Pro:
Hilft Kindern bei der Trauerverarbeitung . Erklärt vieles !
Kontra:
Sehr nüchtern!
Empfehlung:
Ja
Als vor fast einem Jahr ganz plötzlich meine Mutter starb, Davids Oma, da habe ich mir überlegt, wie ich meinem Sohn helfen kann, mit der Situation fertig zu werden. Er hat viele Bilder gemalt von der toten Oma. Hat auch für sie gemalt und eine *Rakete* aus einer alten Schuhschachtel gebastelt. Diese wollte er zu ihr in den Himmel schicken. Er hat aber kaum über seine Oma gesprochen. Ich bin wieder einmal zu amazon.de gegangen und habe angefangen in der großen Auswahl zu stöbern. Man kann da einiges Finden zum Thema *Trauer verarbeiten*. Ich wollte David einfach in irgendeiner Weise Unterstützung bieten. Er sollte das nicht alles in sich hinein fressen, wenn es denn irgendwelche Fragen oder Unsicherheiten und Unklarheiten geben sollte.
Ich bin dann bei stöbern auf das Buch:
*** Abschied von Rune ***
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gestoßen.
Es wurde von Marit Kaldhol geschrieben.
Die wunderschönen Illustrationen sind von Wenche Oyen.
Aus dem Norwegischen übersetzt von Angelika Kutsch.
Erschienen ist das Buch 2000 in der 9ten Auflage, im Heinrich Ellermann Verlag, Hamburg.
Seitenzahl: 34
Alter: ab ca. 5 Jahre
ISBN Nr. 3-7707-6272-X
Preis: 12 Euro
*** Inhalt lt. Buchrücken ***
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Abschied nehmen von Rune muss Sara. Runes beste Freundin, denn Rune ist beim gemeinsamen Siel am Wasser ertrunken.
Ein solch einschneidendes, schmerzhaftes Erlebnis für Kinder von 5-6 Jahren an mit aller Deutlichkeit und dabei doch auch mit aller Behutsamkeit dargestellt….
Ein beeindruckendes Buch….
*** Auszeichung ***
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Das Buch hat den deutschen Jugendliteratur Preis erhalten.
Es wurde zum Bilderbuch des Jahres 1988 erklärt!
*** Meine Inhaltsangabe ***
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Rune ist Saras bester Freund. Er wohnt nur ein Haus weiter und sie spielen jeden Tag miteinander. Wenn sie groß sind wollen sie einmal heiraten und dann zusammen in einem Haus wohnen und immer zusammen Mittag essen.
Sara und Rune gehen zum Spielen ans Wasser. Da liegt das kleine Boot von Rune und sie spielen Vater und Mutter. Der Vater nimmt die Mutter noch einmal in den Arm und gibt ihr einen Kuss, bevor er raus fährt aufs Wasser um zu Fischen. Das mache ihr Vater auch immer, bevor er das Haus verließ, meinte Sara.
Da fällt ihr ein Handschuh ins Wasser und bei der Kälte die herrscht, läuft sie schnell nach Hause um trockene Handschuhe zu holen. Als sie zum Wasser zurückkommt, liegt Rune bewegungslos auf dem Bauch im Wasser. Er ist ertrunken….
*** Leseprobe ***
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"Sehe ich ihn wirklich nie, nie mehr wieder?", fragt Sara.
"Nein, nie wieder", antwortet Mama. "Aber irgendwie ist er trotzdem nicht ganz fort, denn wenn wir an ihn denken, können wir ihn ja in uns drin sehen. Und dann können wir auch mit ihm sprechen. Mach mal die Augen zu und versuch es."
Ja, Sara kann Rune drinnen in ihrem Kopf sehen. Sie sieht, dass er lächelt, und er ist genauso wie früher.
"Ein Glück, dass ich das weiß!", sagt Sara zu ihrer Mama.
*** Meine Meinung ***
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Beim Lesen und Zuhören sind uns Beiden die Tränen gekommen. Zu vieles hat an den Tod und die Beerdigung der Mutter/Oma erinnert.
In dem Buch wird nichts schön geredet. Es wird nicht gesagt, dass der Tote in den Himmel kommt und von da oben auf uns runter sieht… Es wird nicht gesagt, dass wir ihn vielleicht irgendwann einmal wieder sehen.
Wir haben durch unsere Liebe die Person sowieso in uns drin. Und wenn wir an sie denken ist sie da. Nicht körperlich, zum anfassen oder zum spielen. Aber wir können sie vor unserem *inneren Auge* zumindest sehen und auch mit ihr sprechen.
Es wird aber sehr betont, dass man die verstorbene Person nie, nie wieder sieht.
Das Thema Tod wird sehr nüchtern behandelt.
Wer seinem Kind dies lieber vorsichtig und etwas *märchenhaft* erklären möchte, der sollte von diesem Buch Abstand nehmen.
Das Buch greift das Thema in keiner Weise irgendwie religiös auf. Als Sara nach ein paar Wochen bei einem Grabbesuch fragt, ob Rune da jetzt immer noch unten liegt, sagt ihr die Mutter, dass der Körper wieder zu Erde wird, aus welcher dann Blumen wachsen. Und tatsächlich. Auf Runes Grab wachsen Annemonen, die ihre Köpfchen der Sonne entgegen recken.
