Pro:
Günstig, Zuverlässig, gutes Fahrwerk, tolles Offenfahrgefühl
Kontra:
Rauher und schlapper Motor, wenig Platz
Empfehlung:
Ja
Unser erster MX-5 war einer mit Klappscheinwerfern aus dem Jahr 1997. Dieser blieb jedoch mit einem kapitalen Motorschaden bei 12.000 km liegen und wurde zu diesem Anlass gegen das Nachfolgemodell in Zahlung gegeben. Im Januar 1999 wurde auf uns einer der ersten MX-5 der 2. Serie zugelassen. Bereits der Vorgänger wurde als Zweitwagen meines Vaters nur hin und wieder mal im Sommer bewegt und dem Neuen sollte das gleiche Einsatzgebiet bevorstehen.
Es handelte sich um einen MX-5 1.6 in piniengrün mit Touring-Paket und Kofferträger auf der Heckklappe. Er hatte noch so einige andere Ausstattungsmerkmale wie "Holz"-Applikationen im Innenraum, die sich verdammt nach *billig* anfühlten, ein Nardi-Lederlenkrad, verchromte und mit dem Schriftzug "MX-5" versehehe Einstiegsleisten, Nebelscheinwerfer mit Aluminiumgitter im Frontspoiler uvm. Nicht zu vergessen die vom Mazda-Tuner POSTERT angebotene 4-Rohr Auspuffanlage, die wirklich fernab jeglichen guten Geschmacks lag. ;)
ALLGEMEIN:
Der Mazda MX-5 der ersten Serie (Modellcode NA) kam 1989 auf den Markt. Aus der Zeit fahren auch eine Menge Importe aus den USA bei uns herum, wo der kleine Roadster unter dem Namen "Miata" verkauft wurde.
Die Einstiegsmotorisierungen waren ein 1.6l-Motor mit zuerst 115 PS. Dieser wurde später, als ein 1.9l-Motor mit 131 PS aufgelegt wurde, in der Leistung auf 90 PS gedrosselt, um den Abstand zum größeren Motor ausreichend wirken zu lassen.
1998 wurde nach immerhin 9-jähriger Bauzeit der Nachfolger NB vorgestellt. Dieser wurde zuerst mit einem 1.6l Motor mit 110 PS und einem 1.9l-Motor mit 140 PS angeboten. Das auf den ersten Blick auffälligste Merkmal des Neuen waren die weggefallenen Klappscheinwerfer. Für Cabriofans ein bedeutender Schritt war die beheizbare Glasscheibe im Verdeck, die nun nicht mehr so stark verkratzte und auch mal "Rücksicht" ermöglichte. Dafür war sie nicht mehr per Reißverschluss einzeln zu öffnen. Auch gab es beim NB endlich Türgriffe, die den Namen verdienten. Der Nachfolger war insgesamt äußerlich etwas runder und auch im Fahrverhalten lagen Welten zwischen beiden Serien.
INNENRAUM / RAUMANGEBOT:
Der Innenraum unseres MX-5 war auf den ersten Blick wirklich schön anzusehen. Das kleine Lederlenkrad und die vielen Holz-Applikationen sahen schick aus. Der hohe Mitteltunnel, auf dem man bequem seinen Arm ablegen konnte, um in angenehmer Griffweite den kurzen Schalthebel vorzufinden, passte perfekt zu dem Auto. Die Instrumente waren gut ablesbar, der Tachometer verfügte über zwei Trip-Zähler und einen Gesamt-Km-Zähler. Feinheiten wie einen Bordcomputer oder gar einen Tempomat fand man in unserem MX-5 jedoch nicht vor. Es gab zwei Airbags für Fahrer und Beifahrer, damit war die Sicherheitsausstattung auch schon vollständig erwähnt.
Die Sitze mit Stoffbezug waren recht bequem, jedoch nicht weiter einstellbar. Auch das Lenkrad war nicht verstellbar, aber es war eh alles recht nah beisammen. Einen optischen Lapsus möchte ich noch erwähnen, und zwar bauten die Japaner zwischen die runden Lüftungsöffnungen und die Holzvertäfelung eine grün beleuchtete, nur mit 12h-Anzeige ausgestattete LCD-Uhr ein, was wirklich schmerzte! :(
Leider bekamen Personen meiner Größe (192cm) schwerwiegende Probleme mit dem Platzangebot. Ich stieß zwar nicht mit dem Kopf an, hatte aber arge Probleme, meine Beine unterzubringen. Bei geschlossener Tür musste ich mein Knie immer versuchen, zwischen Tür und Lenkrad zu quetschen, damit überhaupt das Lenkrad noch drehbar war.
