Pro:
witziger Bond, nette Geschichte, tolle Kulisse
Kontra:
recht überzogen
Empfehlung:
Ja
Schon wieder ein Filmtip von mir für den heutigen Abend. Auf SW3 wird um 20.15 dieser Klassiker ausgestrahlt.
Was will man mehr: gleich die erste Szene zeigt eine von mir sehr geschätzte Landschaft, nämlich die skurrilen Felsen in der Phang Nga Bucht von Thailand. Das allein war Grund genug für mich, diesen Bond auch noch anzusehen, um mir wenigstens ein Bild über die verschiedenen Darsteller des coolsten Agenten aller Zeiten zu verschaffen.
** Die Story **
Wie gesagt, beginnt die Geschichte am Strand von Thailand, wo ein Mann und ein Zwerg perfide Spielchen treiben in einem Labyrinth, in dem auch eine Pappmaché-Puppe von Bond auftaucht.
England: M beurlaubt Bond (Roger Moore), als jemand namens Scaramanga (Christopher Lee) an den Britischen Geheimdienst eine goldene Patrone schickt mit seiner Nummer darauf. Tot nützt er der Krone nämlich nichts mehr. Also macht sich James selbständig auf die Suche nach seinem Herausforderer und landet als erstes in Beirut bei einer Tänzerin, die die Kugel, die seinen Kollegen 002 traf, nun im Bauchnabel trägt.
Doch scheinbar sind einige Leute sehr daran interessiert, ihn gleich auszuschalten.
Über die Kugel, die James auf seine unnachahmliche Weise erbeutete, kann man zumindest den Urheber der Munition herausfinden, die ihn nach Indien führt, wo er herausbekommt, wer die Patronen in Empfang nimmt - die schöne Andrea (Maud Adams), die Gefährtin von Franzico Scaramanga, einem ehemaligen russischen Agenten, der nun selbständig als Killer arbeitet, seine Aufträge mit einem goldenen Colt erledigt und pro Schuß 1 Million Dollar verlangt.
Weiter nach Hongkong, wo man ihm die hübsche Agentin Goodnight (Britt Eklund) zur Seite stellt, die ihn furchtbar anhimmelt: hier wird vor seinen Augen ein Mann erschossen, der sich als ein Wissenschaftler herausstellt, der eine Solarzelle mit enormem Wirkungsgrad erfand. Auftraggeber könnte ein Industrieller namens Hai Fet sein, der auf das Solex scharf ist, um damit schwer Geld zu verdienen. Es wäre müßig, all die kleinen Abenteuer aufzuzählen, die der gute James bestehen muß, bis er endlich dem Mann gegenübersteht, der ihm ein würdiger und sogar gefährlicher Gegner ist.
** Darsteller **
Roger Moore ist ein ganz anderer Bond: er ist zwar auch fesch und ein vollendeter Gentlemen, aber er schlägt schon mal eine Frau, wenn er Informationen will, spielt mit den Ladies, statt sofort mit ihnen ins Bett zu hüpfen. Überhaupt wirkt er nicht so animalisch wie Connery, sondern eher sehr britisch unterkühlt.
Christopher Lee als Bösewicht ist ebenfalls eine Entdeckung, die man hätte durchaus weiterverfolgen sollen. Schade fast, daß er so schnöde erlegt wurde (ups, jetzt verrate ich ja das Ende, aber bei den vielen Schnellklickern wird’s eh kaum einer merken!). Ganz majestätisch und sehr beherrscht agiert er, nicht so vordergründig böse. Er sieht töten regelrecht als Sport und ist ein fast fairer Gegner für unseren Helden.
Immer in seinem Schlepptau der Zwerg Nick Nack (wobei ich persönlich immer SchnickSchnack verstanden habe) gespielt von Hervé Villechaize, einem herrlich bissigen Kleinwüchsigen. Der hat mir gut gefallen, weil er auch immer für kleine Gags eingesetzt wurde.
Und Bondgirl Brit Eklund ist nett anzusehen, aber so gar nicht die Grand Dame, die man Bond sonst als große Geliebte stellt.
** Filmkritik **
Das ist dann mal der erste Bond, der in meinen Augen besteht. Nicht nur, weil man in Asien (Hong Kong, Macau, Thailand) gedreht hat, einem Landstrich, den ich sehr mag. Im Frühjahr werde ich mir dann übrigens den Bondfelsen in der Phang Nga-Bucht in wahrer Größe ansehen.
Grundsätzlich, von der Struktur her unterscheidet diesen Bond nichts von den anderen: es geht um den Kampf des Agenten ihrer Majestät gegen einen Bösewicht, der England oder gar der ganzen Welt schaden will, wenn man ihm nicht das Handwerk legt. Doch diesmal hat dieser Bösewicht sich 007 persönlich als Gegner ausgesucht, weil ihm vermutlich alle anderen zu leicht zu besiegen waren.
Was mir diesmal richtig gut gefallen hat, waren die sehr humoristischen Aspekte der Bond-Figur. Fast wäre ich versucht zu sagen, daß man Roger Moore als Vorbild für den späteren Alleinkämpfer John McLane in „Stirb langsam“ genommen hat – immer ein flotter Spruch auf den Lippen, sarkastisch bis zum Umfallen und einfach nicht totzukriegen. Während sich sein Vorgänger Sean Connery nur von einem Bett ins andere bewegt hat (ob das der Einfluß der wilden 60er auf die Filmindustrie war?), lehnt der Bond der 70er schon mal ein Angebot ab (hatte vermutlich kein Kondom dabei) – was ihn in meinen Augen viel sympathischer und vor allem glaubwürdiger macht.
Damit hat die Reihe bei mir schon wieder Gnade gefunden, was ich nach den beiden ersten, hier schon geposteten, nicht gedacht hätte. Aber ich bin einer Meinung mit anderen, wie ich hier lesen kann – Moore ist der bessere Bond.
Bemerkenswert ist dieser Bondfilm auch noch durch den spektakulären Stunt des mit einem doppelten Rittberger über den Fluß fliegenden Autos, das zumindest für die damalige Zeit einmalig war.
Auch die Filmmusik und der Titelsong „ The Man with the golden Gun“ von Lulu sollten nicht unerwähnt bleiben – auch sie machen einen Teil des Flairs aus.
** Meine Meinung **
Einer der alten Bondfilme, die durch einen soliden, lockeren Hauptdarsteller, gute Effekte, eine Story mit einem durch gehenden Faden und viel Humor überzeugt – selbst mich.
Sehr zu empfehlen.
** Daten **
Großbritannien 1974
Genre: Actionfilm
Originaltitel: The man with the golden gun
Regie Guy Hamilton: Harry Saltzman & Albert R. Broccoli
Musik: John Barry
FSK 12 weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben