Pro:
Preis-Leistungsverhältnis ist gut
Kontra:
Touristisch überlaufen | "Manipulation" durch Evans?
Empfehlung:
Nein
Während unseres Kreta-Urlaubs mieteten wir uns für vier Tage ein Auto, um die Insel zu erkunden. Zum Pflichtprogramm gehörte natürlich auch die Ausgrabungsstätte Knossos. Als "Pflichtprogramm" empfanden wir es auch, denn eigentlich bewegen wir uns lieber abseits der Touristenpfade und da anzunehmen war, das Knossos von vielen Reisebussen angefahren wird, freuten wir uns nicht besonders auf diese Sehenswürdigkeit.
| Anfahrt/Parken
Knossos liegt in der Nähe von Heraklion. Vom Zentrum der Inselhauptstadt bis zur Ausgrabungsstätte sind es ca. sechs bis sieben Kilometer, die man aber nicht unter 20 bis 30 Minuten zurücklegt. Der Verkehr in Heraklion kann ziemlich nervenaufreibend sein. Der Weg dort hin ist jedoch sehr gut beschildert. Den Palast von Knossos kann man also gar nicht verpassen, zumal die aufdringlichen Parkwächter am Straßenrand ihr Bestes geben, nicht übersehen zu werden. Sie leiten die Pkw-Fahrer auf die kostenpflichtigen Parkplätze.
Mein Freund ließ sich auch von einem dieser Männer auf den Parkplatz lotsen. Ich bat ihn jedoch, nochmals auf die Straße einzubiegen und bis zum Museumseingang und daran vorbei zu fahren. Ich wollte zwei Dinge herausfinden: 1. wie weit müssen wir noch zum Eingang des Museums laufen und gibt es an der stark befahrenen Straße einen Gehweg und 2. gibt es noch eine andere - evtl. kostenlose - Parkmöglichkeit in einer Seitenstraße.
Es stellte sich heraus, dass meine Überlegungen nicht ganz unbegründet waren. Wir hätten nämlich wirklich entlang der verkehrsreichen Straße und durch die stinkenden Auspuffgase der Busse laufen müssen. Dies blieb uns nun erspart, denn wir fanden tatsächlich einen kostenlosen Parkplatz direkt vor der Tür. Dort stellten wir unser Fahrzeug ab. Ob es dort genauso sicher stand, wie auf dem (angeblich) bewachten Parkplatz, weiß ich nicht. Glücklicherweise wurde unser Auto weder aufgebrochen noch beschädigt. Wir fanden es nach unserer Rückkehr unversehrt vor.
| Fakten
Während der Hauptsaison - also in den Sommermonaten - ist der Palast von Knossos von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen regulär 6.- EUR. Das Doppelticket, mit dem man die Ausgrabungsstätte von Knossos und das Archäologische Museum in Heraklion besichtigen kann, kostet 10.- EUR. Es gibt einige Besucher, die keinen Eintritt bezahlten müsse, wie z.B. Journalisten, Reiseführer und Personen unter 19 Jahren. Am besten informiert man sich vor Ort, ob man zu eine dieser Gruppen gehört oder man wirft einen Blick auf die Seite http://odysseus.culture.gr/h/3/eh355.jsp?obj_id=2369
| Die Ausgrabungsstätte
Knossos hat seine Beliebtheit einem Engländer zu verdanken, der die Anlage zwischen 1899 und 1914 ausgrub und teilweise rekonstruierte. So vervollständigte Sir Arthur Evans eingefallene Mauerstücke, Säulen und Zwischenböden nach seinen Vorstellungen, was bei heutigen Wissenschaftlern umstritten ist, bei den Touristen aber anscheinend sehr gut ankommt. Mich persönlich störte dieser "Eingriff" sehr, denn ich stellte mir ständig die Frage: "Was war wirklich so und was entstand aus Evans Fantasie heraus?"
Bis heute ist nicht erwiesen, ob die Anlage ein Herrschaftssitz oder eine Kultstätte war. Die Größe und die Ausstattung sprechen für einen riesigen Herrschaftssitz mit mehrstöckigen Wohnhäusern, Warmwasserheizungen und Abwasserrinnen. Gegen den Herrschaftssitz und für eine Kultstätte sprechen die spärlich vorhandenen Brunnen, die vergleichsweise kleinen Zisternen und die ungewöhnliche Anordnung der Räume und Korridore.
Fakt ist jedoch, dass Knossos zwischen 2100 und 1800 v. Chr. auf den Resten eines neolithischen Ortes errichtet wurde. Zwischen 1750 und 1700 v. Chr. und nochmals um 1650 v. Chr. wurde die Anlage durch ein Erdbeben schwer beschädigt und teilweise zerstört. Aber erst der Ausbruch eines Vulkans ca. 1628 v. Chr. setzte der Anlage so schwer zu, dass sie fast vollständig neu erbaut werden musste - noch größer, noch bombastischer. Zu dieser Zeit, der so genannten "zweiten Palastzeit", wurde Knossos vermutlich zum politischen und religiösen Zentrum der Insel. Doch bereits wenige Jahrhunderte später - nach Flutwelle und Feuersbrunst - wurde der Palast von Knossos ca. 1370 v. Chr. aufgegeben.
Aber Schluss mit Zahlen und Geschichtsdaten! Was findet der Besucher heute vor? Nun, Mauerreste und Grundrisse sind reichlich vorhanden, aber auch komplette Gebäude, die entweder sehr gut erhaltene und/oder von Sir Arthur Evans wieder aufgebaut wurden. Teilweise wurden die Wandmalereien erneuert, was unrealistisch und geradezu kitschig wirkt, da die Farben kräftig und frisch erstrahlen. Vielleicht liegt es auch daran, dass man diesen neuen Zustand in keiner anderen Ausgrabungsstätte sieht. Meist sind ja nur Farbreste und Konturen übrig geblieben, die nur schemenhaft zu erkennen sind. Hier wurde "restauriert" und "renoviert" und man muss sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass es diese kräftigen Farben ja schon damals gab.
Knossos ist bei Kreta-Urlaubern sehr beliebt, weshalb man hier natürlich auch viele Touristen und vor allem Reisegruppen sieht, die sich durch die teils engen Gänge und Gebäude drängen. Auch wir hatten leider einen Zeitpunkt erwischt, an dem es ziemlich voll war und sich die "Busladungen" über das Gelände schoben. Wir machten aber das Beste daraus und blieben mal hier und mal dort stehen und lauschten - kostenlos - den Erklärungen der verschiedenen Reiseführer. Dadurch wurden wir Zeuge unterschiedlicher Meinungen und/oder Ausführungen, was ich sehr interessant fand. So erzählte z.B. eine Reiseführerin, dass es sich bei dem großen Platz am Rande der Anlage um ein Theater handeln würde, an dessen Rand die Menschen nicht saßen, um dem Schauspiel zu lauschen, sondern standen und an dessen Rand die Loge für die Herrschaft zu finden sei. Eine andere Dame erklärte, dass dieser Platz niemals ein Theater gewesen sein könne, weil hier absolut keine Akustik vorhanden wäre und es sich deshalb um die Auffahrt zum "Palast" handeln müsse und die vermeintliche Loge das Wärterhäuschen gewesen sei.
Diese unterschiedlichen Meinungen spiegeln die heutige Ausgrabungsstätte wider. Man kann viel hinein interpretieren und viel vermuten und sich seine eigenen Gedanken machen. Wer diese Art von Informationsquelle mag, der ist hier gut aufgehoben. Ich persönlich mag es lieber, wenn mir jemand sagt, wie es wirklich war und es dafür hieb- und stichfeste Beweise gibt.
Die Hauptsehenswürdigkeit des Palastes ist der Thronsaal mit seinem Alabasterthron. Die Menschenmassen stellen sich üblicherweise in einer langen Schlange vor dem kleinen Eingang an und schieben sich dann durch den engen Raum. Ein "Aufpasser" fordert die Menschen auf, nicht stehen zu bleiben, sondern zügig weiter zu gehen. Zeit für ein Foto bleibt kaum - die Lichtverhältnisse reichen dafür auch fast nicht aus. Zwar darf man mit Blitz fotografieren, aber dann wirkt der Alabasterthron nicht mehr, finde ich. Wenn man Pech hat, steht man also eine halbe/dreiviertel Stunde an, um dann in 10 Sekunden an dem Thron vorbei geschoben zu werden. Aber was macht man nicht alles, als doofer Tourist. . .
Aber nochmals zurück zu den Reisegruppen. Mein Kollege erzählte mir - nachdem wir von unseren Urlaubserlebnissen berichtet hatten -, dass am Sonntag keine Ausflugsbusse unterwegs seien, weshalb dies ein günstiger Tag für einen Ausflug nach Knossos sei. Ich kann diese Aussage nicht bestätigen, da wir an einem Dienstag dort waren. Aber vielleicht möchte jemand diesen Tipp für sich verwenden.
Das Preis-Leistungsverhältnis finde ich in Ordnung. Man kann sich zwischen eineinhalb und drei Stunden auf dem Gelände aufhalten. Wer möchte, kann sich von einem der Reiseführer über das Gelände führen lassen, die ihre Dienste vor dem Eingang "anpreisen" und recht aufdringlich werden können. Wir hatten den Kreta-Reiseführer von Baedeker dabei, der uns als Informationsquelle völlig ausreichte. Die restlichen Informationen holten wir uns bei unseren "Lauschangeriffen".
Vor dem Eingang der Ausgrabungsstätte gibt es zahlreiche Souvenirläden und "Imbiss-Stände". Wer sich also mit Ansichtskarten eindecken möchte oder während der Besichtigungstour Hunger bekommen hat, kann sich hier versorgen.
Als weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung bieten sich die Stadt Heraklion mit Altstadt, Hafen und Archäologischem Museum an. Wir persönlich machten uns ins Hinterland auf, wo es zahlreiche wunderschöne Kapellen, kleinere Ausgrabungsstätten und Aussichtspunkte gibt.
| Fazit
Die Ausgrabungsstätte von Knossos gehört zwar zum Pflichtprogramm eines Kreta-Urlaubers, mich persönlich hat sie jedoch nicht sonderlich beeindruckt. Nun ja, die Messlatte liegt bei mir auch ziemlich hoch, da ich schon viel gesehen habe und alles mit Pompeji oder Rom vergleiche. Trotzdem gefiel mir die Tatsache nicht, dass Sir Arthur Evans einige nicht ganz realistische Restaurierungen vorgenommen hat und man nun nicht weiß, was "echt" und was "Fantasie" ist.
In diesem Sinne… alles bleibt anders… eure Dotti weiterlesen schließen
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