Ein Problem war auch, dass aufgrund der Bauform der Sitz nicht wirklich weit nach hinten verstellt werden konnte. Also musste die Lehne herhalten, die Verstellbarkeit war jedoch auch irgendwann am Ende. Bequem gesessen hab ich immer noch nicht. Kurzum: für mich war´s nicht das perfekte auto. ;)
Nicht sonderlich viel Platz war auch im Kofferraum. Mazda gibt das Volumen mit 144l (VDA) an und das klingt glaubwürdig. Leider war der Kofferraum auch zu flach, um z.b. mal eine Kiste Wasser zu transportieren. Das Wochenendgepäck bekam man schon unter, auch hier boten sich aber weiche Sporttaschen eher an als Hartschalenkoffer. ;)
Mein Vater war mit dem Wagen zu 2 Personen für 2 Wochen in der Toskana im Urlaub. Auch das geht, man muss nur Verzicht üben und oben erwähnten Träger auf der Heckklappe mitführen, durch den sich die Möglichkeiten dessen was man mitnehmen kann etwa verdreifachen.
Die nächste Begrenzung stellt jedoch die erlaubte maximale Zuladung dar. Unser MX-5 wog 1080kg, das zulässige Höchstgewicht betrug 1250kg, da war bei zwei Personen sowieso nicht mehr viel Platz für Gepäck. :)
VERDECK:
Das Verdeck des MX-5 ist kein Textilverdeck, sondern er verfügt über ein Kunststoffverdeck. Dieses hat, wie oben erwähnt, seit dem NB eine beheizbare Glasheckscheibe. Das Öffnen das Verdecks ist einfach und wirklich problemlos. Einfach die Fenster ein Stück runter fahren, rechts und links an der A-Säule einen Entriegelungsknopf drücken und je einen Hebel umlegen, damit sich der Verschluss löst. Dann das Verdeck hinter den Kopf "fallen lassen" und los geht´s.
Genauso schnell und mühelos ist es auch wieder geschlossen. Eine Persenning gibt es zwar, diese ist jedoch extrem fummelig zu befestigen und da das Verdeck auch bei 200 Tacho keinen Muckser macht, bin ich nie mit Persenning gefahren. Mazda hätte sich mal die Mühe machen können und eine Lösung mit Reißverschluss oder Druckknöpfen entwickeln können.
Der Offenfahrspaß bei geöffnetem Verdeck ist sehr groß. Anders als bei manchen Cabrios, wo man vor lauter Windschott und großen Windschutzscheiben (die ihrem Namen alle Ehre machen) nichts mehr vom Wind mitbekommt, ist der MX-5 ein richtiger Roadster. Es weht aus allen Ecken, wobei hier der NA noch 'schlimmer' war. Im NB kann man zumindest mit geschlossenen Seitenscheiben das große Getöse aussperren.
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich den Wagen auch schon im Winter offen gefahren bin und das sogar recht gut ging. Die Heizung voll an und die Lüftung auf Stufe 5 heizt sehr schnell und wirksam, so dass man auf jeden Fall auch unter +10°C mit Jacke und Mütze den Offenfahr-Spaß genießen kann.
MOTOR / ANTRIEB:
Der Mazda ist ein Roadster und keine Reiselimousine. Wenn die Sonne mal schien, das Dach unten war und man die ersten Kurven unter die Räder bekam, waren alle Platzsorgen vergessen. Es machte einfach Spaß den Wagen zu fahren, auch wenn der Motor an diesem Spaß nicht gerade den größten Anteil trug.
Es handelt sich um einen 16-Ventiler mit 1598ccm Hubraum, der bei 6500 U/min 110 PS entwickeln sollte und nach wie vor in der Form im Programm ist. Das max. Drehmoment gibt Mazda mit mäßigen 134 Nm bei sehr hohen 5000 U/min an. Aus den Daten entnimmt man bereits die Charakteristik des Motors. Es heißt: Dreh mich!
