Pro:
Die Allgäuer Landschaft und die Allgäuer Traditionen werden beschrieben | Ein Buch \"vielleicht\" für uns Allgäuer
Kontra:
Ein Klischee nach dem anderen | dumme, vertrottelter Kommissar | Kriminalfall steht im Hintergrund | laienhafte Schreibweise
Empfehlung:
Nein
Ich bin ein Bücherwurm, eine Leseratte, ein Mensch, der ohne Bücher nicht leben könnte. Ohne Fernsehen ja, aber ohne Bücher? Nein!!! Wenn der größte Buchladen unserer Stadt, seinen neuen Katalog auslegt, bin ich eine der Ersten, die sich diesen holt. Deshalb ist es verwunderlich, dass ich erst jetzt auf ein Buch aufmerksam wurde, dass bereits 2003 erschienen ist und dessen Geschichte in meiner Heimat spielt - dem Allgäu.
Fakten
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Titel: Milchgeld - Kluftingers großer Fall
Autor: Volker Klüpfel, Michael Kobr
Verlag: Maximilian Dietrich Verlag
ISBN (TB): 3-87164-137-5
Seiten: 310
Preis: 14,80
Inhalt
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Im Allgäu wird die Leiche eines leitenden Milchwerk-Angestellten gefunden. Für Kommissar Kluftinger ist das eine aufregende Sache, denn einen Mord musste er noch nie aufklären. Der Landpolizist ist eher mal hinter einem Wilderer oder einem Hühnerdieb her, aber ein Mörder ist doch etwas neues für ihn. Der Bürgermeister von Altusried, sein Dienststellenleiter und die Allgäuer Bürger wollen natürlich möglichst schnell Ergebnisse sehen. Den entscheidenden Tipp gibt die Haushälterin des Opfers, die bei der Beerdigung einen Mann identifiziert. Der Mann ergreift die Flucht und macht sich dadurch eindeutig verdächtig, zumal er wenige Tag vor der Tat einen Streit mit dem Milchwerk-Angestellten hatte. Kluftinger wittert eine heiße Spur und macht sich auf die Suche...
Meine Meinung
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Eigentlich sind Krimis nicht meine Sache, weshalb ich jeden Kriminalroman mit einer gewissen Distanz angehe. Bei *Milchgeld* lag der Fall jedoch etwas anders. Ich wusste, dass es ein *Allgäuer Roman* ist - sprich: *ein Buch für Allgäuer*. Ich war also ziemlich neugierig auf den Inhalt und freute mich darauf.
Schon nach den ersten Zeilen fiel mir der einfache Schreibstil auf. Sehr laienhaft und holprig kam mir das ganze vor. Ich lese wahrlich viele Bücher und in meinen besten Tagen verschlinge ich manchmal zwei bis drei Bücher pro Woche. Ich bemerkte den Unterschied also schon nach wenigen Absätzen. Der Text bestand aus einem einfachen Deutsch, keine komplizierten Worte, keine verschachtelten Sätze. Was mir auffiel war jedoch, dass die Autoren angebliche *Fach*-Begriffe zusätzlich erklärten. Das Irritierende dabei war, dass diese Worte gar keiner Erklärung bedurften. Ich denke, jeder weiß, was eine *Paella* ist, ein *Milchauto* oder ein *Kebab*. Weshalb sollte man diese Begriffe also zusätzlich erklären?
Der Roman hatte eine weitere stilistische Eigenart, die mir nicht gefiel. Die Umgangssprache, die - meiner Meinung nach - in einem Buch nichts zu suchen hat. Als Beispiel möchte ich einen kurzen Satz nennen, der typisch für den ganzen Roman war: „...mir fiel auf, dass die Tür nicht ganz zu war.* Hier stutzte ich. Eine Tür ist entweder offen oder sie ist zu. Eine Tür kann auch angelehnt sein. Aber wann ist eine Tür *nicht ganz zu*? Versteht ihr? Das ist ungefähr so, als wenn ein Auto nicht ganz anspringt. Entweder es springt an oder nicht. Es kann auch *nicht sofort (gleich/auf Anhieb) anspringen*. Aber ein Auto kann nur ganz oder gar nicht anspringen. Natürlich weiß ich, dass wir diese Redewendung auch ständig benützen. Ich selbst sage auch mal: *Geh schon voraus, ich habe die Tür nicht ganz zugemacht.* Das ist Umgangssprache und absolut in Ordnung. Aber in einem Roman würde ich schreiben: *Geh schon voraus, die Tür ist nur angelehnt.* Dadurch, dass die Autoren oft in die Umgangssprache fallen, wirkt der Text laienhaft und auch ein wenig *hinterwäldlerisch*. So kann ich vielleicht meine Erfahrungsberichte schreiben, aber Romanautoren sollten eine gewissen *schriftdeutschen* Stil waren, finde ich.
Es gibt noch mehr Dinge, die mich stören. Unter anderem wird Kommissar Kluftinger (schon der Name ist eine Zumutung!!!) oft als *kleiner Trottel* dargestellt. Er isst keine Paella, sondern am liebsten Kässpatzen oder eine deftige Wurstplatte und Bergkäse. Er macht am liebsten in den Bergen Urlaub (das Flachland ist ihm ein Graus) und die *große, weite Welt* beginnt gleich hinter der Ausfahrt A7. Dadurch das die Hauptfigur des Romans als kleinkariert und etwas dämlich dargestellt wird, assoziiert man das Allgäuer Volk vielleicht mit dem dummen und hinterwäldlerischen Kommissar.
Und die Allgäuer selbst, die dieses Buch lesen? Sie möchten sich schließlich auch mit *ihrer* Romanfigur identifizieren. Doch wie erkennt der moderne, aufgeschlossene Allgäuer sich in einem Menschen wieder, der sich an einer Kebab-Bude wie der letzte Trottel verhält und seinen studierten Sohn als *überkandidelt* hält, nur weil er sich intelligenter ausdrückt als sein Vater?
Die Lösung des Kriminalfalls gestaltet sich nicht anders. Kommissar Kluftiger - meist in Begleitung seiner Kollegen, die natürlich alle noch dämlicher sind als er - führt natürlich viele Gespräche mit Zeugen. Dabei vergisst er, wichtige Fragen zu stellen. So führt er zum Beispiel erste Gespräche mit der Tochter des Opfers und vergisst zu fragen, ob es irgendwelche Personen in seinem näheren Umfeld gibt, die zur Klärung beitragen könnten. Erst viel später fällt ihm ein, dass ein alleinstehender Mann evtl. eine Haushälterin hatte. Das war mein erster Gedanke! Hatte das Opfer eine feste Freundin, Kegelbrüder oder Kollegen, mit denen er öfter etwas unternahm? Haben die Nachbarn etwas verdächtiges bemerkt? Z.B. Fremde die im Haus ein und aus gingen etc.? Mit wem telefonierte das Opfer kurz vor der Tat? Wo ging das Opfer einkaufen? Wo tankte es? Wer hat den Mann zuletzt lebend gesehen etc.??? Das sind doch alles Dinge, die einen entscheidenden Hinweis geben könnten.
Es werden viele wichtige Dinge überhaupt nicht angesprochen, dafür werden viele uninteressante Gegebenheiten auseinander getreten. Was interessiert es mich, dass die Frau des Kommissars nach Mallorca in Urlaub fährt, was sie dort isst und wie *gewählt* sie sich im Urlaub ausdrückt? Warum muss ich wissen, wie der Herr Kommissar am liebsten seine Kässpatzen ist, warum die Trommel tagelang in seinem Kofferraum liegt und wieso er immer einen feinen Anzug in seinem Büro hängen hat? Gerne würde ich an dieser Stelle einen Textauszug wiedergeben, aber alle Beispiele wären viel zu ausführlich. So wird z.B. eine Observierung, die der Kommissar übernimmt, über ganze sieben Seiten in die Länge gezogen. Viel passiert dabei jedoch nicht. Es wird hauptsächlich erzählt, dass er seine Brotzeit herrichtet und diese während der Observierung ziemlich umständlich verspeist. Natürlich ist Kluftinger auch hier wieder ziemlich *vertrottelt* dargestellt. Albern!
