Pro:
Originell, romantisch, preiswert, nette Leute
Kontra:
Anreise entweder kompliziert oder teuer
Empfehlung:
Ja
Heißt es nun Mazedonien oder Makedonien? Sind wir nun weströmisch oder oströmisch? Man kann es sich aussuchen und ich werde darüber keinen Streit anfangen.
In der Zeit vom 24. April bis zum 2. Mai 2004 besuchte ich die Orte Ohrid, Resen, Bitola, Prilep, Veles und Skopje. Zunächst einmal Murphy’s Gesetz: das Butterbrot fällt immer auf die falsche Seite. An den schönsten Plätzen herrschte das schlechteste Wetter. An den langweiligsten Plätzen schien die Sonne. Meine Fotos sind deshalb nicht ganz so gelungen, wie ich mir das gewünscht hätte.
GELD
~~~~
Landeswährung ist der Denar. Der Kurs beträgt 1 Euro = 61 Denar. Zum besseren Überblick rechne ich sämtliche Preise in Euro um.
Im Lande selbst herrscht chronischer Mangel an Wechselgeld. Man wird stets gebeten, passend zu zahlen. Das kann mal in Denar und mal in Euro geschehen. Damit erledigt sich übrigens die Frage nach Trinkgeld.
ANREISE
~~~~~~~
Zu Land – also über den Balkan – würde die Anreise zwei Tage und die Rückreise ebenfalls zwei Tage dauern. Summe: vier Tage und soviel Zeit hatte ich einfach nicht.
Also wählte ich den Luftweg. Von Deutschland aus bietet Adria Airlines die besseren Verbindungen. Diese Gesellschaft ist slowenisch und macht Zwischenstation in Ljubljana. Von Österreich und der Schweiz aus bietet auch Macedonian Airlines gute Verbindungen.
Für das Ticket München – Skopje – München bezahlte ich 420.- €
In jüngster Zeit haben sich die Flugverbindungen mehrfach geändert und es empfiehlt sich, vor Abflug die Webseite der jeweiligen Fluggesellschaft zu besuchen.
Bei der Ankunft ist man aus dem Flughafen schnell draußen. Man sieht einen chaotischen Parkplatz. Ich selbst entdeckte nur Taxis. Der Flughafen von Skopje ist der einzige Ort in Mazedonien, wo Taxifahrer willkürlich Preise fordern. Man muß also feilschen. Wenn das nicht gelingt, dann verteuert sich die Anreise nochmals um 20.- €.
FORTBEWEGUNG IM LAND
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Das Straßennetz befindet sich im Ausbau. Sobald die Straßen europäischen Standard erreicht haben, werden in unregelmäßigen Abständen Mautsperren errichtet. Die Gebühren liegen zwischen 0,50 und 1.- €. Ansonsten wird man durch Baustellen ausgebremst. Manche Nebenstrecken befinden sich noch in katastrophalem Zustand. Der Verkehr ist normal, doch muß man im Vergleich zu Deutschland mit deutlich längeren Fahrzeiten rechnen.
Wer das will, der kann das Land durchaus mit dem eigenen Auto bereisen. Es gibt auch Leihwagen.
Ich selbst reiste mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Busse sind langsam und billig. Für eine Strecke von 40 km rechnet man die Fahrzeit mit einer Stunde und den Preis mit einem Euro.
Die Bahn ist ebenfalls langsam und billig. Das Streckennetz ist begrenzt. Die Bahn bietet einen geringfügigen Vorteil: man kann während der Fahrt das Fenster öffnen und auf die Weise unterwegs fotografieren.
Taxis sind an farbigen Aufsetzern zu erkennen, die auf dem Wagendach angebracht sind. Man findet sie überall. Den Fahrpreis sollte man vorher abmachen. Angemessen ist ein Euro für drei Kilometer. (Ausgenommen der Flughafen von Skopje!!!).
Man kann auch mit dem Taxi Ausflüge unternehmen. Angemessen sind sechs Euro pro Stunde.
