Pro:
-gehört zur Weltliteratur
-beschreibt das Leben im Umbruch des 19./20. Jahrhunderts
-hat Charaktere mit dem Zeug zum Kultcharakter (Tony!!)
Kontra:
-sperrig, weil an manchen Stellen langatmig und verschachtelten Sätzen
-langer Handlungsbogen
Empfehlung:
Ja
Tja, die "Buddenbrooks". jeder hat vermutlich schon mal von diesem Buch gehört. Gelesen hingegen haben es die wenigsten. Allzu verständlich. Das Buch, das da vor einem liegt ist lang, sehr lang und scheint kein Ende nehmen zu wollen!
Aber wer Deutsch Leistungskurs belegt, der wird um dieses Buch (im Nachhinein sage ich: Gott sei dank) nicht herum kommen.
INHALT: Wer eine kurze Inhaltsangabe haben will, der lese diese im Untertitel des Buches: Verfall einer Familie. Darum geht es im Großen und Ganzen. Vorweg möchte ich aber sagen, dass dieses Buch sehr viele verschiedenen Handlungsstränge hat, die ich hier gar nicht umreißen kann. Daher gebe ich nur einen kurzen Einblick in die Handlung, die nach meiner subjektiven Meinung am besten zum Verständnis beitragen.
Buddenbrook, so heißt eine wohlhabende Familie, deren Getreidehandel schon seit Generationen im Familienbesitz ist. Die Generationen leben alle zusammen in einem Haus. Schon das erste Kapitel zeigt dieses generationenübergreifende Leben: Die kleine Antonie hampelt auf ihrem Großvater Konsul Jean Buddenbrook herum, während die Großmuuter Antoinette Buddenbrook, geb. Duchamps daneben sitzt. Die Mutter diese wirbeligen Kindes ist Elizabeth Buddenbrook, geb. Kröger, deren Mann Konsul Buddenbrook die geschäfte leitet. Die beiden haben auch noch zwei Söhne Thomas und Christian. Thomas, das steht schon fest soll später die Geschäfte seines Vaters übernehmen.
Thomas Mann schickt uns am Anfang in eine Situation der Idylle, auch wenn sie nur oberflächlich ist. Die Familie ist gerade in ein neues herrschaftliches haus gezogen, die Menschen, die dort verkehren gehören nur dem oberen Stand an und der Familie geht es gut.
Doch die Zeiten ändern sich. Das zeigt sich schon im zweiten Kapitel, als sich der Stiefsohn des alten Konsuls meldet und Geld fordert. man sieht: Hier ist nicht alles Gold, was glänzt.
Wir begleiten die Familie über Jahre und drei Schicksale bleiben dem Leser doch besonders haften: Thomas', Tonys und Hannos Schicksal, der kleine Sohn von Thomas.
Die Zeit, durch die uns thomas mann führt ist keine gute zeit für ein geschäft wie das von den Buddenbrooks. Die alten Patrizierfamilien, wie sie eine sind, sind nicht mehr aktuell. das Geschäft wird härter, erfordert vollen Einsatz und Opferbereitschaft. Der alte Konsul war Geschäftsmann, geboren für das Geschäft und für die Hingabe für den Fortbestand des Erbes der Buddenbrooks. Sein Sohn hat dieses Erbe übernommen, selbst durch seine zwei Söhne das Erbe gesichert und führt ein vorbildliches Leben im Kreise seiner Familie.
