Mehr zu AutorInnen mit N Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Pro & Kontra
Vorteile
- Der bezaberndste aller Petterson-und-Findus-Bände
- geistreich, temporeich, kuzweilig
Nachteile / Kritik
- nichts
- mir fällt nichts ein
Tests und Erfahrungsberichte
-
Helmut Newton: *Autobiographie*: Das Abenteuer Leben
5Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Wer ist der Mann hinter der Linse der Kamera? Wer ist der Mann, der uns auf dem Titelbild über den gestreckten Zeigefinger anvisiert? Man kennt Newtons Bilder, seine Nuditäten, seine teuren Bücher.
Aber nur wenig ist über den Menschen Helmut Newton bekannt, der als Jude Neustaedter geboren wurde. Schlicht erzählt er von einem aufregenden Leben in einem unruhigen Jahrhundert. Darum ist wohl auch seine Autobiographie einfach nur so genannt: "Autobiographie".
Der Autor
°°°°°°°°°
Der 1920 in Berlin geborene Autor ist wahrscheinlich der berühmteste Fotograf der Gegenwart. Seit er mit seiner provokativen Ausstellung "Big Nudes" weltweit bekannt wurde, sind ihm zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeiten zuteil geworden. 1992 wurde ihm beispielsweise das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Er lebt in Monte Carlo.
Inhalte
°°°°°°°
Das Buch ist in zwei Abschnitte aufgeteilt: "Das Leben" (1920 bis ca. 1985) und "Die Arbeit" (ca. 1930 bis 2001).
Das Leben
°°°°°°°°°
Newton ist der Sproß einer Berliner Fabrikantenfamilie und wuchs verwöhnt von seiner Mutter und stets schwächlich gehalten auf, bis ihn sein Vater schließlich zum Schwimmen schickte. Dabei entwickelte er endlich so etwas wie eine Sportlerkondition, kam aber dabei auch dem schönen Geschlecht um etliches näher.
Neben der Schule verdiente er sich ein Taschengeld mit Hilfsarbeiten für Berliner Fotografen, und mit 16 trat er als Lehrling in das Atelier der berühmten Fotografin Yva ein. Um der Verhaftung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, verließ er Deutschland 1938 mit Hilfe eines von seiner Mutter gekauften Schiffstickets Richtung China. Der Grenzzoll gestattete ausreisenden Juden nur minimale Geldbeträge. Bettelarm kam er daher in Singapur an und durfte an Land gehen. Doch er war kein Kind von Traurigkeit und frönte an Bord wie an Land mit etlichen Damen dem Liebessspiel.
So hielt er es in der britischen Kronkolonie mehrere jahre aus, bis die Japaner näher marschierten und fast alle Ausländer interniert wurden. Im Internierungslager nahe Melbourne musste er in Obstplantagen schuften, danach trat er der australischen Armee bei: eine gute Zeit. Nach dem krieg eröffnete er in Melbourne ein kleines Fotostudio. Als er seine heutige Frau June kennenlernte und heiraten wollte, machte er mit jüdischen Vorurteilen Bekanntschaft: Entweder sah er von einer Verbindung mit der nichtjüdischen "Schickse" ab oder er musste auf eine lukrativen Dauerauftrag verzichten. Newton - er hatte inzwischen seinen Namen ändern lassen - verzichtete lieber und heiratete.
June war Schauspielerin, am Theater und im Fernsehen. Doch als der Ruf aus London und Paris Newton ereilte, nahm er sie natürlich mit: Sie lernte Malen und Fotografie. In der Folge führte sie so manchen Auftrag aus und zu Ende, wenn ihr Mann dazu nicht in der Lage war, sei es aus Zeit- oder gesundheitlichen Gründen. Der Kettenraucher Newton erlitt ca. 1972 einen Hirnschlag und musste vorsichtig sein. Die 60er und 70er Jahre waren gute Jahre - die "Vogue" zahlte gut -, doch die unablässige Arbeit forderte ihren Tribut von Newtons Körper.
Die Arbeit
°°°°°°°°°°
Newton erklärt sein Handwerkszeug, seine Arbeitsweise und zahlreiche bemerkenswerte Fotoshootings. So fotografierte er einmal Mrs. Thatcher. Sie hasste ihr Foto, denn darauf sah sie aus wie ein Haifisch. Heute hängt es in der National Portrait Gallery in London.