Gut, drehfreudige Motoren sind mir nicht unsympathisch, nur dieser 1.6er war einer der drehunwilligsten Motoren, die ich kenne. Er hatte passables Anfahrdrehmoment, hörte aber bei 3000 U/min mit der Kraftentfaltung schon wieder auf und man war gewillt, einen Gang höher zu schalten. Musste mal gedreht werden, dann vollzog sich das sehr zäh, der Motor lief rauh und legte kaum wirklich an Leistung zu. Wenn man dann im 3. Gang bei 5.500 U/min angelangt war, fühlte es sich an wie eine Ewigkeit und wirklich beschleunigt hatte der Wagen bis dahin noch nicht. Es ging soweit, dass man bei 130 Km/h im 5. Gang an Autobahnsteigungen einfach versauerte und sich mit Kleinwagen der 75 PS-Klasse prügeln musste, weil einfach kein Vortrieb kam.
Auf ebener Strecke waren 160 km/h ein angenehmes Tempo, wer mehr wollte, bekam das auch. Nach langem Anlauf waren 210 km/h auf dem Tacho drin, eingetragen waren 191 km/h als Höchtsgeschwindigkeit. Das etwas lahme Verhalten auf der Autobahn ist sicher auch durch den Cw-Wert von 0.38 zu erklären. Ein Golf IV mit 100 PS ist hier z.B. flotter zu bewegen, nicht zuletzt aufgrund der günstigeren Aerodynamik.
Wenn man sich auf kurvigen Landstrassen aber im 3. und 4. Gang aufhielt, war die Leistung ausreichend, um zügige Kurvenfahrt zu ermöglichen. Hier kam auch das knackige 5 Gang-Getriebe eher zur Geltung als auf der Autobahn. Die Wege waren extrem kurz, die Gänge ließen sich zwar etwas knorrig aber mit exakter Rückmeldung einlegen. Das passte aber gut zum Charakter des Autos und die Schaltung war beinahe perfekt auf den MX-5 ausgelegt.
Der Verbrauch betrug bei mir zwischen 7l bei beschaulicher Küstenfahrt in Holland und 11.5l bei beschriebenen Versuchen auf der Autobahn flott voran zu kommen. Im Alltag waren es meist um 9,5 bis 10l Superbenzin, die der MX-5 verbrauchte. Der 50l-Tank ermöglicht damit auch eine ausreichende Reichweite.
Die montierte Auspuffanlage machte bis 2500 U/min einen ziemlich brummigen Sound, im oberen Drehzahlbereich hörte es sich aber nur noch mahlend und metallisch laut an. Von Sportlichkeit war da akustisch leider keine Rede.
FAHRVERHALTEN:
Der MX-5 sollte - so hatte ich es gelesen - ein einmaliges Fahrverhalten besitzen. Was auf jeden Fall schon auf den ersten Metern auffällt, ist die extrem direkte Lenkung. Sie spricht auf die kleinste Bewegung mit deutlichen Richtungswechseln an. Eine Geschwindigkeitsabhängigkeit gibt es nicht, was besonders auf der Autobahn einen konzentrierten Fahrstil erfordert, wenn man nicht durch bloßes Atmen ständig zickzack fahren will.
Auf der Landstrasse macht der MX-5 richtig Spaß. Die Lenkung ermöglicht kleinste Lenkbewegungen, um den Wagen zu dirigieren. Das Fahrwerk ist dabei sehr komfortabel und keinesfalls holprig. Aber es gibt kaum Seitenneigung, der Wagen liegt wie das sprichwörtliche Brett. Dabei verhält er sich absolut neutral und neigt weder zu über-, noch zu untersteuern.
Wenn man wirklich mal zuviel des Guten gibt, rutscht er gutmütig über alle vier Räder nach außen. Selbst durch bewusstes Gaswegnehmen lässt er sich kaum zum Übersteuern verleiten, durch Gaseinsatz auch nur bei Nässe. Ansonsten klebten die Reifen im Format 195/50 15 sprichwörtlich auf dem Asphalt.
Beim Offenfahren sei erwähnt, dass sich die Karosserie etwas aber nicht sehr stark verwindet. Da man aber offen meist eh etwas besonnener unterwegs ist, fällt das nicht ins Gewicht.
Die Bremsen des MX-5 waren ok aber nicht sonderlich giftig. Man hatte stets ein etwas teigiges Bremsgefühl und sie machten den Eindruck, dass hier keine Sportbremse verbaut wurde. Das ABS habe ich bei normaler Fahrweise nur im Nassen gespürt, der Grip war jederzeit sehr gut.
