen zu chatten, kann man auch Chatrooms eröffnen und dort mit mehreren gleichzeitig chatten.
Früher gab es auch die Möglichkeit, via ICQ SMS zu verschicken. Zwar gibt es diese Möglichkeit wohl immer noch, allerdings scheint das in Deutschland nicht mehr so recht zu funktionieren – kein Wunder, wo doch SMS seit 2002 fast nirgends mehr kostenlos verschickt werden können.
ICQ bietet übrigens auch die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen POP3-Konten auf neu eingetroffene Mails hin zu überprüfen.
Wichtige Einstellungen
Neben den bereits während der Installation gemachten Angaben habe ich einige weitere in den „Preferences“ versteckte Einstellungen verändert, dazu gehört vor allem, ob ICQ bereits beim Systemstart geladen werden soll und ob es eine Internetverbindung herstellen soll. Außerdem erlaubt mein ICQ nur direkte Verbindungen mit relativ aktuellen ICQ-Clients – und auch nur dann, wenn die Gegenseite sich in meiner Kontaktliste befindet. Selbstredend habe ich in den „Preferences“ auch das POP-Up-Fenster, welches ansonsten bei jedem Start nervt, deaktiviert, ebenso das voreingestellte Aufrufen der ICQ-Homepage.
Weitere Einstellungen betreffen den Onlinestatus, also ob man für andere sicht- oder unsichtbar ist, ob man anwesend ist oder nicht, ob man grade beschäftigt ist oder ob man schlicht einfach da ist. Dieser Status macht sich im Systray übrigens auch bemerkbar. Dort sieht man die ICQ-typische Sonnenblume, die dann den jeweiligen Status auch – quasi zur Erinnerung – deutlich macht.
Standardmäßig nervt ICQ vor allem dadurch, dass viele Aktionen mit Klängen untermalt werden, deshalb habe ich ICQ es einfach verboten, Geräusche von sich zu geben.
Da doch recht häufig irgendwelche anderen ICQ-User wahllos mit ihren URL-Messages um sich werfen, empfängt mein ICQ diese erst gar nicht mehr.
Buddylist
Das wichtigste – und der eigentliche Sinn von ICQ: die Kontaktliste. In dieser versammeln sich alle Leute, mit denen man so Kontakt hat. Um diese überhaupt zu finden, benötigt man entweder eine UIN, das ist quasi die Kennzahl, die jeder ICQ-User hat, oder aber man kann auch nach Nicknames, E-Mail-Adressen oder einfach nach irgendwelchen anderen Schlagworten (z.B. Heimatland) suchen. Hat man dann jemanden auf diesem Weg gefunden, kann man ihn adden, also seiner Kontaktliste hinzufügen. Grade für Neueinsteiger gibt sich ICQ allerdings hier recht unübersichtlich, da kann es schon mal dauern, bis man überhaupt mal so weit gekommen ist. Je nachdem, ob man einen anderen User mit oder ohne Einverständnis hinzufügen darf oder nicht, kann es dann sein, dass man schon mal etwas warten muss, bis der andere User dann auch dauerhaft in der eigenen Kontaktliste auftaucht.
Grade zu Beginn meiner ICQ-Zeit habe ich dann die Kontaktlist auch nicht besonders gepflegt, denn wenn man eh nicht so viele Leute drin hat, verliert man natürlich auch nicht so schnell den Überblick. Doch im Laufe der Zeit sammeln sich natürlich doch recht viele Kontakte an, so dass ich die Kontakte in verschiedene Gruppen eingeteilt habe und in der Kontaktliste auch nur noch die Buddys (Kontakte) sichtbar sind, die auch wirklich online sind.
Ein Problem der realen Welt lässt sich natürlich auch in der virtuellen nicht verhindern: mit so manchem will man vielleicht gar keinen Kontakt mehr haben. Da man natürlich nicht an dessen PC selbst kann, um sich dort aus der Liste zu streichen, bietet ICQ die Möglichkeit, diesen User zu blocken, dass heißt, Messages von diesem erreichen einen nicht mehr, außerdem kann man diesen auch noch auf die sogenannte „Invisible List“ setzen, was dann zur Folge hat, dass man bei diesem dann nie wieder als „online“ erscheint. Eine sehr sinnvolle Option, sammeln sich doch im Laufe der Zeit so manch unerwünschte Kontakte an. Auf der anderen Seite gibt es dann auch noch die „Visible List“, diese hat natürlich die genau entgegengesetzte Funktion: für einige wenige User ist man immer sichtbar, auch wenn man grade den „invisible“-Status gewählt hat – in welchem ich eigentlich fast immer bin.
