Pro:
vollkommen erhaltene Altstadt, gute Küche, viele Sehenswürdigkeiten, Parkplatzproblem vorbildhaft gelöst
Kontra:
etwas teuer
Empfehlung:
Ja
Wer kennt schon Perugia? Ich bis vor wenigen Wochen auch nicht. Dabei ist es die Hauptstadt von Umbrien mit ca.150.000 Einwohner, und sehr sehenswert dazu. Aber Perugia liegt irgendwie im Schatten solch bekannter und gut besuchter Ortschaften wie Assisi oder Siena, das lenkt die Touristenströme wohl an der Stadt vorbei. Und das ist auch gut so, denn so kann man verwinkelten Gässchen, steile Treppen, alte Brunnen, und Bögen, etruskische und römische Relikte, umbrische Gastfreundschaft und Küche, wunderbarem Ausblicke über die Bergketten der Apenninen bis hin nach Assisi und zum Lago di Trasimeno sowie die nähere hüglige Landschaft hautnah und relativ unverfälscht erleben.
Wir verbrachten zwei Tage in der Stadt und waren begeistert. Schon Goethe schrieb über seinen Aufenthalt in Perugia am 25. Oktober 1786: 'Die Lage der Stadt ist schön, der Anblick des Sees höchst erfreulich. Ich habe mir die Bilder wohl eingedrückt.'
Geschichte:
Perugia kann auf eine tausende Jahre alte Geschichte zurückblicken. Die ältesten Zeugnisse in der Stadt stammen von den Etruskern, welche die Stadt im 6. Jahrhundert vor Christi von den Umbrern eroberten. Die Etrusker wiederum wurden 295 v. Chr. von den Römern bezwungen. Das Römischen Reich zerfiel und Perugia wurde 547 n. Chr. von den Ostgoten überfallen und zerstört. Danach kamen (und gingen) die Byzantiner, die Langobarden und die Päpste. Seit 1861 und Proklamierung des "Italienischen Reichs" durch König Vittorio Emanuele II. gehört Perugia endgültig zum Italienischen Staat.
Lage/Anreise:
Aus Richtung Norden kommend fährt man am besten die A1 via Bologna- Florenz- A14 Cesena und dann die Superstrada E45 Richtung Assisi bis Perugia. Die Superstrada als mautfreie Schnellstrecke ist ziemlich eng, hoppelig und gewöhnungsbedürftig, nichts desto trotz wird hier gerast was das zeug hält. Also Augen auf!
Von der Abfahrt von der Superstrada fährt man einfach Richtung Stadtzentrum und sollte einen der ausgeschilderten Parkplätze/Parkhäuser unterhalb der Altstadt ansteuern. Im historischen Stadtzentrum ist die Parkplatzsuche ziemlich erfolglos, außerdem sind die engen Gassen, Einbahnstraßen und der „italienische“ Verkehr nicht jedermanns Sache, und wir sind nicht nur einmal ins Schwitzen gekommen.
Von den beiden größten Parkplätzen (Rocca Paolina und Piazzale Europa) führen Rolltreppen hinauf zur Altstadt, erstere davon ist echt sehenswert. Sie führt durch den Untergrund Perugias, durch Gewölbe hindurch, ein echtes Erlebnis und gratis dazu. Die freigelegten Gewölbe stammen von einer päpstlichen Zwingburg, welche die Einwohner Perugias in Schach halten sollte.
Sehenswürdigkeiten:
Geht man durch die Straßen Perugias fällt einem zunächst eines auf: die vielen jungen Menschen, Straßencafés und die ungewöhnlich wenigen Autos in den Straßen. Kein Wunder, denn Perugia ist eine bekannte und begehrte Universitätsstadt Italiens und verkehrsberuhigt dazu. Zwei Universitäten, eine Kunstakademie, eine Musikschule und ein Priesterseminar beherbergt die Stadt.
Der schönste Platz Perugias ist für mich der Piazza IV Novembre. Hier befindet sich umgeben vom Palazzo die Priori, der Geldwechslerbörse „Collegio del Cambio“ und dem Dom S. Lorenzo ein wunderschöner und großer mittelalterlicher Brunnen, der Fontana Maggiore. Neben dem Palazzo befindet sich auch die Touristeninformation, wo mal kleine nützliche Stadtpläne erhält. Im Palazzo gibt es einige schöne Säle zu sehen (Museum), sowie die Nationalgalerie Umbriens. Der Dom ist recht groß, wirkt wuchtig und mittelalterlich. Im Inneren dunkel und archaisch, schon ein Erlebnis für sich. Eine Reliquie ist auch zu bestaunen, der angebliche Verlobungsring Marias... Der Brunnen (1278 errichtet) ist überreichlich ausgeschmückt mit biblischen Bildtafeln und wurde erst kürzlich renoviert. Hier trifft man ab und zu die wenigen Touristen in der Stadt.