Die nächste Generation rückt nach mit Thomas, der von klein auf mit der verantwortung gegenüber seiner Familie gedrillt worden ist und diese letztendlich auch übernimmt. Dafür gibt er seine Liebe, eine Bürgerliche, auf und heiratet eine "angemessenere" Frau, die der Musik sehr zugeneigt ist. Sein Bruder Christian kam nie in betracht als Nachfolger und scheint auch gänzlich ungeeignet, ja er scheint das schwarze Schaf zu sein. Eine wunderbare Szene illustriert dieses: Christian ist bei Tisch. Er schauspielert für sein leben gern und so spielt er seiner Familie vor, einen Kern verschluckt zu haben. Er prustet und hustet und versucht seine Familie davon zu überzeugen, dass er tatsächlich einen Kern verschluckt hat. Niemand nimmt ihm das so recht ab. Aber je länger er das spielt, desto mehr glaubt er selber daran. nach dieser Episode erzählt der fiktive Erzähler des Buches, dass Christian erst einmal Obst mit Kernen meiden wollte. Er hat sich selbst von seinem eigenen Spiel getäuscht. Diese Verquickung von Realität und Fiktion ist bei Christian zeitlebens ein Thema, dass sich nicht zuletzt bei seiner Hypochondrie zeigt.
Da wäre dann noch Tony, von der ein Literaturkritiker mal gesagt hat, dass dies die beste Figur ist, die es je in der Literatur gegeben hat. Sie definiert den Begriff Naivität neu!
Tony liebt das idyllische leben, das man am Anfang des Romans präsentiert bekommt und dass nie wieder zurückkehren sollte.
Sie hält noch daran fest, als alles zu spät ist und verliert nie ihren Optimismus. Egal, ob sie einen Mann namens Grünlich (bezeichnender Name) heiratet, obwohl sie sich kurz zuvor noch in einen anderen Mann verliebt hat, oder ob sie sich von diesen wieder scheiden lässt, weil sich herausstellt, dass er ein Hochstapler ist. Tony weiß immer für sich selber den besten Vorteil heraus zu ziehen. Bei einer Scheidung genießt sie das Mitleid der anderen, bei einer beerdigung die Glückwünsche für ihre gelungene Feier. Hauptsache, sie selbst steht im Mittelpunkt. Tony ist die einzige Charaktere des Buches, die keine Entwicklung, keinen Verfall mitmacht und gewissermaßen immer die wirbeilge Achtjährige bleibt (Ihr Lieblingssatz: "Man ist ja nun keine Gans mehr!")
Was Tony als einzigstes schwer zu verkraften hat, ist, dass die Familie Buddenbrook ihren Namen zusehends verliert. Eine andere Familie nimmt ihren Platz ein, was Tony absolut nicht ertragen kann.
Das liegt aber nicht nur an der schweren Zeit, sondern auch an der Familie. Thomas hat zeit seines Lebens schwer an der Bürde der Verantwortung zu leiden, wird immer zurückgezogener, studiert die Philosophen wie Schopenhauer und erkennt die Nutzlosigkeit des Daseins. Der einstige aufstrebende angesehehne Thomas bricht auf der Straße mit großen Zahnschmerzen zusammen und liegt dort in der Gosse, bis man ihn findet. Zu hause stirbt er einen langen und quälenden Tod. Der einzige, der das Erbe der Familie weiter erhalten könnte ist Hanno, Thomas'Sohn. Doch dieser war von Anfang an kränkelnd. Er war ein Künstlertyp, liebte die Musik seiner Mutter und hat als Schuljunge eine sehr enge, schon fast an eine Liebesbeziehung grenzende Beziehung zu einem Schulkameraden. Der letzte Teil der "Buddenbrooks" thematisiert eigentlich nur noch einen Schultag im Leben von Hanno, der zeigt wie sehr dieser sich eingedrängt fühlt. Er stirbt an Typhus noch in seinen Kindesjahren. Die Familie "Buddenbrook" ist verfallen.
THOMAS MANN UND DIE MUSIK
Wenn ich darüber jetzt korrekt referieren würde, dann bräuchte ich dafür Stunden, deshalb an dieser Stelle nur die Kurzfassung, da diese Sache sehr wichtig für das Verständnis von Thomas Manns Werk ist.
