Pro:
Unglaubliche Natur,
Aktiver Vulkan - Einfach nur klasse
Kontra:
Strände "nur" durchschnittlich
Empfehlung:
Ja
In diesem Bericht möchte ich euch über meine Erfahrungen über meinen Urlaub auf der Insel Réunion berichten. Ich lese hier sehr gerne Urlaubsberichte und beteilige mich nun auch mit diesem einmal daran. Réunion war meine erste Reise in den Indischen Ozean, der doch einige Überraschungen bereit hält, auf die ich hier eingehen möchte.
Allgemeines zur Insel
Reunion ist ein so genanntes Überseedepartement von Frankreich im Indischen Ozean, etwa drei Viertel auf dem Weg von Madagaskar nach Mauritius. Man kann dort praktischerweise mit dem Euro bezahlen, Reunion war sogar der erste Ort auf der Welt, auf den der Euro in Umlauf gebracht wurde. Die Insel ist ungefähr genauso groß wie Mauritius und in seiner größten Ausdehnung etwa 60 km breit. Wer sich die Form der Insel anschauen will, der muss nicht unbedingt ins Internet gehen, nein, die Insel ist auf jedem unserer Geldscheine unten links auf der Rückseite abgebildet. Aufgrund der großen Popularität von Mauritius ? insbesondere im englischsprachigen Raum ? fristet die kleine Insel allerdings ein Schattendasein. Völlig zu Unrecht, wie ich im Weiteren erläutern werde.
Der Flug
Soweit ich weiß, ist Air France die einzige Fluggesellschaft, die mit Flügen auf die kleine Insel verkehrt. Hierzu findet in der Regeln fünf mal pro Woche ein Flug mit einem Airbus 340 statt. Dies allerdings nur von Paris aus, so dass man noch einen Zubringerflug nach Paris benötigt, dessen Kosten sich aber in Grenzen halten. Wer außerdem im Westen wohnt kann auch mit dem Thalys schnell nach Paris. Im meinem Fall hat es wenigstens einen kleinen Vorteil in der verhassten Einflugsschneise des Düsseldorfer Flughafens zu wohnen, so dass ich für die Reise nur ein Taxi brauche.
Der Flug von Paris aus, dauert 14 Stunden, einen Jetlag bekommt man aber nicht, die Zeitdifferenz beträgt gerade einmal zwei oder drei Stunden. So kann man auch zur gewohnten Zeit im Flugzeug schlafen. Auf Reunion angekommen, steht dem Urlaub nur noch eine Passkontrolle im Weg, die bei einer vollen Maschine eine gute weitere Stunde dauern kann, wenn man einen ausländischen Pass hat. Reisende mit französischem Pass können hingegen sofort gecheckt werden.
Was gibt es auf der Insel zu sehen?
Kaum eine Insel der Größe ist so facettenreich wie Reunion und deswegen unterteile ich die Sehenswürdigkeiten mal. Generell kann ich aber auf jeden Fall empfehlen, den ganzen Urlaub über einen Mietwagen zu mieten, am besten vor der Reise direkt bei einem Anbieter am Flughafen, so dass man sofort losfahren kann und mit dem Auto auch wieder am Ende des Urlaubs zum Flughafen kommt. Reunion ist von einer Hauptstraße umrundet, die einmal um die ganze Insel führt. Dabei hat man stets einen malerischen Blick auf das Meer. Über diese Straße lassen sich die meisten Straßen anfahren, die dann ins Landesinnere führen.
