Pro:
wunderschöne Natur, romantische Plätze, Gastfreundschaft
Kontra:
nicht immer so schöne "Kultur", extreme Gegensätze, Kriminalität
Empfehlung:
Ja
*** Vorwort ***
Im Rahmen meiner beruflichen Reise nach Brasilien bin ich u.a. in Rio de Janeiro gewesen. Rio ist den meisten Europäern bekannt als schöner Tourismusort mit weltbekannten Sehenswürdigkeiten, wie dem Zuckerhut oder der Christusstatue. So nebenbei ist der Großraum Rio de Janeiro auch noch der zweitwichtigste Wirtschaftsraum Brasiliens (nach Sao Paolo).
Ich habe bereits als Kind von den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt geträumt und so habe ich natürlich in die berufliche Reiseplanung auch einen Abstecher in das touristische Rio eingeplant.
*** Die Stadt ***
Rio ist eine ziemlich große Stadt mit ca. 12 Millionen Einwohnern. Es ist eine Stadt voller Gegensätze: Reichtum und Armut, Schönheit und Hässlichkeit, Gastfreundlichkeit und ständige kriminelle Bedrohung.
Rio wurde für uns Europäer vom portugiesischen Seefahrer Andre Goncalves am Neujahrstag des Jahres 1502 entdeckt. Als dieser mit seinem Schiff in die Bucht von Guanabara gekommen ist, war er der Meinung eine Flussmündung entdeckt zu haben und gab diesem vermeintlichen Fluss den Namen "Rio de Janeiro" also "Fluss des Januars".
Die Natur an sich ist dort immer noch sehr schön, allerdings wurde sie durch die "Zivilisation" und ihre "Nebenwirkungen" weit zurückgedrängt. Heute ist Rio weitgehend zugebaut, auf den Straßen fahren unendlich viele Autos, es ist laut, es stinkt, ... .
Mit Rio assoziieren die meisten Menschen die Copacabana. Das Wort Copacabana ist indianisch und heißt so viel wie "klares Wasser". Das Wasser an der Copacabana erscheint auf den ersten Blick noch immer ganz klar. Genaue Tests würden aber vermutlich ein anderes Ergebnis liefern. Der Strand ist riesig, der Sand von wohl eigenem Charakter und der Ozean braust mit starken Wellen gegen die Küste. An der Copacabana tummeln sich im Sommer unendlich viele Sonnenanbeter. Als ich dort war, war es ziemlich ruhig, weil im September in Brasilien "Frühlingsbeginn" ist und bei 25 Grad Außentemperatur nicht zu viele Urlauber und Einheimische an den Strand pilgern. Dennoch findet man dort vom Brillenverkäufer, über den T-Shirt-Verkäufer, die Beachvolleyball-Spieler und die Badenixen in (sehr oft) zu knappen Bikinis wohl so ziemlich alles, was man sich von der Copacabana erwarten würde.
Die zahlreichen Lokale und Bars an der Copacabana haben geöffnet, allerdings sind sie unter der Woche nur schlecht besucht. Tendenziell gibt es dort große Portionen, unterdurchschnittliche Qualität und hohe Preise. Aber dafür ist man auch an der Copacabana.
Immerhin für zwei Stunden konnte ich die Sonne auf meinen Körper brennen lassen und das hat diese ganz ordentlich gemacht. Das Wasser des Ozeans ist angenehm warm, ich hätte es so auf 23-24 Grad geschätzt.
Bereits als Kind hatte ich vom Besuch dreier Attraktionen von Rio geträumt: der Zuckerhut, die Christusstatue und das Maracana-Stadion.
Der Zuckerhut (Pao de Acucar) galt lange Zeit als das Wahrzeichen der Stadt. Mittlerweile behaupten die Einheimischen, dass die Christusstatue bereits touristisch bedeutender geworden sei. Wie auch immer, ich habe ohnedies beide Sehenswürdigkeiten besucht.
Ich habe bin mit dem Taxi zur Talstation der Gondelbahn bzw. der beiden Gondelbahnen auf den Zuckerhut. Dort wird man sofort von potentiellen Fremdenführern angekeilt, die einem gerne ihre Dienste erweisen würden. Nachdem ich das Glück hatte, dass ich in Sao Paolo einen deutschen Auswanderer getroffen hatte, der in Rio wohnt und sich als Fremdenführer bereits erklärt hatte, braucht ich keinen anderen Fremdenführer, weil ich wohl den best möglichen bereits an meiner Seite hatte.
Die Fahrt auf den Zuckerhut kostet 35 Real, das sind um die 12 Euro. Die erste Teilstrecke geht auf den kleineren Berg Urca (215 Meter hoch) der dem Zuckerhut vorgelagert ist. Die Gondel scheint nicht ganz europäische Sicherheitsvorschriften zu erfüllen, dafür ist dort angeblich erst einmal was passiert. Als Österreicher musste ich mir peinliche Fragen zu österreichischen Sicherheitsstandards in Sachen Gondeln anhören.
