Pro:
Der Clip dauert nur ca. 3 Minuten
Kontra:
Wird oft gesendet
Empfehlung:
Nein
Keine Ideen hatten wohl auch die Regisseure des neuen Videoclips der No Angels mit dem äußerst einfallsreichen Titel: No Angel (Its all in your mind). Nachdem die No Angels bereits mit einer sehr sinnigen Coverversion der Eurythmics (There must be an angel) und eines weiteren Werkes dessen Titel mir leider entfallen ist, das aber auch das Wort "angel" enhält, drehten die Omas aller Castingbands nun
dieses völlig sinnfreie Video, auf das ich nach einer kurzen Erklärung für Leser, die vielleicht tatsächlich bisher vom Phänomen der Casting-Bands verschont geblieben sind, näher eingehen werde.
No Angels:
Die No Angels entstanden in der ersten Staffel der Sendung "Popstars" von RTL2. Man könnte diese Sendung und das daraus entstandene Produkt auch
"die Lizenz zum Geld drucken" nennen, denn von Anfang wurde das vorwiegend jugendliche Publikum so in den Werdengang des Produkts (No Angels) eingebunden, das deren erste Single erwartungsgemäß sofort auf den ersten Platz der Hitparade gelangte (und die Kassen der "Hintermänner" kräftig klingelten). Die Zuschauer durften sich sogar den Namen ihres Produktes selbst aussuchen, das verbessert natürlich die Kundenbindung enorm.
Das Produkt im Einzelnen besteht aus fünf weiblichen Miitgliedern mit den Namen Nadja, Lucy, Vanessa, Sandy und Jessica (ich gestehe, daß mir spontan nur zwei Namen eingefallen sind), wobei letztere vor kurzem ein Kind bekommen hat und aus diesem Grund natürlich nicht in dem Videoclip auftaucht.
Videoinhalt:
Zunächst sieht man einen Schriftzug der No Angels und einen im Takt wippenden Fuß mit dem dazugehörigen Bein. Wenn die Musik einsetzt werden die No Angels und die gleiche Anzahl ziemlich
milchbubihaft aussehender männlicher Models gezeigt, wie sie sich gegenseitig mit Videokameras filmen. Dabei posen die No Angels vor den Models und umgekehrt was das Zeug hält. Das Ganze wird immer wieder aus einer Perspektive gezeigt, als ob der Zuschauer direkt selbst durch die Kamera schaut.
Zwischendurch wird immer wieder eine Kameraeinstellung eingeblendet, bei der die No Angels abwechselnd durch die Beine der Milchbubis gefilmt werden, wirklich skandalös.
Des weiteren ist zu sagen, das sich besonders die Herren der Schöpfung durch wirklich groteske, peinlich wirkende Tanzeinlagen hervortun. Ein Exemplar, der größte Milchbubi von allen, sticht hier besonders ins Auge. Einer der anderen Herren filmt derweil das Tattoo einer der No Angels, die dafür extra ihr Höschen ein kleines Stück nach unten ziehen muß, es warten nie gezeigte, äüßerst verruchte Einblicke auf den Zuschauer (kleiner Scherz).
Zum Schluß sehen wir noch eine Kissenschlacht mit großen, silbernen Kissen, die mit Gas gefüllt sind und dementsprechend durch den Raum fliegen.
Außerdem werden die Videoaufnehmen der Gesichter der No Angels auf die (rasierten?) Oberkörper und Rücken (rasiert?) projeziert. Dazwischen werden noch Szenen gezeigt, in denen die No Angels, alle in unterschiedlichen schwarzen Outfits vor ihren Mikrophonen singen und weiterhin posen. Das ist dann auch die letzte Szene des Videos.
Stil:
Die Dekoration der Räumlichkeit, die aussieht als wäre es eine alte Fabrikhalle, besteht vor allem aus silbern glitzernden Materialien. Passend dazu haben die No Angels teilweise glitzernde, mit Pailetten besetzte Kleider an, aber auch gestreifte und schwarzen Klamotten. Die Pseudo-Models sind eigentlich nur mit Jeans bekleidet, die irgendwie auf alt und zerfetzt getrimmt sind. Wobei das Ganze für mich ziemlich 80er Jahre mäßig wirkt, so wie auch die merkwürdigen Tanzeinlagen, die Klamotten und das sonstige Styling der No Angels, die Videofilmerei und auch die eben schon erwähnte Dekoration. Aber das ist ja nicht das erste Video, das gnadenlos die 80er Jahre verwurstet. Also sind die No Angels doch hip und trendy *g* ´, auch wenn es schlecht kopiert ist.
Wirkung:
Eigentlich habe ich es schon vorweggenommen: Dieses Video nimmt sich entweder selbst nicht ernst und wäre somit gelungen. Oder aber es soll hip und trendy und außerdem noch sexy wirken und ist unter dieser Voraussetzung ein totaler Griff ins Klo. Nach mehrmaligem Anschauen (nein, ich bin kein Masochist), kommt für mich nur die zweite Version in Frage. Denn wer könnte z.B.diese milchbubihaften Pseudo-Models mit ihren tanzähnlichen Verrenkungen ernsthaft sexy finden. Geschweige denn von den völlig aufgetakelten No Angels und der quasi nicht vorhandenen Idee und Story, die normalerweise ein gut gelungenes Video ausmachen. Dazu kommt noch, daß der/die Regisseure offenbar auf den 80er-Revival-Zug aufspringen wollten.
Fazit:
Vielleicht reicht diese Art von Video aus um die angestrebte Zielgruppe, d.h. die jugendlichen Popstars-Zuschauer anzusprechen, die auch die nächsten fünf Staffeln dieses Marketingunterehmens mit Begeisterung gucken und dann auch sort in den Laden rennen um die Produkte zu kaufen. Wahrscheinlich ist ein weiterer Grund für die Schlichtheit (vornehm ausgedrückt) des Videos, daß es eben billiger ist, diese Art von Video zu produzieren, in dem einfach die zu vermarktende Gruppe ohne viel drumherum gezeigt wird, denn dazu braucht man keine Idee. Von einem gelungenen Video erwarte ich jedenfalls einen gewissen Einfallsreichtum, was nicht unbedingt bedeutet, daß dafür viel Geld ausgegeben worden sein muß.
Nachtrag:
Obwohl ich von Casting-Bands und von diesem Video nichts halte, so finde ich doch das Lied an sich ganz anhörbar oder um es nit Ciao zu sagen: Eines der besseren des Künstlers *g*. weiterlesen schließen
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