Sonne, Strand & Meer
Strände gibt es auf Reunion sehr viele; auf den gängigen Karten sind diese auch eingezeichnet. Leider kann Reunion, was die Strände angeht, bei weitem nicht mit Urlaubszielen wie Mauritius mithalten. Die Strände sind eher klein und haben nicht wirklich feinen Sand. Außerdem ist der Meeresgrund beim Baden nicht immer frei von Korallen, Steinen etc. Wer also einen reinen Strandurlaub machen möchte, der muss für diesen nicht extra 8000 km weit fliegen. Dennoch lohnen sich Strandbesuche natürlich immer, vor allem wenn man schnnorchelt. Ich war im Novotel im Westen der Insel, und wie ich bereits in meinem Bericht über das Hotel schrieb, muss man also stark aufpassen wo man hintritt, wenn man sich im Wasser aufhält. Gerade für Kinder ist das wohl eher weniger geeignet.
Das Meer ist hier auf eine sehr große Weite und Breite gleich tief. Das liegt daran, dass die Insel auf eine Art Plateau liegt, das sich auch ein-, zweihundert Meter ins Meer erstreckt bevor es zu einem fast senkrechten Gefälle kommt. Dieser Übergang vom Plateau zum Gefälle ist im bevorzugten Badeort St. Gilles les Bains im Westen der Insel dazu mit Wellenbrechern bestückt, so dass man beim Schnorcheln nicht von Wellen gestört wird. Das Meer ist also in diesem Bereich absolut ruhig. Die Auswirkungen von Ebbe und Flut sind dazu eher gering. Auf den Fotos unten kann man den ganzen Ort St. Gilles les Bains erkennen, der sich in die Breite erstreckt. Die Aufnahme entstand von einem nahe gelegenen Berg. Hierauf zu erkennen ist auch das angesprochene Plateau, dessen Wasser sich optisch durch einen helleren Blauton unterscheidet. Das Wasser ist hier überall nicht viel tiefer als 2 Meter.
Schnorchelt man, so trifft man unter Wasser auf viele, leider abgestorbene Korallen, die den Meeresboden grau färben. Außerdem prägen viele Seeigel und Seezungen das Bild. Fische gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle, vor allem auf Papageienfische trifft man oft. Insgesamt ist die also ein super Gebiet um als Anfänger farbenfrohe Fische zu beobachten. Tauchermöglichkeiten gibt es hier nicht.
Auch vor Haien muss man keine Angst haben, diese befinden sich außerhalb des Plateaus und meiden es, in dieses zu schwimmen, sofern sie davon nicht ohnehin von den Wellenbrechern abgehalten werden. Seit 1980 kommt ganz Reunion hochgerechnet auf etwa ein, zwei Haiattacken auf Badegäste pro Jahr. Ein besonderes Erlebnis in St. Gilles les Bains, sind aber auch sehr preisgünstige Ausfahrten zu Delfinen, die man vom Boot sogar streicheln kann.
Berge
Die bergige Landschaft im Inneren der Insel prägt hauptsächlich deren Bild. Nach nur wenigen Kilometern landeinwärts gewinnt man an Höhe, die Umgebung ist stark bewachsen, die Luft wird schwüler und man trifft immer wieder mal auf atemberaubende Wasserfälle. Wer einen Ausflug in diese Region macht sollte auf jeden Fall einen Pullover mitnehmen, denn die Temperatur fällt mit zunehmender Höhe. Neben vielen, kleinen Dörfern, die oft auf Plateaus gebaut sind, beschränkt sich das Sehenswerte allein auf die unglaubliche Natur. Bei den vielen Schluchten, auf die man trifft versteht es sich von selbst, dass die Straßen, die oft über sehr schmale Serpentinen führen, für den Fahrer sehr anspruchsvoll sind. Leitplanken sind selten und deswegen sollte man sich beim Autofahren auf keinen Fall ablenken lassen.
Zum Vergleich: Der höchste Berg auf Reunion ist mit über 3000 Metern höher als die Zugspitze und das bei gerade einmal 60 km Durchmesser der Insel.