Thema: Klischees! Der Roman strotzt vor Klischees. Ein ominöser Zeuge trägt einen grauen Anzug, hellbaues Hemd, rosa Krawatte und hat dichtes, schwarzes Haar und einen Siegelring. So stellt man sich einen *ominösen Zeugen* doch auch vor, oder? Ein undurchsichtiger Mafiatyp, ein Windhund...
Oder wie wäre es mit dem angeblichen Mörder, der behauptet, er sei unschuldig und dann selbst tot aufgefunden wird? Na, prima, gab’s das nicht schon öfter?
Ein weiteres Beispiel habe ich bereits genannt: ein Allgäuer isst Kässpatzen, trägt grüne Janker, ist Mitglied in einer Musikkapelle und guckt nicht über seinen Tellerrand hinaus.
In diesem Zusammenhang fällt mir noch etwas ein, dass ich anfangs schon erwähnte. Ich - als Allgäuerin - fand es natürlich ganz witzig, dass ich einige Begebenheiten wieder erkennen konnte. So wurde unser örtlicher Fernsehsender - das TV-Allgäu-Team - erwähnt, die Allgäuer Zeitung, das Eisstadion unserer Stadt... Ich konnte den Weg verfolgen, den der Kommissar nimmt, als er die Polizeidirektion in Kempten verlässt und, und, und... Meine Mutter ging sogar soweit, dass sie sich eine Landkarte nahm und den Weg darauf nachzeichnete. Ich ging noch weiter!! Ich fuhr am nächsten Tag mit dem Motorrad die Strecke ab, die der Kommissar ins Westallgäu nahm. Dabei verlor ich jedoch immer an der gleichen Stelle die Spur. Ich weiß immer noch nicht, wo im Himmelsnamen, Fachwerkhäuser im Allgäu stehen!! Fachwerkhäuser??
Naja, sei es, wie es ist. Für einen Allgäuer hat der Roman dadurch natürlich seinen besonderen Reiz. Für all die anderen deutschsprachigen Leser wird dieser Roman jedoch ziemlich unattraktiv. Wer sich durch seitenlange Wegbeschreibungen kämpfen muss, wird sich schnell langweilen, denke ich. Die Geschichte an sich fesselt nämlich niemanden. Im Gegenteil, durch die verworrenden Ausführungen von Nebensächlichkeiten, wird der Leser von der eigenen Story viel zu sehr abgelenkt. Ganz zum Schluss versuchen die Autoren den Verlust der Geschichte dadurch aufzuholen, dass sie mit dem Tempo extrem anziehen. Vergebens. Das hat dann auch keinen Sinn mehr!
Fazit
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Dick und Doof ist ein Trauerspiel dagegen. Im Mittelpunkt des *Allgäu-Krimis* steht Kommissar Kluftinger, der vertrottelte und Kässpatzen-essende Allgäuer, der nicht über seinen (allgäuer) Tellerrand hinaus sehen kann. Der Kriminalfall wird in den Hintergrund gedrängt, denn nur die Person Kluftinger und die Allgäuer Eigenarten scheinen im Mittelpunkt zu stehen. Für uns Allgäuer ist es sicherlich ein Erlebnis, Orte und Namen aus unserer Heimat in einem Roman wiederzufinden. Für Ortsfremde ist der Kriminalroman jedoch ziemlich uninteressant. Außerdem ist das Buch nicht unbedingt als Werbung fürs Allgäu geeignet. Deshalb möchte ich eines feststellen: Liebe Leser, wir (= Allgäuer) sind nicht bescheuert - sie (= die Autoren dieses Buches) tun nur so!
Bewertung: (mit viel gutem Willen) 2 Sterne
In diesem Sinne... alles bleibt anders... eure Allgäuerin Dotti weiterlesen schließen
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