Auf den Treppen vor dem Dom ist immer etwas los, hier trifft sich die Jugend. Ebenfalls zahlreich sind Straßencafés und Restaurants vertreten. Bei den Restaurants sollte man allerdings Obacht geben und sich vorher die Preise anschauen, damit man sein Reisebudget nicht übermäßig strapaziert.
Vom Platz aus gelangt man zur Flaniermeile Perugias, dem Corso Vanucci. Hier wimmelt es besonders am Abend vor Menschen, die einfach nur an den prächtigen Bauten vorbeiflanieren, essen gehen oder einkaufen.
Wer seine Streifzüge durch die Stadt fortsetzt, wird auf Schritt und Tritt über geschichtliche Zeugnisse und interessante Bauten stolpern. Zu nennen ist das wuchtige etruskische Tor („Arco Etrusco“ ), das Archäologischen Museum, welches im Kloster San Domenico untergebracht ist, die frühchristliche Kirchen Sant’ Angelo und San Pietro, das verzierte Theater Morlacchi und der Palazzo Gallenga.
Wer zum richtigen Zeitpunkt in der Stadt ist, kann das Umbria Jazz Festival (Sommer) oder die „Eurochocolate“, eine Schokoladenmesse (Oktober) besuchen. Zur Küche Umbriens könnte man zahlreiche Berichte schreiben, so umfangreich und lecker sind die einheimischen Spezialitäten sowie der Wein natürlich. Einzig gewöhnungsbedürftig ist das salzlose Brot, also nicht wundern, das ist so gewollt. Ich kann die Osteria del Bartolo empfehlen, zwar nicht ganz preiswert aber supergut. Abendessen für zwei mit Wein ca. 60 Euro.
Unterkunft.
Ich empfehle, sich in der Altstadt ein Hotel zu suchen. Hier ist man weitestgehend vom Verkehr verschont. und kann abends das Nachtleben Perugias ungestört erkunden und auskosten. Wir bezogen ein preiswertes Hotel in der Nähe der Porta San Pietro, welches und 60 Euro für das Doppelzimmer ohne Frühstück kostete. Andere Hotels findet man hier:
http://www.venere.com/cgi/ihr/search.php?city=perugia&country=italy&ref=3156&lg=de
Umgebung:
Leider besitzt Perugia wie so manche italienische Stadt ausgedehnte hässliche Vororte, hat man diese jedoch durchquert, erreicht man einige wunderschöne Ausflugsziele, die sich unweit der Stadt befinden.
Wir haben unter anderem den Lago di Trasimeno besucht (12 km entfernt), welcher der viertgrößte Binnensee Italiens ist. Hier siegte Hannibal 217 v. Chr vernichtend über die Römer. Einige sehenswerte Ortschaften liegen am Seeufer und auf den Inseln im See. Im Sommer wird hier gebadet, was nicht jedermanns Sache ist, denn das Wasser ist ziemlich trübe.
Unbedingt ansehenswert jedoch touristisch eher überlaufen ist Assisi mit der historischen Altstadt (23 km) sowie der von Giotto ausgemalten Basilika des Hl. Franziskus. Andere von uns besuchte sehenswerte Orte in der Umgebung sind Bevagna, Orvieto (siehe mein Bericht) sowie Todi. Der Reiseführer empfiehlt außerdem Spoleto, Norcia, Gubbio und Spello, allesamt historische Städte mit reichen Kunstschätzen und mittelalterlichen Stadtbildern.
Wer des italienischen mächtig ist kann sich auf Perugias Homepage www.comune.perugia.it näher über die Stadt informieren. Auf deutsch gibt es hier Informationen: http://www.perugiaonline.com/perugiade.html
Fazit:
Perugia hat nicht nur Goethe verzückt sondern auch uns. Absolut sehenswert, nicht überlaufen und liebenswert, was will man mehr? Von mir 5 Sterne. weiterlesen schließen
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