Pro:
Ich mag das Logo von Martini.
Kontra:
- das steht im Text -
Empfehlung:
Nein
Der Martini ist ein klassischer Cocktail. Als trockener Shortdrink zählt er zu den Aperitifs. Er ist nicht mit der gleichnamigen Vermouth-Marke der Firma „Martini & Rossi“ zu verwechseln.
(Quelle: wikipedia.de)
Soviel dazu.
Die Älteren unter Ihnen werden sich noch erinnern: In den meisten der 80er Jahre hieß der deutsche Bundeskanzler nicht Merkel und nicht Schröder, sondern Kohl. Über den kursierte eine Vielzahl von Witzen, von denen mir der eine oder andere tatsächlich im Gedächtnis haften geblieben ist.
Da gibt es zum Beispiel einen, in dem Helmut Kohl einen Drink in einer New Yorker Bar bestellt, und an dessen Pointe auch angehende Lateiner schon ihre Freude haben müssten: „Ich hätt’ gern einen Martinus“, verlangt der dicke Helmut. „Sie meinen wohl einen Martini?“, fragt der Barkeeper nach. Worauf Kohl unwirsch entgegnet: „Also, wenn ich zwei gewollt hätte, hätte ich Ihnen das schon gesagt!“
Und? Ein bisschen geschmunzelt? Nicht? Tja, wenn Sie über so was nicht lachen können, kann ich Ihnen, immerhin, folgenden Trost bieten: Sie werden ihn nach zwei Martini auch nicht lustiger finden. Mein Rat lautet: Sparen Sie sich am besten auch gleich den ersten Martini, Sie verpassen da wirklich nicht viel. Sollte Ihnen der Sinn nach einem gepflegten Rauscherlebnis stehen, ist ein Martini, zumal ein roter, m.E. ohnehin nicht die erste Wahl.
Es gibt, Sie werden mir zustimmen, ganz verschiedene Arten des Alkoholgenusses; dementsprechend gibt es auch verschiedene Arten Alkoholika (nein, liebe Rütli-Schüler und all ihr anderen PISA- Wackelkandidaten, das schreibt sich wirklich so). Da gibt es die Sachen aus Braukessel und Kelter, die den Geist mit vergleichsweise wenigen Volumenprozent Alkohol umnebeln, und es gibt die hochprozentigen geistigen Getränke, die auch in kleinen Dosen schon gehörig reinhauen. Wird beides gemeinsam serviert, spricht der Volksmund gern von einem Gedeck: Erst gluckert das Pilsbier den Schund hinab, dann darf der Kurze zu Kopf steigen.
Irgendwo zwischen beiden, zwischen verschiedensten vergorenen Hervorbringungen der Scholle und mehrfach gebrannten Destillaten, gibt es da noch eine Klasse von Alkoholika. Das ist quasi die Grauzone zwischen Minderprozentigem und Hochprozentigem. In der finden sich zum Beispiel die diversen Likörchen, die sich schon Großmama, die sonst strikt gegen Alkoholisches war, gern übers Vanilleeis gegossen hat. Eckes Edelkirsch, Verpoorten Eierlikör – all das, was seinen Alkoholgehalt gern mit üppiger Süße tarnt. Gewissermaßen die Vorläufer der so genannten Alcopops, die sich ja auch eher an unerfahrene Trinker wenden als an gewohnheitsmäßige Schluckspechte, die sich frühmorgens am Kiosk bereits die erste von täglich zehn Taschenflaschen Weinbrand genehmigen.
Auch Martini zählt zu den beliebten, von der Deutschen Trinkerjugend empfohlenen Einstiegsdrogen, mit denen sich trefflich die individuellen Verträglichkeitsgrenzen ausloten lassen.
Ich kenne nicht wenige Menschen, die sich ein einziges, denkwürdiges Mal an Mischungen aus Johnnie Walker und Coca Cola besoffen haben, und denen dieser einzige Vollrausch genügt hat, um fürderhin einen weiten Bogen um Whisky jedweder Provenienz zu machen. Was schade ist, weil die Welt des Whiskys doch so viel größer ist, als Johnnie bewalken kann. Frei von koffeinhaltiger Brause ist sie obendrein, aber so ist das nun mal: Das gebrannte Kind scheut das Feuer. Oder in diesem Falle: Wer als Heranwachsender das falsche Feuerwasser getrunken hat, meidet auch als Erwachsener bestimmte Brände.
Bei mir ist es der Martini, den ich meide. Seit Jahr und Tag meide ich ihn, und er fehlt mir nicht. Dem weißen Martini habe ich vor fünf, sechs Jahren zwar noch einmal eine Chance gegeben, als mich wer zum Mittrinken einlud – aber eigentlich hat auch der damalige Abend nur bestätigt, was ich schon wusste: Martini Rosso ist einfach der schlechtere Campari. Der ist zwar auch bitter, bringt mit 25 Volumenprozent gute 10 Prozent mehr Alkohol ins Spiel als ein Martini Rosso und ist eben auch kein Wein, sondern ein Bitterlikör, der, finde ich, zusammen mit Wasser ein prima Getränk für warme Sommernächte ist.
Der rote Martini ist, wie gesagt, ein Wein. Aromatisiert wird der mit dem so genannten Wermutkraut, dem auch Spirituosen wie der berühmt-berüchtigte Absinth sowie der Gin ihren Ruf verdanken. Der ist freilich eher bekannt als wirklich gut: Mit Wermutkraut aromatisierte Alkoholika sind nicht gerade für ihre Verträglichkeit bekannt. Will heißen: Auf den Genuss kann vergleichsweise schon sehr flott ein gehöriger Katzenjammer folgen.
R e s ü m e e
Für mich ist Martini ein anderes Wort für „Jugendsünde“. Ein Gesöff, das für kleines Geld ordentliche 15 Volumenprozent Alkohol bietet, die ihn zum Klassenfahrt-Klassiker und zur Pflichtübung für alle machen, die sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, den Vollrausch zum Beruf zu machen. weiterlesen schließen
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