Auch die Trauer von Runes Eltern und Schwester wird nur ganz schlicht dargestellt. Sie halten sich im Arm und weinen. Der Trost, welchen man in der Familie erhält wird sehr schön dargestellt.
Auch bei uns war das vor einem Jahr so. Wir waren wirklich froh, einander zu haben. Wie oft sind wir da gesessen und haben alle zusammen geheult und von Frau/Mutter/Oma gesprochen. Uns gemeinsam an sie erinnert. Uns gegenseitig getröstet. Das ist heute nicht mehr ganz so oft der Fall. Selbst der stärkste Schmerz wird irgendwann weniger. Ein Gefühl, dass man die Situation einfach akzeptieren und das Beste daraus machen muss, schleicht sich ein. Wobei auch heute noch kaum ein Tag vergeht, an welchem ich nicht an meine Mutter denke.
David hat sich beim Lesen die vielen wunderschönen Bilder in dem Buch angesehen. Es sind lauter Aquarell-Zeichnungen. Die Umrisse zerfließen im Hintergrund. Die Bilder sind weich und in sehr warmen Herbsttönen gemalt. Sie könnten allerdings auch sehr düster, beklemmend und unheimlich auf ein Kind wirken.
Die Autorin hat den Herbst und Winter als Jahreszeit für ihre Geschichte gewählt. Ich nehme doch an das dies absichtlich geschah. Der Herbst und der Winter als Jahreszeit haben beide dieses *Vergehen*, *Sterben*, *Ausruhen* in sich vereint. Dies passt alles gut zum Thema Tot. Rune stirbt im Herbst. Als dann der Schnee alles bedeckt, haben alle Zeit zum *Ruhen* und *Nachdenken*
Die Bilder, welche dann mit dem verstorbenen Rune zu tun haben, und auch die Bilder vom Winter sind in schwarz-weiß gemalt. Der dann folgende Frühling wird wieder farbig dargestellt.
Die Beerdigung wird genau beschrieben. Wir hatten alle Angst vor diesem Tag. Bei einem Kind, welches mit dem Wort *Beerdigung* nichts anfangen kann, ist das so etwas Ungewisses und Unheimliches, was da auf es zukommt. In dem Buch wird alles sehr schön beschrieben und erklärt. Aber auch wieder auf eine sehr realistischen, unumwundene Weise.
David hat es damals sehr geholfen, als die Pfarrerin sagte, dass die Oma nun ein wenig anders aussieht. Sie war der Meinung, wir sollten David seine Oma noch mal sehen lassen. David wollte das unbedingt. Ich machte mir große Sorgen deswegen. Eigentlich war ich dagegen. Sie erklärte ihm, dass die Oma sich auf eine sehr weite Reise gemacht habe. Sie sei nun kühl, wenn man sie anfasst und sie würde sich nicht mehr bewegen, ihn nicht mehr ansehen.
David ist mir bei dem Trubel auf der Beerdigung entwischt. Ich wollte ihn nicht zu der Oma lassen. Er ist einfach mit dem Onkel und dem Opa zu der Oma in das Aufbahrungszimmer rein. Ich suchte ihn.
Dann kam mir David entgegen gelaufen und meinte wütend: "Und das ist ja doch meine Oma!" "Und sie sieht immer noch genauso aus"!.
Zu meiner Überraschung hatte David absolut keine Angst. Er ist immer wieder zu der Oma ins Zimmer gegangen. Auch in den folgenden Nächten. Es gab keine Tränen, keine Angst…nichts.
David hat oft Angst in der Nacht, wenn er in irgendeinem Kinderfilm eine *gruselige* Szene gesehen hat. An der toten Oma war für ihn nichts unheimliches, Angst einflößendes. Im Nachhinein denke ich, dass es gut war, dass er sie noch mal gesehen hat.
Was ich damit sagen will ist, dass manche Kinder sich irgendwelche Dinge gerne mit einem *Märchen* erklären lassen. *Die Oma sieht immer auf dich herunter und passt auf dich auf!*. Für solche Kinder ist dieses Buch mit seiner nüchternen Art wirklich sehr *hart*.
Ich hoffe ich konnte die Vor- und Nachteile ein wenig hervorheben. Am Besten ist es sowieso, wenn man sich das Buch erst einmal vorneweg alleine durchliest, bevor man es dem Kind anbietet.
Als Mutter kann man dann sicher ein wenig abschätzen, wie das Kind darauf reagieren wird.
Ich hoffe dieses Buch kann eine Hilfe sein in einer sehr schweren Zeit!
Es bekommt von mir 4 Sterne, weil es sehr gut Aufklärt und die Bilder einfach herzerwärmend sind. 1 Stern ziehe ich wegen der Nüchternheit ab. Die ist nicht so ganz für die eigentliche Zielgruppe der ab 5-jährigen Kinder angebracht.
© Angelika Schill, Januar 2006
Ich danke fürs Lesen und Bewerten. Kommentare sind immer willkommen :-)
Herzliche Grüße, Eure Angelika weiterlesen schließen
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