Pro:
- exzellentes Bild
- sehr guter Ton
- überzeugende Zusatzausstattung
Kontra:
- nickes
Empfehlung:
Ja
Im Jahr 1974 heißt der Hauptdarsteller der James Bond-Reihe nicht mehr Sean Connery oder George Lazenby, sondern bereits zum zweiten Mal in Folge Roger Moore. Sein Debüt im Vorgänger „Leben und sterben lassen“ war beim Publikum gut angekommen, und bis Moore die Dienstwaffe Walther PPK an seinen Nachfolger Timothy Dalton weiterreichte, verkörperte er Ihrer Majestät besten Geheimagenten in sieben Filmen – ob Connerys Comeback in „Sag niemals nie“ wohl damit zu tun gehabt hat, dass auch der Ur-Bond die magische 7 komplett machen wollte … ?
Bonds Gegenspieler heißt 1974 Francisco Scaramanga, und dargestellt wird der von Christopher Lee. Der war offenbar dankbar für jede Gelegenheit, das Dracula-Cape an den Nagel zu hängen und ist, das erfahren wir in einem der Beiträge auf der Bonus Disc der „Ultimate Edition“, außerdem ein Cousin von Bonds geistigem Vater Ian Fleming. Wer an solchen „trivia“ interessiert ist, der kommt mit den DVDs der Ultimate Edition auf seine Kosten und folglich nicht um den Kauf selbiger herum. Dafür, sich die 007-Filme in dieser Ausgabe ins Regal zu stellen, spricht aber nicht nur die gute Zusatzausstattung der DVDs, sondern vor allem die fabelhafte Qualität von Bild und Ton. Von der Restauration des Materials profitieren beileibe nicht nur die älteren Beiträge der Serie aus den 60er Jahren, auch „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat deutlich an Brillanz gewonnen.
Der Film selbst gehört zwar nicht zu meinen persönlichen Favoriten der Reihe, bietet aber durchaus die Bond-typischen Schauwerte: exotische Drehorte, schöne Frauen, originelle Sets, rasante Verfolgungsjagden – es ist eigentlich alles dabei, was einen Bond ausmacht, und mit der Szene, in der ein Wagen „im Sprung“ über einen Fluss setzt und in der Luft einen 360°-Turn um die eigene Längsachse vollzieht, haben die Macher wirklich Stunt-Geschichte geschrieben. Woran also liegt es, dass „Der Mann mit dem goldenen Colt“ in meiner Gunst nur einen mittleren Rang belegt? Ich kann es beim besten Willen nicht sagen, aber sowohl der Vorgänger „Leben und sterben lassen“ als auch der Nachfolger „Der Spion, der mich liebte“ haben mir besser gefallen.
Gut möglich, dass mir das für einen Bond-Film der 60er und 70er etwas atypische Schurken-Szenario nicht gefällt, in dem der Bösewicht zur Abwechslung mal kein irrer, die Weltherrschaft anstrebender Ganove vom Format eines Goldfinger oder Blofeld ist. Killer Francisco Scaramanga ist vielmehr eine Art dunkler Zwilling Bonds: ein Meisterschütze, der nicht für Volk und Vaterland tötet, sondern für den eigenen finanziellen Vorteil. Als Bond eine goldene Kugel zugespielt wird, auf der des Agenten Kenn-Nummer 007 eingraviert ist, interpretiert der MI-6 das natürlich als Warnung: Es scheint ganz so, als habe Scaramanga es auf 007 abgesehen. Immerhin hat der Meuchelmörder, dessen Gesicht niemand zu kennen scheint, schon einem von Bonds Kollegen das Lebenslicht ausgeblasen.
Bond wird von Chef M (Bernard Maxwell) vom Dienst suspendiert und darf Ermittlungen in eigener Sache anstellen. Die führen ihn zunächst nach Beirut und dort in die Arme einer Bauchtänzerin, deren Nabel ein makabrer Glücksbringer schmückt: die goldene Kugel, die den Doppelnull-Agenten so plötzlich vom Leben zum Tode beförderte, dass die Dame, in dessen Armen er verschieden ist, noch nicht einmal einen Blick auf das Gesicht des Killers erhaschen konnte. Immerhin gelingt es Bond, des güldenen Projektils habhaft zu werden. Das wiederum bringt ihn auf die Fährte eines Waffen-Manufakteurs mit Sitz in Macau. Der fertigt nicht nur perfekt ausbalancierte Langwaffen für Leute, denen Finger an der Schusshand fehlen, sondern auch Kugeln aus Edelmetall. Eine Personenbeschreibung des Auftraggebers gibt’s allerdings auch hier nicht, denn der Herr mit dem Sinn für Goldfüllungen der etwas anderen Art bleibt stets diskret im Hintergrund und lässt die Kugeln durch einen Mittelsmann abholen. Der Mittelsmann entpuppt sich freilich als eine Frau. Die ist, wie sich herausstellt, die Mätresse des Herrn Scaramanga und nimmt die Bestellung mit gehörig Heimlichtuerei in einem Etablissement an sich, das den schönen Namen „Bottoms Up Club“ hat. Und wer lauert vis-à-vis? Der Goldschütze höchstpersönlich. Der lauert einem Menschlein auf, der ein kostbares Gut transportiert – und kaum ist der tödliche Schuss gefallen, tritt ein Kleinwüchsiger (Hervé Villechaize) aus den Schatten und nimmt das handliche, verhängnisvolle Kleinteil an sich: Der kleine Mann hört auf den schönen Namen Schnickschnack, ist Scaramangas rechte Hand und durch und durch ein ziemlicher Giftzwerg. Schnickschnack entkommt, während Bond, der ziemlich flott am Ort des Geschehens ist, erstmal von den örtlichen Behörden festgesetzt wird.
Warum wurde da wer umgenietet? Offensichtlich eines technisch sehr ausgebufften Photovoltaik-Artikels wegen, der „Solex“ heißt und von dem’s erst einige wenige Prototypen gibt. Einer davon befindet sich jetzt im Besitz Scaramangas, und es steht zu mutmaßen, das der im Auftrag eines gewissen Chinesen namens Hai Fat gehandelt hat, der … klingt das verwirrend? Ich für meinen Teil finde das Ganze eine Spur zu verwirrend, und ich ahne, woran das liegt. Offensichtlich erschien den Produzenten, dem Regisseur und dem Drehbuchautor das Gerüst der zugrunde liegenden Romanhandlung etwas zu wacklig: Zwei Pistolenhelden, die sich duellieren – das ist für einen echten Bondfilm einfach zu mager. Ein 007, der einfach nur eine private Rechnung begleicht? Da fehlt ja auch irgendwie die moralische Rechtfertigung (sprich: ein Auftrag, bei dem Volk, Vaterland, Königin usw. eine Rolle spielen).
Es musste also das her, was Produzent Michael Wilson im Interview ganz richtig als einen „McGuffin“ bezeichnet: ein Aufhänger für eine Handlung, die mehr bietet als nur eine Konfrontation zwischen Bond und seinem Gegner, die aus rein persönlichen Motiven geschieht. Dieser Aufhänger heißt, wie gesagt, „Solex“ und bietet dem Art Director des Films Peter Murton einen netten Vorwand, mal wieder eines der für die Bond-Reihe typischen herrlich überkandidelten Schurken-Verstecke zu entwerfen. Murtons Design orientiert sich zwar in seiner Großspurigkeit an den Kulissen, die der legendäre Ken Adam für viele der Bond-Filme schuf, aber irgendwie fehlt mir die gewisse Handschrift des Meisters: Scaramangas Inselversteck ist hübsch anzuschauen, und seine Mischung zwischen Rödelbahn, Schießstand und Geisterbahn ist ein netter Einfall, der auch optisch gefällt. Trotzdem fehlt mir da das gewisse Etwas.
Dessen unbenommen ist „Der Mann mit dem goldenen Colt“ das, was unterm Strich alle Filme der Reihe sind: prima Unterhaltung nach der Devise „Raus aus dem Alltag, raus aus der Realität – und rein ins Leben der Superhelden, in dem Frauen schön sind, Anzüge maßgeschneidert und die Wodka-Martinis stets bestens temperiert“.
Die DVDs der Ultimate Edition machen den Spaß mit Bestwerten in Sachen Ton, Bild und Ausstattung perfekt – Fans der Reihe dürfen blind kaufen, zumal der Preis für die Doppel-DVDs der Ultimate Edition vergleichsweise moderat ist. weiterlesen schließen
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