Zu einem besonderen Erlebnis der Reise macht es aber mit Abstand der Piton de la Fournaise, bei dem es sich um einen extrem aktiven Vulkan handelt, der vor etwa einem Jahr das letzte Mal ausgebrochen ist. Fährt man im Süden der Insel über die eben angesprochene Hauptstraße, so wird man des Öfteren Zeuge der unglaublichen Zerstörung, die die Lavaströme auf dem Weg zum Meer verursachen. Wenn der Besuch zum Vulkan freigegeben ist, sollte man etwa einen ganzen Tag für die Besichtigung des Kraters in etwa 2600 Metern Höhe einplanen. Auf den Fotos unten sieht man einen erstarrten Lavastrom, sowie den Krater des Vulkans. Mein Besuch fand allerdings vor April 2007 statt, der Hauptkrater ist seit dem letzten Ausbruch um die 300 Meter abgesackt. Deswegen gehe ich mal davon aus, dass sich die Landschaft dort seit den Aufnahmen schon sehr verändert hat.
St. Denis
Saint Denis ist die Hauptstadt von Reunion. Durch die schnelle Erreichbarkeit lohnt sich hier ein Besuch in der Hauptstadt eigentlich immer, selbst wenn man am anderen Ende der Insel wohnt. Wer die Insel einmal umkreist (200 km, nur zu empfehlen) landet früher oder später sowieso in St. Denis.
St. Denis bildet zunächst einen klaren Kontrast zu den restlichen Orten der Insel. Man kann hier eigentlich von der einzigen richtigen Stadt auf der Insel sprechen. Hier trifft man auf viel regeres Treiben als in irgendeinem der Orte auf der Insel, die stark auf Touristen ausgelegt sind. In St. Denis hingegen trifft man - wie auch im landesinneren - stärker auf einheimische Bevölkerung.
Wer aber viele Sehenswürdigkeiten erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Neben einer schönen Strandpromenade und einigen Kirchen gibt es eigentlich keine Attraktionen. Entgegen meiner Erwartungen gab es noch nicht einmal einen Hafen, viel mehr ist das Stadtbild von regem Handel auf den Marktplätzen geprägt. Auf diesen lassen sich vor allem Nahrungsmittel kaufen, die einheimische Bevölkerung kauft hier aber auch gerne mal Kleidungsartikel oder sonstige Sachen für den alltäglichen Bedarf ein. Touristen wird vor allem die "Spezialität" der einheimischen Handwerker angeboten, kleine Autos, die liebevoll aus alten Coca-Cola Dosen gebastelt worden sind. Gewürze, wie man sie oft in der Karibik angeboten bekommt, gibt es hier nicht.
Leider war ich ein bisschen enttäuscht von St. Denis. Außer sehenswerten Märkten gibt es hier eigentlich nichts zu sehen. Wer jedoch die ganze Zeit seines bisherigen Urlaubes am Strand oder im Gebirge war, dem bietet das hektischere Stadtleben mit Sicherheit Abwechslung. Die gute Erreichbarkeit der Stadt von jedem Touristenort auf der Insel läd außerdem zu einem kurzen Besuch ein. Positiv anzumerken ist zudem die Sauberkeit der Stadt, etwas nichts selbstverständliches wie ich zum Beispiel in der Hauptstadt der Insel Guadeloupe festgestellt habe.
Das Hotel
Hotels gibt es auf Reunion sehr viele, wer garantiert westliche Standards haben möchte, kann im Novotel im Westen oder im Mercure Hotel im Osten einchecken. Beide gehören zum französischen Accor Konzern. Ich war im Novotel im kleinen Badeort St. Gilles les Bains.
Der Komplex ist eher klein und überschaubar. Die Gebäude sind nicht größer als 2 Stockwerke und halbkreisförmig um den Poolbereich angeordnet. Insgesamt überwiegt hier vor allem ein Stein-Look. Die breiten Flure sind mit Terrakotta Fliesen ausgelegt, die Zimmer sind gefliest, und Mauern sind aus Steinen aufgeschichtet wie man es im mediterranen Raum kennt.