Er erläutert auch, warum er ein Faible für nackte Frauen in ungewöhnlichen Situationen oder extravagantem Ambiente wie etwa Waschküchen hat. (Ich wusste nicht, dass er einmal Motive zu "Die Geschichte der O" fotografiert hat.) Für manche Leute sind seine Frauenfotos pornografisch, aber richtigen Pornofans sind seine Fotos nicht hart genug.
Und er spricht seinen Printern ein dickes, demütiges, dankbares Lob aus: Das sind die Handwerker-Künstler, die aus kleinen Negativen große, manchmal überlebensgroße Drucke machen.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°
Das bUch habe ich in zwei Tagen gelesen. Das ging so schnell, nicht weil so viele Fotos abgedruckt sind - die finden sich im Arbeit-teil -, sondern weil Newtons so kurze Sätze schreibt, die leicht verständlich sind und doch ganz genau eine Stimmung einfangen, eine persönlichkeit auf den Punkt bringen. Das ist bewundernswert bei einem Künstler, der nicht mit dem Wort arbeitet, sondern mit dem Bild.
Man darf sich von dieser Einfachheit nicht täuschen lassen. Was Newton sagt und was er meint, kann manchmal zweierlei sein. Er ist ein Meister des Understatements und der versteckten ironischen Kritik.
Newton vermittelt einen sehr sympathischen, aber nicht ungetrübten Eindruck. Er erzählt von einem Menschen, der auf seiner Odyssee auf die andere Seite der Weltkugel und wieder zurück nie sein Ziel aus den Augen verlor, ein erfolgreicher Fotograf zu werden. Für diesen Erfolg wollte er aber nicht seinen eigenen persönlichen Stil verleugnen müssen. Seine Auftraggeber war oft so freundlich, diesen Stil zu akzeptieren, aber nicht immer.
Newton hat vieles auf sich genommen, um dieses Ziel zu erreichen. Doch er hat auch Niederlagen und Demütigungen (siehe oben) einstecken müssen. Kurios sind manche davon: So schildert er etwa das peinliche Schweigen, das eintrat, als er die Modefotos zeigte, die er für die VOGUE von der Schauspielerin Hanna Schygulla geschossen hatte. Einziger Kommentar der Zuschauer: "Die Achselhaare." Tatsächlich: Schygulla zeigt fast stets ihr Achselhaar, in das sich Newton verguckt hatte. Zu schade: "Achselhaare gab es nicht in der Welt der VOGUE, niemals." Er hätte daran denken müssen. Shit happens.
Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°
Ich habe schon einige Biografien gelesen, aber nur wenige Autobiographien. Ich hielt dies immer für ein etwas überhebliches Unterfangen seitens des Urhebers. Newtons "Selberlebensbeschreibung", um einmal Jean Paul zu bemühen, hat mich angenehm vom Gegenteil überzeugt: Ohne mich auf seine Seite ziehen zu wollen, zeigt er mir einen lebensfrohen, sinnlichen und klugen Menschen, der einiges einstecken musste und doch sein Ziel, ein erfolgreicher Fotograf zu werden, nicht aus den Augen verloren oder gar aufgegeben hat.
Ganz nebenbei lernen wir die Mode- und Fotografenwelt kennen, die Welt der Promis wie auch die der Nachtseite der Städte. Beides faszinierte Newton. Sein Buch erweitert den Horizont des Lesers, geistig wie visuell.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: C. Bertelsmann 10/2002, München; 335 Seiten, EU 24,90, ISBN 3-570-00672-7
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-18 16:18:58 mit dem Titel Håkan Nesser: *Der Tote vom Strand*: Erstklassiger Schwedenkrimi
Zwei Menschen verschwinden, am Strand findet man einen Toten, doch die Wahrheit scheint in einem 16 Jahre zurückliegenden Mord zu suchen zu sein. Ewa Moreno wollte eigentlich Urlaub machen, doch nun hat sie alle Hände voll zu tun. Diesmal spielt weder Kommissar van Veeteren die Hauptrolle, noch spielt das Geschehen in Maardam, dem fiktiven Ort in Nessers fiktivem Europa.
