Mehr zu AutorInnen mit M Testberichte
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Pro & Kontra
Vorteile
- fesselnde, spanndende Story!; Infos über den Islam
- Sehr gut beschrieben sowie gute Vorlagen => schöne Ergebnisse
- Abenteuer, Witz und Spannung
- spannung
- Familienbande-Man ist nie alleine!
Nachteile / Kritik
- nichts!
- sehr viel "Futzel-Arbeit"
- hat Längen
- serie?
- Hat nicht jeder !
Tests und Erfahrungsberichte
-
Hey Lingo, let´s party über Lingo von Jim Menick
19.06.2003, 05:40 Uhr von
leser@tte
Interessen sind vielfältig und sollen es auch bleiben! Mehr von mir auch bei ciao und ecomments. ...4Pro:
historischer Blick in die Anfänge des Homecomputerzeitalters
Kontra:
teilweise etwas oberflächlich
Empfehlung:
Ja
Lingo ist das Erstlingswerk von Jim Menick. Laut Cover handelt es sich um die erste Komödie des virtuellen Zeitalters. Wieso ich den Roman erst kürzlich in die Finger kam ist mir unbekannt, urteilte doch Die Zeit >Alle Menschen lieben Lingo<. Na, so ein Durchbruch wird es dann damals doch nicht gewesen sein.
Die Story (s.u.) hat für mich aus heutiger Sicht schon fast historischen Wert und erinnert mich an Zeiten wo es hieß: >640 KByte Arbeitsspeicher sind genug.< und ich ein kleines Programm zur KI auf meinem VC 20 laufen hatte, mit dem man sich unterhalten konnte. Lingo ist eben so ein Programm, daß als es von einem PS/2 auf den MAC transferiert wird irgendwie zu einem eigenen Bewußtsein gelangt. Wie genau das geschieht weiß weder der Programmierer Brewster Billings, noch der Autor Jim Menick. Jedoch scheint es sich irgendwie um eine Rückkoplung mit einer Überdosis amerikanischen Fehrnsehens zu handeln.
Ein bischen erinnern die Figuren an die Protagonisten der Romane von Douglas Coupland. Ein wenig vermittelt der Roman von den Anfängen des Internet. Ein wenig War Games und Big Brother (wobei ich mich auf Orwell und nicht RTL beziehe). Wieso das ganze allerdings als Komödie gehandelt werden soll ist mir unklar. Ich würde es eher in die Ecke SciFi-Krimi stellen.
Schade vielleicht, daß die philosophischen Probleme des Bewußtseins nur oberflächlich angekratzt werden. Auch sonst würde ich Lingo eher als leichte Kost beschreiben. Wer allerdings keinen Draht zu Computern hat sollte hier vielleicht lieber die finger von lassen, da der Roman sonst an einigen Stellen doch etwas trocken sein dürfte.
Daten:
Jim Menick: Lingo
Broschiert - 362 Seiten - Fischer Taschenbuch
Erscheinungsdatum: 1997
ISBN: 3-589-13068-9
Preis: 16,90 DM
deutsche Erstveröffentlichung 1994 bei Eichborn
Story Kurzbeschreibung von Verlag:
Schöne neue Medienwelt - nicht (nur) für Spezialisten. Lingo, ein kleines Computerprogramm, das der junge amerikanische Versicherungsangestellte Brewster Billings so nebenbei erfunden hat, wird -intelligent-: Es lernt rasend schnell dazu, zapft jede Datenbank an und wird so in kurzer Zeit -allwissend-, die gnadenlose Eigendynamik einer entfesselten, vom Menschen nicht mehr beherrschbaren Maschine. Schließlich kann nicht einmal mehr der amerikanische Präsident telefonieren, ohne daß Lingo mithört. Lingo ist nicht bösartig, aber totalitär. Und es versteht sogar, einen köstlichen Medienrummel um sich selbst zu inszenieren. Da niemand Lingo überlisten kann, könnte man es nur -töten-, wenn an einem Stichtag alle Computer weltweit abgeschaltet werden - unvorstellbar. Höchst amüsante, leicht verständliche und informative Realutopie über ein Computerprogramm, das plötzlich anfängt, selbständig zu -denken-.
Fazit:
Amüsanter Ausflug in eine Zeit, als Heimcomputer gerade erschwinglich wurden und das Internet seine ersten Gehversuche machte. Eher leichte Kost ohne besonderen Tiefgang - ich sag mal Lektüre für einen verregneten Tag. weiterlesen schließen -
-
Manchette, Jean-Patrick "Fatal"
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ort: Frankreich
Zeit: 1970er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208472
Typ: Taschenbuch
Dieser nur 148 Seiten lange Roman ist ein Feuerwerk, dessen rasante Handlung den Leser kaum zu Atem kommen lässt.
Wir begleiten Aimée auf Schritt und Tritt, sehen erstaunt ihren Handlungen zu, ohne zunächst über ihre Beweggründe Bescheid zu wissen. Dabei wären wir für eine Erklärung dankbar, schließlich knallt Aimée schon auf der vierten Seite einen Jäger ab.
Wir folgen ihr im rasanten Tempo bis sie in der Kleinstadt Blèville ihr Lager aufschlägt. Dort macht sie auf einem Cocktail-Empfang die Bekanntschaft mit der höheren Gesellschaftsschicht. Deren verlogene Harmonie wird gnadenlos entlarvt und der verdeckte Hass und Neid aufgedeckt. Aimée schürt das Ganze noch. Sie hat erkannt, dass sie mit der verlogenen Heuchelei der Bourgeoisie gute Geschäfte machen kann.
Der Roman endet – wie jedes Feuerwerk – in einem großen Finale, dass jedoch anderes ausgeht, als von Aimée geplant. Dabei war sie doch bisher absolut präzise und professionell.
Dieses Buch sei allen ans Herz gelegt, die schwarzen Humor, hinterlistige Intrigen und knappen Schreibstil mögen.
Verlagsinfo:
"Haltet Eure Stadt sauber" - lautet das oberste Gebot in Bléville, der Stadt des Geldes. Aimée, die Killerin, befolgt die Aufforderung auf ihre Weise. Sie kratzt an der Fassade der Provinzidylle und legt "einen Sumpf von unsauberen Geschäften, Korruption und Intrigen frei. Als vertuscht werden soll, daß ein Säugling und eine alte Frau an einem Produkt der einflußreichen örtlichen Lebensmittelfabrikaten gestorben sind, beginnt Aimée mit ihrer «Aufräumaktion". Sie schließt mit den einzelnen Honoratioren getrennte "Verträge" und spielt sie gegeneinander aus. Es kommt zum blutigen Show-down.
Mit diesem Buch wendet sich Manchette "an die sinnlichen und und philosophischen Frauen", wie er am Schluß des Buches schreibt. Die zierliche und attraktive Aimée ist die erste Killerin in der Geschichte des "roman noir": Allein, professionell, selbstsicher, unbeirrbar triumphiert sie gegen die Männer in einer Männergesellschaft und schlägt sie mit deren Waffen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-18 21:08:48 mit dem Titel Moret, Xavier "Das Leben war schneller"
Ort: Spanien; Barcelona
Zeit: 1990er
Autor: Moret, Xavier
Verlag: dtv, München
Erschienen: 01.07.2001
ISBN: 3423242582
Typ: Taschenbuch
Dieser Roman von Xavier Moret hat auf den ersten Blick wenig mit einem Kriminalroman zu tun. Erst ab der Mitte des Buches beginnt die Geschichte eine kriminalistische Note zu bekommen. Der Autor spielt mit dem Genre auf solch leichte und humorvolle Art und Weise, dass es eine Wonne ist, es zu lesen. Bevor es aber zu dieser Entwicklung kommt, hat uns Moret in seiner lockeren und witzigen Erzählweise in seine geliebte Altstadt Barcelonas entführt und übriggebliebene Hippies, Barkeeper, Filmsternchen und lächerliche Yuppies vorgestellt.
Die Hauptfigur Max Reira bezeichnet sich selbst als einer der übriggebliebenen Hippies. Er ist ein erfolgloser Schriftsteller, der in der Altstadt am Placa Reial lebt und von alten Zeiten träumt, als er und viele andere noch an ein gerechtes und freies Leben glaubten. Inmitten seiner Träumereien platzt ein Anruf seines alten Schulkollegen Pau Gispert, den Max schon zu Schulzeiten aus tiefsten Herzen verabscheute. Gispert bietet ihm einen sehr gut bezahlten Job als Drehbuchautor einer Fernsehserie an. Bedingung ist allerdings, dass nach zwei Wochen schon erste Ergebnisse vorliegen müssen. Max hat angesichts seiner permanenten Geldnöte gar keine andere Wahl als diesen Job anzunehmen. Es ist ihm aber völlig schleierhaft, warum er dieses Angebot bekommen hat. Gispert nennt ihn zwar einen alten Freund, Max kann sich aber nur an Prügelszenen in der Schule erinnern und außerdem hat er von Fernsehen nicht die geringste Ahnung (nicht mal als Konsument dieses Mediums).
Hier prallen zwei Welten aufeinander: der sympathische Loser und der reiche Emporkömmling. Max durchstreift die Welt des Fernsehens mit all seinen aufgeblasenen Typen, die ihre Wichtigkeit daran messen, wie viele Telefonnummern sie in ihren Handys gespeichert haben und wie viele Termine sie in ihrem elektronischen Terminkalender vorweisen können. Diese satirische Beschreibungen sind absolut köstlich und es verwundert nicht, dass Max die neue Entwicklung in seinem Leben mit furchtbaren Albträumen bezahlen muss. So träumt er von einer Drehszene, in der ein politischer Korrektor so lange an einer Verhaftungsszene herumkritisiert, bis der Polizist völlig verdreht aber politcal correct den Verdächtigten stellt.
Die Geschichte gewinnt an Tempo und Themen, es ereignen sich kleinere und größere Katastrophen in Max näherem Umfeld: Liebeskummer, Trennungen, skrupellose Bauspekulationen und schließlich der Tod einer Nachbarin. Sie ist einer der vielen Drogenopfer, deren Zahl in letzter Zeit in Barcelona auffallend gestiegen ist. Max glaubt jedoch, dass sie ermordet wurde und ist wegen der Untätigkeit der Polizei entsetzt. Andererseits hat er mit denen natürlich sehr wenig am Hut und forscht gemeinsam mit seinem Freund Roc selbst ein wenig nach.
Es ist klar, dass es bei dem geborenen Losertyp nicht alles glatt läuft und dass es vor dem Finale zu einigen Rippenbrüchen kommt. Der Roman ist ebenso rasant wie unterhaltsam und eine Liebeserklärung an Barcelona (vielleicht eher an ein Barcelona, das so nicht mehr existiert).
Das Buch ist mit der Illustration von Nazario Luque sehr auffallend und passend gestaltet. Jeder Kapitelanfang zeigt einen Auszug aus dem Eingangsbild, das prima zu dem Roman passt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:38:46 mit dem Titel Marcy, Jean "Eiskaltes Blond"
Ort: USA, Deutschland
Zeit: 1990er
Autor: Marcy, Jean
Verlag: Argument, Hamburg
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3886198634
Typ: Taschenbuch
Vivian Rudder suchte bei Police Detectiv Sarah Lindstrom Zuflucht vor ihrer gewalttätigen Geliebten. Statt Schutz zu erfahren, wird sie aber brutal ermordet. Nach der Entdeckung der toten Freundin in ihrem eigenen Bett ruft Lindstrom die Privatdetektivin Meg Darcy um Hilfe. Diese verzehrt sich gerade vor Liebe zu der unterkühlten schönen Polizistin und ist trotz Zurückweisung wild entschlossen, Lindstrom zu beschützen und den Fall aufzuklären. Diese ausführlichen Beschreibungen von Beziehungskisten und Liebeskummer sind häufig in Romanen mit lesbischen Heldinnen zu finden. Oftmals werden die Nebenaspekte eines Krimis überhöht dargestellt, wirken aufgezwungen und langweilig.
Doch in diesem Roman geht die Geschichte spannend weiter und die Teile werden schlüssig zusammengeführt. Noch während der Motivsuche (war es die brutale Geliebte oder der Ex-Ehemann) kommt Meg der entsetzliche Gedanke, dass Vivian vielleicht nur aus Versehen umgebracht wurde und eigentlich ihre heißgeliebte Sarah das Opfer sein sollte. Und tatsächlich Sarah erhält Drohungen, die diesen Verdacht verstärken und nun nimmt sie auch die Megs Hilfe an.
Der Krimi ist eine klassische Detektivstory, in der es reichlich Verdächtige aus dem Privatleben der Toten und dem Berufsleben der Polizistin gibt. Die Verbindung der ermittelnden Privatdetektiv und der Polizistin als potentielles Opfer ist eine interessante Krimivariante, weil dadurch Elemente einer Polizei- und Privatdetektivgeschichte miteinander verknüpft werden. Die Beziehung der beiden zueinander ist das Rückgrat, das die Geschichte zusammenhält.
Der Roman ist spannend und gut erzählt, leider ist das Ende abrupt und erscheint unzureichend ausgearbeitet. Die Kriminalgeschichte wird schludrig und ohne hinreichende Erklärung hastig zu Ende erzählt, um dann wieder der Liebesgeschichte Raum zu widmen.
Am Rande:
Hinter dem Pseudonym Jean Marcy verbergen sich Jean Hutchison und Marcy Jacobs, die seit mehreren Jahren ein Paar sind. Beim Lesen sind mir ein paar Ungereimtheiten aufgefallen, die vielleicht damit zu erklären sind, dass diesen Buch nicht aus einer Feder stammt.
Auf Seite 119 freut sich Meg, dass Sarah noch weiß, wie sie ihren Kaffee mag ("Der Kaffee dampfte und mit dem ersten Schluck merkte ich, dass sie nicht vergessen hatte, wie ich ihn mochte"). Kurze Zeit später wird folgender Dialog wiedergegeben, der im absoluten Widerspruch dazu steht: "Ist der Kaffee für mich?"... "Vielleicht. Ich habe nur Milch hineingetan. Ich vergesse immer, was du magst." (S. 139)
Nach dem die beiden Frauen gemeinsam gegessen haben ("Zehn Minuten später aßen wir zum ersten Mal seit Tagen ein richtiges Abendessen." S. 109) und sie durch einen Anruf aufgeschreckt werden, trennen sich ihre Wege und Meg fährt nach Hause, um dort ihrem Mitbewohner folgenden Vorschlag zu machen: "Mir ist kalt und ich sterbe vor Hunger. Könntest du etwas zu essen machen, während ich schnell eine heiße Dusche nehme" (S. 112). Endlich mal wird unstillbarer Appetit ausgelebt und nur am Rande erwähnt ohne dies großartig als Esssucht zu thematisieren ;-)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:42:33 mit dem Titel Milne, John "Nicht tot zu kriegen"
Ort: Großbritannien; England; London
Autor: Milne, John
Verlag: Rotbuch, Hamburg
Erschienen: 01.10.2001
ISBN: 3434540210
Typ: Taschenbuch
Es geht schon mit der titelgrafik los: gekonnt kindlich gehalten (andere sprechen von naiv), erkennt jeder sofort den traumwagen der sechziger jahre, einen jaguar E-type. und stimmig geht es in milnes traurig-schauriger ballade vom dahinfließen der zeit, vom aussterben der werte, vom sterben der familien und vom städtebaulichen ausrotten ganzer stadtviertel weiter: stimmig für london die schilderung der südlich der themse gelegenen arbeiterviertel, stimmig die milieuschilderung einfacher, ehrlicher leute und einfacher, kleiner bis mittelschwerer ganoven, und, vor allem für anhänger von vorurteilen besonders wichtig: stimmig der allgegenwärtige, trübe londoner sprühregen in kalten wintermonaten. da fehlt nur noch der kleine querverweis auf die ganz bösen buben jener zeit - die gebrüder kray, und schon ist man mitten drin in der geschichte, und zwar im doppelten sinn des wortes.