Die Fahrt ist aber jedenfalls ein Erlebnis, die Aussicht ist wunderbar und nachdem man bei der Gondel sogar die Fenster öffnen kann, wird es wohl auch im Hochsommer in der Gondel nicht unerträglich heiß werden.
Die Aussicht vom Urca geht u.a. auf den Stadtteil Botafogo, wo ein bekannter Fußballklub beheimatet ist, was für mich als Fußballfan interessant war. Zudem konnte man die Insel sehen, wo das Appartement (110 qm) meines deutschen Freundes ist. Der Preis für dieses Appartement ist kaum nennenswert, umgerechnet 70.000 Euro, inklusive Fitnesscenter, Wellnessanlage und Swimmingpool im Wohnhaus. Als ich ihm dann erzählt habe, das in einer europäischen Kleinstadt eine von der Größe her vergleichbare Wohnung, allerdings ohne Fitnesscenter, Wellnessanlage und Swimmingpool locker 250.000 Euro kostet, dann hat er gemeint: "Ich weiß schon, warum ich ausgewandert bin."
Für alle Leser die noch den Bericht weiterlesen und noch nicht auf dem Weg nach Rio sind ein Detail am Rande: Die Kriminalität in Rio ist sehr hoch und deutsche Manager sind beliebte Ziele für Überfälle und Diebstähle, deshalb ist das schöne Leben in dieser an sich sehr schönen Umgebung doch ein wenig eingeschränkt.
Mit der zweiten Gondel geht es weiter, vom Urca auf den Zuckerhut, hinauf auf 394 Meter. Knapp 400 Meter Höhenunterschied zum Meer, das ist schon ganz ordentlich. Die Aussicht ist wunderbar, zudem ist es am Zuckerhut relativ ruhig. U.a. hat man einen Blick auf den Corcovado, auf dem die Christusstatue steht. Allerdings ist der Corcovado an diesem Tag meist in dichte Wolken gehüllt. Wir halten uns einige Zeit auf dem Zuckerhut auf, trinken was und beobachten die Flugzeuge, die vom nationalen Flughafen in Richtung Zuckerhut starten und dann kurz vor dem Zuckerhut links wegdrehen.
Einziges Manko bei meinem Besuch des Zuckerhuts: Ich denke einmal, dass der Besuch noch romantischer gewesen wäre, wenn ich ihn mit meiner Liebsten hätte machen können, so musste ich mit zwei Männern vorlieb nehmen, was das ganze etwas weniger romantisch werden lässt, als es wohl sein könnte.
Nachdem wir mit der Seilbahn wieder runtergefahren sind, geht es mit dem Taxi zum Corcovado. Der Taxifahrer ist sehr geschäftstüchtig und bietet uns die alternative Auffahrt mit dem Taxi (anstatt mit der Zahnradbahn) inklusive einer Citytour und der Rückfahrt zum Hotel zum Sonderpreis an. Nachdem unser "Fremdenführer" Peter, der mittlerweile perfekt portugiesisch spricht gemeint hat, dass das kein schlechter Vorschlag sei, haben wir das Angebot natürlich angenommen. Es folgt eine Citytour durch Rio. Danach geht es mit dem Taxi auf den Corcovado, der immerhin 709 Meter hoch ist. Die Christusstatue ist 38 Meter hoch und 1145 Tonnen schwer. Als wir am Corcovado angekommen sind ist Peter gerade dabei, sich für das Wetter zu entschuldigen. Er habe bereits befürchtet, dass der Gipfel und somit auch die Christusstatue in tiefe Wolken gehüllt sein werden. Als wir an den Fuße der Statue gekommen sind, war die Bewölkung so stark, dass man nicht einmal die Arme erkennen konnte. Doch dann kommt das "Wunder". Wir bewegen uns 20 Meter weg, um noch einmal nach oben zu sehen, die Bewölkung verschwindet für zwei Minuten und wir können die Statue in voller Pracht sehen und auch einige Fotos machen.
Meinen dritten Wunsch, das Maracana-Stadion zu besuchen, konnte ich mir nicht mehr erfüllen, weil es gerade renoviert wird und die Baustelle nur für Bauarbeiter zu betreten ist. Das ist dann zumindest ein Grund, um noch einmal nach Rio zu kommen.
Schöne alte Gebäude sucht man in Rio sehr lange, weil um das Jahr 1900 eine Stadtsanierung stattgefunden hat, die anscheinend sehr gründlich war. Aber auch in den folgenden Jahren hat man immer mehr der schönen alten Häuser abgerissen, um sie durch neue Wolkenkratzer zu ersetzen. Ein ähnliches Bild findet sich dazu in Sao Paolo.
Eine weitere "Sehenswürdigkeit" ist im Zentrum von Rio die "Catedral Metropolotana", ein Neubau aus den 1960ern. Ich habe sie mir nur beim Vorbeifahren von außen angesehen.
