Pro:
witziger und ausgelassener Schreibstil, amüsant, keine unnötigen Fachbegriffe +gg+, selbstironisch, zum Totlachen
Kontra:
leider nur 250 Seiten
Empfehlung:
Ja
Amelie Puppe Sturm – Teilinhaberin des Szenencafés „Himmelreich“ in Hamburg - und Philipp von Bülow – Partner einer bekannten und gutlaufenden Kanzlei in Berlin – sind ein Paar. Ein ungewöhnliches Paar.
Amelie, liebevoll von allen Puppe genannt, suhlt sich in Selbstzweifel, wenn es darum geht, ob sie den Frauen, die ihr Freund Philipp trifft, das Wasser reichen kann. Sie stellt sich grauenhafte Szenen vor, in denen sie das hässliche Entlein ist und wandelt diese dann im nächsten Gedanken um, sodass sie die Siegerin ist.
Amelie Puppe Sturm hat eine sehr gute Fantasie und in genau die werden wir in „Herzsprung“ eingeweiht.
Das, was manche von uns – oder vielleicht auch ein Großteil der unter uns weilenden – denken, sagt oder schreibt sie. Sie hält sich kein Blatt vor den Mund und ist sich für nichts zu schade.
Sie liebt Emotionen, noch viel mehr, wenn sie diese übertreibt. Und so plant die fast 32-jährige ein Szenario, bei dem sie Philipp verlassen will – zum Schein – damit er sie wieder zurückerobert. Das Blöde dabei ist nur, dass sie gerade an diesem Morgen eine Handynachricht abhört und die lässt das „Fass überlaufen“...
Amelie will wirklich weg, übergießt seine teuren Anzüge mit Rotwein und fährt fort – nach Sylt.
Sie weint schon auf der Autobahn, holt sich dann ihren Freund Burgi auf eine Autobahnraststätte, wo sie sich erst einmal eine neue Frisur verpassen lässt. Miss Marple, ihr Hund, ist natürlich auch dabei. Die drei reden erst einmal über die Geschehnisse und schließlich fährt Amelie weiter. Sie will das erste Mal in ihrem Leben alleine sein.
Als sie in Sylt ankommt, begegnet sie Oliver, einem anscheinend verzogenem jungen Jura-Anwalt, der sie alleine schon wegen seinem Studiengang wieder sehr an Philipp erinnert. Aber sie will endlich etwas tun, um sich abzulenken – ihre neue Devise.
Sie lässt sich mit ihm ein, zusammen gehen sie an den Strand und schließlich auch in das Haus, das er und seine Eltern auf Sylt besitzen.
Die Begegnung verläuft anders, als sie sich das vorgestellt hat und Amelie kann unbemerkt flüchten. Doch, was sie nicht eingeplant hat, war, dass sich ihr Diamantring von Philipp im Briefkasten verhakt und er dabei abgeht und in das Haus fällt, als sie versucht, Olivers Armbanduhr, die sie versehentlich noch am Handgelenk trägt, in den Briefkasten zu werfen. Was soll sie jetzt tun? - Der Vater, den sie jetzt als Philipps Geschäftspartner wiedererkennt, hilft ihr aus der Patsche und die Beiden leisten sich noch etwas Gesellschaft...
Amelie wird in der folgenden Nacht 32 und betrinkt sich alleine. Als sie aufwacht und wieder zu Sinnen kommt, sieht sie bald darauf eine Zeitung, wo angeblich eine Bekannte von Philipp gestanden hatte, dass es „wahre Liebe“ sei... Amelie will die beiden sehen und fährt so schnell es geht nach Berlin zurück, zur Bambiverleihung.
Doch was wird sie dort erleben??
-_-_-_ Sprache _-_-_-
Vielen wird genau das nicht gefallen, denn die Sprache und Ausdrucksweise in diesem Buch ist alles andere als anspruchsvoll.
Es wird nicht lange um den heißen Brei geredet, die Autorin schreibt das auf, was sie denkt, benutzt auch nicht unbedingt geschwollene Ausdrücke oder Fachbegriffe, sondern eher das Vokabular, was uns im Privaten vielleicht eher geläufig ist.
Dadurch entsteht ein Roman, in den man sich, besonders als Frau wie ich finde, sehr gut hineinversetzen kann. Ich wusste immer, wie sie denkt und was sie fühlt, was sie bewegt und warum sie den nächsten Plan unbedingt in die Realität umsetzen wollte. So konnte man sie sehr gut verstehen und nachvollziehen.
Mir hat ihre direkte Art sehr gut gefallen. Sie schreibt auch wahnsinnig selbstironisch, dafür ist Ildikó von Kürthy ja auch bekannt.
Sie zieht sich selbst durch den Schlamm, schildert Peinlichkeiten ohne lange Umscheife, steht dazu und tapft einfach von einem Fettnäpfchen in das nächste.
Mir ist klar, dass das nicht gerade die anspruchsvollste Literatur ist, aber für zwischendurch ist es einfach ein super Buch, das man mal gelesen haben sollte ;)
-_-_-_ Eigene Meinung _-_-_-
Vor kurzem habe ich auch schon das etwas kürzere Buch von der Autorin, „Mondscheintarif“, gelesen und ich war schon sehr begeistert.