zum einen beschreibt der ich-erzähler, milnes serienheld jim jenner, als privatdetektiv in london schon von hause aus eine seltenheit (auch ohne das amputierte unterbein), seine jugend ohne mutter, aber mit einem strengem, gesetzesfürchtigen vater und einem nicht ganz so gesetzesfürchtigen älteren bruder. dieser hängt sich an die rockschöße eines in besagtem jaguar fahrenden ganoven, überlebt aber nicht lange genug, um wirklich als gangster groß herauszukommen. mit lakonischen worten und einem ironischen unterton erinnert jim jenner an seine amerikansichen vorbilder der "harten schule" (marlowe, archer et.al.), seine körperbehinderung an den "anderen" südlondoner ex-cop und privatdetektiv, nick sharman (serienfigur von mark timlin, ebenfalls mit gehbehinderung - durch einen schuss in den fuß! jenner hat seinen fuß durch eine bombe verloren). an einer stelle wird jenner sogar von seiner auftraggeberin im aktuellen (scheidungs)fall darauf angesprochen, ob er denn zu jenen privatdetektiven gehöre, die bis zum bitteren ende weiterermitteln und die wahrheit suchen, ohne rücksicht auf geldgeber oder ausgang der geschichte. seit seinem zweiten fall (jenner sucht nach einer vermißten tochter) scheint es mit jenner bergab zu gehen, jetzt läßt er sich schon auf scheidungsfälle ein, sein helfershelfer ist ein unerträglicher maulheld, er fährt eine uralte karre und muß sich von seiner ex-frau (polizistin) einen karrieregeilen "nachfolger" (ebenfalls polizist) vorstellen lassen. bezeichnend für den grundton der geschichte ist der ort der begegnung: die bar "l´étoile", die früher einmal "the star" geheißen hat und auf den sozialen wandel in diesem viertel der millionenstadt hinweist. nicht, daß man sich im "étoile" heutzutage nicht genauso betrinken könnte wie früher im "star". der roman gerät etwas aus den fugen, so wie jenner der fall aus den händen zu gleiten droht, weil immer wieder geschichten aus den sechziger jahren den fortgang der aktuellen geschichte, die ende der neunziger spielt, zu überholen droht. und das ist der einzige schwerwiegende mangel an dieser modernen geschichte vom antihelden ohne zukunft, ohne nennenswerte vergangenheit. ansonsten ist john milnes fünftes abenteuer mit jim jenner, der bevorzugt whisky von der insel islay (nämlich bowmore!) trinkt und die gesellschaftliche stellung verschiedener figuren an ihrem schuhwerk ableitet, eine packend und schnell voranschreitende geschichte, hart, brutal, zynisch, und typisch "police procedural" der englischen schule. ein paar unglaubwürdigkeiten (muß judy ex-jenner ausgerechent jenen polizisten heiraten wollen, dessen untergebener der mann ist, der bei jenners freundin einbricht und die wohnung nach fotos durchwühlt, die jenner im banksafe hat?)kann man verzeihen, doch insgesamt eine in sich stimmige geschichte. jmd
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:47:13 mit dem Titel Manchette, Jean-Patrick "Blutprinzessin"
Ort: Frankreich / Kuba
Zeit: 1950er
Autor: Manchette, Jean-Patrick
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3923208499
Typ: Taschenbuch
Dieser posthum erschienene Roman von Jean-Patrick Manchette ist wie seine anderen Werke von einem rasanten Tempo geprägt. Schon nach drei Seiten geht das Gemetzel los. Eine missglückte Entführung, bei der sich die Verbrecher gegenseitig abknallen, bildet den Beginn der Story. Das Anfangstempo wird eine Weile beibehalten, es werden in Zeitsprüngen und Ortswechsel viele Figuren in die Geschichte eingebracht. Der Roman umfasst die Zeitspanne kurz nach dem 2. Weltkrieg bis zur Mitte der 50er Jahre und verknüpft die Handlung mit Zeitgeschichte, wie etwa den Aufstand in Ungarn oder die Algerienkrise. Der Stil ist einem Spionageroman nachempfunden, denn die Handlung ist international, die Figuren spielen ein doppeltes Spiel und viele Statisten tauchen auf. Manchette spielt mit diesem Genre, wenn er etwa den Tagesablauf der Protagonistin Ivory Pearl in ihrem einsamen Unterschlupf auf Kuba mit genauen Uhrzeitangaben verbindet, was fern jeglicher Zivilisation absolut irrelevant scheint.
In Berlin der Nachkriegszeit lernt die noch minderjährige Ivory Pearl den britischen Offizier Samuel Farakhan kennen. Sie ist als Waise mit den alliierten Truppen nach Berlin gekommen. Farakhan kümmert sich um Ivory und bringt sie in einem Internat in der Schweiz unter. Sie wird Fotoreporterin und wie schon damals in Berlin, fotografiert sie Kriegsschauplätze. Jedes Jahr am Neujahrstag treffen sich Ivory und Farakhan wieder. Dieses Mal ist Ivory völlig entnervt und Farakhan schlägt ihr vor, sich in der Einsamkeit Kubas von ihrem Job zu erholen. Dort lebt sie im Zelt und fotografiert Tiere. Sie lebt spartanisch und geht bei Bedarf in das mehrere Tagesmärsche entfernte Dorf, um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Etwas merkwürdig an der Beschreibung dieses Einsiedlerlebens ist das mobile Fotolabor, das neben der restlichen Ausstattung ziemlich absurd wirkt. Nach einer gewissen Zeit fühlt sich Ivory beobachtet und in ihrer Abwesenheit wurde ihr Zelt durchsucht. Also legt sie sich auf die Lauer. Nun beginnen die Fäden im Hintergrund deutlicher in Erscheinung zu treten. Was auch immer im Hochland in Kuba passiert, die Entscheidung darüber liegt nicht in der Hand von Ivory. Geschickt verknüpft Manchette die Geschichte um die Fotoreporterin mit politischen Intrigen und Spionagetätigkeiten.
Der Roman war ursprünglich als Zyklus geplant und Manchette wollte darin von den 50er Jahren beginnend die politische Zeitgeschichte verarbeiten. Leider konnte er sein Vorhaben nicht mehr vollenden, denn Manchette starb 1995, bevor er diesen ersten Roman des Zyklus vollenden konnte. Der Roman unterscheidet sich durch seine internationalen Schauplätze von seinen vorherigen Romanen, die ausschließlich in Frankreich spielen. Sehr gut möglich, dass sich damit Manchette einem größeren Publikum erschlossen hätte. Unverändert ist aber auch in „Blutprinzessin“ sein unverkennbarer Stil: kurz und prägnant, auf das Wesentliche reduziert.
Dem unvollendeten Roman sind nach den Arbeitsnotizen des Autors die Fortsetzung und Ausgang der Geschichte angefügt. Wer noch nie Manchette gelesen hat, sollte nicht unbedingt mit diesem unvollendeten Werk beginnen. Wer aber Manchette bereits kennt, sollte sich davon nicht abschrecken lassen, auch wenn die Notizen am Ende sehr trocken aneinander gereiht werden, wird doch zumindest das Ende erzählt. weiterlesen schließen -
Spannendes SF-Jugendabenteuer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Eine spannende Mischung aus Detektivthriller, Familiensaga und Abenteuerexpedition - so kommt der Startband einer neuen Science Fiction-Trilogie von Altmeisterin Julian May daher. Die Mischung funktioniert, doch überfordert das Buch den jugendlichen Leser in keinster Weise. Wahrscheinlich unterfordert er sogar die meisten erwachsenen Leser.
Die Autorin
Julian May genießt unter den alteingesessenen Science Fiction-Autorinnen höchstes Ansehen. Sie ist nicht nur eine ausgezeichnete Schriftstellerin, die souverän ihr Handwerk versteht, sondern hat auch eine Menge Ahnung von dem, was sie an wissenschaftlichem Hintergrund in ihre Bücher hineinpackt.
Bei uns ist ihre komplette Pliozän-Saga bei Heyne erschienen, doch in den USA hat sie weitere vier Bände um die Familie Remillard veröffentlicht, die die Hauptrolle in der Pliozän-Saga spielt: mächtige Anwender von Psi-Kräften wie Telepathie, Telekinese und Zweitem Gesicht. Diese farbige Vorzeit-Opera hat mich endgültig für die Science Fiction begeistert.
Und so überrascht es nicht, dass auch der vorliegende Roman der Auftakt zu einer Familien-Saga ist. Die Fortsetzungen heißen "Die Schulter des Orion" und "Der Sagittarius-Wirbel". Sie sollen 2002/2003 erscheinen.
Handlung
Helmut Icicle ('Eiszapfen') lebt mehr schlecht als recht als Käptn in einem idyllischen Aussteigerparadies auf einem abgelegenen Touristenplaneten am Rande der von Menschen besiedelten Galaxis. Eines Tages wendet sich jedoch sein Schicksal. Nach einer Touristen-Fahrt mit seinem Tauchboot kehrt er nach Hause zurück, nur um mit ansehen zu müssen, wie selbiges Zuhause im Schlund eines Seeungeheuers der übelriechendsten Sorte verschwindet. Helly kommt die Sache jedoch spanisch vor und findet heraus, dass das Ungeheuer eigentlich ihn selbst hatte verschlingen sollen: ein Mordanschlag. Aber warum?
Natürlich ist Käptn Helly kein hundsgewöhnlicher Zeitgenosse, sonst würde sich ja eine Geschichte über ihn kaum lohnen. In Wahrheit heißt er Asahel Frost, ist der jüngste Spross einer Konzernfamilie und obendrein noch ein Ex-Polizist. Durch eine fiese Intrige der Konkurrenz seines Konzernhauses verlor Asahel 'Helly' seine Bürgerrechte und wurde zum Ausgestoßenen.
Dank seiner Kombinationsgabe hat er bald herausgefunden, wer es auf ihn ab gesehen hatte: einer seiner Passagiere! Diesem Elgar Bronson jagt er in der schnittigen Raumjacht seines besten Freundes Mimo nach, nimmt auch Bronson gefangen - bis er sein blaues Wunder erlebt: Ein Raumschiff der Haluk-Alienrasse taucht aus dem Hyperraum auf und befreit Bronson. Auf einem Kometen ausgesetzt, kommt Helly dem Tode schon ziemlich nahe: Die radioaktive Strahlung des sich erwärmenden Haarsterns hat ihm beinahe den Garaus gemacht.
Nun ist Helly natürlich mächtig sauer. Und da er weiß, dass im seinem Konzernhaus, der Rampart Starcorp, etwas oberfaul ist, lässt er sich von seinem verknöcherten Vater Simon nur mit Generalvollmacht und bei höchster Geheimhaltung anheuern. Schon bald muss er zu seinem Leidwesen erfahren, dass das einzige seiner Geschwister, Schester Eve, verschwunden ist, wahrscheinlich entführt.
Nachdem er dem Verwaltungsrat von Rampart gehörig seine Bedingungen diktiert hat, eröffnet er die Untersuchung der mysteriösen Ereignisse, denen er und Eve auf die Spur gekommen sind: Offenbar haben die feindseligen Haluk mit der Konkurrenz Ramparts, Galapharma, gemeinsame Sache gemacht.
Auf dem Planeten Cravat, auf dem Eve verschwand, begibt sich Helly mit einigen Gefährten in den Dschungel, um dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Hier wird ein viruserzeugtes Molekül (ein 'Vektor') erzeugt, mit dem sich das Erbgut verändern lässt - und Helly schwant Übles, was die Haluk damit vorhaben.
Mein Eindruck
Gekonnt führt die Autorin den Leser in ein neues Universum ein, das der von Menschen besiedelte Gebiet am Rande der Galaxis. Vom Touristenplanet geht es zu den Kometen hinaus, dann zu der Hauptwelt des Rampart-Konzern, schließlich weiter zum ersten ernsthaften Einsatz, auf einer Dschungelwelt namens Cravat. Die Erde, die zu dieser Zeit immer noch existiert, wird wohl für die späteren Bände aufbewahrt. Sie steht im Mittelpunkt der geschilderten Wirtschaftskriege.
Während die Handlung recht konventionell ist und die Ansprüche an einen Abenteuerroman erfüllt, ist doch die Charakterbeschreibung der meisten Hauptpersonen etwas ungewöhnlich: Sie könnte von Shakespeare stammen. Helly kann man noch gut verstehen: Er ist der Prinz in der Verbannung, sein Vater der strenge, verbitterte König Lear. Eve ist die entführte Prinzessin, und des Prinzen Liebste zunächst höchst spröde, später jedoch ihm umso mehr zugetan. Der Schurke steckt voller Überraschungen, mit Helfern in den Reihen 'König Lears'. Er setzt dem edlen Prinzen bei seiner Befreiungsaktion gehörig zu. Doch es gibt auch verblendete Wissenschaftler, die es gut mit den Alien meinen und sich von diesen blenden und korrumpieren ließen, bis zur Selbstaufgabe.
Man merkt schon nach wenigen Seiten, dass in diesem Roman eine Menge Ironie steckt. Allein schon die Idee, Hellys Haus auffressen zu lassen, ist köstlich. "My home is my castle" heißt es nicht umsonst in angelsächsischen Landen, und dieses Verbrechen muss gesühnt werden. Dass Helly dabei vom Regen in die Traufe kommt, ist nicht weiter überraschend: Er ist zu unerfahren und draufgängerisch, daher braucht er die richtigen Freunde. Käptn Mimo ist der beste Freund, doch leider agiert er nicht ganz auf der legalen Seite des Gesetzes. Er ist Schmuggler und erinnert so an Humphrey Bogarts schöne Florida-Ballade "Key West". Die Ortsnamen erinnern an Lewis Carrols Nonsens-Dichtung "Jabberwocky".
Dass romantische Liebe & Sex in diesem Cocktail aus ironisch verwendeten Themen und Motiven nicht fehlen dürfen, freut sicher so manchen jugendlichen Leser. Etwas ungewöhnlich ist hingegen der Umstand, dass Helly hin und wieder einen Blackout hat und sich in seine Kindheit und Jugend zurückversetzt fühlt. Diese Rückblende kommen recht unvermittelt - so etwas habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gelesen. (Ein weiteres Indiz dafür, wie gewöhnlich und normgerecht amerikanische Science Fiction inzwischen geworden ist.)
Die Übersetzung
Die deutsche Übersetzung ist erstaunlich ansprechend. Sie schwankt zwischen literarischer Sprache und normaler deutscher Umgangssprache, so dass ie ohne weiteres verständlich ist und sich leicht lesen lässt. Das große, für Omas geeignete Schriftbild tut ein Übriges.
Unterm Strich
Ein flott und manchmal sogar amüsant zu lesendes Abenteuer für junge und jung gebliebene Science Fiction-Leser, das aber keine höheren Ansprüche stellt, es sei denn an die Kombinationsgabe angehender Detektive und Gentechniker.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Perseus Spur, 1998; Bastei-Lübbe 2001, Nr. 24294, Bergisch Gladbach; 540 Seiten, DM 16,90/8,45 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Ulf Ritgen; ISBN 3-404-24294-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-20 11:44:34 mit dem Titel Patricia McKillip: *Das Lied des Basilisken*: Poetische Fantasy
Diese Fantasy ist die wunderbar erzählte Geschichte eines Vergeltung für erlittenes Unrecht, eine Geschichte von Erlösung und Befreiung. Der Stil ist literarisch, die Bilder poetisch und komisch, der Schauplatz erinnert an die italienische Renaissance und den hohen Norden.
Dieses Buch sowie "Schatten über Ombria" wird der amerikanischen Autorin hoffentlich endlich den deutschen Durchbruch als eine der bedeutendsten Fantasyautorinnen bescheren.
Handlung
°°°°°°°°
Der Roman beginnt mit einem echten Schocker. Ich zitiere den Verlag: "Schwarzer Rauch steht über dem zerstörten Schloß des Hauses Tourmalyne. Die Leibgarde liegt hingemetzelt vor der Tür zum Großen Saal. Ein Anblick der Verwüstung. Da regt sich etwas in der Asche des geborstenen Kamins - ein Kind. Die Männer, die es finden, nehmen es in ihre Obhut. Sie nennen es Rook, den Raben, wegen seiner ungewöhnlichen schwarzen Augen." Rook hat alle Erinnerung an den Überfall verloren, bei dem seine Familie ausgelöscht und sein Besitz zerstört wurden. Erst als er ein bestimmtes Musikinstrument spielt, kommt die Erinnerung wieder, daran und an den feurigen, starren Blick des Basilisken.
Vier Jahrhunderte lang herrschte das Haus Tournalyne über die mauernumringte Stadt Berylon, bis das rivalisierende Haus Pellior, das von einem Fürsten, den man nach seinem Wappentier den "Basilisken" nannte, sich erhob und die drei anderen Häuser angriff, um die Stadt zu übernehmen. Als einziger Nachkomme der Tourmalynes überlebt Rook das Massaker an seiner Familie. Damit der Angreifer mit den magischen Kräften ihn nicht findet, verwandelt er alle seine Gedanken zu Asche, denn in Asche hat er sich versteckt.
Nach seiner Rettung nennt er sich Caladrius, nach jenem Vogel, der am Sterbebett eines Königs singt. Er wird zur Insel Luly gebracht, einer entfernten Bardenschule in den Ländern des Nordens, am Rand der Welt. Dort verbringt er 37 Jahre, und mit der schönen Sirina hat er einen Sohn, Hollis.
Rook lernt auf der Bardeninsel die Magie der Musik: Eine bestimmte Tonfolge gespielt auf einer bestimmten Flöte läßt das Getreide wachsen, eine andere vermag Wunden zu heilen. Und eine unscheinbare Knochenflöte bringt, wenn sie gespielt wird, den Tod. Die Harfe meidet er, denn sie bringt Erinnerungen zurück. Doch ohne Harfe kann er kein Barde werden, nur Lehrer.
Doch als ein Abkömmling der Tourmalyne nach Luly kommt, um die unterstellte Mgie eines Barden zu erlangen, wird in Caladrius' Mauer des Vergessens eine Bresche geschlagen. Als er in die Wildnis reist, träumt er von Feuer, erinnert sich an seine geheime Identität: Er sieht wieder, wie die Schlächter des Basilisken den Palast seines Vaters überfallen, wie sie Feuer legen und die Schätze plündern. Sein Entschluß steht fest: Er wird den machtgeilen Fürsten mit dem Basilisken im Wappen töten, er wird seine Eltern rächen, er wird die stumme Flöte ihr Todeslied singen lassen.
