Pro:
Ein romantischer Appell an das Leben
Kontra:
Das Ende
Empfehlung:
Ja
Sind wir nicht alle ein bisschen...
Don Juan de Marco ist der größte Liebhaber aller Zeiten. Sagt er zumindest selbst und wenn man sieht, wie es ihm gelingt, Frauen zu umgarnen und "gefügig" zu machen, glaubt man ihm das sogar. Doch trotz all seinem "Erfolg" ist er nicht glücklich, denn er liebt. Wahrhaftig. Und das nur eine Frau. Donna Ana. Die wiederum will von ihm nichts mehr wissen (den Grund dafür erfährt man im Laufe des Filmes) und so beschließt Don Juan de Marco, Selbstmord zu begehen. Dazu klettert er auf eine erhöhte Fläche über einer Plakatwand, auf der ein Bild seiner geliebten Donna Ana zu sehen ist.
Die kurz darauf eintreffende Polizei ruft einen bekannten Psychologen, Dr. Mickler, zum Einsatzort, um den Selbstmordkandidaten von seinen Absichten abzubringen. Als dieser mit einem Kran auf Augenhöhe Don Juan´s gebracht wird...
Moment, Auszeit. Don Juan, Polizei, Psychologe, Kran? Was für Zusammenhänge sind denn das? Nun, das ganze spielt in der Neuzeit, also quasi jetzt. Aber wer ist dann besagter Don Juan? Nun gut, jetzt verstehen wir zumindest, warum ein Psychologe nötig ist. Aber weiter:
Als Dr. Mickler (gespielt von niemand geringerem als Marlon Brando) nun also mit einem Kran auf Augenhöhe Don Juan´s (gespielt von dem mich immer mehr faszinierenden Johnny Depp) gebracht wird, erfährt er, dass dieser sich duellieren möchte. Denn er möchte sterben. Und das nur von der Hand Don Alfonso´s, dem einzigen Edelmann, dem er es erlauben würde, seinem Leben ein Ende zu setzen. Dr. Mickler greift daraufhin zu einer List: er gibt sich als Don Octavio del Flores aus (der in Mozart´s "Don Giovanni" ironischerweise der Verlobte besagter Donna Ana ist und dort den Namen Don Ottavio trägt) und überzeugt Don Juan, dass es nicht notwendig ist, sich das Leben zu nehmen.
Szenenwechsel: Don Juan de Marco ist inzwischen in eine Klinik eingewiesen worden (die, in der Dr. Mickler tätig ist), wo er 10 Tage festgehalten werden darf, bevor entschieden wird, ob er wieder entlassen werden kann. Dr. Mickler, der kurz vor seiner Pensionierung steht, wird aus genau diesem Grund die Betreuung des Patienten verweigert. Da jedoch der zugewiesene Kollege mit dem Patienten nicht klar kommt, bekommt er den Fall doch.
Und damit beginnt eine gründliche Neuausrichtung seines Lebens. Denn Don Juan de Marco ist: Don Juan de Marco. Mit Leib und Seele. Er hat einen spanischen Akzent, er glüht vor Leidenschaft beim Lieben und beim Erzählen. Und erzählen wird er in den nächsten Tagen eine Menge. Dr. Mickler, der anfangs noch einen gewissen Abstand zu dem Patienten einhalten kann, wird nach und nach aber in seinen Bann gezogen (ebenso wie sämtliche Pflegerinnen, so dass Don Juan irgendwann nur noch von Männern begleitet werden soll. Was aber ebenfalls nicht funktioniert ;-)). Und in den folgenden Tagen beginnt sich das Leben von Dr. Mickler zu verändern. Er lernt es wieder, romantisch zu sein, was seiner Ehe sichtlich gut tut. Und er ist auf dem besten Wege, den Pfad wiederzufinden, der zur Ausrichtung seines Lebens einmal so wichtig war und den er im Laufe seiner jahrzehntelangen Tätigkeit verloren hatte.
