Pro:
für Jugendliche könnte er den einen oder anderen Denkanstoß liefern und Mut zum handen machen
Kontra:
leider in Deutschland nie gelaufen
Empfehlung:
Ja
Heute geht es weiter in meiner Sean Astin Filmreihe. (bitte nicht wundern, das er hier in der Longe erscheint - der Film ist in Deutschland noch nie gelaufen - aber ich möchte ihn euch trotzdem vorstellen)
Von dem Film, den ich euch hier näher bringen möchte, werden noch nicht viele gehört haben. Es war das erste Mal das Sean vor der Kamera stand - im Alter von neun Jahren!
*** PLEASE DON'T HIT ME, MOM ***
Der Film - eigentlich ist es nur eine TV Verfilmung von 45 Minuten - war Teil einer amerikanischen Nachmittagsserie. In dieser Serie ging es vor allem darum, Probleme von Kindern und Jugendlichen aufzugreifen.
Aber ich will nicht lange um die Sache herumreden, sondern euch lieber eine kurze
*** INHALTSGABE ***
geben.
Der achtjährige Brian Reynolds lebt zusammen mit seiner Mutter und seinem großen Bruder. Da seine Mutter alleinerziehend ist und arbeiten geht, muss sich Brian nachmittags um seinen Bruder kümmern. was er gern tut - viel lieber aber würde er an seiner Schule im Basketballteam mitspielen.
Als er Nancy Parks kennen lernt, scheint sich sein Problem zu lösen - sie erklärt sich bereit, an seiner Stelle zu babysitten, auch wenn Mrs. Reynolds zweifelt äußert, denn Brian ist nach ihrer Aussage ein schwieriges Kind.
Was Nancy nicht verstehen kann. Sie findet schnell Zugang zu Brian - sie mag ihn - und eines Tages macht sie eine erschreckende Feststellung. Als sich Brian mit Milch bekleckert und sie sein Hemd wechseln will, findet sie an seinem Körper verschiedene blaue Flecken. Brian erzählt ihr, er wäre eben ein Tollpatsch und schlimm gestürzt.
Nancy gibt sich mit dieser Erklärung zufrieden, bis sie eines Tages mit der Schule ein Krankenhaus besucht und hier mit dem Schicksal misshandelter Kinder Bekanntschaft macht. Brians Verhalten, die blauen Flecke ... ist auch er so ein misshandeltes Kind?
Nancy weiß zunächst nicht, was sie tun soll. Sie hat Angst, Brian zu schaden. Sie hat Angst, eine falsche Anklage auszusprechen. Als sie das Gespräch mit Brians großem Bruder sucht und der sie recht aggressiv zurückweist, beschließt sie zu handeln. Sie ruft die Fürsorge an ...
Zum Inhalt möchte ich hier nichts weiter sagen, aber natürlich geht es gleich weiter mit meinen
*** GEDANKEN UND GEFÜHLEN ***
Um es gleich vorweg zu sagen: ich mag diesen Film und seine Umsetzung.
Ja, er erzählt die Geschichte von Kindesmisshandlung auf eine recht einfache und manchmal vielleicht etwas schönredende Art. Ich denke aber, das er es gerade dadurch schafft, seine eigentliche Zielgruppe zu erreichen. Er will ja gar keine abendfüllende, spannende Unterhaltung sein. Er will Jugendliche auf ein Problem aufmerksam machen, das heute noch genauso aktuell ist wie es das vor dreißig Jahren war, als dieser Film gedreht wurde.
Das ist etwas, was mich sehr nachdenklich gemacht hat. Sicher merkt man den Film an, das er a. in Amerika spielt und b. dreißig Jahre alt ist. Aber es sind Äußerlichkeiten, die diesen Eindruck vermitteln. Die Thematik ist im hier und heute immer noch aktuell - egal, ob nun in Amerika oder bei uns in Deutschland. Deshalb finde ich es eigentlich sehr schade, das dieser Film so unbekannt und unbeachtet vor sich hindümpelt.
Denn er ist auf seine Art sehr gut umgesetzt. Er geht die Problematik von verschiedenen Seiten an. Er zeigt das Mrs. Reynolds ihre Kinder liebt - das sie aber durch die Umstände überfordert ist. Das sie Hilfe von außen braucht. Keine Entschuldigung - aber eine Erklärung für ihr Verhalten!
Dann ist das Brian als Betroffener. Er verhält sich genau, wie man es von vielen Kindern in solcher Situation erwartet. Er fühlt sich selbst schuldig - er versucht alles, um seine Mutter zufrieden zu stellen - er ist hin und hergerissen zwischen Angst und Liebe. Er würde seine Mutter niemals anklagen - lieber leugnet er, stellt sich selbst als dumm und ungeschickt hin.
Ähnliches gilt für Brians Bruder. Er ist als genug um zu sehen, was vor sich geht - aber er braucht einen Anstoß, um sich gegen seine Mutter zu stellen. Denn egal was sie tut - sie bleibt seine Mutter! Er weiß, das sie Hilfe braucht, ist aber letztlich überfordert damit.
Und zum Schluss Nancy. Auch sie verschließt anfangs die Augen vor dem Unglaublichen. Sie spürt, das etwas nicht stimmt, aber sie will es nicht wahrhaben. Auch als sie nicht länger davon laufen kann, zweifelt sie lange, was der richtige Weg ist. Schließlich entscheidet sie sich schweren Herzens für den "richtigen Weg" - aber sie ist nicht wirklich glücklich dabei.