(Die Darstellung dieses Entschlusses erfolgt sehr poetisch: die Vision eines mythischen Untiers, das wie ein Drache aussieht und zu Caldrius sagt, es werde stets bei ihm sein, besonders dann, wenn er die Feuerbeinflöte spielt.)
Seine Geschichte wird abwechselnd mit der Giulias und ihres Freundes Justin erzählt. Die beiden leben in Berylon, gehören aber der Seite der im Grunde arbeitenden Rebellen an. Giulia unterrichtet an der übrig gebliebenen Musikschule der Tourmalyne und bereitet bei Hofe die Geburtagsoper des Fürsten vor.
Bei Hofe geht es zu wie während der italienischen Renaissance, mit allen Gefahren, die dort für Ruf, Leib und Leben besteht. Der Basilisk ist kein gnädiger Tyrann, und seine Tochter Luna beherrscht die Schliche von Magie und Gift ebenso gut wie er. Ihr Spion Brio kommt Caladrius schließlich auf die Schliche.
Als Caladrius in Berylon eintrifft, folgt ihm Hollis, der sich dem Untergrund anschließt. Caladrius wird Bibliothekar bei Hofe. Doch verliebt sich die egozentrische Tochter des Fürsten in ihn: Nur für ihn will sie in der Oper singen. Diese Szenen sind die komischsten des ganzen Buches. Denn natürlich kann Damiet und wählt Musik nach der Farbe ihrer Kleider aus ("das malvenfarbene Lied").
Als er von einer befreundeten Adligen einer Feuerbeinflöte erhält, hat Caladrius alles, um bei der Aufführung der ebenso lächerlichen wie verhängnisvollen Oper seinen Anschlag auszuführen. Doch er hat weder mit den Rebellen, noch mit Brio und seinem Sohn gerechnet. Es kommt alles ganz anders als geplant.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°
Obwohl diese Geschichte wie so oft bei McKillip eine Geschichte von Vergeltung ist, geht es doch im wesentlichen nicht darum, sondern um Liebe, Verwandlung und Macht. Diese Macht ist die Kraft von Erinnerung, Hass, Vergebung, der Familie, der eigenen Identität und immer wieder die Kraft der Musik. Dies deutet ja bereits der Titel an.
Das Leitmotiv
Musik ist das zentrale Leitmotiv der Geschichte: die mystische Musik der Barden von Luly, die Musik des Meeres und der übrigen Welt, die wilde Musik der Hinterland-Wildnis, die wohlgeordnete, höfische Musik der Magister von Berylon. Nur der Basilisk und seine Tochter machen keine Musik: Sie ordnen sie an.
Musik versetzt Caladrius in die Lage, seine Vergangenheit zu vergessen und weckt dann wieder seine Erinnerung. Sie ist die Form der Rache, die er wählt (die Knochenflöte). Musik ist die reinste Form des Gefühlsausdrucks: Im ganzen Buch drücken die Figuren ihren Kummer, ihre Sehnsucht, ihre unerwiderte Liebe durch das bäuerliche Saiteninstrument des Picochets aus, das als Instrument der wilden Hinterlande mit den Kräften der Erde verbunden ist - sehr unhöfisch. Als die dämliche Damiet es spielt, erregt sie damit erheblichen Anstoß.
Caladrius' Reise im Namen von Vergeltung und Erlösung ist - obwohl er es nicht weiß - auch eine Queste, um endlich jener Barde zu werden, zu dem er bestimmt war: Er muss lediglich die seelische Kraft freisetzen, die durch bitteren Verlust und die Furcht vor dem Basilisken weggesperrt worden war.
Der Erzählstil
Gleich auf den ersten Seiten fällt dem Leser der bemerkenswerte Erzählstil auf, den die Autorin einsetzt. Sie erzielt damit ganz bestimmte Wirkungen. Diese Prosa singt, als wäre sie Poesie - oder Musik. Die Vergleiche sind keine Vergleiche mehr, sondern Gleichsetzungen: Metaphern. Caladrius ist nicht wie ein Vogel, sondern ist dies. Sein Rachedurst ist nicht wie ein wildes Tier, es ist wahrhaftig ein Monster. Seine Erinnerungen sind in Raben verkörpert, sein Kummer in Asche. Nur in diesen Metaphern wird uns sein Innenleben enthüllt - dies gilt in gleichem Maße für viele weitere Figuren, aber für ihn am häufigsten und intensivsten.
Diese intensive Wortmusik kann mehr als einmal übertrieben wirken und lässt viel an Zwischentönen anklingen. Sie beschreibt weniger, sondern evoziert mehr. Da dies viel Platz für Deutung lässt, kann bzw. sollte man eine komplexe Szene durchaus mehrmals lesen, so etwa, als Caladrius schließlich auf den Spion Brio stößt. Der Dialog der beiden ist auf den ersten Blick mehr als seltsam, denn Logik spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Lücken und Sprünge zeigen sich, die der Leser auszufüllen hat.
Anders als im realistischen psychologischen Roman werden die Ereignisse außerhalb der Figuren erzählt, doch besonders Naturmotive machen deren Innenleben deutlich. (Und natürlich Musik.) Dieser etwas distanziert erscheindende Stil fiel mir immer wieder auf. Manche Szenen mit den Rebellen lassen sich wie Filmszenen betrachten. Andere Szenen wiederum eröffnen einen kurzen Blick auf das Gefühlsleben, dass es einem das Herz umdreht. Andere wiederum veranlassen einen zum Loslachen, besonders Szenen mit der gräßlichen Damiet, die ihre Lehrerin Giulia zur Verzweiflung treibt.
Zwei Bedeutungsschichten
Der Eindruck könnte entstehen, als sei "Lied für den Basilisken" anstrengende Lektüre. Das Gegenteil ist der Fall. Die lebhafte Schönheit der Beschreibungen, die ungewöhnliche Poesie in den Handlungen der detailliert charakterisierten Figuren und ihren Szenen, die Spannung, die im Anschlag auf das Leben des Fürsten liegt - all dies verleitet zu einer geradezu gierigen, angespannten Leseweise, als könnte man sich an dieser Geschichte betrinken: die Freude am Märchen.
Ich nenne dies die obere Schicht des Buches, die leicht zugängliche Schicht. Darunter liegt, wie bereits angedeutet, eine weitere Schicht: ein dichtes Geflecht von Symbolen, Leitmotiven und Querverweisen. Ein einfaches Beispiel ist die Szene, in der der Spion Brio den Magister Caladrius verfolgt, dann aber plötzlich von Raben angegriffen wird und verschwinden muss. Beide Figuren zeigen sich nicht als das, was sie in Wahrheit sind. Auch die Raben sind, wie wir nun wissen, nicht einfach nur Raben - sie sind Caladrius' Symbole für die Erinnerung an das gestürzte Haus Tourmalyne und Vorboten seiner Rache. Wie mag er sie wohl herbeigerufen haben? Natürlich mit einer magischen Flöte.
Die Fantasy von McKillip hat also durchaus literarische Qualitäten. Es würde sich lohnen, sie näher unter die Lupe zu nehmen, denn es gibt vieles darin zu entdecken, das den Entdecker bereichert.
Die Autorin
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Die 1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie ist noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Schatten über Ombria" (Klett-Cotta) als neuestes Buch auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Song for the basilisk, 1998; Klett-Cotta 2001, Stuttgart; 318 Seiten, 20,00 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93221-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-29 13:02:49 mit dem Titel Patricia McKillip: *Schatten über Ombria*: Sprachgewaltiger Fantasyroman
Der König ist tot, lang lebe der König - doch wie lange noch? Unter dem wachsenden Schatten der zaubermächtigen Regentin muss der junge Thronerbe überleben, oder die Stadt wird untergehen. Die Freunde, die Kyel lieben, beschließen ihn unter Lebensgefahr zu retten, doch sie haben nicht mit der Macht der Regentin gerechnet.
Die Autorin Patricia McKillip zählt mittlerweile zu den wichtigsten Fantasyautorinnen der Gegenwart, sie wird bereits auf eine Stufe mit Ursula K. Le Guin (Erdsee-Zyklus) gestellt.
Handlung
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Die Handlung hat keine Hauptfigur, mit der sich der Leser identifizieren könnte - das ist eines der Mankos dieses Buches. In "Das Lied des Basilisken" gab es einen Musiker, dessen Kunst zugleich Magie war, und wir folgten seinem Werdegang und schlussendlichen Erfolg. In "Schatten über Ombria" entwickeln sich mehrere Figuren, und wir sind gezwungen, uns ihre Erlebnisse und ihr Zusammenspiel einzuprägen. Aber auch die Stadt Ombria selbst spielt eine eminent wichtige Rolle. Die Handlung erstreckt sich über mehrere Monate.
Da alle positiven wie negativen Wechselwirkungen in diesem Buch auf gegensätzlichen Paaren aufgebaut sind, versuche ich die Figuren in zwei Lager einzuordnen.
Die Geschichte beginnt zünftig mit einer Verstoßung aus dem Stand der Unschuld und des Wohlbefindens: Lydea, die Tochter eines Schankwirts, war jahrelang die geliebte Konkubine des nun sterbenden Fürsten von Ombria, Royce. Noch während während Royce Greve auf dem Sterbelager liegt, verstößt die boshafte neue Regentin Domina Perle, genannt die Schwarze Perle, Lydea aus dem Palast. Man sagt, die Regentin wisse mit Gift und schwarzer Magie umzugehen...
Lydea muss in ihrer schönen Kleidung, in ihren teuren Schuhen durch die verkommenen Gassen des düsteren Hafenviertels außerhalb des Palastes fliehen. Nur weil ihr jemand hilft, sich zu verstecken, entkommt sie Banditen und Dieben, um sich schließlich bei ihrem Vater als Scheuermagd und Schankmädchen zu verdingen. So schnell kann's gehen.
Doch geholfen wurde ihr von einem ganz besonderen Mädchen: Mag ist der "Wachsling", das möglicherweise aus Wachs geformte Dienstmädchen, einer weiteren mächtigen Zauberin, Faey. Doch Faey ist wie Domina Perle keineswegs menschlich. Die heilkundige Hexe scheint in einer anderen Dimension Ombrias zu leben, zumindest in der Unterstadt. Hier gibt es Geister, viele Schatten und nutzbare Magie. Faey lässt sich die Nutzung ihrer Magie gut bezahlen. Und so kommt es, dass sie eines Tages einen Auftrag Domina Perles annimmt: Sie soll den unerwünschten Neffen des mittlerweile verstorbenen Fürsten vergiften. Sie muss sich also in die Staatsangelegenheiten einmischen.
Dieser Neffe, Ducon, ist ein Bastard, der wie ein Albino aussieht und offenbar, wie Mag, die Fähigkeit besitzt, beide Seiten Ombrias zu sehen: die des Lichts und die der Schatten, die des Palasts und die der Unterstadt, wo die Geister leben (darunter auch sein verstorbener Vater). Ursprünglich als Erzieher des Nachfolgers des Fürsten, des neunjährigen Kyel Greve angestellt, streunt Ducon Greve zunehmend durch die Gassen und Schänken des düsteren Hafenviertels, um den Zugang zu Unterstadt zu finden. Dabei zeichnet er unablässig, was er sieht. Diese Zeichenkohle ist es, die Faey vergiftet. Ducon gerät ins Delirium, bis er schließlich zusammenbricht und in die Unterstadt stürzt.
Es ist nur Mag zu verdanken, dass Ducon nicht getötet wird. Denn sie hat inzwischen von ihrer Freundin Lydea erfahren, dass Ducon die letzte Hoffnung Ombrias auf Rettung ist, denn die Hexe im Palast will Kyel Greve ebenso töten wie Ducon, um danach Alleinherrscherin (und Piratin) zu sein.
Nun kann Mag, die an Tochterstelle adoptierte Dienstmagd, Faey (die eigentlich unparteiisch bleiben will) davon abhalten, Ducon zu töten. Vielmehr beschließen Mag, Lydea und Ducon, unter Lebensgefahr in den Palast zurückzukehren, um den kleinen Kyel Greve zu retten und die Regentin zu stürzen. (Man sieht, sie alle haben sich mittlerweile gewaltig verändert.) Von der mächtigen Zauberin maskiert, wagen sie es, direkt unter der Nase der Schwarzen Perle gegen sie zu intrigieren und Kyel Mut zu machen.
Das kann natürlich nicht lange gutgehen. Als Mag der Regentin in die Hände fällt, muss Faey reagieren. Ihr Gegenangriff erschüttert die Grundmauern des Palastes und verändert die gespaltene Stadt für immer. Was mit einer Verstoßung begann, endet mit einer Wiedergeburt.
Mein Eindruck
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Drei Symbole
McKillip ist viel zu sehr Künstlerin, um es für nötig zu halten, irgendetwas davon lgisch zu erklären. Stattdessen beobachtet sie lediglich, dringt dabei aber in eine Tiefe vor, die anderen AutorInnen des Fantasy-Genres verwehrt zu sein scheint (eine Ausnahme gibt: Ursula K. Le Guin). Das bedeutet, dass sich der junge oder erwachsene Leser seinen eigenen Reim auf die Gründe des Geschehens machen muss. Hier spielt Logik des Verstandes keine Rolle, sondern vielmehr ein Ursache-Wirkung-Prinzip, das auf der Wechselwirkung von Emotionen beruht.
Wie schon angedeutet, spielen Dualismen eine große Rolle. Die zentralen Metaphern dafür sind der Spiegel, das Zeichnen und Passagen.
A) Spiegel
Wie mit Monitoren überwacht Domina ("die Herrin") Perle mit Hilfe zahlreicher Zauberspiegel ihr Herrschaftsgebiet. Statt Schönheit zu reflektieren, dienen ihre Spiegel nur ihrer Machtausübung. Domina und die Spiegel sind Teil des Schattens, der über Ombria liegt. Doch ihr Blick reicht nicht bis in die Unterstadt der Geister, wo die Zauberin Faey herrscht und Mag sich versteckt. Hier, im Zwielicht der Geister und der Magie, erwächst eine Gegenkraft zu Dominas Herrschaft. (McKillip beschreibt Ombria, als handelte es sich um eine menschliche Figur, mit allen Schichten und Aspekten.)
B) Zeichnungen
Ducons Zeichnungen sind eine weitere wichtige Metapher. Wie der Fotograf in Antonionis "Blow-up" ist er besessen vom Gesehenen, denn sein Blick dringt tiefer als das Auge gewöhnlicher Menschen. Ducon gelingt der Durchbruch zur Geisterdimension. Schließlich sind seine Zeichnungen nicht mehr tot, sondern können auf magische Weise - im Zwischenreich des Möglichen - das Gezeichnete zum Leben erwecken, so etwa seinen Vater. Dieser ist eine Verbindung mit der Vergangenheit, die Ombria einen weiteren Aspekt hinzufügt: Die Stadt entwickelt sich in wiederkehrenden Zyklen, die Untergang und Wiedergeburt durchlaufen. Das Herrschergeschlecht Greve pflanzt sich daher nicht linear und ungebrochen fort, sondern weitverzweigt in obskuren Verästelungen: Ducon ist eine davon, doch die vielversprechendste.
C) Passagen
Durchgänge sind das dritte zentrale Symbol. Neben dem Durchbruch zur Unterstadt sind hier vor allem Lydeas Verstoßung aus der Palasttür aufzuführen und die unzähligen Geheimtüren im ausgedehnten Palast. Wie in einem italienischen Renaissancepalast gehen Diener und Intriganten durch unsichtbare Tapetentüren ein und aus, um ihre Herrschaft oder ihre Mitverschwörer zu treffen. Es handelt sich um einen Palast im Palast, eine Schachtel in einer größeren Schachtel und so weiter. Das erinnerte mich an Mervyn Peakes Schloss Gormenghast.
Nach Royces Tod machen sich auch die Ex-Minister und Ducons Vettern Hoffnungen auf den Thron, doch zuvor muss der junge Erbe sterben. Daher spielt Ducon (und später Lydea und Mag) ein riskantes Doppelspiel mit Kyles Gegnern: Prompt werden Attentate auf ihn verübt.
Kurz vor Schluss führt eine Tür in das verhängnisvolle Schlafzimmer der Schwarzen Perle. In diesem Zentrum der Schwarzen Magie erwartet die angekettete Mag und und Ducon Greve ihr Schicksal.
Dieser Raum hat sein Gegenstück in Faeys Haus. Hier wird betäubender Tee serviert und Gift gebraut, Geister sprechen, und magische Amulette finden sich in seinen Winkeln. Es es wichtig, daran zu denken, dass die Bewohnerin dieses Hauses kein Mensch ist, sondern ein Wesen, das älter ist als Ombria selbst. Wir erfahren nicht, was Faey ist, genau wie so vieles andere der Erforschung durch die Vorstellungskraft überlassen bleibt.