Thomas Mann vertrat die sogenannte Dekadenzlehre, deren letzte Konsequenz noch mal intensiver in der Novelle "Der Tod in Venedig" thematisiert wurde. Thomas Mann war kurz gefasst der Auffassung, dass ein Mensch je geistlicher er veranlagt ist, desto weniger lebensfähig ist.
das zeigt sich schon bei Thomas Buddenbrook, der je mehr er sich mit Philosophen beschäftigt, umso weniger fähig ist, de Geschäfte zu führen oder so weiter zu machen wie bisher. Vor allem kann man das aber an Hanno verdeutlichen oder auch ein wenig bei Christian. Christian ist Künstler, Theater ist sein Leben. Er weiß um die Erwartungen, die an ihn gerichtet werden und versucht ein normales Leben zu führen, doch er schafft dies nie. Wie mit dem Kern täuscht er sich auch hier mehr oder weniger selbst. er wird Hypochonder immer auf der Suche nach einem Leben, das er führen kann. er wird es nie finden.
Hanno ist der Superlativ der beiden. Thomas kann mit seinem Sohn nicht wirklich. Es ist auch kein Wunder. hanno gibt sich noch nicht mal die Mühe, die Stärke und das Pflichtbewusstein seines Vaters zu kopieren. Er ist schüchtern, zurückhaltend, geht nur richtig auf,wenn er Musik machen kann. Seine Krankheit ist letztendlich nur ein Symbol für die Unfähigkeit des Menschen in einer kompletten Geistlichkeit zu überleben! Und Musik ist für Thomas Mann ein zeichen für eine hohe Vergeistlichung des menschen!
HINTERGRUND:
Diesen Roman schrieb Thomas Mann mit 23 Jahren (!). Das heißt, dass er in diesen jungen Jahren nicht nur viel über Philosophie nachgedacht haben musste, sondern vor allem beobachtet!!
Viele der Figuren in diesem Roman haben nämlich ein reales Vorbild. Thomas Mann ist tatsächlich in Lübeck aufgewachsen und nach Erscheinen des Romans erkannten sich viele Menschen aus seiner Straße in den Figuren wieder. Es heißt sogar, dass man sich mit dem Buch (das übrigens ein Riesenerfolg wurde) in ein Café setzte, die Leute beobachtete und darüber beriet, wen Thomas Mann mit dieser oder jener Figur gemeint haben könnte. ER erhielt den Literaturnobelpreis für diesen Roman, in dem er den Geist dieser Zeit wenig verschlüsselt offenlegte.
MEINE MEINUNG:
"Buddenbrooks" ist ein sperriges Buch, keines, dass man mal eben so lesen kann. ABer es ist eines dieser wenigen Bücher, das das Leben bereichern kann.
Wir können heute vielleicht nicht mehr nachvollziehen wie die Zeit war als sich die alten Strukturen lockerten und neue, modernere Zeiten kamen, denn wir leben in ihnen.
Aber ich kann zum Beispiel an mir entdecken, dass Thomas Mann mit seiner Theorie recht hat. Ich bin nicht so wie Hanno oder Christian, aber schon ganz und gar nicht so wie Tony.
Ich kann stundenlang sitzen und über die "Buddenbrooks" schreiben, aber wenn es um alltägliche Dinge geht, wie schnell reagieren, meherere Dinge gleichzeitig tun, mitdenken usw. dann merke ich, dass ich darin nicht gut bin. Ich denke mehr, als dass ich handle.
Seit ich die "Buddenbrooks" fürs Abitur zum zweiten Mal gelesen habe, ist mir das klar geworden und ich kann besser damit umgehen, wenn mir jemand sagt:" Mensch, du träumst mal wieder. Du bist mal wieder in deiner eigenen Welt!"
Ich hoffe, ich konnte euch hiermit helfen. Die "Buddenbrooks" haben noch mehr zu bieten und noch mehr Aussagen, aber wer es für die Schule oder auch so mal lesen muss, der hat -wie ich hoffe- schon mal eine Grundlage, auf die er beim Lesen aufbauen kann!! ich wünsche euch viel Spaß damit, denn witzig sind die Buddenbrooks noch dazu (Herr Permaneder, Tonys zweiter Mann zum Beispiel ist eine tolle Figur!)!! weiterlesen schließen
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