MEINUNG
"Don Juan de Marco" ist hinreißend. Zugegeben, die Sprache Don Juan´s scheint ein wenig schwülstig, aber wenn er aus einer fernen Vergangenheit auferstanden scheint, darf sie das auch sein, oder? Außerdem würde ich die Sprache denn doch eher "literarisch" nennen. Er spricht einfach fast schon in Gedichtform, in wunderschönen Vergleichen, die das Herz treffen. Und dem Zuschauer einfach ein gutes Gefühl vermitteln. Der Betrachter befindet sich in einem modernen Märchen, das an seine Gefühle appelliert und ihn ein wenig träumen lässt.
Apropos Appell: Der Film ist ein solcher. Denn obwohl Dr. Mickler weiß, dass "Don Juan" in Wirklichkeit jemand anderer ist, will er ihn eigentlich gar nicht heilen. Weil "Don Juan" in seiner Rolle einfach glücklich ist. In seinem "richtigen" Leben wäre er das zweifelsohne nicht. Dr. Mickler, Don Octavio, zeigt dem Patienten schon die wahren Fakten auf, konfrontiert ihn damit. Schließlich ist er Psychologe, der dafür sorgen muss, dass seine Patienten entlassen werden können. Aber eigentlich beneidet er "Don Juan" um seine Leidenschaft und um seine Lebensfreude. So appelliert der Film an uns, anderen doch bitteschön ihren Lebensstil zu lassen, sofern sie anderen damit nicht wehtun. Und wem schadet es, den jungen Mann glauben zu lassen, er sei Don Juan (wenn man von der Thematik "One-night-stand" mal absieht. Aber wenn frau bei diesen Begegnungen wirklich glücklich sein kann, sollte auch das in dem Fall kein Problem sein)?
Quintessenz: Das Leben ist mehr als das Ganze, was wir meistens sehen (wollen). Es besteht auch aus Sehnsüchten und Bedürfnissen, die wir nur allzu oft (zu unserem Nachteil) unterdrücken. Viel zu oft lassen wir uns von äußeren Gegebenheiten unser Leben aufzwingen, das dann bei genauer Betrachtung doch eigentlich gar keines mehr ist...
TECHNISCHES
Regie:
Jeremy Leven (sonst Drehbuchautor. Unter anderem "Die Legende von Bagger Vance" mit Will Smith und "Wie ein einziger Tag" mit James Garner (ebenfalls ein sehr schöner Film))
Produzent:
Francis Ford Coppola
Musik:
Michael Kamen
Darsteller:
Don Juan de Marco
Johnny Depp
Dr. Mickler
Marlon Brando
Dr. Micklers Frau
Faye Dunaway
Sonstiges:
USA 1994
97 Minuten
FSK: ab 12
FAZIT
Ein absolut sehenswerter Film. Auch wenn er nur begrenzt Handlung anzubieten hat, verfliegt die Zeit im Nu (ganz im Gegensatz zum Film "Hitch", den ich unmittelbar darauf gesehen habe und der bei gleicher Länge ziemlich langweilig (besonders im Sinne von "lang") war). Man kann einfach eintauchen in das Lebensgefühl Don Marco´s und versuchen, das Leben zu spüren. So man es denn spüren will.
Auch kommt der Humor nicht zu kurz. Es ist einfach köstlich, die diversen Übertreibungen anzuschauen, die sich im Laufe des Filmes ergeben (wenn beispielsweise eine Pflegerin, den Blick nicht von "de Marco" lassen kann und ihn völlig verzaubert "anhimmelt").
Das einzige, was mir an dem Film nicht gefallen hat, ist das Ende. Es überzeugt mich leider in keinster Weise, wird schnell abgehandelt und ergibt nicht wirklich einen Sinn. Aber es ist andererseits ein logischer Abschluß eines schönen Märchens. Und das einmal zu genießen lege ich jedem ans Herz, der irgendwo eine kleine romantische Ader hat.
23.08.2005
by Himmelssurfer weiterlesen schließen
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