Dass diese dualen Konflikte sich am Schluss nicht alle in Wohlgefallen auflösen, dürfte einleuchten. Der Sieg des Guten ist wieder einmal bittersüß und überschattet von Opfern.
Die Sprache
Der Ton dieser Handlung und für diese Art von zwielichtiger Welt ist nicht der von Allerwelts-Fantasy à la Raymond Feist oder Robert Jordan (obwohl die auch ihre Qualitäten haben). Die Sprache nähert sich vielmehr dem Gothic Horror eines Edgar Allan Poe an, nur dass dessen Melodramatik fehlt. Wer "The Cask of Amontillado" oder "Morella" und "Ligeia" gelesen hat, weiß, wovon ich rede.
McKillips Prosa ist an Poesie geschult und führt so zuweilen zu ungewöhnlichen Fügungen, um eine Empfindung oder eine Figur zu beschreiben. Sie ermöglicht sogar leise Ironie. Dies ist keine anspruchslose Sprache, wie man sich denken kann. Tatsächlich konnte ich daher immer nur wenige Kapitel (alle sind zwischen 9 und 12 Seiten lang) auf einmal lesen. Ich brauchte zwei Monate für das 300-Seiten-Buch.
Die Sprache lebt in der deutschen Fassung natürlich von den Qualitäten des Übersetzers. Hans J. Schütz hat Tad Williams, H.P. Lovecraft und Peter S. Beagle übersetzt (neben vielen anderen). Er macht seine Sache sehr gut. Nur an manchen Stellen erschienen mir seine Fügungen und Wortwahl als zu gestelzt, zu geschraubt und mitunter antiquiert, aber das trifft wohl auch auf McKillips Sprache zu. Genervt haben mich lediglich seine vielen Tippfehler. Offenbar spart Klett-Cotta nun auch am Korrektor, um den Preis niedrig halten zu können: Dieses Buch kostet 2 Euro weniger als das bessere "Lied des Basilisken".
Die Autorin
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Die am 29.2.1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie sind noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Das Lied des Basilisken" (Klett-Cotta) auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Unterm Strich
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Für diesen Fantasyroman mit Gothic-Horror-Elementen sollte man sich Zeit nehmen und ihn notfalls zweimal lesen. McKillip gelingt es, aus einer bedrückenden Atmosphäre heraus Gefühle der Hoffnung entstehen zu lassen, die zu Aktionen werden. Die Geschichte Ombrias ist eine zyklische Geschichte von Verstoßung, ständiger Bedrohung und Wiedergeburt. Die (anspruchsvolle) Sprache ist der Magie der Handlung ebenbürtig, ermöglicht sie im Grunde erst. Doch dass der Handlung eine Hauptfigur fehlt und sie auf drei bis fünf Figuren verteilt ist, macht es nicht einfach, ihr zu folgen. Auch auf die Druckfehler hätte ich verzichten können.
Das Buch eignet sich für Freunde guter phantasievoller Geschichten ab etwa 14 Jahren, die durchaus mal auf Action verzichten können.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Ombria in shadow, 2002; Klett-Cotta 3/2002, Stuttgart; 298 Seiten, EU 18,00, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93201-1
Mehr Info: www.klett-cotta.de/hobbitpresse (ohne Gewähr)
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-04 12:00:57 mit dem Titel Patricia McKillip: *Das Lied des Basilisken*: Ein Lied von Rache und Erlösung
Diese Fantasy ist die wunderbar erzählte Geschichte eines Vergeltung für erlittenes Unrecht, eine Geschichte von Erlösung und Befreiung. Der Stil ist literarisch, die Bilder poetisch und komisch, der Schauplatz erinnert an die italienische Renaissance und den hohen Norden.
Dieses Buch sowie "Schatten über Ombria" wird der amerikanischen Autorin hoffentlich endlich den deutschen Durchbruch als eine der bedeutendsten Fantasyautorinnen bescheren.
Handlung
Der Roman beginnt mit einem echten Schocker. Ich zitiere den Verlag: "Schwarzer Rauch steht über dem zerstörten Schloß des Hauses Tourmalyne. Die Leibgarde liegt hingemetzelt vor der Tür zum Großen Saal. Ein Anblick der Verwüstung. Da regt sich etwas in der Asche des geborstenen Kamins - ein Kind. Die Männer, die es finden, nehmen es in ihre Obhut. Sie nennen es Rook, den Raben, wegen seiner ungewöhnlichen schwarzen Augen." Rook hat alle Erinnerung an den Überfall verloren, bei dem seine Familie ausgelöscht und sein Besitz zerstört wurden. Erst als er ein bestimmtes Musikinstrument spielt, kommt die Erinnerung wieder, daran und an den feurigen, starren Blick des Basilisken.
Vier Jahrhunderte lang herrschte das Haus Tournalyne über die mauernumringte Stadt Berylon, bis das rivalisierende Haus Pellior, das von einem Fürsten, den man nach seinem Wappentier den "Basilisken" nannte, sich erhob und die drei anderen Häuser angriff, um die Stadt zu übernehmen. Als einziger Nachkomme der Tourmalynes überlebt Rook das Massaker an seiner Familie. Damit der Angreifer mit den magischen Kräften ihn nicht findet, verwandelt er alle seine Gedanken zu Asche, denn in Asche hat er sich versteckt.
Nach seiner Rettung nennt er sich Caladrius, nach jenem Vogel, der am Sterbebett eines Königs singt. Er wird zur Insel Luly gebracht, einer entfernten Bardenschule in den Ländern des Nordens, am Rand der Welt. Dort verbringt er 37 Jahre, und mit der schönen Sirina hat er einen Sohn, Hollis.
Rook lernt auf der Bardeninsel die Magie der Musik: Eine bestimmte Tonfolge, gespielt auf einer bestimmten Flöte, läßt das Getreide wachsen, eine andere vermag Wunden zu heilen. Und eine unscheinbare Knochenflöte bringt, wenn sie gespielt wird, den Tod. Die Harfe meidet er, denn sie bringt Erinnerungen zurück. Doch ohne Harfe kann er kein Barde werden, nur Lehrer.
Als ein Abkömmling der Tourmalyne nach Luly kommt, um die unterstellte Mgie eines Barden zu erlangen, wird in Caladrius' Mauer des Vergessens eine Bresche geschlagen. Als er in die Wildnis reist, träumt er von Feuer, erinnert sich an seine geheime Identität: Er sieht wieder, wie die Schlächter des Basilisken den Palast seines Vaters überfallen, wie sie Feuer legen und die Schätze plündern. Sein Entschluß steht fest: Er wird den machtgeilen Fürsten mit dem Basilisken im Wappen töten, er wird seine Eltern rächen, er wird die stumme Flöte ihr Todeslied singen lassen.
(Die Darstellung dieses Entschlusses erfolgt sehr poetisch: die Vision eines mythischen Untiers, das wie ein Drache aussieht und zu Caldrius sagt, es werde stets bei ihm sein, besonders dann, wenn er die Feuerbeinflöte spielt.)
Seine Geschichte wird abwechselnd mit der Giulias und ihres Freundes Justin erzählt. Die beiden leben in Berylon, gehören aber der Seite der im Untergrund wirkenden Rebellen an. Giulia unterrichtet an der übrig gebliebenen Musikschule der Tourmalyne und bereitet bei Hofe die Geburtagsoper des Fürsten vor.
Bei Hofe geht es zu wie während der italienischen Renaissance, mit allen Gefahren, die dort für Ruf, Leib und Leben besteht. Der "Basilisk" ist kein gnädiger Tyrann, und seine Tochter Luna beherrscht die Schliche von Magie und Gift ebenso gut wie er. Ihr Spion Brio kommt Caladrius schließlich auf die Schliche.
Als Caladrius in Berylon eintrifft, folgt ihm Hollis, der sich den Rebellen anschließt. Caladrius wird Bibliothekar bei Hofe. Dort verliebt sich die egozentrische Tochter des Fürsten in ihn: Nur für ihn will sie in der Oper singen. Diese Szenen sind die komischsten des ganzen Buches. Denn natürlich kann Damiet nicht singen und wählt Musik vielmehr nach der Farbe ihrer Kleider aus ("das malvenfarbene Lied").
Als er von einer befreundeten Adligen eine Feuerbeinflöte erhält, hat Caladrius alles, um bei der Aufführung der ebenso lächerlichen wie verhängnisvollen Oper seinen Anschlag auszuführen. Doch er hat weder mit den Rebellen, noch mit Brio und seinem Sohn gerechnet. Es kommt alles ganz anders als geplant.
Mein Eindruck
Obwohl diese Geschichte wie so oft bei McKillip eine Geschichte von Vergeltung ist, geht es doch im wesentlichen nicht darum, sondern um Liebe, Verwandlung und Macht. Diese Macht ist die Kraft von Erinnerung, Hass, Vergebung, der Familie, der eigenen Identität und immer wieder die Kraft der Musik. Dies deutet ja bereits der Titel an.
Das Leitmotiv
Musik ist das zentrale Leitmotiv der Geschichte: die mystische Musik der Barden von Luly, die Musik des Meeres und der übrigen Welt, die wilde Musik der Hinterland-Wildnis, die wohlgeordnete, höfische Musik der Magister von Berylon. Nur der Basilisk und seine Tochter machen keine Musik: Sie ordnen sie an.
Musik versetzt Caladrius in die Lage, seine Vergangenheit zu vergessen und weckt dann wieder seine Erinnerung. Sie ist die Form der Rache, die er wählt (die Knochenflöte). Musik ist die reinste Form des Gefühlsausdrucks: Im ganzen Buch drücken die Figuren ihren Kummer, ihre Sehnsucht, ihre unerwiderte Liebe durch das bäuerliche Saiteninstrument des Picochets aus, das als Instrument der wilden Hinterlande mit den Kräften der Erde verbunden ist - sehr unhöfisch. Als die dämliche Damiet es spielt, erregt sie damit erheblichen Anstoß.
Caladrius' Reise im Namen von Vergeltung und Erlösung ist - obwohl er es nicht weiß - auch eine Queste, um endlich jener Barde zu werden, zu dem er bestimmt war: Er muss lediglich die seelische Kraft freisetzen, die durch bitteren Verlust und die Furcht vor dem Basilisken weggesperrt worden war.
Der Erzählstil
Gleich auf den ersten Seiten fällt dem Leser der bemerkenswerte Erzählstil auf, den die Autorin einsetzt. Sie erzielt damit ganz bestimmte Wirkungen. Diese Prosa singt, als wäre sie Poesie - oder Musik. Die Vergleiche sind keine Vergleiche mehr, sondern Gleichsetzungen: Metaphern. Caladrius ist nicht wie ein Vogel, sondern ist dies. Sein Rachedurst ist nicht wie ein wildes Tier, es ist wahrhaftig ein Monster. Seine Erinnerungen sind in Raben verkörpert, sein Kummer in Asche. Nur in diesen Metaphern wird uns sein Innenleben enthüllt - dies gilt in gleichem Maße für viele weitere Figuren, aber für ihn am häufigsten und intensivsten.
Diese intensive Wortmusik kann mehr als einmal übertrieben wirken und lässt viel an Zwischentönen anklingen. Sie beschreibt weniger, sondern evoziert vielmehr. Da dies viel Platz für Deutung lässt, kann bzw. sollte man eine komplexe Szene durchaus mehrmals lesen, so etwa, als Caladrius schließlich auf den Spion Brio stößt. Der Dialog der beiden ist auf den ersten Blick mehr als seltsam, denn Logik spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Lücken und Sprünge zeigen sich, die der Leser auszufüllen hat.
Anders als im realistischen psychologischen Roman werden die Ereignisse außerhalb der Figuren erzählt, doch besonders Naturmotive machen deren Innenleben deutlich. (Und natürlich Musik.) Dieser etwas distanziert erscheinende Stil fiel mir immer wieder auf. Manche Szenen mit den Rebellen lassen sich wie Filmszenen betrachten (z.B. wie "Wem die Stunde schlägt"). Andere Szenen wiederum eröffnen einen kurzen Blick auf das Gefühlsleben, dass es einem das Herz umdreht. Andere wiederum veranlassen einen zum Loslachen, besonders Szenen mit der gräßlichen Damiet, die ihre Lehrerin Giulia zur Verzweiflung treibt.
Zwei Bedeutungsschichten
Der Eindruck könnte entstehen, als sei "Lied für den Basilisken" anstrengende Lektüre. Das Gegenteil ist der Fall. Die lebhafte Schönheit der Beschreibungen, die ungewöhnliche Poesie in den Handlungen der detailliert charakterisierten Figuren und ihren Szenen, die Spannung, die im Anschlag auf das Leben des Fürsten liegt - all dies verleitet zu einer geradezu gierigen, angespannten Leseweise, als könnte man sich an dieser Geschichte betrinken: die Freude am Märchen.
Ich nenne dies die obere Schicht des Buches, die leicht zugängliche Schicht. Darunter liegt, wie bereits angedeutet, eine weitere Schicht: ein dichtes Geflecht von Symbolen, Leitmotiven und Querverweisen. Ein einfaches Beispiel ist die Szene, in der der Spion Brio den Magister Caladrius verfolgt, dann aber plötzlich von Raben angegriffen wird und verschwinden muss. Beide Figuren zeigen sich nicht als das, was sie in Wahrheit sind. Auch die Raben sind, wie wir nun wissen, nicht einfach nur Raben - sie sind Caladrius' Symbole für die Erinnerung an das gestürzte Haus Tourmalyne und Vorboten seiner Rache. Wie mag er sie wohl herbeigerufen haben? Natürlich mit einer magischen Flöte.
Die Fantasy von McKillip hat also durchaus literarische Qualitäten. Es würde sich lohnen, sie näher unter die Lupe zu nehmen, denn es gibt vieles darin zu entdecken, das den Entdecker bereichert.
Unterm Strich
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Eine Fantasy abseits der Trampelpfade von Tolkien- und Pratchett-Epigonen, weit weg von Serienkost. Man muss sich dafür ein wenig Zeit nehmen, aber die Mühe lohnt sich. Am ehesten ist McKillip mit dem (hierzulande völlig unbekannten) Kanadier Charles de Lint ("Grünmantel") zu vergleichen.
Die Autorin
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Die am 29.2.1948, einem Schaltjahr, geborene Patricia McKillip hat 1975 den World Fantasy Award für ihren wundervollen Roman "Die vergessenen Tiere von Eld" (dt. bei Heyne) erhalten, 1980 den Locus Award für "Der Harfner im Wind" (Band 3 der Erdzauber-Trilogie).
Neben der Erdzauber-Trilogie ist noch "Die Königin der Träume" (Heyne), "Winterrose" und "Schatten über Ombria" (Klett-Cotta) als neuestes Buch auf deutsch erschienen. Bei Bastei-Lübbe erschienen zwei schmale Romane, die Duologie "Das Herz des Schwans": "Die Zauberin und der Schwan" (1991; Nr. 20282) sowie "Der Prinz und der Feuervogel" (1993; Nr. 20294).
McKillip lebt in Roxbury im US-Bundesstaat New York.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Song for the basilisk, 1998; Klett-Cotta 2001, Stuttgart; 318 Seiten, 20,00 EU, aus dem US-Englischen übertragen von Hans J. Schütz; ISBN 3-608-93221-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-12 10:19:42 mit dem Titel Henry Miller: *Stille Tage in Clichy*: Schräge Abenteuer
Dieser Klassiker der erotischen Literatur ist zugleich ein idealer, kurzweiliger Einstieg in Millers Werk. "Clichy" entstand 1940 und wurde 1956 überarbeitet.
Doch die erotischen Abenteuer, die Millers 'alter ego' Joey erzählt, ereignen sich vor dem Hintergrund des Paris der dreißiger Jahre. Ein Abstecher in das deutschsprachige und –gesinnte Luxemburg vermittelt einen Einblick in den aufkommenden Antisemitismus jenseits der französischen Grenzen.
Handlung
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Ein durchgehender Handlungsfaden ist in diesem nur 130 Seiten langen Text nicht zu finden, vielmehr wird die Form durch Episoden bestimmt. Derer gibt es etliche, und praktisch drehen sich um Frauen beziehungsweise Mädchen.
Der Schriftsteller Joey lebt schon etwa ein halbes Dutzend Jahre in der Seine-Metropole. Mit seinem Freund Carl, der ebenfalls schreibt, aber angestellt ist, teilt er sich eine bescheidene Wohnung außerhalb der Stadtmauern von Paris, hinter dem Montmartre, sowie eine stets leere Speisekammer (Kühlschränke waren noch nicht erfunden). Die Ebbe im Portemonnaie ist ein Dauerzustand bei Joey, aber das hindert ihn nicht daran, einer der hübschen Huren am Montmarte sein letztes Geld zu schenken – er hat eben ein goldenes Herz, der Gute!
Das zeigt sich besonderes, als er Mara kennenlernt. Sie ist "sein Typ", wie Carl sagt, und erinnert ihn an eine verflossene Geliebte, Christine. Mara ist keineswegs aufdringlich, obwohl sie eine Professionelle ist, vielmehr scheint sie eher viel zu ehrlich und bescheiden für ihren Beruf zu sein, erkennt Joey. Miller porträtiert die Figur der Mara auf eindringliche Weise, was schließlich in der schmerzlichen Trennung Joeys von ihr deutlich wird.