All das macht diese Geschichte glaubwürdig. Wie gesagt, vielleicht ist sie ein wenig zu einfach gestrickt um wahr zu sein - aber ich finde, das sie die Problematik ALLER Beteiligter sehr gut auszeigt.
Auch das Ende ist eigentlich eine Art Happy End - sorry wenn ich das hier so direkt anspreche, aber jedes andere Ende wäre in diesem Fall nicht passend gewesen. Schließlich sollen hier die Zuschauer - also Jugendliche, die sich vielleicht in der einen oder Rolle wieder entdecken können - den Mut zum Handeln finden.
Die Situation eskaliert ein wenig - nicht unbedingt superspannend, aber doch so, das man den Höhepunkt der Story erkennen kann. Letztlich erkennt aber auch Mrs. Reynolds, das in ihrem Leben einiges falsch läuft und das sie Hilfe von außen braucht.
Der Film endet mit einer Einblendung von Telefonnummern, an die sich Betroffene wenden können - hier sieht man ganz klar, welchen Zweck dieser Film eigentlich erfüllen sollte. Trotzdem halte ich ihn für einen gut umgesetzten Film, wenn er auch nicht mit echten Hollywood Produktionen mithalten kann.
Ich möchte jetzt noch ein paar Worte zu den
*** DARSTELLERN ***
verlieren.
Nancy Parks wird gespielt von Nancy McKeon. Sie spielt wirklich sehr natürlich und ich bin wieder überrascht, das ihre Rolle schon dreißig Jahre her ist. Sie wirkt so erfrischend echt das sie genauso gut ein junges Mädchen in unserer Zeit sein könnte. Ich denke, mehr kann man von einer solchen Rolle nicht erwarten.
Ein wenig unechter wirkt Lance Guest auf mich, der Brians großen Bruder Michael spielt. Nein, schlecht macht auch er seine Sache nicht, aber er spielt ein wenig steif und ihn würde ich in einem heutigen Film nicht mehr in dieser Rolle sehen wollen.
Mrs. Reynolds wird gespielt von Patty Duke. Ihre Rolle finde ich sehr glaubwürdig. Ihre Erschöpfung, ihre Verzweifelung, aber auch ihr Zorn, der sich auf Brian entlädt. Das alles wirkt authentisch bis hin zu erschreckend.
Und natürlich ist da noch
*** SEAN ASTIN ***
in seiner ersten Filmrolle. Wow - für einen Neunjährigen macht er die Sache wirklich klasse. Er ist unbeschreiblich glaubwürdig. Man spürt seine Ängste aber auch seine Liebe zu seiner Mutter.
Dabei stelle ich mir vor, das es gerade für ihn nicht ganz einfach gewesen ist, diese Rolle zu spielen. Heute sagt Sean selbst, das es für ihn schwer war - gerade in den Szenen, als seine Mutter ihn durchschüttelt, anschreit und beginnt auf ihn einzuprügeln. Wie er gerade in diesen Szenen sein echtes Familienleben wiederfinden konnte.
Nein, Sean wurde zu Hause sicher nicht misshandelt - aber er ist aufgewachsen mit einer Mutter, die (unerkannt!) manisch depressiv war. Und diese Mutter war niemand anders als Patty Duke, die in diesem Film Mrs. Reynolds spielt.
Sie hat sich dafür eingesetzt, das er diese Rolle spielen konnte - sie hat aber auch alles von ihm gefordert.
In seinem Buch schildert Sean eine Szene, die er nicht drehen konnte, weil er sich so an zu hause erinnert fühlte, das er immer anfing zu Lachen statt zu Weinen. Seine Mutter ist daraufhin regelrecht ärgerlich geworden, hat ihn gepackt und beschimpft, bis er schließlich wirklich zu weinen begann, woraufhin seine Mutter nur meinte, DAS sollte man jetzt filmen!
Klingt nach harter Schule - ich muss immer schlucken wenn ich das lese und trotzdem: Sean nimmt es ihr heute nicht übel und trotz allem ist aus ihm was geworden. Und seine Mutter weiß heute, nachdem sie nach Jahrzehnten endlich als manisch depressiv diagnostiziert wurde, das ihre Kinder es nicht immer leicht hatten mit ihr. Ich denke, sie ist genauso wenig schuldig gewesen, als es Mrs. Reynolds in diesem Film ist. Eigentlich eine traurige Parallele!
Zum Schluss möchte ich euch noch ein paar nackte
*** FAKTEN ***
zum Film verraten.
Please don't hit me, mom!
gedreht 1980 in USA für "ABC After School Special"
Lauflänge: 46 Minuten
FSK: nicht angegeben - für kleine Kinder ist der Film sicher nicht gedacht, ich denke ab 10 Jahren kann er aber durchaus schon angesehen werden, solange eine Begleitung durch die Eltern stattfindet
Leider gibt es von dem Film in Deutschland keine Veröffentlichung - man muss schon Glück haben, um ihn zu sehen zu bekommen.
*** MEIN FAZIT ***
Obwohl der Film schon dreißig Jahre alt ist hat er für mich (leider) nichts an seiner Aktualität verloren.
Er richtet sich in erster Linie an die Zielgruppe ältere Kinder / Jugendliche. Entsprechend "einfach gestrickt" ist die Story. Das ändert aber nichts daran, das er selbst für Erwachsene durchaus sehenswert ist.
@ Prisca - Oktober 2008
Dieser Bericht erscheint auf verschiedenen Meinungsforen und etwas abgeändert auch auf meiner Homepage www.seanastin-filmzone.de weiterlesen schließen
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