Chatten selbst
Das Chatten selbst gestaltet sich recht einfach: im Grunde reicht es, wenn man die Wörter in einem halbwegs lesbaren Zusammenhang hintereinander im Message-Fenster unterbringt und abschickt. Optisch hat sich ICQ leider seit der Version 2000 zum Nachteil verändert: es wird dem AIM immer ähnlicher (Emoticons) – wohl darauf zurückzuführen, dass ICQ eben mittlerweile ebenso zu AOL gehört, wie der AIM. Ein kleiner Nachteil (der allerdings mitunter auch ein Vorteil ist, da nichts unabsichtlich verschickt wird): man muss mit der Maus auf „send“ klicken – oder alternativ: Umschalttaste und dann „Enter“. Einfaches klicken auf „Enter“ bewirkt nur das Einfügen eines Absatzes-
Leider verunstaltet ICQ so manch kopiertes: will man z.B. einen Text, in welchem auch ein Hyperlink versteckt ist, an jemanden schicken, so wird daraus ein unleserlicher Buchstabensalat.
Im Gegensatz zu manch anderem Messenger kann man bei ICQ leider nicht erkennen, ob derjenige, mit dem man grade chattet, just in diesem Moment tippt oder sonstwo ist, so dass man schon mal auch offline geht, obwohl der andere noch etwas sagen will. Immerhin gehen solche Messages nicht verloren, sondern werden eben dann bei der nächsten Onlinesitzung übermittelt. Nervig ist auch, dass ICQ manchmal ziemlich lange braucht, um zu merken, dass der Gegenüber offline ist. Man kann das dann auch selbst nur erahnen, weil eine Message einfach nicht rausgeht, obwohl man auf absenden geklickt hat.
In den Chatrooms allerdings, die man auch eröffnen kann, ist dieses möglich. Ich muss allerdings zugeben, dass ich nicht all zu oft einen solchen eröffne. Macht man es allerdings, empfiehlt es sich, aus Gründen der Übersichtlichkeit den IRC-Modus zu wählen.
Verschickt werden die Nachrichten meistens sofort. Problematisch kann es allenfalls bei einer langsamen Internetverbindung werden, dann dauert es manchmal ewig, da sind andere Messenger eindeutig besser.
Sonstiges
Wie bei den anderen Messengern, so kann man natürlich auch mit ICQ nicht nur chatten, sondern auch anderen Dateien schicken. Das funktioniert eigentlich auch weitgehend problemlos, solange beide „Teilnehmer“ ICQ haben. Sobald aber einer der beiden nicht ICQ selbst, sondern Trillian (ein Client, welcher zu den wichtigsten Messengern kompatibel ist) beim ICQ-Server angemeldet ist und dazu noch hinter einem Router sitzt, funkioniert das Schicken von Dateien nicht mehr. So war ich eine Zeit lang mit Trillian online und hatte auch noch einen Router, um dann noch Dateien verschicken zu können, musste ich mit ICQ selbst online gehen
Ansonsten wäre noch das Unified Messenger Center erwähnenswert. Jede bei ICQ registrierte UIN bekommt quasi eine eigene Seite bei ICQ, eine mögliche URL wäre beispielsweise http://www. http://web.icq.com/wwp?Uin=xxxxxxxxx (wobei x für eine beliebige Zahl steht)
Übrigens kann man mit ICQ auch mehrere Accounts verwalten, den User wechselt man über den Menupunkt „MyICQ“. Gleichzeitig mit verschiedenen UIN online sein funktioniert allerdings nur mit Zusatztools (Multi-ICQ) – oder mit Trillian.
Auch von Werbung bleibt ICQ nicht verschont, allerdings stören mich die Werbebanner unterhalb des Chatfensters nicht wirklich.