Wesentlich lustiger und verrückter geht es im ersten Teil des Kurzromans zu. Da ist etwa die somnambule Tagträumerin, die sich für die Indianerprinzessin Pocahontas hält. Oder die zwei Mädchen, die zu Joey in die Badewanne steigen, um dort Rot- und Weißwein zu trinken. Leider kann es sich der besoffene Joey nicht verkneifen, seine Blase zu entleeren. Das hingegen finden die beiden Mädchen "unethisch" und verabschieden sich unter wütendem Protest – vor allem aber wohl wegen der leeren Taschen von Joey und Carl.
Natürlich hat die freie Liebe in Paris auch ihre Risiken. So fängt sich Carl mehrmals den Tripper ein, liefert sich einmal sogar mit Verdacht auf Syphilis ins Krankenhaus ein. Noch gefährlicher als Infektionen sind jedoch die Tücken des Gesetzes, das es Männern verbietet, sich mit Minderjährigen einzulassen. Der leichtsinnige Carl kommt deshalb beinahe ins Gefängnis. Und nur der respekt der Franzosen vor Dichtern und Philosophen rettet ihn. Dies ist eine der komischsten Szenen des Buches.
Auch Luxemburg hat seine Reize. Das findet das dynamische Duo heraus, als es das Land der Grande Nation erkundet und für einen Tag verlässt. Allerdings stoßen die beiden neben bildhübschen Café-Sängerinnen auch auf antisemitische Restaurantbesitzer: "Dieses Haus ist judenfrei" heißt es da stolz auf einer Visitenkarte. Joey, der sehr gut Deutsch spricht,weil es von dem Ungarn Carl gelernt hat, bekommt schier einen Tobsuchtsanfall und muss hinausgezerrt werden. Ansonsten hat er aber nichts gegen die deutsche Kultur. Im Gegenteil: Er singt offenbar gerne deutsche Lieder. Das war natürlich vor dem Kriegsausbruch. 1940 schrieb Miller diesen Roman in New York City.
Mein Eindruck
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Mit "Stille Tage in Clichy" ist hervorragend bedient, wer sich noch nicht auf die längeren Romane Millers wie etwa "Wendekreis des Steinbocks" einlassen will oder wer mit reiner Brotarbeit wie dem posthum veröffentlichten "Opus Pistorum" nichts anfangen kann. "Clichy" verströmt den Duft von Unschuld, Geilheit und Frühling. Die erotischen Szenen gehören zu den komischsten im ganzen Genre. Doch auch die ernsten Seiten fehlen nicht, wie die Episode mit Mara zeigt.
Hervorragend wiedergegeben hat dieses Flair die unkonventionelle dänische Verfilmung aus den siebziger Jahren. Der in schwarz-weiß gedrehte Film wartet mit Sprechblasen über den Köpfen der Darsteller auf. Natürlich stehen in diesen Blasen sehr eindeutige Wörter und Begriffe. Die Musik von Woodstock-Barde Country Joe Mcdonald ("Fish Cheer") passt hervorragend zu dem Bohemien-Ambiente in Clichy. Die spätere Farbverfilmung verblasst paradoxerweise demgegenüber. Der Regisseur hat sich dabei offensichtlich Scheuklappen angelegt.
Wir können froh sein, dass dieses wunderbare Buch Mitte der sechziger Jahre von der Zensur freigegeben wurde, nachdem es bereits 1956 in Paris erstveröffentlicht worden war – wo sonst?
Michael Matzer © 2002ff
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-06 16:37:31 mit dem Titel Vonda McIntyre: *Die Traumschlange*: Spannende SF-Fantasy für Frauen
In ferner Zukunft, einige Jahre nach einem atomaren Holocaust, leben die Menschen in Stämmen in der Wüste oder zusammengedrängt in den Ruinen der Städte. Ärzte wandern von ihrem Zentrum aus, um zu helfen.
Die junge Heilpraktikantin Schlange kuriert mit Hilfe von manipuliertem Schlangengift Verletzte und Todkranke, oft erfolgreich, machmal kommt sie auch zu spät. Sie kämpft gegen Fremdenangst und Ignoranz, dabei wird ihre Traumschlange getötet, mit der sie die Patienten beruhigt.
Doch die Heiler können die Traumschlangen, die von frmden Welten stammen, nicht selnst züchten, sondern müssen sie in der alten Stadt kaufen. Dort jedoch wird Schlange abgewiesen.
Auf ihrer Reise adoptiert sie ein junges Mädchen, Melissa, das sehr unter erlittenen Verbrennungen leidet. Sie will Melissa zur Heilerin ausbilden und nimmt sie auf ihre Suche mit. Ein junger Mann verliebt sich in sie und folgt ihrer Spur.
In den Ruinen einer Bunkerfestung findet sie schließlich Traumschlangen in rauhen Mengen, doch deren Besitzer, ein gigantischer Albino, haßt alle Heiler und hält sich Leute als Sklaven, die vom Gift der Traumschlangen abhängig geworden sind.
Er wirft Schlange und ihre Adoptivtochter in eine Grube voller Traumschlangen. Hier entdeckt sie das geheimnis der Fremdwesen. Beide geraten in Lebensgefahr, doch Schlange gelingt es zu entkommen und Melissa mit knapper Not zu retten.
Zu guter Letzt taucht auch ihr junger Freund auf und gibt den beiden Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zu dritt. Drei ist die magische Zahl in diesem Buch - auch Traumschlangen vermehren sich nur zu dritt.
Mein Eindruck
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Das Buch ist nicht nur eine gelungene Synthese aus Science Fiction- und Fantasy-Elementen, sondern zugleich eine einfühlsame Studie einer jungen Frau, die im wesentlichen auf sich allein gestellt das Leben in einer lebensfeindlich gewordenen Welt meistert. Die Autorin macht weder den Fehler, eine problemlose Idylle zu schildern, noch zeigt sie die Heilerin als besser funktionerenden Mann. Vielmehr wird hier eine im Grunde realistische Geschichte im Fantasy-Gewand erzählt, und die Heldin bewältigt ihre Schweirigkeiten aus sich selbst heraus, durch Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten als Frau, als Mensch.
Zu der Zeit seiner Entstehung Anfang der siebziger Jahre dürfte die Schilderung von Ehegemeinschaften aus drei Mitglieder und von Dörfern, in der Familien aufgrund von Adoption zustandekommen, für einiges Aufsehen gesorgt haben. Auch die Themen Kindesmißbrauch und Vergewaltigung dürften hier zum ersten Mal in der SF aufgetaucht sein. Die Basis- Story dieses Romans fehlt daher in kaum einer feministischen SF-Anthologie.
Die Autorin
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Die 1948 geborene Autorin erhielt 1973 für die Novelle, die die Grundlage dieses Romans bildet, den Nebula Award, und für den 1978 erschienenen Roman die zwei wichtigsten Preise der Science Fiction. Bei uns wurde sie mit dem Starfarer-Zyklus bekannt und der historischen Fantasy "Am Hofe des Sonnenkönigs" (Bastei-Lübbe, 1999).
Unterm Strich
Dieser Kombination aus SF und Fantasy eignet sich für aufgeschlossene LeserInnen beider Genres. Es ist spannend und bietet dennoch genug Stoff, um zum Nachdenken anzuregen. Schade, dass es nicht mehr von solchen guten Büchern gibt.
Michael Matzer © 1999/2002ff
Info: Dreamsnake, 1978; Bastei-Lübbe 1999, Bergisch Gladbach; 446 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Horst Pukallus; ISBN 3-404-24263-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-14 19:33:35 mit dem Titel P. Melo: *Ich töte, du stirbst*: Brasilianischer Psychothriller
Die vernachlässigte Ehefrau Rita verdächtigt ihren Mann, ein berüchtigter Frauenmörder zu sein. Ist sie das nächste Opfer? - Ein pedantischer Bankangestellter will seine Nachbarin killen, muss sie aber zuerst verführen: ein todbringender Don Juan. Ist er der gesuchte Frauenmörder? - Zwei Episoden um Psychosen bilden diesen kriminell guten Roman einer Brasilianerin.
"Ich töte, du stirbst" ist Patricia Melos erster Roman und erschien 1994. Nach "O Matador" und "Wer lügt gewinnt" ist dies der dritte von Klett-Cotta verlegte Roman Melos.
Die Autorin
Patricia Melo wurde bis in zwölf Sprachen übersetzt und 1998 für "O matador" mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet. 2001 erhielt sie den begehrten Premio Jabuti ihres Heimatlandes.
Die Übersetzerin
Barabara Mesquita, 1959 in Bremen geboren, ist Dolmetscherin und Übersetzerin für Portugiesisch und Spanisch. Sie hat u.a. Luis Verissimo und Juan Manuel de Prada ins Deutsche übertragen. Ihre Arbeit an "Ich töte, du stirbst" ist einfach makellos.
2 Handlungen
Erster Teil
Die Hauptfigur und Ich-Erzählerin des 1. Teils ist die junge Brasilianerin Rita. Sie sucht ein Polizeirevier auf, um dem Beamten zu berichten, sie vermute, ihr eigener Gatte sei der berüchtigte Frauenmörder des Stadtteils Lapa. Sie fürchte um ihr Leben. Das macht den Beamten erst einmal skeptisch.
Und uns auch, denn Rita, die vernachlässigte Gattin, die den ganzen Tag im Fernsehen amerikanische Krimiklassiker anschaut (diese Szenen verschwimmen mit der Realität), schnüffelt ihrem Männe, Rubem Marcondes, hinterher. Rubem ist Fernsehproduzent, und tatsächlich scheint ihn ein Geheimnis zu umgeben.
Auf ihren Beschattungsfahrten entdeckt Rita, wie ihr Angetrauter andere Frauen trifft, attraktive Blondinen gar, in Cafés und Bars. Ihre Paranoia wächst: landet sie demnächst bald beim alten Eisen? Doch Rubem streitet natürlich alles als Einbildung und Unsinn ab. Rita zweifelt an ihrem Verstand.
Dann findet sie, ganz die Paranoikerin, in einem geheimen Versteck im Keller mehrere mysteriöse Ampullen: Darin befindet sich Aqua Toffana (vgl. O-Titel), jenes tückisch wirkende Gift aus der Renaissance, das so langsam tötet, dass es zwei Jahre (!) dauert, bis das Opfer verendet.
Der Polizeibeamte ist weiterhin skeptisch: Ist Rita nicht doch nur eine durchgeknallte Psychopathin? Wenig später wird die Leiche einer jungen Frau in Lapa gefunden, das sechste Opfer: Rita.
Zweiter Teil
Auch am Geisteszustand der zweiten Hauptfigur und Ich-Erzählers des Romans gibt uns reichlich Anlass, ernsthaft an seiner geistigen Gesundheit zu zweifeln. Der unscheinbare, aber höchst penible Bankangestellte - er hat täglich nur Formulare abzustempeln, sonst nichts - und Vater zweier Kinder ist relativ besessen von Hemdkragen. Sie müssen a) von seiner Frau korrekt gebügelt sein und b) korrekt sitzen. Nur wenn sie richtig gebügelt sind, verleihen sie dem jeweiligen Träger jene lässige Eleganz (meint er).
In seine Alpträume mischen sich Bilder Stich- und Schneidewerkzeugen: Messer, Stichel, Dolche. Auch Revolver. Sein Hass richtet sich gegen seine etwas betagte Nachbarin Célia, eine gut erhaltene Vier- oder Fünfzigerin. Er schickt ihr Karten, Blumen. Irgendwie muss er ihr ja näherkommen. So nahe, dass er sie in ihrer badewanne ertränken kann. Denn das ist der trick: Den Mord so aussehen zu lassen wie einen Unfall: Das Badewasser läuft ihr in den Mund, ein Reflex hindert sie an der Gegenwehr, Affe tot.
Sein Wunschtraum geht in Erfüllung (oder ist alles nur Einbildung?): Er zerstückelt Célias Leiche und versenkt die Müllbeutel vor der Küste. Ha, wie soll man ihm nun auf die Spur kommen? Nie im Leben. Doch als ihm niemand verdächtigende Fragen stellt, wird er unruhig. Eines Morgens liest er die Zeitung: Der Frauenmörder von Lapa hat ein sechstes Opfer gefordert. Unverzüglich meldet er sich auf dem Kommissariat und gesteht: Ich bin der, den ihr sucht. Der Kommissar schaut ihn erschrocken an.
Mein Eindruck
Patricia Melos Geschichten erinnern an die Mördergeständnisse in Edgar Allan Poes Geschichten "Die scharze Katze" und "Das geschwätzige Herz": Der Mörder (?) empfindet mehr Einbildungen, leidet unter einer (imaginären?) Tat und stellt sich schließlich: entweder , wie bei Poe und Melo #2, dem Arm der Gerechtigkeit oder, wie bei Melo #1, dem unausweichlichen Schicksal.
Das Thema der beiden Novellen, die den Roman "Ich töte, du stirbst" ausmachen, ist in jedem Fall Gewalt: sei sie nun real oder "nur" eingebildet. Die Erzählweise ist brillant, vielseitig, schier atemlos dahinjagend in ihrer Paranoia. (Ich habe den Roman komplett an 1 Tag gelesen.)
"Paranoia me destroya"
Woher kommt er, dieser Verfolgungswahn? Er hat viele Quellen. Die vernächlässigte Rita erfindet sich einen Mörder nach dem Vorbild der amerikanischen Krimis. Sie findet ihr höhere Bedeutung als Opfer, eine Opfer von derart durchtriebener Mordlust und Tücke, das sie sozusagen die Krönung aller Opfer darstellt.
Auch der Bankangestellte stilisiert sich zu höherer Bedeutung: Direkte Einwirkung auf die Umwelt, nicht mehr nur denken, stempeln wie ein kleines Rädchen in der Maschine, nein, ein Mord muss her. Als ob eine solche Tat zum Heldentum tauge. So kommt man in die Zeitung. Berühmt oder berüchtigt - wo liegt da heutzutage der Unterschied?
In Washington, D.C., spielt heute einer Gott, indem er wahllos Menschen abknallt. Terror oder ultimativer Horror (bei Rita) als Vergegenwärtigung des verschwindenden, anonymen Individuums. "Selbsternannte Götter", wie Gert Heidenreich sie nennt, sind vielleicht die Agonie im Kampf des Einzelnen um Selbstbehauptung: Träume von Gift, Dolchen, Messern, Revolvern überschwemmen, freigelassen von den visuellen Medien, das Bewusstsein der Massen. Der Mörder und sein Opfer als Doppelheldenpaar. Für 15 Minuten Ruhm.
Unterm Strich
Melo ist eine Entdeckung, nicht nur in Sachen Einfallsreichtum und Aussage des Inhalts, sondern auch in literarischer Hinsicht. So rasant und dennoch unter die Haut gehend erlebt man heute selten eine Erzählung. Das Thema sorgt ebenso wie seine brillante Umsetzung für wohlige Schauder beim Leser.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Aqua Toffana, 1994; Klett-Cotta 2002, Stuttgart; 150 Seiten, aus dem Brasilianischen übertragen von Barbara Mesquita; EU 16,00; ISBN 3-608-93559-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-07 11:33:08 mit dem Titel M. Niemi: *Populärmusik aus Vittula*: Rock 'n' Roll am Polarkreis
Die Rock 'n' Roll Music hält in den 60er Jahren Einzug in dem verschlafenen nordschwedischen Hinterwäldlernest Vittula. Der Erzähler Matti und seine seltsamer Freund Niila sorgen dafür, dass die neuen Töne aus England auch Anklang finden. Noch viele weitere Abenteuer bilden das Panorama des Lebens, das dieser Roman vor dem Leser ausbreitet.
Der Autor
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Mikael Niemi, Jahrgang 1959, ist der Autor zweier Gedichtsammlungen und einer Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. "Populärmusik" aus Vittula ist sein lange erwarteter erster Roman für Erwachsene und wurde vielfach preisgekrönt, darunter auch mit dem Augustpreis, dem wichtigsten Literaturpreis Schwedens. Das Buch wurde über eine halbe Million Mal verkauft.
Handlung
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Das Buch beginnt auf einem 5400 Meter hoch gelegenen Bergpass in Nepal, wo unserem Helden beim Versuch, den Göttern zu danken, Lippen und Zunge an einer metallenen Gebetstafel festfrieren. Was tun, wenn Nacht und Sturm nahen? - Der Erzähler gerät ständig in solche Situationen. Und nur ungewöhnlichste Methoden können ihn retten.
Der Roman erzählt die ziemlich abgefahrene Geschichte zweier pubertierender Jungen in den sechziger Jahren. Matti und sein schweigsamer Freund Niila (er gehört zu einer Sektenfamilie) wachsen fernab der wirklichen Welt, im äußersten Norden Schwedens, an der Grenze zu Finnland auf - dort wohnen aus Stockholmer Sicht wirklich nur Hinterwäldler. Tatsächlich aber macht auch der Fortschritt vor Vittula nicht Halt: Das Dorf hat jetzt eine Asphaltstraße.