Kurz gesagt: Dieser Krimi ist vom Feinsten und jedem Thrillerfreund zu empfehlen, dem es nicht auf Leichenberge und Blutfontänen ankommt.
Der Autor
Håkan Nesser wurde 1952 geboren, lebt in Uppsala und zählt mittlerweile zu den wichtigsten Krimiautoren Schwedens. Manche seiner Romane um Kommissar van Veeteren wurden verfilmt. Auf deutsch sind u.a. erschienen: Das vierte Opfer, Der unglückliche Mörder, Münsters Fall und Der Kommissar und das Schweigen.
Handlung
Auch Polizisten müssen mal Urlaub machen. Das hat auch Kriminalinspektorin Ewa Moreno vor, die in Maardam in der Station Dienst tut, vor bis vor wenigen jahren auch "Der Kommissar" Van Veeteren arbeitete, bevor er sich als Betreiber eines Buchantiquariats selbständig gemacht hat.
Moreno freut sich auf vier Wochen Auszeit, die vor allem mit dem Psychologen Mikael bau in dessen Ferienhaus an der Küste verbringen will. Aber mal ehrlich: Kann das der Mann fürs Leben sein, wenn er noch einen Trabbi fährt? Aus dem Test, ob das mehr wird als ein Flirt, dürfte kein positives Ergebnis herauskommen.
Zum Abschied von der Maardam-Wache erhält sie noch den Auftrag, einen Verbrecher in Lejnice zu befragen, um Namen von unentdeckten Verbrechern zu erfahren. Na toll, sie freut sich schon auf das Verhör mit "dem Schleimscheißer". Aber das ist Nebensache.
Im Zug nach Lejnice lernt Ewa nämlich eine weinende junge Frau namens Mikaela Lijphart kennen, die ihren Vater besuchen will. Sie habe erst zu ihrem 18. Geburtstag von ihrer Mutter erzählt bekommen, dass ihr Ziehvater nicht ihr leiblicher Vater sei. Letzterer lebe vielmehr seit 16 Jahren in einer Heilanstalt für Geisteskranke. Doch nachdem Mikaela diesen Arnold Maager besuchte, verschwindet sie, wie Ewa verblüfft herausfindet. Der örtliche Polizeichef Vrommel reagiert jedoch seltsam desinteressiert. Werden in Lejnice keine Vermissten mehr gesucht?
Da scheint es vor 16 Jahren ein ungesühntes Verbrechen gegeben zu haben, für das man den Lehrer und Familienvater Arnold Maager verurteilen wollte. Er hatte eine seiner Schülerinnen namens Winnie Maas angeblich zuerst geschwängert und dann von einer Brücke gestürzt. Diese Vorgeschichte wird am Anfang jedes Buchteils weiter enthüllt, was doch für einige Spannung sorgt.
Nun verschwindet Arnold Maager wenige Tage nach seiner Tochter, und keinen scheint es zu kümmern. Dann stoßen am Strand zwei 'Schätzgräber' spielende Jungen auf die Leiche eines Mannes. Es handelt sich um einen gewissen Tim van Rippe.
Durch Hinzuziehen ortsfremder Untersuchungsbeamten zur Aufklärung dieses Mordes deckt Ewa eine Verbindung von van Rippe zu Polizeichef Vrommel auf. Zu blöd. Nun bleibt ihr nur ein Weg offen: Sie muss die lokale Presse einschalten, um tiefer in der Vergangenheit zu graben und die Vermisstenanzeigen für Mikaela und ihren Vater zu veröffentlichen.
Doch am Schluss steht wie so oft die Frage, wie man mit der aufgedeckten Wahrheit umgeht. Wie soll Gerechtigkeit aussehen? Da hilft ihr die philosophische Weisheit van Veeterens, den geistigen Übervater der Maardam-Polizisten.