Nachdem ich nicht nur zu meinem Vergnügen in Rio war, konnte ich mir nicht alle möglichen Sehenswürdigkeiten der Stadt ansehen. Was einem aber immer wieder ins Auge sticht sind die "Favelas", die wild gebauten Slums der Stadt. Interessanterweise sind die immer wieder an den besten sonnigen Hanglagen angelegt, wo man in einer europäischen Stadt nur Luxusvillen finden würde. Als ich unseren brasilianischen Taxifahrer gefragt habe, warum noch kein Millionär auf die Idee gekommen ist, so eine Favela räumen zu lassen und sich dort ein luxuriöses Anwesen zu bauen, meine der Taxifahrer: "Das liegt wohl daran, dass sich niemand wagt, dort reinzugehen. Auch die Polizei meidet die Favelas."
Viele Menschen hoffen in Rio ihr Glück zu finden, aber es sieht so aus, als wäre es für die meisten besser, wenn sie zu Hause am Lande bleiben würden. Drogen, Prostitution und Elend sind die Schattenseite dieser an sich sehr schönen Stadt.
Viele meiner Freunde und Kollegin haben mich nach den schönen Frauen von Rio befragt. Ich muss dazu sagen, dass es dort sehr schöne Frauen gibt, aber ich darf den Frauen in Deutschland und Österreich ein Kompliment machen, weil ich meine, dass an sich die Frauen bei uns schöner sind.
Ich darf meinen Lesern noch zwei Restaurants empfehlen, die sehr gut sind: Das eine ist die "Churrascaria Porcao" in Ipanema, die holen die Gäste sogar mit einem speziellen Kleinbus vom Hotel ab! Das andere ist das "Marius" am oberen Ende der Copacabana, ein sehr romantisches Lokal, das sowohl eine Churrascaria als auch ein spezielles Lokal für Meeresfrüchte ist. Je nachdem, was man in diesem Lokal essen möchte, wird man dem richtigen Bereich zugeordnet.
Ich habe mich vorab unter anderem mit zwei Reiseführern informiert. Dem ADAC Reiseführer "Brasilien" und dem Marco Polo Reiseführer "Brasilien". Beide weisen ähnlich Inhalte auf. Im letzteren ist das Marius allerdings nicht ganz richtig beschrieben, weil es etwas einseitig als Lokal für Meeresspezialitäten beschrieben wird.
Das Thema Sicherheit sollte man in Rio nicht vergessen. Wichtig ist dabei vor allem nicht aufzufallen. Teuren Schmuck sollte man jedenfalls meiden, Geld nicht in der Gesäßtasche aufbewahren, grundsätzlich nicht zu viel Geld mitnehmen, aber auch nicht zu wenig. Ich habe mit einem hochgestellten Vertreter der Republik Österreich darüber gesprochen und der hat gemeint, dass man keinesfalls kein Geld mithaben sollte, weil ein Räuber das nicht für wahr halten würde, weil er davon ausgehe, dass alle "Gringos" Geld mit sich haben. Wenn man dann nicht portugiesisch sprechen kann, um ihm das noch vernünftig erklären zu können, dann kann daraus eine extrem gefährliche Situation entstehen. Ein erfahrender Auswanderer hat mir gesagt: Wenn Du mit einer Waffe bedroht wirst, dann gib Dein Geld her. Wenn der Räuber keine Waffe hat, dann behalte Dein Geld.
Wie auch immer, ich kann alle Leser nur zur größten Vorsicht warnen, dann kommt es auch nicht so schnell zu gefährlichen Situationen. Vor allem tagsüber kann man sich auf gut frequentierten Plätzen frei und sicher bewegen, allerdings muss man immer vor Taschendieben auf der Hut sein.
*** Mein Fazit ***
Es kann sein, dass ich mich bei diesem Bericht ein wenig verplaudert habe. Ich hoffe, dass es mir nicht übel genommen wird.
Rio ist eine sehr schöne Stadt, die eine Reise wert ist. Man sieht viel Schönes, aber auch viel Schlimmes. Das Schlimme können wir leider nicht ändern.
Ich empfehle meinen Lesern mit dem jeweiligen Partner dorthin zu reisen, weil dann die schönen Plätze noch viel romantischer erscheinen können, als sie es sind.
Vorsicht ist jedenfalls im Straßenverkehr geboten. Die Menschen fahren schnell und rücksichtslos. Wir sind mit unserem Taxifahrer in der Nacht mit 120 km/h durch das Ortsgebiet über die Copacabana gefahren, das ist dort "normal". Wenn die Ampel rot ist, dann heißt das noch lange nicht, dass die Taxifahrer stehen bleiben. Immer bedenken: Man ist in Südamerika und nicht in Europa!
Rio könnte wohl die schönste Stadt der Welt sein, aber sie hätte sich da wohl anders entwickeln müssen! weiterlesen schließen
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