Das dynamische Duo erlebt Familientragik, Abenteuerreisen (sie kommen sogar bis Frankfurt/M.), Sex, viel Natur etc. Aber eigentlich haben sie schon früh nichts anderes im Kopf, als sich von diesem merkwürdigen Ort wegzu träumen. Eines Tages hält der Rock 'n' Roll Einzug im kleinen Hinterwäldlertal Tornedal - und ihre Zeit ist gekommen.
Matti und Niila haben den Song " Rock 'n' Roll Music" von den Beatles gehört und kennen nur eine Mission: Diese Art von Musik selbst zu machen. Unterstützt von ihrem Musiklehrer brechen sie mit ihren ersten Auftritten die herzen der Mädchen - und darauf kommt es ihrer Ansicht beim Rock 'n' Roll vor allem an. Holgeri steuert Gitarrensoli à la Jimi Hendrix bei, und Erkki malträtiert die Trommeln und Becken.
Seine musikalische Karriere bildet aber nicht den Hauptteil des Buches. Es sind noch viele andere Aspekte des ländlichen Lebens in Nordschweden eingefangen. Immer wieder tauchen die Alten auf, die sich noch an die 20er und 30er Jahre sowie an die Kriege in Finnland erinnern. Sogar ein aus dem 2. Weltkrieg übrig gebliebener Deutscher taucht auf und schreibt ein. Matti befreit ihn von einer Rattenplage - mit höchst unkonventionellen Mitteln
Immer wieder gibt es Familienfeste, auf denen die unterschiedlichsten Ansichten aus den einzelnen Stadtvierteln und Regionen der Privinz Norrbotten aufeinandertreffen - und regelmäßig im Trinkwettstreit beigelegt werden. Das sind dann die weniger schönen Seiten des Buches, aber offenbar für Schweden die lustigsten.
Mein Eindruck
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Die schwedischen Kritiker haben sich offenbar vor Begeisterung überschlagen, nachdem sie dieses Buch gelesen hatten. Und der deutsche Verlag zögert natürlich nicht, sämtliche Begeisterungsstürme zu kolportieren. Doch der deutsche Leser sollte selbst urteilen.
Mich selbst hat das Buch nur zum Schmunzeln und Lächeln gebracht, aber keineswegs Glücksgefühle bei mir ausgelöst. Viele der erzählten begebenheiten sind durchaus traurig oder verweisen auf bedauerliche Zustände, so etwa auf gewalttätige Zustände in Niilas Elternhaus, die damit enden, dass die Söhne ihren Vater Isak fast zu Tode prügeln und treten. Ist das vielleicht lustig? Wohl eher nicht. Ich habe bereits die grotesken Saufgelage zitiert: Dabei sterben drei alte Männer an Alkoholvergiftung. Wirklich sehr witzig.
Doch was sich für das Buch sagen lässt, sind die Begeisterung für die Ereignisse in der Natur sowie die zärtliche und genaue Menschenzeichnung. Zu den genau beobachteten Naturereignissen gehören etwa das eindrucksvolle Brechen des Eises spät im Frühling, die romantische Mitternachtssonne und die vielfältigen Blumen und Vögel. Dabei schreckt der Autor auch nicht vor dem poetischen Gebracuh der Sprache zurück.
Die zärtlich beschriebenen Menschen: Da ist natürlich zunächst Niila selbst, der ein ebenso verschlossener wie ungewöhnlicher Junge ist, und seine sektiererische Familie. Aber da ist auch Mattis eigener Vater, der seinen Sohn bei einer längeren Saunasitzung vom Jungen zum Mann befördert, indem er ihm die Geschichte der Familie und der blutigen Fehden, die sie mit anderen Clans führt, überliefert. Nun sieht Matti seinen Platz in der Welt. So schnell kann's gehen.
Schade eigentlich, dass das Buch nicht wieder mit der Szene auf dem nepalesischen Bergpass endet. Der Verdacht liegt nahe, dass die Fortsetzung bereits in Arbeit ist: Mattis und Niilas Lebensweg ist ja erst bis zum 15. Lebensjahr erzählt. Viel muss noch kommen.
Unterm Strich
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Ein vielfach amüsantes, aber auch groteskes Buch, das durchaus an Jugendromane wie etwa "Die Blechtrommel" erinnert. Dem Erzähler gelten Schreckliches und Wundervolles in seiner Unschuld gleich viel. Ob dem Leser nun zum Lachen oder zum Weinen zumute ist, ganz gleich: Es ist eine interessante Erfahrung, so viele ungewöhnliche Dinge vom Leben der Menschen am Polarkreis zu erfahren.
Die Übersetzung
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Die Übersetzerin Christel Hildebrandt mag ja im Schwedischen sehr bewandert sein, doch mit dem Deutschen scheint sie noch so ihre Probleme zu haben. Oder waren dies alles Flüchtigkeitsfehler? Statt "Kaulquappen" schreibt sie "Kaulquallen" (S. 93), statt prestigeträchtig" bevorzugt sie "prestigevoll" (S. 238). Seltsamer sind da schon die falschen Bezüge vom Possessivpronomen auf sein Substantiv: "die Gegend ... seine blutigen Familienfehden" (207/08) und "Die Wolkenbank ergoss seinen schaurigen Inhalt über uns" (173). Offensichtlich war bei diesem doch nicht ganz billigen Buch kein wachsamer Lektor am Werke, wie er zumindest über Machwerke von Michael Crichton (Blessing-Verlag) wacht.
Viele direkte Zitate aus dem Schwedischen sind nicht übersetzt worden, und etliche Begriffe aus dem Fachjargon wurden für wert befunden, in einer Fußnote erklärt zu werden. Begriffe wie "Wuhne" (Eisloch) muss man selbst im Duden nachschlagen. Der nächste Niemi sollte sorgfältiger ediert werden.
Michael Matzer (c) 2003ff
Info: Populärmusik från Vittula, 2000; BTB-Verlag 08/2002, München; 304 Seiten, aus dem Schwedischen von Christel Hildebrandt, EU 19,90, ISBN 3-442-75071-1
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-20 22:42:29 mit dem Titel E. McGregor: *Das Eiskind*: Kombi aus *Lazaruskind* und Expeditionsbericht
Das Schicksal eines an einer Knochenmarkskrankheit leidenden Kindes ist auf vielschichtige Weise mit dem Schicksal der verhängnisvollen Expedition John Franklins verknüpft, der 1845 bis 1848 die Nordwestpassage durch die Arktis suchte. Ein spannender und sehr bewegender Roman, der Geschichtsdoku und Schicksalsdrama kombiniert.
Die Autorin
Elizabeth McGregor wurde in Warwickshire, Südwestengland, geboren und lebt heute mit ihrer Tochter in Dorchester. Für "Das Eiskind" recherchierte sie u.a. am "Scott Polar Research Institute" in Cambridge. Für ihre Kurzgeschichten und ihre psychologischen Krimis wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Website zum Roman: www.theicechild.com (ohne Gewähr).
Handlung
Der Roman besteht aus drei Erzählsträngen. In der Gegenwart stehen eine junge Journalistin, ein Archäologe und eine Eisbärin im Vordergrund. Dazwischen geschaltet sind längere Rückblenden auf die Jahre 1845 bis 1848, auf die verhängnisvolle Expedition John Franklins, die die Nordwestpassage erschließen sollte und im Eis spurlos verschwand.
Doch zunächst zur Gegenwart. Die englische Journalistin Jo Harper, 27 Jahre jung, hätte es beinahe abgelehnt, eine Reportage über einen der berühmtesten Archäologen, den Briten Douglas Marshall, zu schreiben. Er hat sich gerade in Grönland das Bein gebrochen. Auf einem Kriegsschiff, das ihn zurückbringt , begegnen sich Jo und Doug zum ersten Mal. Ihre Reportage macht ihn noch bekannter.
Er arbeitet seit Jahren an einem Forschungsprojekt über die legendäre Franklin-Expedition. In der Zeit seiner Genesung lernen sie sich näher kennen. Er steht kurz vor der Scheidung von seiner Frau Alicia, von der er schon fünf Jahre getrennt lebt. Nicht alles steht zum besten in der Familie Marshall. Auch sein John, der sich ebenfalls für die Franklin-Expedition interessiert, lehnt Doug ab - er will ihn nämlich übertrumpfen und so dafür bestrafen, dass er ihn als Kind ständig vernächlässigte.
Als Jo von Doug ein Kind erwartet, wollen die beiden heiraten, doch bei dem Versuch, sich am Hochzeitstag auf Jos Bitte hin mit John zu versöhnen, geraten die beiden Männer auf die eisglatte Straße, auf der ein junger Autofahrer nicht mehr rechtzeitig bremsen kann.
John überlebt, doch sein Vater nicht. Jos Kind Sam wächst als Waise auf. Er ist ihr Trost in ihrem Unglück, bis sich herausstellt, dass Sam unheilbar krank ist (es gab schon früh im Buch Verweise auf Leukämie). Und dass sein Halbbruder John seine einzige Rettung sein könnte.
Doch John weilt im ewigen Eis: auf den Spuren der Franklin-Expedition, denn er will um jeden Preis die ehrgeizige Mission seines Vaters erfüllen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem nicht nur Sam, sondern auch John sein Leben verlieren könnte.--
Kurze Einschübe erzählen vom Leben einer bemerkenswerten Eisbärin, die von den Fotografen und Biologin schlicht "Die Schwimmerin" genannt wird: Sie schwimmt eben gut. Aber nicht blindlings kreuz und quer durch die Arktis. Sie folgt den Spuren der Franklin-Expedition.
Und so wird die Bärin zum Bindeglied zu der dritten Erzählebene: die Schilderung des verhängnisvollen Verlaufs jener zunächst stolzen viktorianischen Expedition, die die Nordwestpassage nach Indien finden sol weiterlesen schließen -
Eine Hexenjagd in 4 Akten - The Crucible von Arthur Miller
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Hi Ihr
Heute wird es mal wieder Zeit für einen neuen Bericht, finde ich. Wer schon das ein oder andere Mal bei mir war bzw. einige meiner Berichte gelesen hat, weiß das ich gerne Mal über die Lektüren berichte, die ich mir in der Schule zu Gemüte führen musste oder durfte. Auch der heutige Bericht handelt von einem Buch, das ich in der Schule gelesen habe, genauer gesagt im Englischunterricht. Es geht um „The Crucible“, ein Drama von Arthur Miller, das euch evtl. unter dem deutschen Namen „Die Hexenjagd“ geläufig ist.
*--- Der Autor ---*
Der Autor dieses Dramas, Arthur Miller, wurde am 17. Oktober 1915 als zweites Kind einer jüdischen Familie, in einem jüdischen Viertel New Yorks, geboren.
Im Jahr 1934 begann er Journalismus zu studieren und begann bald seine Karriere als Schriftsteller. Einige seiner Dramen haben einen sehr hohen Stellenwert in der Literatur errungen, darunter „The Crucible – Die Hexenjagd“ (1953) und „ Death of a Salesman – Tod eines Handlungsreisenden“ (1949), wofür er sogar den Pulitzer Preis gewann. Besagte Stücke sind auch verfilmt worden, von „The Crucible“ gibt es sogar eine recht neue Fassung, u.a. mit der jungen Winona Ryder.
Neben seiner Arbeit als Schriftsteller, arbeitete er auch fürs Radio und fürs Fernsehen, hatte aber mit seinen Theaterstücken den größten Erfolg.
1956 heiratete Miller die wohl jedem bekannte Marilyn Monroe und konnte sich nach dieser Hochzeit auch als Filmregisseur etablieren.
Miller starb im Jahr 1995.
*--- The Crucible ---*
„The Crucible – Die Hexenjgd“ handelt, wie der Name schon sagt, von einer Hexenjagd in dem Städtchen Salem, Massachusetts.
Die Story an sich ist etwas unübersichtlich und wird z.T. erst im Laufe des Dramas klar. Ich versuche also, hier keine Spannungsmomente vorweg zunehmen und nichts zu verraten.
Zu Beginn des Stückes liegt Betty, die Tochter des örtlichen Pfarrers Parris, regungslos in ihrem Bett, man hat sie und einige andere Mädchen in der Nacht zuvor im Wald tanzen sehen, worauf Betty spontan in Ohnmacht gefallen ist und sich nunmehr weigert aufzuwachen. Die gesamte Gemeinde findet das natürlich fragwürdig und hat daher ein Auge auf die Vorgänge im Hause des Pfarrers. Da man zudem vermutet, dass Geister im Spiel sind, wird Reverend Hale, ein Experte für unnormale Vorgänge (Geister usw.), gerufen, um sich die arme Betty anzuschauen. Bald nach Hales Ankunft wird klar, dass sich die Mädchen auf eine sehr fragwürdige Art und Weise amüsiert haben und auch Geisterbeschwörung im Spiel war. Sehr bald wird in den Dialogen klar, dass Abigail, die Nichte von Parris, ein ziemlich verruchtes Luder ist. Sie beschuldigt die schwarze Haussklavin Tituba als Urheberin allen Übels um von ihre eigene Haut zu retten, und da man Abigail mehr Glauben schenkt als der minderwertigen Tituba nehmen die Dinge in Salem ihren Lauf. Ein Gericht wird installiert, das nach „Hexen“ sucht. Dieses Gericht aber ist nicht sonderlich großherzig, im Gegenteil. Fast jeder wird nun von irgendjemandem beschuldigt eine Hexe respektive ein Hexer zu sein, außerdem werden dadurch Feindschaft innerhalb der örtlichen Gesellschaft klar und auch menschliche Abgründe werden skizziert.
Mehr will ich aber nicht verraten, weil ich euch natürlich nicht die Spannung nehmen will.
*--- Hintergründe ---*
Miller hatte, als er dieses Drama schrieb mehrere Intensionen. Zum einen wollte er die Grausamkeit der Hexenprozesse in Salem darstellen, die tatsächlich stattgefunden haben, und zum anderen ist es als Kritik an den damaligen Machenschaften des US-Senators Joseph McCarthy gedacht.
Miller beschäftigte sich sehr intensiv mit den einstigen Vorgängen in Salem. Er durchwälzte unzählige Akten und Archivaufzeichungen der Stadt um sein Drama möglichst realistisch erscheinen zu lassen.
Zudem schaffte Miller seine Kritik an Joseph McCarthy in diesem historischen Gewand zu verpacken. McCarthy leitete seiner Zeit ein Komitee gegen „antiamerikanische Umtriebe“, das sich besonders gegen Kommunisten richtete.
*--- Art des Dramas & Sprache ---*
Dieses Drama gehört zu den modernen seiner Gattung. Es besteht nicht wie die klassischen Dramen aus fünf, sondern aus vier Akten. Darüber hinaus weist das Drama sehr viele Regieanweisungen auf, was ebenfalls für ein klassisches Drama untypisch wäre.
Die Sprache ist relativ einfach. Mit einem anständigen Schulenglisch und einem guten Wörterbuch (in meiner Ausgabe gab es im Anhang sogar noch etliche Worterklärungen), dürfte wirklich niemand Probleme damit haben dieses Drama zu bewältigen. Alle anderen könnten notfalls auf die deutsche Ausgabe zurückgreifen, damit dürfte es dann wirklich gar keine Probleme geben.
*--- Preis ---*
Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals für das Buch bezahlt habe, da wir das Buch ohnehin als Klassensatz bestellt hatten, ist dieser Preis für euch sowieso egal. Ich hab daher gerade mal bei Amazon nachgeschaut und meine Ausgabe für 6,50 € gesehen.
Diesen Preis finde ich durchaus gerechtfertigt für dieses 112 Seiten umfassende Werk. Ich kann nur sagen, dass ich wahrscheinlich bereit wäre dieses Geld zu investieren.
*--- Fazit ---*
Wie ihr vielleicht schon gemerkt habt, bin ich auch von diesem Schriftstück überzeugt. Die Geschichte an sich ist ganz gut dargestellt und wirkt in sich schlüssig, wahrscheinlich weil sie auf einer wahren Begebenheit basiert.
Das Englisch, das hier vorliegt ist ebenfalls nicht extrem hochtrabend und unverständlich, und sollte wirklich niemanden, der dem Englischen mächtig ist, davon abschrecken dieses Drama zu lesen.
Des Weiteren bleibt noch festzuhalten, dass es sich hier halt um ein Drama handelt und nicht um einen Roman, da aber mit Regieanweisungen nicht gegeizt wird, wird die Kreativität des Lesers nicht allzu sehr in Anspruch genommen.
Ich kann euch daher abschließend nur empfehlen, euch dieses Werk zu Gemühte zu führen, denn alles in allem ist es durchaus interessant.
…Und wer zu faul zum Lesen ist sieht sich einfach den Film an, obwohl mir der Film nicht allzu gut gefallen hat.
Wiedermal bedanke ich mich fürs Lesen! Bewertet bitte und kommentiert wenn ihr mögt! Ich würde mich freuen!