UNTERKUNFT
~~~~~~~~~~
Vor Beginn meiner Reise verwendete ich den Suchbegriff „Mazedonien“ bei GOOGLE. Auf dem Weg entdeckte ich eine mazedonische Newsgroup. Ich meldete mich an und habe die Frage gepostet, wo man denn preiswerte Unterkünfte finden könne. Als Antwort erhielt ich die Email-Adresse von Pero Jakimov. Der Mann lebt in Ohrid und vermittelt Fremdenzimmer in Stadthäusern. Offenbar gibt es nur Doppelzimmer. Der Preis wurde mit 15 € pro Nacht berechnet. Mein Zimmer erwies sich als sauber und sehr geräumig. Ich schätzte die zentrale Lage. Zur Ausstattung gehören Aircondition, Fernseher und Dusche. Verpflegung ist im Preis nicht inbegriffen. Insgesamt war ich zufrieden und ich halte Herrn Jakimov für seriös.
Im weiteren Verlauf der Reise ging ich wie folgt vor. An jeder Station findet sich eine Art von Bistro. Ich ging hinein, bestellte ein Bier und fragte die Bedienung, ob sie eine preiswerte Unterkunft wisse. Dabei zeichnete sich folgendes Bild ab: Privatzimmer für nur eine Nacht sind nicht zu haben. Man muß schon mehrere Tage bleiben, bis ein Vermieter Interesse zeigt.
Wenn man – wie ich – eine Rundreise unternimmt, dann bleiben nur Hotels. Die Preise pro Nacht bewegen sich zwischen 15 € und 25 €. Mit kleineren Mängeln muß man rechnen. Das schlechteste Hotel bekam ich in Bitola. Das beste in Prilep.
SPEISEN
~~~~~~~
Da es auch bei uns Balkanrestaurants gibt, kann man sich auf das Essen schon einstellen. Die Bezeichnungen der Gerichte lauten in Mazedonien ähnlich wie bei uns in jugoslawischen Restaurants. Dazu einige Besonderheiten:
Im Ohridsee lebt eine Forellenart, die äußerst lecker schmeckt. Die mazedonische Bezeichnung ist „Pastrmka“. Bitte nicht verwechseln mit „Pastrma“, denn das ist kalter Braten.
Tavtsche Gravtsche ist ein Eintopf aus weißen Bohnen, der mit Knoblauch und Chilli gewürzt wird.
Beilagen werden als Dekoration betrachtet. Die eigentliche Beilage ist ein großer Korb mit Weißbrot.
Alle Beilagen werden extra berechnet. Wenn also auf der Speisekarte Cevapcici – mazedonisch „Kebapi“ – mit 90 Denar draufstehen, dann muß man nochmals 30 Denar dazurechenen und kommt auf 120. Das entspricht dem Gegenwert von 2 €.
Insgesamt bewegen sich die Preise für eine vollständige Mahlzeit zwischen einem und fünf Euro.
GETRÄNKE
~~~~~~~~
Das Angebot ist so vielfältig, daß ich nicht alles zu testen vermochte. Die Weine sind gut und die Biere sind mittelmäßig. Oftmals wird unaufgefordert ein Glass Wasser gereicht. Dieses kann man ohne Bedenken trinken.
Der Lozova Rakija entspricht dem italienischen Grappa. Es gibt die Sorten gelb und weiß. Meiner Meinung nach schmeckt der Gelbe besser. Eingeschenkt wird nach Ermessen des Wirtes. Der Preis pro Glass beträgt etwa 70 Cent.
Espresso-Maschinen haben sich selbst bis in kleinste Kaffeehäuser hinein durchgesetzt. Der mazedonische Kaffe ist ein türkischer Mokka, der aus der Maschine kommt. Ansonsten bestellt man nach italienischem Vorbild. Ein Kaffee kostet zwischen 40 und 60 Cent.
Raucher dürfen sich freuen. Eine Schachtel Westzigaretten kostet etwa 80 Cent. Eine Schachtel Balkanzigaretten dagegen nur 40 Cent. Gesundheitswarnungen sind unbekannt.
DIE MENSCHEN
~~~~~~~~~~~~
Einmal wurde ich zu einer Tischrunde eingeladen. Diese setzte sich folgendermaßen zusammen: drei Mazedonier, ein Albaner, ein Türke. Die Menschen verstanden sich prächtig und meinten, daß Spannungen nur von Politikern künstlich geschürt werden.
Das mag wohl teilweise stimmen. Im Allgemeinen wird man als Tourist aus Konflikten herausgehalten. Das Land wartet ja nur auf Touristen! Zu keinem Zeitpunkt meiner Reise befand ich mich in ernsthafter Gefahr. Auch von Kriminalität habe ich nichts bemerkt.
