Pro:
hübsches Städtchen, schöner Strand, sowohl für Aktivurlauber als auch für reine Erholung geeignet
Kontra:
Hotel Maritim als Schandfleck, hohe Preise allgemein trüben das Bild etwas
Empfehlung:
Ja
Unendliche Weiten, Sandstrände, schöne Frauen, praller Sonnenschein ... wer hier sofort an Rio de Janeiro Und die Copa Cabana denkt, der liegt einige 10.000e Kilometer daneben, denn das Urlaubsziel, aus dem wir trotz aller Unwetter in Deutschland doch braungebrannt wiedergekommen sind, liegt in Deutschland an der Ostsee. Travemünde ist eigentlich ein Stadtteil von Lübeck, liegt aber doch gut 15 Kilometer außerhalb an der sogenannten Lübecker Bucht und ist trotz aller Touristik ein attraktives Reiseziel geworden oder geblieben, egal ob man entspannen oder aktiv Urlaub machen will.
Wer auf Segelschiffe steht, wird hier in Travemünde auf seine vollen Kosten kommen. Seit 1960 liegt im Priwaller Hafen die Windjammer "Passat", die Ende der 90er Jahre komplett überholt wurde (sagt man bei Schiffen auch, dass man sie renoviert?!) und von jedermann besichtigt werden kann. Und auch ohne Besichtigung ist der Viermaster im Hafen nicht nur ein Wahrzeichen geworden, sondern auch von der anderen Hafenseite schön anzuschauen und stets ein beliebtes Motiv bei den professionellen und hobbymäßigen Aquarellmalern.
Aber auch wer aktiv segelt, der wird in Travemünde eine ganze Menge zu sehen bekommen. Neben den Segeltörns, bei denen man vielleicht selber an Bord hüpfen kann, gibt es immer mal wieder die eine oder andere Regatta, die im Travemünder Hafen Station macht. Bei unserem Besuch war es irgendeine Weltmeisterschaft, bei der eine knappe Woche lang Nachmittag für Nachmittag mehr als 200 kleine Segler am Strand entlang Kurs auf den Hafen machte, was wohl auch dazu geführt hat, dass entlang der Promenade viele Buden und Stände aufgebaut waren, die für das körperliche und leibliche Wohl sorgten.
Das neue "Wahrzeichen" oder besser gesagt der neue unübersehbare Schandfleck Travemündes ist das Hotel Maritim, das direkt an der Strandpromenade gebaut wurde und mit seinen 35 Stockwerken alles überragt, was im Umkreis von 15 Kilometer angesiedelt wurde. Man brüstet sich zwar damit, dass es mit 117 Metern das höchste Leuchtfeuer der Umgebung beherbergt und es ist nicht schlecht drinzusitzen und die Aussicht zu genießen, aber letztendlich ist es einfach nur ein hässlicher, fehlplatzierter Betonklotz. Im obersten Stockwerk befindet sich ein Restaurant, aber Schaulustige werden davon bgehalten, nur um der Aussicht willen eben mal hochzufahren, denn der Aufzug kostet 2 Euro, was beim anschließenden Kaffeetrinken aber verrechnet wird. Wir haben uns die 2 Euro und 35 Stockwerke trotzdem gegönnt (fast 6 Cent pro Stockwerk!) und haben oben die Aussicht und einen mittelmäßigen Kaffee für (Achtung, festhalten!) VIER Euro genossen, was uns das Maritim gänzlich unsympathisch machte. Die Aussicht ist toll, aber aus Spargründen sollte man sich vielleicht mit einem kleinen Mineralwasser bescheiden. Das billigste auf der Karte ist übrigens eine Portion Schlagsahne, die kostet einen Euro und zehn Cent. Mit dem Ticket vom Aufzug bekommt man also theoretisch noch 90 Cent raus ... die Rückfahrt mit dem Aufzug ist übrigens lustigerweise kostenfrei, hier ist Potential für weitere Einnahmen gegeben!
Das Maritim, das auch private Wohnungen beherbergt ist in Zukunft nicht das einzige "Luxus"-Hotel, denn ganz in der Nähe wird neben dem bereits eröffneten Casino ein weiterer Schuppen gebaut, das "Vier Jahreszeiten" gibt sich in Zukunft also auch die Ehre.
Übernachtungen allgemein müssen nicht so teuer sein. Neben vielen kleinen Pensionen und Hotels gibt es auch die Möglichkeit an private Zimmer für die Urlaubszeit zu gelangen, die offizielle Kurverwaltung versucht einem aber zunächst die Hotels schmackhaft zu machen, die mit einem Doppelzimmer inklusive Frühstück aber mit circa 60 Euro doch recht teuer zu haben sind. Ein privates Angebot sollte da etwas billiger kommen, nachfragen lohnt sich also.
Der alte Leuchtturm liegt unweit der Promenade und ist nahezu auf jeder Postkarte von Travemünde zu finden. Auch hier sind Ferienwohnungen untergebracht worden, an die aber nicht jeder herankommt. Dennoch hatte mr.matze samt Begleitung das Glück sich hier unglaublich günstig einzumieten, das scheinen die Vorteile der vielen Community-Punkte zu sein, endlich hat sich die ganze Mühe gelohnt (was natürlich nur ein klitzekleiner Spaß ist). Wie dem auch sei, der alte Leuchtturm ist hübsch anszusehen und wird gerade renoviert, danach sollte er sich auch wieder besteigen lassen, damit man die (bis auf das Maritim) ungetrübte Aussicht genießen kann.
mrs.matze hat ein Faible für das Füttern von Tieren egal welcher Größe oder welches Aussehens. Egal ob Streifenhörnchen am Grand Canyon oder wirklich hässliche Vögel in Australien. Auch wenn es die letzte Essensration wäre, sie würde sie teilen. Und auch wenn es eigentlich verboten ist und nur wenig Sinn macht, mehr oder weniger wilde Tiere durch Anfüttern an die Menschen zu gewöhnen, so konnte mrs.matze bei den Enten mit ihren 10 neugeborenen Küken einfach nicht wederstehen. Es war schon ein lustiges Schauspiel: man weiß eigentlich nicht, wer sich mehr gefreut hat; die kleinen Entenküken und mrs.matze schienen gleichermaßen begeistert, ebenso konnten durch das Schauspel einige Renter und Kinder ("Mama, ich will auch!") begeistert werden. Ich hielt derweil meinen Fotoapparat im Anschlag für den Fall, dass bei der Raubtierfütterung jemand ins Wasser fällt ... nein, es passierte nichts.
Eine Hafenrundfahrt ist für 2 Euro 50 zu haben, ein kleiner zollfreier Einkauf inklusive. Bei schönem Wetter wirklich zu empfehlen, so kommt man wenigstens mal zum Skandinavienkai, von dem aus die großen Passagierschiffe (200 Meter lang, 30 Meter breit) nach Schweden starten und man auch so eine hübsche einstündige Barkassenfahrt erlbet. Für Landratten ein echtes Muss!
Travemünde ist zwar klein, hat aber dennoch immer was zu bieten. Neben dem großen Fest der "Travemünder Woche", wo es wirklich brechend voll gewesen sein soll, gibt es neben einigen Reagtten immer mal wieder was zum Bestaunen. Aktuell gabe es das Spektakel "Sand World", bei dem bis zu 15 Meter hohe Sandburgen und Nachbauten berühm,ter Gebäude lockten, ein Ticket zu lösen. Mit knapp 6 Euro war uns das aber definitv zu teuer, auch aus der Ferne ließen sich schon genug Eindrücke der Sandturmbaukunst gewinnen, sodass wir uns ein näheres Betrachten erspart haben. Da haben wir doch lieber dem Beachvolleyball in Gestalt des Renault-Beach-Cups beigewohnt, nicht sehr hochklassig, aber immerhin ganz nett anzusehen.
Wie alles spielten sich auch diese Ereignisse direkt am Starnd ab. Travemünde rühmt sich damit, einen 4,5 Kilometer langen Sandstarnd zu beherbergen, der Platz für 1700 Strandkörbe bietet. Wer also eine Kurkarte besitzt oder sich am Automaten eine Strandkarte (kein Witz!) gekauft hat, der kann an diesen wirklich schönen Ostseestrand. Die Strandkörbe kosten unverschämte 7 Euro 50 am Tag, wer sich einen solchen am Fuße des Maritim Hotels gemietet hat, schaut übrigens ab circa 15 Uhr ziemlich in die Röhre, denn ab diesem Zeitpunkt liegt der entsprechende Strandabschnitt komplett im Schatten. Zu dumm aber auch. Apropos Schatten. Wer trotz miesem Wetter auf das Erlebnis von külem Nass nicht verzichten möchte, kann sich in die Fluten des Aqua Top stürzen, einem Hallenbad direkt an der Strandpromenade. Nicht gerade billige Eintrittspreisen stehen eine 107 Meter lange Ruztsche und ein Wellenbecken gegenüber. Da wir aber das Glück von unglaublich gutem Wetter hatten, erübrigte sich ein Besuch und somit enden meine Erfahrungen mit dem Aqua Top auch genau an dieser Stelle ...
Sehenswert ist auch die Altstadt von Travemünde, die aber leider von allzuvielen Boutiquen und Restaurants nicht gerade verschönert wird. Dennoch lohnt sich mal ein abendlicher Spaziergang durch das beschauliche Örtchen. Wer es gern etwas größer mag, dem ist einen Fahrt nach Lübeck zu empfehlen. Für 1,85 kann man per Bus oder Bahn in die alte Hansestadt, die wohl jeder von den alten 50-Mark-Scheinen kennt, auf denen das Holstentor an der Stelle des alten Stadteingangs zu sehen ist.
Wer an der Ostsee tauchen möchte, sollte sich auf jeden Fall vorab informieren und am besten auch gleich buchen, denn in der näheren Umgebung von Travemünde gibt es zwar fünf Tauchbasen, diese leiden aber entweder an Tauchlehrermangel oder haben einen merkwürdigen Terminkalender beziehungsweise melden sich trotz Versprechen überhaupt nicht, was mich leider um zwei sonntägliche Tauchgänge gebracht hat. Wer jedoch schon mal unter Wasser gewesen ist, weiß insbesondere was das Wracktauchen angeht nur Gutes zu berichten.
Der spezielle Restauranttipp ist das italienische Lokal Bellavista in der Kaiserallee, direkt gegenüber vom Casino. Wirklich gutes Essen und freundliche Bedienung lässt einen hier das entgangene Tauchvergnügen schnell vergessen. Ab und zu spielen italienische Livebands, ein großer Bier- und Wintergarten machen das Essen bei gutem Wetter zum reinen Vergnügen. Die "Scampi dello Chef" sind übrigens besonders zu empfehlen ... weiterlesen schließen
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