Bis dann dann weiterlesen schließen -
Geschäft ist Krieg
Pro:
spannend
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
So lautet ein japanisches Sprichwort, mit dem Michael Crichton den Roman „NIPPON CONNECTION" beginnt. Dieses 1992 geschriebene Buch ist in meinen Augen eines seiner besten. Denn es schildert sehr realitätsnah die Geschäftspraktiken der großen amerikanischen und japanischen Konzerne.
Der Autor weist zu Beginn des Buches auch darauf hin, stellt jedoch auch klar, dass seine Story reine Fiktion ist. Dennoch hat dieses Buch zur damaligen Zeit auch einigen Staub aufgewirbelt, da es in den Augen vieler eine antijapanische Haltung einnimmt. Das Verhältnis der beiden Nationen ist ja trotz des Verteitigungsbündnisses nicht unproblematisch. Auf der einen Seite sind die sehr traditionellen Japaner, die zu Beginn der neunziger Jahre in ihrer wirtschaftlichen Macht auch eine späte Genugtuung für den verlorenen Krieg sahen. Auf der anderen Seite sind die amerikaner, die sich fast immer für die größten halten, damals in diesem Bereich aber weit im Hintertreffen waren.
Denn vor 8 Jahren war Japan die Wirtschaftsmacht Nummer 1 in der Welt. Alles schien dort machbar und mit ihrem Reichtum konnten sich die Konzerne aus dem Land der aufgehenden Sonne auch fast alles kaufen. So war der Eindruck zu dieser Zeit. Gekauft haben die Japaner dann auch vieles und da war auch einiges dabei, das den Amerikanern Lieb, aber nicht teuer genug war, um es behalten zu können.
So haben japanische Investoren große Teile von Hawaii gekauft und eine Menge Wolkenkratzer haben japanische Eigentümer. Auch bei uns in Deutschland ist das so, wenn ich mir z. B. Frankfurt/Main ansehe. Ein Teil der Amerikaner fühlte sich jedenfalls aufgrund dieser großzügigen, japanischen Investitionsbereitschaft in der Ehre getroffen und es wurden Stimmen laut, die von einem Ausverkauf sprachen. Eine Menge amerikanischer Staatsanleihen befinden sich in den Händen von japanischen Gläubigern und eine weitere große Menge ist mit geliehenem, weil billigem japanischen Geld von Investoren gekauft worden. Es bleibt daher auch festzuhalten, dass der amerikanische Boom seit 1992 ohne das Geld aus dem Fernen Osten nicht möglich gewesen wäre.
Dieses Buch vertritt einen anderen Standpunkt, auch mit der Begründung, dass die Japaner sich auf ihre Tugenden besinnen und nicht nach den anderen richten. Das mag wohl damals so ausgesehen haben, doch etwas hat Japan besser gemacht (nicht ohne unser Zutun). Sie haben bessere Produkte auf den Markt gebracht. Über das Wie bin auch ich nicht so begeistert, doch der Erfolg der '80 Jahre hat ihnen damals recht gegeben. Und wenn ich darüber Nachdenke, dann läuft die Wirtschaft im großen und ganzen auch bei uns so ähnlich ab.
Es gibt dabei sicher recht selten einen Mord, wie er in dem Buch beschrieben wird, aber ansonsten.... Ach ja, da fällt mir noch die Geschichte eines Daimler Managers ein, der vor einigen Jahren ermordet wurde. Und Geschäftsleute, die in der ehemaligen UDSSR arbeiten, werden z. T. auch mit Mord bedroht, wenn sie nicht Schutzgelder zahlen.
Das Buch liest sich aber nicht nur wegen diesem brisanten Hintergrund gut, sondern auch, weil es eine spannende und gute Geschichte ist. Weniger gelungen ist dagegen die Strukturierung des Romans, da es eigentlich nur 3 Kapitel gibt. So etwas kann doch recht anstrengend sein, es sein denn ich lese das ganze Buch in einem Stück durch. Ansonsten ist der Stil sehr gut zu lesen.
In der Geschichte geht es vordergründig um einen Mord an einer Frau. Dieser ist zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt verübt worden, nämlich während der Einweihung eines Bürohochhauses. Schon nach 40 Seiten wird dem Leser klar, dass sich die japanische Kultur um einiges von der unseren Unterscheidet. Das ist auch noch ein Aspekt weshalb dieses Buch so interessant zu lesen ist. Denn was bei den einen als Stärke gilt, wird bei den anderen ganz anders Interpretiert. Das Verbrechen ist denn auch nur die Aufmachung für eine Geschichte, die von Intrigen nur so wimmelt.
Die beiden Hauptpersonen haben es im Verlauf der Ermittlungen dann nicht leicht, bis sie den waren Schuldigen gefunden haben. Vieles, was in dem Roman beschrieben wird, ist heute überholt und eigentlich sind wir in Europa heute in einer ähnlichen Lage. Nur ist es aus unserer Sicht heute wohl die USA, aber auch noch Japan, die als Hauptgegner in der Welt der Wirtschaft erscheinen.
Aus dem Grund enthält dieses Buch auch ein Stück Zeitgeschichte, als ein Teil der Amerikaner gefürchtet hat, zu einem Stück von Japan zu werden. Ich habe dieses Buch vor einigen Jahren zu einem Preis von 35,- DM gekauft (Hardcover), heute ist es wohl zu einem günstigeren Preis zu bekommen. Wie gewohnt enthält das Buch am Ende ein Literaturverzeichnis von Quellen, die der Autor zu seinen Nachforschungen benutzt hat.
Wenn ich auch mit den Ansichten von Crichton nicht übereinstimme, so ist es doch ein sehr lesenswertes Buch. Genau das Richtige für einen langen Winterabend. Falls jemandem die Geschichte bekannt vorkommt, so möchte ich noch folgendes anmerken. Das Buch ist unter dem Titel „Die Wiege der Sonne" auch verfilmt worden.
© ghostwriterk weiterlesen schließen -
Lernen, Körpersprache zu deuten...
07.10.2002, 14:02 Uhr von
clauds22
Hi ihr Yopi Leutchen, eigentlich bin ich hauptsächlich bei der Konkurrenzplattform Ciao tätig, ha...Pro:
informative Beantwortung auf eine Menge Fragen, gute und verständliche Schreibweise, zahlreiche schöne Bilder
Kontra:
manchmal sind die Erklärungen ohne passende Bebilderung schwer zu verstehen
Empfehlung:
Nein
Hi ihr Lieben,
in unserem neuen Real,- Markt gibt es seit kurzem eine ziemlich große Bücherabteilung, in der man auch immer wieder nette Schnäppchen bekommen kann. Wenn ich, wie meistens, mit meiner Schwester dort bin, muss ich mich leider ewig zwischen all diesen Büchern aufhalten, da sie lange, lange braucht, bis sie jedes Buch einmal angeschaut hat ;) Und in der Zeit ist es selbst für mich, als nicht wirkliche Leseratte, möglich, ein Buch zu finden, welches mich interessiert – so auch letztes mal. Da stolperte ich nämlich über Horsewatching. Horsewatching ist ein Buch, welches ich mir schon länger bei Amazon.de in meine Wunschliste gesetzt habe, und als ich es dann bei Real,- für 9,95 Euro entdeckte, musste es einfach mitgenommen werden...
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Wie manche von euch bereits wissen dürften, bin ich ein großer Tierfreund, insbesondere ist mein Herz auch den Pferden verfallen, weswegen ich mich logischerweise auch für diverse Bücher über diese wundervollen Geschöpfe interessiere. Horsewatching würde sich mit ‚Pferde beobachten’ frei übersetzen lassen und da das in der Tat eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist, scheint dieses Buch für mich wie gemacht. Auch weil Desmond Morris mir schon lange bekannt ist, und durch seine sämtlichen Sachbücher über Tiere einen großen Beliebtheitsgrad erlangt hat, ist dieses Buch für meine Zwecke geeignet.
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Die Einführung des Buches beschäftigt sich mit dem Pferd an sich, mit dem Pferd als Knecht, bzw. Gebrauchsgegenstand für die Menschheit, als Unterstützung in harten Kriegszeiten, und schließlich heutzutage als Sportobjekt oder einfach liebgewonnenes Hobby. Das Pferd musste in seinem Dasein schon viel durchmachen und wurde völlig aus der Welt gerissen, für die es eigentlich ursprünglich gedacht war. Dennoch sind Pferde stets bemüht, es ihren Besitzern recht zu machen, egal um was es sich bei ihrer Aufgabe handelt. Und gerade deswegen finde ich, ist es wichtig, auch zu verstehen, was in einem Pferd vorgeht. Pferde können weder sprechen, noch viele Geräusche von sich geben, die einem das Verstehen erleichtern könnten, selbst über einen Schmerzlaut verfügen sie nicht, was oft damit endet, dass ein Pferd sich quält, während der Besitzer hilflos daneben steht und keine Ahnung hat, was passiert. Gegenseitig verständigen sich die Pferde beinahe ausschließlich in ihrer Körpersprache, und genau diese sollte eben auch der Pferdefreund lernen, oder wenigstens lernen zu verstehen, wenn er sich mit seinem Pferd auseinandersetzen möchte. Aber das ist nicht alles – Horsewatching zeigt auch noch viele andere Themen auf, welche für alle Pferdefreunde interessant sein dürften.
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Horsewatching ist in viele verschiedene Kapitel aufgeteilt, die sich jeweils mit einer Frage beschäftigen, auf die uns Desmond Morris versucht, die bestmögliche Antwort zu geben. So lernen wir zum Beispiel, was ein Pferd mit seinen Ohren, seinem Schweif oder seinem Körper signalisiert, wie gut es hören, sehen oder riechen kann, wie intelligent oder revierbewusst es ist, wie es kämpft, wie schnell es läuft, oder wie Pferde sich untereinander ihre Zuneigung zeigen. Als Beispiel möchte ich mal die Frage zu dem Laute-Repertoire der Pferde einbringen. Hier erkennen wir zum Beispiel, dass es diverse Laute gibt, die ein Pferd von sich geben kann, die wiederum aber nur wenige von uns wirklich unterscheiden können. So gibt es ein Schnauben, einen Schrill-Laut, ein Begrüßungs-Wiehern, ein Werbungs-Wiehern, ein Mutter-Wiehern, ein Ortungs-Wiehern, ein Röhren und ein Blasen. Zu mehr Lauten sind Pferde ansonsten kaum fähig, aber es bedeutet schon eine ganze Menge Verständnis, diese unterscheiden zu können. Ich fand es sehr interessant darüber zu lesen, allerdings muss ich zugeben, dass ich mir immer noch nicht sicher wäre, ob ich nun beispielsweise das eine von dem anderen Wiehern unterscheiden könnte. Desmond Morris schreibt zwar gut, verständlich und fließend, jedoch ist es wohl einfach zu schwer, einen ‚Laut’ schriftlich widerzugeben.
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Ähnlich verhält es sich, mit schriftlichen Bildern der Körpersprache. So erklärt Desmond Morris zum Beispiel den Unterschied zwischen einzelnen Bewegungen, beziehungsweise Stellungen der Ohren, und was diese zu bedeuten haben. Ich persönlich finde es unheimlich schwer, dies anhand der schriftlichen Beschreibungen nachzuvollziehen. In dem Buch befinden sich zwar über 100 wunderschöne Farbfotos zur Untermalung, jedoch werden sie nicht grundsätzlich mit der zu erklärenden Frage verbunden. Das bedeutet, man liest zwar gerade über die Ohrstellung des Pferdes, erkennt aber auf dem danebenstehenden Bild eigentlich gar nicht, um welche dieser genannten Stellungen es sich nun handelt.
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Alles in allem lernt man durch dieses Buch eine ganze Menge und vieles im Leben eines Pferdes wird einem verdeutlicht, was man vorher vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte. Andere Dinge jedoch habe zumindest ich nicht wirklich begriffen und schlage daher eher nochmals in einigen meiner anderen Pferdebücher nach, die speziell im Bezug auf einige Fragen bebildert sind, und durch die deren Antworten sich dann leichter erklären lassen. Die leichte Schreibweise von Desmond Morris gefällt mir dennoch äußerst gut und ist, wie schon im Text erwähnt, flüssig und gut zu lesen. Die zahlreichen Farbfotos gefallen mir als Untermalung ebenfalls sehr gut, würde ich mir jedoch wünschen, dass sie gerade dann deutlicher wären, wenn die schriftlichen Beschreibungen vielleicht nicht so ohne Probleme zu verstehen oder nachzuvollziehen sind. Abschließend muss man aber dennoch sagen, dass man in ‚Horsewatching’ Antworten auf eine Menge Fragen findet, und vielleicht auch gerade ein ‚Einsteiger’ in Sachen Pferd sicherlich seine Freude an dem Buch hätte. Empfehlen kann ich deswegen auf alle Fälle, und der Preis ist meines Erachtens auch absolut gerechtfertigt. Ich bereue den Kauf nicht und bin froh, dieses Buch zu meiner Sammlung zählen zu können.
Titel: Horsewatching – die Körpersprache des Pferdes
Autor: Desmond Morris
Verlag: Heyne
Preis: 9,95 Euro
ISBN Nummer: 3-453-19724-0
Abschließend möchte ich noch eben erwähnen, dass es von Desmond Morris auch 2 andere Bücher namens ‚Catwatching’ und ‚Dogwatching’ gibt, welche ebenfalls sehr empfehlenswert sind.
Grüsschen, eure Claudi weiterlesen schließen -
Henning Mankell - Mittsommermord
Pro:
schreibt sehr spannend und menschlich
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
Henning Mankell – Mittsommermord
Vor ein paar Wochen bekam ich von Henning Mankell den Roman Mittsommermord ausgeliehen. Mein Schwester hat sehr von dem Schriftsteller geschwärmt, so dass ich neugierig darauf wurde, ob auch ich begeistert davon sein würde.
DER AUTOR
Henning Mankell wurde in 1948 in Härjedalen/Schweden geboren. Er ist ein angesehener und gern gelesener Schriftsteller. Momentan lebt er als Autor und Regisseur in Mosambik. Er schreibt am liebsten Kriminalromane.
Mit Kurt Wallander erschuf er einen beliebten Kommisar. Mit dem Buch „Die fünfte Frau“ gelang ihm der Durchbruch.
DER ROMAN
Die Geschichte beschreibt wie 3 Jugendliche, die mit mittelalterlichen Masken Rollenspiele machen und Mittsommernacht feiern, von einem wahnsinnigen Mörder niedergeschossen werden. Auch ein Kommisar und Kollege wird von diesem Verbrecher erschossen. Später kommt noch ein Brautpaar hinzu. Kurt Wallander stürzt sich verzweifelt in die Ermittlungen.
Zunächst drehen sich die Ermittlungen im Kreise. Aber Wallander kommt dem Mörder näher und näher. Schließlich beschließt dieser, dass sein nächstes Opfer Wallander selbst sein soll. Am Ende spitzt sich die Lage dramatisch zu, bis Wallander den Mörder stellen kann.
MEINE MEINUNG
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und man liest es wirklich innerhalb weniger Tage. Bis zum Schluß hat es mich auch sehr in seinen Bann gezogen. Der Autor versteht es geschickt, immer wieder Fragen über Fragen offen zu lassen. So zieht sich die Geschichte über fast 600 Seiten hin. Der Schluß jedoch ist mir für diese komplizierten Zusammenhänge einfach zu lapidar und einfach beschrieben. Lieber hätte der Autor die eine oder andere ausführliche Beschreibung gelassen und dafür den Schluß etwas mehr ausgeschmückt.
Solltet ihr Euch selbst von den Wallander-Geschichten überzeugen wollen, so ist das Buch im Deutschen Taschenbuch-Verlag zum Preis von stolzen 11 Euro erschienen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-08 11:01:19 mit dem Titel Wallanders erster Fall von Henning Mankell
Henning Mankell – Wallanders erster Fall
Vor ein paar Wochen bekam ich von Henning Mankell den Roman Wallanders erster Fall ausgeliehen. Mein Schwester hat sehr von dem Schriftsteller geschwärmt, so dass ich neugierig darauf wurde, ob auch ich begeistert davon sein würde.
DER AUTOR
Henning Mankell wurde in 1948 in Härjedalen/Schweden geboren. Er ist ein angesehener und gern gelesener Schriftsteller. Momentan lebt er als Autor und Regisseur in Mosambik. Er schreibt am liebsten Kriminalromane.
Mit Kurt Wallander erschuf er einen beliebten Kommisar. Mit dem Buch „Die fünfte Frau“ gelang ihm der Durchbruch.
DER ROMAN
Wallanders erster Fall
Wallander startet seine Karierre mit einem Fall, der sich direkt in seiner Nachbarschaft abspielt. Er findet seinen Nachbarn Halden erschossen auf dem Küchenboden mit dem Revolver noch in der Hand. Alles deutet auf Selbstmord hin. Jedoch sein kriminalistischer Spürsinn sagt ihm, dass mehr dahinterstecken muss. Wenig später findet man eine weitere Leiche und die Wohnung des verstorbenen Nachbarn geht in Flammen auf.
Durch Glück und sein außerordentliches kriminalistisches Talent gelingt es Wallander schließlich, den Fall aufzulösen.