Der Wagen fühlt sich absolut leicht und trotz des kurzen Radstands von unter 2.30m bei 4m Außenlänge nicht nervös an. Wie erwähnt, man wird nicht übermäßig durchgeschüttelt und ist insgesamt komfortabel unterwegs. Klar, beim Überfahren von Schienen oder Kopfsteinpflaster ist der Wagen keine Sänfte, aber wir reden hier von einem Roadster. Insgesamt eine tolle Mischung, die ich so auch bisher einzigartig finde und nicht wieder erlebt habe. Sehr positiv auch der extrem geringe Wendekreis, den Mazda mit 9.70m angibt.
Die Übersichtlichkeit der Karosserie ist für größere Fahrer recht gut. Hinten sieht das Heck mit integrierter 3. Bremsleuchte wie ein Entenbürzel aus, bei dem man gut abschätzen kann, wie kurz der Wagen ist. Nach vorne hat man es auch recht bald raus, obwohl die lange Schnauze an sich unübersichtlich ist. Kleinere Fahrer(-innen) dürften da so ihre Probleme haben.
KOSTEN:
Unser MX-5 hatte einen Neupreis von ca. 46.000 DM nach Liste. Gekauft wurde er für 41.800 DM bei Barzahlung. Inklusive war der teure Umbau der Frontschürze mit dem oben erwähnten Alugitter. Nur in dieser Schürze liessen sich Nebelscheinwerfer integrieren. Diese waren zu dem Zeitpunkt ab Werk nicht mitzubestellen. Auf den Fotos ist das hoffentlich zu erkennen, falls Ihr Euch jetzt nichts darunter vorstellen könnt. ;)
Der Unterhalt als reiner Zweitwagen stellte sich auch günstig dar. Mein Vater machte nach 1000 km einen Ölservice, der umsonst war. Bei 15.000 km gab es eine kleine Inspektion, die wenn ich mich recht erinnere gut 300 DM kostete. Die Steuereinstufung nach Euro 3 macht seit 2004 eine Kfz-Steuer in Höhe von 108,- Euro aus.
Die Versicherungseinstufung für den MX-5 1.6 ist für Haftpflicht/Vollkasko/Teilkasko:
alt: 13 / 20 / 34
neu: 13 / 21/ 22
Wir fuhren in den 4 Jahren, die wir den MX-5 hatten rund 27.000 km mit ihm und gaben ihn für 13.000 EUR in Zahlung für einen Mazda 6 Sportkombi (Bericht in meiner Sammlung). Der Wertverlust hält sich also noch einigermaßen im Rahmen.
Positiv zu erwähnen ist die 3-Jahres-Garantie von Mazda in Deutschland. Auch wenn wir nie die Garantie in Anspruch nehmen mussten, ist es gut zu wissen, dass es eine gibt. Der einzige Schaden an dem Auto waren zwei kleine Beulen auf der Motorhaube durch Hagelkörner, was jedoch über die Versicherung abgewickelt wurde.
FAZIT:
Heute, wo sogar SLK und TT schon als "Roadster" bezeichnet werden, ist für mich der MX-5 einer der wenigen wahren Vertreter dieser Gattung. Er ist leicht, klein und liegt wieselflink auf der Strasse. Mittlerweile hat Mazda das Ausstattungsangebot deutlich erweitert, so dass auch jeglicher Schnickschnack nachgerüstet werden kann.
Als Erstwagen ist er für mich zu wenig Auto, als Zweitwagen kann er eine Menge Freude bereiten, wobei die zuverlässige Technik und die lange Modellgeschichte eindeutig für den MX-5 sprechen. Einziges Problem ist evtl. das wirklich mangelnde Platzangebot für Personen über 1.80m und beim 1.6er der Motor, der in Laufkultur und Leistungsabgabe enttäuscht. Ein 2.5 Liter Sechszylinder wäre genau das, was dieser Wagen bräuchte. :)
Daher ziehe ich auch einen Stern ab und der MX-5 1.6 bekommt von mir 4 Sterne.
Ich hoffe Euch hat der Bericht gefallen. Über Eure Bewertung und Kommentare freue ich mich. Bis nächstes Mal! :)
PS: Der Bericht erscheint so auch unter gleichem Usernamen bei Ciao.de! weiterlesen schließen
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