Mit großen Erwartungen habe ich dann auch dieses Buch gelesen, weil ich mir einfach erhofft hatte, noch mehr Wortwitz und Selbstironie vorzufinden – und ich wurde nicht enttäuscht.
Die witzige Art und Weise, wie sie bekannte Leute durch den „Dreck zieht“, ist schon amüsant. Boris Becker wird liebevoll dadurch veräppelt, weil ja „beinahe jede Schwangere glaubte, ihr Kind sei von“ ihm. Durch die guten Witze und Wortgefechte, die Selbstironie usw. entsteht hier ein sehr gelungenes Buch, was wirklich unterhaltsam ist.
Was mich noch sehr überrascht hat beim Lesen, war, dass in diesem Buch genau das ausgeprochen wird, was man manchmal denkt, dass einfach alle Weisheiten, die man irgendwann gesammelt hat, hier kompakt vorgetragen werden. Nicht, dass jetzt einer glaubt, das sei ein Buch, wonach man seine Beziehung ausgerichtet hat, aber jeder kennt doch das Gefühl, wenn man an seinem Partner was auszusetzen hat und genau diese Gefühle und Reaktionen kann man in diesem Buch auch entdecken.
Schmunzeln muss man auch, wenn man sich vorstellt, Männer würden dieses Buch lesen. Keinesfalls schlecht, denke ich, denn dann wüssten sie vielleicht mal, auf was wir Wert legen, was uns stört und was wir abgrundtief lieben +gg+ aber auch hier wieder: nicht zu ernst nehmen.
Man sollte dieses Buch als Unterhaltung für zwischendurch ansehen, für mehr aber auch nicht, denn man kann das reale Leben und echte Beziehungen keinesfalls mit diesen Handlungen im Buch vergleichen.
Denn Amelie reagiert oft sehr sensibel, meiner Meinung nach zu sensibel, und sie liebt es Tragödien vorzutragen, die gar nicht so tragisch sind. Wer macht denn so etwas gerne? - Also ich kann mir meine Zeit anders vertreiben, ich brauche keinen zusätzlich und unnatürlich erzeugten Stress in meiner Beziehung.
Das beste Beispiel in „Herzsprung“ ist ja, dass sie anfangs nur blöffen wollte und gar nicht die Absicht hatte, Philipp zu verlassen. Hmm, wer kein ernsthaftes Problem hatte, macht das auch nicht – sie beschreibt es, dass sie mal wieder neuen Pepp in die Beziehung bringen müsste.
Ihr seht schon, beim Lesen dieses Buches kann man keine Lebensweisheiten mitnehmen, es hilft auch eigentlich niemanden im wahren Leben, aber dennoch sage ich euch, ihr werdet euch köstlich amüsieren, wenn ihr es lest. Es ist ein Hochgenuss der Selbstironie und der Witze, die hier gerissen werden. Eine Beschreibung von 48 Stunden Melancholie, Trauer, Tränen, Hass, Wut, Liebe und Sehnsucht!
Ich konnte auf jeden Fall nicht mehr aufhören, eines der Bücher, die man nie mehr weglegen kann, bevor sie nicht zu Ende gelesen wurden ;)) Es war spannend, man wollte die ganze Zeit wissen, wie es denn nun ausgeht, was als nächstes passiert. Langweilig wird mir in den 250 Seiten nicht!
Ihr fragt euch jetzt, warum das Buch Herzsprung heißt? - Auf keinen Fall, weil Amelies Herz zerspringt, es handelt sich hier lediglich um eine Autobahnausfahrt, an der sie vorbeirast ;))
-_-_-_ Leseprobe (Seite 57) _-_-_-
„Leise ziehe ich die Tür hinter mir zu.
Aus.
Vorbei.
Sozusagen aus und vorbei.
Ich recke heroisch das Kinn in die Höhe und versuche eine gute Figur zu machen, während ich meinen schweren Koffer, die große Reisetasche und zwei Plastiktüten die Treppe herunterwuchte. Marple hopst ausgelassen um mich herum und wedelt so heftig mit ihrem Schwanz, als wolle sie ihn abschütteln. Wie immer verliert sie auf den letzten Metern des glatten Steinflurs vor lauter Übermut den Halt, dreht sich einmal um ihre eigene Achse und schlittert dann, alle viere von sich gestreckt, gegen die Eingangstür.
Dong.
Jedes Mal dasselbe.“
-_-_-_ Sonstiges _-_-_-
veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH.
weitere Informationen unter: www.rororo.de
ISBN: 3-499-23287-1
Preis: 8,90€
Seitenanzahl: 248
-_-_-_ Fazit _-_-_-
Ein Buch, das euch sicherlich für einige Stunden unterhalten wird, wenn ihr nicht auf anspruchsvolle Literatur besteht.
Es ist etwas für die, die auch beim Lesen mal abschalten und keine großen Fachbegriffe sehen wollen.
Mich hat es mitgenommen, ich konnte herzhaft lachen, viele Male schmunzeln und noch öfter dachte ich mir „hey, das kennste doch irgendwie auch!“
Ihr werdet die ein oder andere Situation vielleicht bei euch selbst wiedererkennen, die Leselust wird dadurch auf keinen Fall abgeschwächt.
Also ran an die Bücher und auf geht es mit dem Lesen ;))
Viel Spaß beim Schmökern wünscht dani ;))
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