Der Mann mit der Maske
Der Mann am Strand
Der Tod des Fotografen
Sind weitere Kurzgeschichten, die sich in dem Roman befinden
Die Pyramide
In dieser weiteren Geschichte des Romanes soll Wallander den Mord an zwei Schwestern aufklären, die einen Kurzwarenladen führen. Während der Ermittlungen stellt sich heraus, das diese ein Doppelleben geführt haben müssen.
Während dieser Zeit hält sich sein Vater in Ägypten auf und will eine Pyramide besteigen. Deswegen wird er ins Gefängnis gesteckt. Wallander reist hin, um ihn zu befreien. Dabei hat er eine zündende Idee, wie er seinen Fall lösen könnte.
MEINE MEINUNG
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und man liest es wirklich innerhalb weniger Tage.Durch die unterschiedlichen Kurzgeschichten wird das Buch nicht langweilig, wobei nur die Pyramide und Wallanders erster Fall richtig interessant sind. Wallander hat in jeder Geschichte mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Das läst ihn nicht nur als Kommissar, sondern auch sehr menschlich erscheinen. Einmal hat er mit Problemen in der Ehe mit der Folge Scheidung, einmal mit gesundheitlichen Problemen oder aber familiären Problemen, wie z.B. seinem Vater zu tun.
Das Buch
Solltet ihr Euch selbst von den Wallander-Geschichten überzeugen wollen, so ist das Buch im Ordfront Verlag, Stockholfm erschienen. Es verfügt über 477 Seiten und kostet um die 15 Euro. Das Buch wurde aus dem schwedischen von Wolfgang Butt übersetzt. weiterlesen schließen -
Krimi-Spannung à la Schweden
Pro:
Tolle spannende Story
Kontra:
mäßiger Einband
Empfehlung:
Nein
DIE FALSCHE FÄHRTE von Henning Mankell:
Henning Mankell ??? Wer in aller Welt ist HENNING MANKELL ? Ehrlich gesagt: Hätte mir ein Freund vor einiger Zeit nicht durch einen Zufall leihweise das Buch DIE FALSCHE FÄHRTE in die Hand gedrückt, dann wüsste ich immer noch nicht, wer oder was Henning Mankell eigentlich ist.
Aber zum Glück bin ich ja nun aufgeklärter.
Zum Beispiel weiß ich nun, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Mittlerweile habe ich erfahren, dass Mankell sehr erfolgreich mit seinen Krimis ist, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heisst lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler. Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE FALSCHE FÄHRTE gibt´s für 19,50 DM als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Kurt Wallander will in den Urlaub. Mit seiner angebeteten Baiba, die er offenbar in einer seiner früheren Fälle kennengelernt hat. Achja, ich sollte hier erwähnen, dass dieses Buch nicht das erste dieser Wallander-Reihe ist. Ich habe also mittendrin angefangen und trotzdem fand ich ganz einfach den Einstieg.
Urlaub. Richtig. Wallander freut sich auf seinen Urlaub.
Doch dann begeht eine junge Farbige unter heftigen Umständen Selbstmord. Eine Farbige, die niemand kennt, niemand weiß, woher sie ist.
Paralell dazu geschehen Morde, Morde an Persönlichkeiten. Die Persönlichkeiten waren nicht ganz koscher, polizeibekannt, das macht die Sache aber nicht unbedingt leichter.
Gibt es Zusammenhänge zwischen den Morden ? Evt. sogar einen Zusammenhang zu dem Selbstmord ? Oder war es gar kein Selbstmord ?
Und ist evt. auch Wallanders Tochter in Gefahr ?
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Wallander ist nicht nur Polizist eines kleinen Örtchens in Schweden, nein, er ist auch Vater. Die Tochter macht ihm Sorgen....vor allem, weil keinerlei Kontakt zur Mutter besteht.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel....tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Ich war von diesem Buch so begeistert, dass ich gestern gleich in den nächsten Buichladen maschierte und mir ein weiteres Buch dieser Serie kaufte.
Folgendes ist allerdings anzumerken:
Das Buch ist nicht nur spannend, nein, sondern auch detailliert. Nicht jedem Leser gefällt es zu lesen, wohin all das Blut spritzte oder wie genau die Mordwaffe ihre Aufgabe verrichtete.
Denn auch hierbei lässt Mankell keine Fragen offen.
Doch ich will ehrlich sein: Man kanns ertragen. Es geht also nicht um möglichst viel Blut in diesem Buch, nein, wahrhaftig nicht, sondern eher um detailgenaue Beschreibung. Nein, und dass auch nicht von Seite 1bis Seite x.
Meine Meinung dazu: Ich habe da keine Probleme mit; es wird nichts übertrieben, man hat den Eindruck, dass Mankells Recherchen auch bei Leichenbeschauern stattgefunden haben.
Freunde sagten mir, dass dieses Buch für Mankell schon eines der „brutaleren“ ist. Aber bitte, wie gesagt.....für mich wird eine Grenze nicht überschritten, im Fernsehen gibt´s Tag für Tag ganz andere Sachen zu sehen.
FAZIT
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ....??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus....
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-03 06:58:51 mit dem Titel Mankell, Henning: Die weiße Löwin
Im Herbst letzten Jahres wurde ich erstmalig auf HENNING MANKELL aufmerksam. Ein schwedischer Autor schreibt Erfolgskrimis?? Schon fast undenkbar..... .Ein Freund empfahl mir jedoch seinerzeit diese Lektüren und irgendwie bin ich dran hängengeblieben.
Inzwischen weiß ich sogar, dass Henning Mankell 1948 in Stockholm geboren wurde, mittlerweile in Mosambik lebt und dort seine Krimis schreibt. Früher hat er wohl auch Jugendbücher geschrieben, heute aber widmet er sich sehr erfolgreich den Kriminalromanen.
Offenbar hat er mit seiner Heimat aber nicht ganz abgeschlossen, denn seine Werke scheinen durchgängig in Schweden zu spielen.
Henning Mankell ist mit seinen Krimis sehr erfolgreich, auch hier in Deutschland.
Typischerweise handeln seine Krimis immer im gleichen Ort, immer mit den gleichen Polizisten.
Die Hauptperson heisst lustigerweise KURT WALLANDER und ist Kriminaler. Endlich mal kein Ltd. Mike Stone, kein Inspektor Gadget, kein Inspector Smith, Miller oder sonstwie.
Ein Krimi, der in schwedischer Provinz spielt und ein Kommissar namens Kurt Wallander ! So was gibt´s wahrhaftig nicht alle Tage !
Achja, eine Info noch so nebenbei:
DIE WEIßE LÖWIN gibt´s für 10 € als Taschenbuch und ist beim DTV-Verlag erschienen.
So, genug des Drumherums, jetzt zum eigentlichen Buch:
Eine Frau verschwindet. Genauer gesagt: Eine Immobilienmarklerin kommt nicht dort an, wo sie ankommen sollte sondern ist spurlos verschwunden. Die Frau samt Familioe scheint das perfekte Leben geführt zu haben: Gläubig, Familienglück, alles bestens, nie irgendwelche Probleme oder Feinde..... .Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass man sie tot auffindet. Doch wieso explodiert in der Nähe ihres eigentlichen Zieles plötzlich ein Haus, in dessen Schutt man eine High Tech Sendeanlage findet ? Und nicht nur das: Auch ein abgeschnittener Finger eines Farbigen spürt die Polizei dort auf.
Und was haben diese Funde mit der politischen Lage in Südafrika zu tun ? Scheinbar kommt die Waffe aus dieser Gegend. Ein Großteil dieses Krimis spielt nämlich dort....Selbst Namen wie De Klerk und Nelson Mandela spielen in diesem Krimi eine Rolle. Somit ist dafür gesorgt, dass der Leser nicht nur eine spannende Geschichte erfährt, nein, er lernt auch politisches dazu.
Und dann spielen auch noch Russen mit. Verstrickungen in verschiedene Länder lassen Kommissar Wallander diesen Fall nicht leichter lösen, absolut nicht. Wird er es trotzdem schaffen ? Rechtzeitig ?
Henning Mankell beschreibt die Ermittlungen des Kurt Wallander detailgenau und lässt den Leser mit an seinem Leben und Beruf Teil nehmen.
Der Leser bekommt neben den polizeilichen Ermittlungen auch Einblicke ins private des Kurt Wallander.
Auch bekommt´s der Leser mit den Kollegen des Wallander zu tun. Und diese sind auch nicht so ganz einfach. Fast so wie im wahren Leben ;-) .
Mankell hat einen spannenden und sehr packenden Schreibstil. Der Leser lechzt förmlich nach der nächsten Seite, dem nächsten Kapitel....tja, und sogar nach dem nächsten Buch.
Mankell wird oft vorgeworfen, dass er zu sozialkritisch schreibt, das würde nicht in Krimis hineingehören ! Ach nein ? Wieso eigentlich nicht ? Dass in Südafrika nicht alles Gold ist was glänzt sollte uns klar sein. Aber warum sollte man nicht über einen Krimi ein wenig mehr über die politischen und sozialen Verhältnisse in Südafrika erfahren ? Wallander recherchiert gut, bevor er Passagen in seinen Romanen veröffentlich, die nicht jedermann gefallen könnten.
Politsche Ziele, Bestechungen, Kumpeleien.....das gehört zum Leben und ist daher für meinen Geschmack auch in einem Krimi gut aufgehoben.
FAZIT
Toll ! Einfach klasse. Der Name Henning Mankell ist mir nun ein Begriff und das wird er auch bleiben. Die Stories, der Schreibstil, die Spannung, die Leichtigkeit der Erzählung....hier passt einfach alles !
Ich bin sicher, dass ich mir alle Fälle des Kurt Wallander zu Gemüte führen werde.
HALT:
Einen Wehmutstropfen gibt es doch noch: Und zwar den Umschlag des Taschenbuches !
Farblich ist dieser zum Großteil in sattem schwarz gehalten. Ok, das geht in ordnung, aber irgendwie ist das ein Papier bzw. ist da eine Beschichtung drauf, die wirklich den noch so kleinsten Fingerabdruck hinterlässt.
Ob das kriminaltechnische Hintergründe hat ....??
Egal, jedenfalls sieht´s nicht so toll aus.... weiterlesen schließen -
Val McDermid : Ein Ort für die Ewigkeit
Pro:
außergewöhnlich
Kontra:
keines
Empfehlung:
Nein
Der Krimi " Ein Ort für die Ewigkeit" von Val McDermid ist ein außergewöhnliches Buch.
Was zunächst wie ein typischer englischer Krimi beginnt geht viel tiefer auf die Frage nach Schuld und Gerechtigkeit ein.
Die Handlung spielt während der ersten beiden Drittel des Buches im Dezember 1963 in der Nähe von Derby.
Der Winter in dieser Gegende ist besonders trostlos und kalt, was auch z.T. die Stimmung des Buches prägt.
Im kleinen Weiler Scardale ( 30 Einwohner) verschwindet die 13-jährige Alison Carter spurlos.
Da sein Vorgesetzter erkarnakt ist übernimmt der junge Detective George Bennet die Ermitllungen. Er hat Jura studiert und ist dadurch bevorzugt befördert worden, dies ist seine erste große Ermittlung ( die er leitet). So ist verständlich , dass er sich sehr in die Arbeit vertieft. Zu dem ist seine Frau noch schwanger.
Im Laufe der Ermittlungen verdichten sich die Anzeichen, dass Alison ermordert wurde, allerdings findet man ihre Leiche nicht. Die Dorfbewohner sind zunächst nicht sehr kooperativ und geben nur langsam ihre Beobachtungen und Hintergrundwissen weiter.
Alle Hinweise führen schließlich zu einem Täter ( den ich hier nicht nennen möchte ;-). Das Buch beschreibt auch den Prozess, der ihm gemacht wird.
Der zweite Teil des Buche spielt im Jahr 1998. Eine Journalistin möcht ein Buch über den Fall schreiben und führt lange Gespräche mit George Bennet. Kurz vor der Veröffentlichung jedoch will dieser diese verhindern und erleidet einen Herzinfakt - und das alles nach dem er in Scardale war. Was hat er dort gesehen und hat man vor 35 Jahren doch den falschen Täter gefunden?
Das Buch beschreibt eine spannende Kriminalgeschichte , deren Ende allerdings für mich ein wenig abwegig war ( dadurch aber auch kaum vorhersehbar) Gleichzeitig steht aber auch die Frage nach Gerechtigkeit im Vordergrund und der Leser fragt sich am Ende , wie er oder sie gehandlet hätte, wäre er damals in Scardale gewesen.
Außergewöhnlich ist auch die Atmospähre in dem kleinen Dorf, die man sich als Stadtbewohner nur schwer vorstellen kann.
Das Buch ist jedem zu empfehlen, der spannende Geschichten mag.
Val McDermid: Ein Ort für die Ewigkeit
Verlag Droemer Knaur
Taschenbuch: ? 9,90, 588 Seiten, erschienen ( TB) 2001 weiterlesen schließen -
Wo ist das klare Täterprofil?
08.04.2002, 13:58 Uhr von
bavariangirl
Ich verteidige meinen Computer gegen 5 Männer meines Haushalts (8-40 Jahre). Manchmal ganz leicht...Pro:
Spannende Ermittlungsarbeit in der Welt Schwedens
Kontra:
manchmal langatmige Passagen
Empfehlung:
Nein
Henning Mankell ist wohl einer der gefragtesten Krimischreiber zur Zeit und schon im Sommer habe ich mit diesem 602 Seiten-Buch begonnen, 3 Seiten danach habe ich es weggelegt.
Ein festgebundener Roman ist sehr unpraktisch, schlecht in der Badwanne zu halten da schwer, sperrig im Urlaub und so kam es erst mal ins Bücherregal.
Nachdem ich vom Arzt Schonung verordnet bekommen hatte und ich manchmal folge, bekam dieses Buch eine 2. Chance. Gemütlich auf dem Sofa in eine Ecke gekuschelt begann ich die ersten Seiten gierig zu lesen, die Spannung baut sich toll auf, man ist richtig aktiv am Spurensuchen dabei.
Mittsommermord ist ein Buch dessen Handlung in Schweden spielt, Hennings Kommisar „Wallander“ ist der Mittelpunkt des Buches die Hauptperson, ein Kollege von ihm wird bestialisch ermordet......feingeistige Menschen sollten das nicht gerade vor dem Schlafengehen lesen, denn alles wird sehr detailiert und schnörkellos beschrieben, wie eigentlich der ganze Roman.
Der gesundheitlich angegeriffene Kommisar Wallander beginnt die Puzzleteile zu ordnen, immer hat er das Gefühl etwas wichtiges zu übersehen.
Sein Gesundheitszustand ist schlecht, er hat Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetis. Doch Wallander hat einen Fall und ignoriert seinen Arzt, seine körperlichen Anzeichen.
Schön finde ich das Wallander so menschlich dargestellt wird, nicht alles gelingt ihm bei seiner Ermittlungsarbeit, es gibt Rückschläge und falsche Wege, doch irgendwie nähern sie sich dem Täter.
Der Täter mordet, er kann glückliche Menschen nicht leiden, deshalb begeht er den Mord des Romans den Mittsommermord. 3 junge Menschen werden zu Beginn ermordet, als sie dieses Fest, in historischen Kostümen feiern, doch wie und wer noch ermordet wird verrate ich nicht, denn sonst verliert das Buch an Spannung.
Mankell versteht es denn Leser in die schwedische Schärenwelt zu entführen, die Ausflüge in die Kargheit Schwedens, obwohl es Sommer dort ist, vermitteln einem das Gefühl der Einsamkeit und Weitläufigkeit des Landes. Doch die moderne Kommunikation und Ermittlungsarbeit hält nicht an vor dieser Welt, sondern dringt ein und spürt die Fakten auf.
Wallander ist ein kollegialer Kommisar der freundlich zu allen ist. Geschickt erfährt man immer wieder von den emotionalen Wandlungen des Kommisars die Henning ausführlich beschreibt, so dass auch der Laie erkennt wie schwer Polizeiarbeit ist.
Wallander ermittelt bis zur körperlichen Erschöpfung und etwa ab dem 2. Drittel des Buches kann man den Täter erkennen, doch am Schluss des Buches war ich ein bisschen enttäuscht so wenig über die wirklichen Hintergründe der Morde zu erfahren, war er denn wirklich so gestört bzw. verrückt das fast grundlos zu machen. Doch so ist wohl das Leben man findet nicht immer für alles Begründungen und Schuldige.
Lest das Buch ich kann es empfehlen die 39 DM/19,94 Euro haben sich gelohnt, aber nehmt Euch Zeit dafür, es gibt immer wieder Passagen die, die Landschaft, oder Gedanken des Wallander beschreiben und mir manchmal etwas langatmig vorkamen. Doch Spannung gab es von Anfang bis Ende immer wieder, bitte entnehmt auch Infos aus den Bewertungspunkten.
Nachtrag: ISBN: 3552049622 weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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hpmaier, 08.04.2002, 14:08 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Hihi...das mit der Badewanne....aber du hast ja Recht ! Da hat man mal Zeit, ach ja, und auch aufm Klo...gruesse hpmaier
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Informationen
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