Neuerungen gegenüber Vorversionen
Gegenüber der Vorversionen ICQ 2002 sind die Unterschiede marginal, eigentlich kann man sie auf den ersten Blick kaum feststellen. Die Verbesserungen (so man das, was AOL macht, als solche bezeichnen kann), liegen wohl im Detail. Interessanter ist da wohl der Vergleich mit ICQ 2000b. Hier sieht man die Verschlimmbesserungen auf den ersten Blick: schon optisch eine Annäherung an den AIM (Emoticons). Dazu wird die Buddylist mittlerweile auf dem ICQ-Server gespeichert. Früher wurde sie noch lokal gespeichert, was natürlich auch Nachteile hatte: musste man sein System neu installieren und hatte man vergessen, die für die Buddylist relevante Datei zu sichern, musste man sich seine Kontaktliste komplett neu aufbauen. Ansonsten ist ICQ wie gehabt ein ziemlicher Ressourcenfresser. Immerhin scheint die Version 2003a etwas stabiler, als noch die Version 2001a. Abstürze hatte ich jedenfalls noch keine. Auch das Einloggen klappt nach wie vor meist recht gut.
Sicherheit
All zu viel braucht man hier wohl nicht zu sagen. Es gibt genügend zumindest dubiose Zusatztools für ICQ, die man auf ebenso dubiosen Webseiten bekommt. Dass ICQ ein gewisses Sicherheitsrisiko darstellt und Angreifern eine mögliche Tür eröffnet, ist wohl auch weithin bekannt, eine gewisse Portion gesundes Misstrauen kann also nie schaden.
Immerhin kann man ein wenig auch selbst tun, in dem man „Direct Connections“ nicht erlaubt. ICQ selbst hat ein sogenanntes Sicherheits-Center, hier sollte man vielleicht dann auch mal ein wenig sich umschauen. Zumindest s so einigen Spam kann man hier wirkungsvoll verhindern (beispielsweise das Starten eines ICQ-Chats – allerdings gibt es dann auch keine zufälligen Chats mehr mit vollkommen unbekannten)
Alternativen zum „normalen“ ICQ
An erster Stelle wäre da wohl ICQ Lite zu nennen, welches aus gleichem Haus stammt. Eine weitere Möglichkeit, ICQ zu nutzen, besteht über die Webseite von ICQ selbst. Dort gibt es ein sogenanntes Web-ICQ, welches das Installieren eines Messenger überflüssig macht. Allerdings muss man hier sich auf das Wesentlichste beschränken.
Ziemlich populär sind auch Trillian und Odigo. Dieses sind nützliche Alternativ-Messenger, die kompatibel mit mehreren Messengern sind. Dies erspart es, neben ICQ noch AIM und MSN oder TOM (T-Online Messenger) gleichzeitig laufen zu lassen, was wohl auch die Systemressourcen ziemlich schnell auffressen würde. ICQ selbst jedenfalls gibt sich hier ziemlich rigoros: chatten mit anderen, die einen der anderen Messenger (MSN, AIM, Yahoo Messenger) haben, bleiben außen vor: Kommunikation ausgeschlossen.
Fazit
Teilweise etwas unübersichtlich, Sicherheitsrisiko, nicht kompatibel zu anderen Messengern, nicht grade ressourcenschonend und dazu noch von AOL – immerhin steht der Negativliste doch recht viel Positives gegenüber, allem voran natürlich die riesige Usergemeinde, die über die ganze Welt verstreut ist und natürlich die vielzähligen Möglichkeiten, die weit über die Funktionen von anderen Messengern hinausgehen, so dass ICQ sicher zu den besseren Messengern gehört. Letztlich also gibt es eine positive Bewertung, doch ist natürlich ein Messenger wie Trillian, der zu anderen kompatibel ist, der Feind eines jeden Messengers (wie eben ICQ), der andere ausschließt.
Aktualisiert wird ICQ 2003 allerdings momentan nicht mehr. Stattdessen scheint man den Schwerpunkt auf das ehemalige Light-Pendant gelegt zu haben (ICQ 5).
download: www.icq.com weiterlesen schließen
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