Das Hotel hat 3 Sterne, was bei Novotel aber bereits einen hohen Komfort verspricht. Zur Verfügung stehen hier 170 Zimmer. Mein Zimmer war geräumig und üblich ausgestattet, mit einem Doppelbett, einer Couch, einer Kommode mit Fernseher, Tisch und Stühlen und einem Balkon mit weiteren Stühlen und einem Tisch. Meeresblick hat man in diesem Hotel nicht, da Hotels bei ihrer Höhe Auflagen haben und man schon direkt am Strand wohnen müsste, ohne Wald dazwischen zu haben. Dafür verzichtet die Umgebung und der Ort aber auch auf hässliche Hochbauten wie man es vielleicht in Touristenhochburgen auf den Balearen oder der Türkei der Fall ist.
Das Badezimmer ist ebenfalls geräumig und mit einer Badewanne ausgestattet; die Toilette befindet sich in einem Nebenraum.
Ein sehr großer Pluspunkt des Hotels ist die kulinarische Auswahl. Bereits beim Frühstück hat man die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Müslisorten, einem englischen Frühstück, und natürlich Baguettes und Croissants samt Belägen. Da ich Nebenpension hatte, war ich mittags meist irgendwo auf der Insel, und habe an den wenigen Tagen, die ich im Hotel war wenn überhaupt nur einen leichten Salat gegessen. Abends setzt sich die hohe kulinarische Auswahl dann weiter fort, wenn man bei einem üppigen Buffet, dass jeden Tag andere Schwerpunkte hatte, zwischen verschiedenen Gerichten wählen konnte. Ab und zu wird hier auch auf die einheimische, kreolische Küche eingegangen, die hauptsächlich mit Reis zu tun hat.
Im Pool war ich zwar nicht einmal drin, aber er macht einen sehr gepflegten und sauberen Eindruck. Außerdem existiert ein Whirlpool und ein abgeflachter Kinderpool, der zugleich den familienfreundlichen Aspekt des Hotels betont. Während meines Aufenthaltes waren aber eher wenige Familien mit Kindern zu sehen. Sportliche Betätigungen sind ebenfalls auf 2 Tennisplätzen und einem etwas entfernt gelegenen Golfplatz möglich.
Das Hotel bietet ebenfalls einen Tagungsraum, aber da wir hier von einer kleinen, recht unbekannten Urlaubsinsel sprechen, verzichte ich es mal auf den Business-Charakter des Hotels einzugehen.
Der Preis für ein Zimmer mit Doppelbett und einem Einzelbett (Die Couch ;) liegt in der Hauptsaison bei 124 ? pro Nacht. Ein solches Zimmer ist das kleinste, was man bekommen kann und dementsprechend für 2 Erwachsene und ein Kind gedacht. Ob denn nun auch 3 Personen in den Betten schlafen ist für den Preis (ohne Abendessen) nicht relevant.
Für Halbpension gibt es zusätzlich Aufschläge, die kompletten Preise sind unter www.accorhotels.de einsehbar.
Damit gestaltet sich ein Aufenthalt in dem Hotel nicht gerade günstig, aber vor allem vergleichbar mit Hotels auf Mauritius oder den Seychellen als klare Alternative.
Fazit
2 Wochen war ich auf dieser Trauminsel. Wer alles Sehenswerte sehen will, der schafft dies etwa in sieben bis zehn Tagen. Bei einem zweiwöchigem Aufenthalt kann man so bequem abwechselnd einen Tag am Strand und im Hotel verbringen und einen Tag die Insel erkunden. Dank der unglaublichen und dicht bewachsenen Gebirgslandschaft und des aktiven Vulkans ist es wohl schwer einen abwechslungsreicheren Urlaub zu machen ohne weiter als 60, 100 km am Tag zu fahren. Wer zufällig zum Ausbruch des Vulkans Urlaub macht, was etwa alle zwei Jahre im Schnitt passiert, kann zwar nicht den Krater besichtigen, erlebt dafür aber sicher ein unvergleichbares Naturschauspiel. weiterlesen schließen
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