Die Menschen sind geradlinig, ehrlich und offen. Es gibt keine besondere Etikette. Die Grundregeln menschlichen Anstands genügen.
Es gibt auch keine Kleiderordnung. Nationaltrachten sieht man nur zu besonderen Anlässen. Nur Politiker und Schlagersänger erscheinen in Anzug und Krawatte. Der gewöhnliche Mensch kleidet sich sportlich.
Die Menschen sind neugierig, jedoch nicht aufdringlich. Oftmals wird man von Unbekannten angesprochen. Es ist auch üblich, Fremde zu duzen. Doch wird ein Nein als ein Nein verstanden und persönliche Pläne werden wörtlich genommen.
Den menschlichen Umgang habe ich als sehr angenehm empfunden und das ist auch ein Grund, warum ich mich während der gesamten Reise sehr wohl gefühlt habe.
VERSTÄNDIGUNG
~~~~~~~~~~~~~
Die mazedonische Sprache ist weitgehend unbekannt. Sobald man als Ausländer erkannt wird, versuchen es die Einheimischen mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch, Französisch, Serbisch und Türkisch. Dieses Kauderwelsch spricht jeder anders. Man muß sich also auf jeden Gesprächspartner individuell einstellen. Deshalb erfordert die Kommunikation recht viel Zeit.
Wer sich die Zeit nimmt, der hat keine weiteren Probleme.
Die Schrift ist kyrillisch. Doch sind schriftliche Informationen selten zu finden. Meistens muß man sich durchfragen.
SEHENSWÜRDIGKEITEN
~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Die Stadt Ohrid liegt am gleichnamigen See. Die Altstadt ist malerisch an einem Steilhang gelegen. Zudem zählt Ohrid zum Weltkulturerbe der UNESCO. Hier scheiden sich nun die Geister. Man kann sich einfach entspannen und die Seele baumeln lassen.
Mazedonien hatte bis jetzt eine sehr wechselvolle Geschichte und Kulturdenkmäler finden sich an vielen Orten – nicht nur in Ohrid. Seit neuestem gibt es einen Reiseführer in englischer Sprache, der zumindest in guten Buchhandlungen in Ohrid und Skopje zu kaufen ist. Auf die Weise könnte sich jeder selbst seine individuelle Kulturreise zusammenstellen. Das ist nicht ganz meine Richtung. Doch meine ich damit: die Sehenswürdigkeiten sind sehr eine Frage der persönlichen Interpretation.
Das Land ist kaum industrialisiert und Öko-Tourismus liegt auf der Hand. Am Prespa-See gibt es einen bekannten Nationalpark. Auch anderswo gibt es unberührte Landschaften. Wegen des regnerischen Wetters hatte ich wenig Lust auf Wanderungen. Doch wurde mir versichert, daß man im Nationalpark eine Anzahl seltener Tiere und Pflanzen beobachten kann.
An den Seen Ohrid und Prespa gibt es bescheidene Strände. Deswegen allein wird sich die Anreise nicht lohnen. Doch wenn man im Sommer ohnehin schon da ist, dann kann man nebenbei auch schwimmen. Das Wasser der Seen ist sauber.
Ein beliebter Ausflugsort ist Sveti Naum. Etwa 30 km von Ohrid entfernt an der albanischen Grenze. Die Kirche ist eher von lokaler Bedeutung. Doch die Landschaft drumherum ist paradiesisch schön und lädt zu Spaziergängen und Wanderungen ein.
FAZIT
~~~~~
Wenn man sich einfach einmal in fremder Umgebung entspannen möchte, dann wäre es schön, ein billiges Land mit netten Menschen zu finden. Der teure Anflug macht da einen Strich durch die Rechnung. Dafür ziehe ich einen Stern ab.
Es sei denn, man hat viel Zeit und möchte auf dem Landweg auch noch weitere Balkanländer besuchen. Weiterhin eignet sich das Land für Naturfreunde und Wanderer. Oder auch für Menschen, welche sich in besonderer Form für slavische Kulturen und die Geschichte des Balkans interessieren. Auf jeden Fall: die Mazedonier mögen Touristen!
NACHTRAG
Diesen Bericht werde ich demnächst auf meiner Homepage erweitern und noch mehr Bilder hinzufügen. Ich mache gar kein Geheimnis: mir hat es gefallen. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben