Pro:
Abrechnung mit dem frühen Erfolg
Kontra:
Nicht mal für Anal phabeten
Empfehlung:
Nein
Die Administration weigert sich seit über einem halben Jahr, Vorschläge im Bereich ‚Literatur’ anzunehmen, weil angeblich eine neue Datenbank eingespielt werden soll und so Dopplungen vermieden werden.
Das zwingt mich, einen ‚Beitrag’ mal wieder in der falschen Kategorie einzustellen.
Ist ja gut, Ihr Kritikaster und Paragraphenreiter, es ist wenigstens der gleiche Verfasser.
Und ich weiß: Der Schütze meint: „Knapp daneben ist auch vorbei!“ Allerdings halte ich es mehr mit der Jungfrau, die in einem ähnlich gelagerten Fall im Brustton der Überzeugung sprach: „Dran ist nicht drin!“
Um den Formalien zu genügen, will ich Euch wenigstens die Eckdaten des Romans – den ich im übrigen empfehle – mitteilen:
DER VOGEL IST EIN RABE
von Benjamin Lebert. Auf den ich allerdings im Folgenden kurz eingehen werde.
· Erschienen: 08.2003
· Aus der Reihe: «KIWI»
· ISBN: 3-462-03336-0
· Einband: Kartoniert
· Sonstiges: 19 cm
· Erschienen bei: Kiepenheuer & Witsch GmbH
· Seitenzahl: 128
· Gewicht: 140 g
· Stilrichtung: Roman
· Sprache(n): Deutsch
Kostet 9,90 Euro und ist z. B. bei thalia.de nicht mehr lieferbar. Ob das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, möchte ich im Augenblick nicht beurteilen.
Auch sein neuester Roman wird bei Kiepenheuer und Witsch erscheinen und heißt
„Kannst Du“
Hier sind die Eckdaten:
Sprache: Deutsch
Broschiert - 288 Seiten
Erscheinungsdatum: Juni 2006
Auflage: 1
ISBN: 3462036645
Bei amazon.de soll er 9,95 Euro und ich habe ein Rezensionsexemplar vorliegen.
1999 setzte der erst 16-jährige Benjamin Lebert mit dem mittlerweile in Deutschland über eine halbe Million Mal verkauften und in 33 Sprachen übersetzten Roman „Crazy“ ein Initial für die neue deutsche (Pop-) Literatur. Sieben Jahre später erfolgt mit seinem neuen Roman „Kannst Du“ eine erschreckende Bankrotterklärung.
Benjamin Lebert erzählt in „Kannst Du“ die Geschichte seines offensichtlich autobiografisch gefärbten Protagonisten Tim Gräber. Dieser ist Anfang 20, hat bereits einen literarischen Bestseller gelandet und steckt nun in einer Schaffenskrise.
Hinter der Pose des abgeklärten Schriftstellers zerfleischen ihn die Selbstzweifel, und er, der sich „nach und nach isoliert hatte“ ist von großer Einsamkeit und Verlassenheit umgeben. Als er sich mit der flüchtigen Bekanntschaft Tanja auf eine Inter-rail-Reise nach Schweden und Norwegen macht, muss Tim die heftigen Stimmungsschwankungen und selbstzerstörerischen Anfälle seiner Reisegfährtin erleben.
Während die Gegenwart so zu einem abgründigen Psycho-Trip wird, erfährt der Leser nach und nach Näheres aus der Vergangenheit des Protagonisten.: vom sensationellen Romanerfolg über den Medienrummel und Stationen und Affären in ganz Europa und den USA bis zum Selbstmord seines jüngeren, gehbehinderten Bruders.
„Kannst Du“ ist ein zerrissenes Buch über das Nicht-schreiben-, Nicht-lieben- und Nicht-leben-können.
Es ist auch eine herbe (Selbst-)Abrechnung mit dem frühen Erfolg und dem mörderischen Erwartungsdruck. An allen Ecken und Enden fehlt es ihm dabei aber an erzählerischer Kraft, Form, Fantasie und Vision.
Keine Spur ist mehr zu finden von der frischen, authentischen Sprache in Leberts Erstling. Stattdessen holpern die knappen Sätze mit schiefen Bildern dahin und wirken unfreiwillig komisch und altmodisch, wenn „Brüste dargeboten“, „Aussagen gemacht“ oder „Frühstück eingenommen“ wird.
Wie schon manch anderer Schreiber der jungen deutschen Literatur hat Benjamin Lebert seine Unbekümmertheit restlos verloren.. Über die melancholisch-düstere und ernsthafte Sinnsuche seines Zweitlings „Der Vogel ist ein Rabe“ ist er nun in einer Sackgasse gelandet, in der nur das durch ein dünnes Handlungsgerüst hilflos kaschierte Kreiseln um sich und in sich selbst übrig geblieben ist.
Der Verlag hätte besser daran getan, seinen jungen Autoren und das Publikum vor diesem Roman-Ersatz zu bewahren.
Ein besonderer Dank an Karsten Herrmann.
topfmops, der auch auf anderen Plattformen zu Gange ist, bedankt sich fürs Lesen und Bewerten und freut sich auf viele lesenswerte Kommentare. weiterlesen schließen
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