Pro:
Da fällt mir nix ein
Kontra:
Schlecht geschrieben, Wenig innovative Story, einfach furchtbar
Empfehlung:
Nein
Es wurde ja schon lange gemunkelt, daß Andrew Lloyd Webber eine Fortsetzung seines Erfolgsmusicals "Das Phantom der Oper" plant. (Ob er so dringend Geld braucht?) Nun, die Romanvorlage dafür existiert jetzt in Form von Forsyths "Das Phantom von Manhattan". Es bleibt abzuwarten, ob daraus wirklich ein Musical wird, möglich wäre es schon, da es sich eigentlich schon wie ein Drehbuch liest, allerdings gibt es nur die Texte, Bühnenbilder sind eher spärlich.
Um es nun direkt zu sagen, ich fand das Buch einfach furchtbar. Die Idee, die Geschichte des Phantoms weiterzuschreiben fand ich absolut faszinierend, aber das, was daraus geworden ist ist eine absolute Enttäuschung. Natürlich geht jeder Autor ein hohes Risiko ein, wenn er eine Fortsetzung zu einem Klassiker schreiben will (man denke nur an das "Vom Winde verweht"-Sequel "Scarlett") aber so wie Forsyth das Ganze angegangen ist, ist es einfach eine Frechheit.
Noch im Vorwort begeht er meiner Meinung nach eine Todsünde. Zunächst erzählt er die durchaus interessante Entstehungsgeschichte von Gaston Leroux´s Phantom der Oper und wie es durch Verfilmungen und schließlich Webbers Musical zum Klassiker wurde. Dabei erfährt man einige interessante Tatsachen über Leroux selbst und auch über sein Buch. Doch dann kommt der Hammer: über mehrere Seiten lässt sich Forsyth darüber aus, wie schlecht (!) Leroux Buch eigentlich ist. Er zählt mehrere angeblich fatale Fehler auf, die ein "guter" Autor nicht machen würde und zieht so ziemlich alles, für das dieses Buch steht, durch den Dreck. Und dies alles wohl nur, um sich bei dem möglichen Musicalisator seines Romans einzuschleimen, denn die Konsequenz der Leichenfledderei ist, das Forsyth behauptet, das nur der geniale Andrew Lloyd Webber die Kapazität der Geschichte erkannt hätte, dann den ganzen Leroux´schen Unsinn rausgestrichen hätte und so zu einer wirklich guten Geschichte für sein Musical gekommen wäre. Ich weiß ja nicht, aber ich kenne bisher keine Verfilmung oder gar ein Musical, das einem Buch gerecht geworden wäre. Es gibt gute Verfilmungen und gute Musical-Umsetzungen, aber besser als das Buch können sie nicht sein.
Und überhaupt, was erlaubt er sich? Gaston Leroux mag kein Autor vom Format eines Victor Hugo sein, aber sein Phantom ist einfach ein Klassiker und man sollte sich wohl überlegen, ob man darüber herziehen möchte, vor allem, wenn das eigene Buch dann so eine Enttäuschung ist. Forsyth hofft wohl darauf, das sein Buch eher die Musicalfreunde anspricht und nicht diejenigen, die das Original von Leroux kennen.
Aber nun zur Geschichte von Forsyth Buch:
Es beginnt damit, das Mme. Giry, die frühere Koreographin der Pariser Oper, sich am Sterbebett an ihr "Ziehkind" Erik erinnert, den sie aus einer Freakshow befreit hat und ihm ein Leben in den Gewölben der Oper ermöglicht hat. Ein akzeptables Leben, bis zu den Ereignissen, die im Phantom der Oper erzählt werden. Danach mußte Erik nach New York fliehen, wo er über Mittelsmänner zu Reichtum kam. Zunächst entwarf er auf Coney Island Vergnügungspark, dann machte er mit dem Gewinn an der Börse noch mehr Geld und erbaute ein wahres Imperium, sogar einen eigenen Wolkenkratzer, in dem er sich nun vor der Welt versteckt. Seine Geschäfte erledigt Erik über Darius, einen düsteren, Seelenlosen Menschen, der nur das Geld liebt.
Mme Giry schickt Erik vom Sterbebett aus einen Brief, in dem sie ihm ein Geheimnis anvertraut, das Erik dazu bewegt, sich wieder mit den Geschehnissen in Paris zu befassen.
Da er schon seit längerer Zeit der geheime Geldgeber eines Opernbaus in Manhattan ist, beschließt Erik, für die Premiere sein große Liebe Christine kommen zu lassen, die inzwischen mit ihrem Raul verheiratet ist, einen Sohn hat und zur bedeutendsten Opernsängerin ihrer Zeit geworden ist. Aber Erik möcht nicht nur sie sehen, er hat einen ganz bestimmten Grund, sie und ihre Familie nach Manhattan zu holen: Christines Sohn ist von ihm! Und das ist eine Tatsache, die Dariusa, der sich immer als Erbe von Eriks Vermögen gesehen hat, überhaupt nicht passt...
Das ist also die weitere Geschichte von Erik, dem Phantom der Oper. Ein wenig enttäuschend irgendwie, vor allem da sie sehr schwach erzählt wird. Gerade wenn man Susan Kay´s "Das Phantom" gelesen hat, welches einen anderen Teil von Eriks Leben erzählt und vor kräftigen Bildern nur so sprüht ist dieses Buch einfach farblos.
Hinzu kommt der schlechte Erzählstil von Forsyth. Er erzählt seine Geschichte aus der Sicht mehrerer Personen, was eigentlich eine gute Idee ist, hier aber darauf hinausläuft, das teilweise nur Textpassagen wiedergegeben werden und die auf dem Cover angepriesene brilliante Darstellung des New York´s der Jahrhundertwende weitgehend völlig unter den Tisch fällt. Außerdem hat diese Erzählweise zur Folge, das es öfters vorkommt, das man die Geschehnisse des vorangegangenen Kapitels zur Hälfte aus der Sicht eines Anderen nochmal erzählt bekommt, ohne das dabei großartige Neuigkeiten herauskommen. Bei einem Buch von gerade mal 270 Seiten wird die eigentliche Geschichte dadurch nochmals enorm verkürzt.
Alles in allem also ein ziemliche Enttäuschung. Die Geschichte ist nicht besonders innovativ, nicht gut erzählt und wenn man dann noch bedenkt, wie Forsyth über das Original hergezogen ist...
Vielleicht hat er aber auch nur die Konsequenz aus seiner Analyse aus dem Vorwort gezogen: Wenn Webber aus Leroux "schlechtem" Buch ein tolles Musical gemacht hat, dann wird er vielleicht auch aus diesem Machwerk ein gutes Musical machen? weiterlesen schließen
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