Mein Eindruck
"Der Tote vom Strand" hat mir noch besser gefallen als "Der unglückliche Mörder" (siehe Bericht). Die Handlung ist vielschichtiger und bereit zu jedem Zeitpunkt einiges Kopfzerbrechen, zumal die wichtigen Fakten nur scheibchenweise enthüllt werden. Zum anderen spielt mit Ewa Moreno zur Abwechslung mal eine (für eine Polizistin) recht einfühlsame Frau die Hauptfigur. Eigentlich woltle sie ja Urlaub machen, nicht zwei Mörder jagen. Sie ist eine recht sympathische Figur, ohne dabei ihre Schwächen zu verdecken.
Nesser wird immer besser. Er charakterisiert selbst seine Nebenfiguren, dass man sie sich bildlich vorstellen. Mikael Bau fährt einen Trabbi, Winnie Maas' Mutter lebt in einem Saustall, Arnold Maager vegetiert, wiewohl unschuldig, vor sich hin, und Polizeichef Vrommel stählt sich als Single mit Liegestützen statt auf Verbrecherhatz zu gehen.
Natürlich muss man eine Weile über die im Buch mitgeteilten Fakten grübeln und sie erst einmal zusammensetzen. Der leser ist von Anfang zur Mitarbeit aufgefordert. Denn Nesser hebt anders als Mankell nie den mahnenden Zeigefinger, führt uns aber weiter in das Labyrinth menschlicher Leidenschaft und Schuldverstrickung.
Am Schluss, wenn man sich vom Schrecken halbwegs erholt hat, wartet kein Richterspruch. Niemand enthebt uns der Verantwortung, selbst Gerechtigkeit walten zu lassen. Und diese Aufgabe stellt sich als schwieriger heraus als erwartet. Allenfalls gibt es so etwas wie "poetische Gerechtigkeit". Man kann froh sein, wenn es die "richtigen" trifft und nicht die "Guten". Der Übergang ist eh fließend.
Diese Offenheit und Wahlfreiheit hat mich weit mehr für Nessers Buch eingenommen als alle deutlichen Zeigefinger und Anklagen.
Unterm Strich
"Der Tote am Strand" ist ein von Anfang bis Ende überzeugender Krimi von einem Könner. Eine Ermittlerin ist vielleicht nicht jeder Manns Sache, sorgt aber für eine neue Würze und eine erhöhte Sensibilität bei der Aufdeckung der begangenen Verbrechen. Nesser erzählt ganz anders als seine amerikanischen Kollegen, erklärt nicht alles haarklein und findet eine Zone des (Un-) Rechts, wo die Antwort nicht offensichtlich und vorgefertigt ist.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Ewa Morenos fall, 2000; BTB 08/2002, München; 351 Seiten, aus dem Schwedischen von Gabriele Haefs, EU 21,90, ISBN 3-442-75060-1
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-03 18:20:17 mit dem Titel Hakan Nesser: *Der unglückliche Mörder*: Verzwickter Krimi
Eine Mordserie, doch kein Serienmörder. Ein Täter ohne Skrupel, doch zugleich auch ein Opfer. So verzwickt können skandinavische Krimis sein, und so gut, dass man süchtig danach wird.
Dieser Roman ist himmelweit entfernt von irgendwelchen Abenteuergeschichten, die Handlung spielt im grauen November einer Kleinstadt. Dennoch entwickelt sich ein Drama, das es mit etlichen Thrillern aufnehmen kann.
Handlung
°°°°°°°°
Es ist eine neblige, nasskalte Nacht, als der Mörder - wir erfahren lange zeit nicht seinen namen - seine Stammkneipe verlässt, erheblich angetrunken. Der Regen fällt in Strömen, als der Junge seine Freundin verlässt, den letzten Bus verpasst und die paar Kilometer Landstraße nach hause in Angriff nimmt. Als der Mörder den Aufprall hört, ist es natürlich bereits zu spät - der Junge hat tödliche Verletzungen erlitten. Der Fahrer traut sich nicht, ihn zur Polizei oder ins Krankenhaus zu bringen. Wozu das eigene Leben zerstören? Andere Autos fahren achtlos vorbei. Lieber Fahrerflucht begehen und alles vergessen.
Leider ist das Vergessen alles andere als einfach. Die Todesnachricht ist in allen Medien zu hören, schließlich ruft auch noch die Mutter des Jungen den Mörder auf, sich der Gerechtigkeit zu stellen. Vergebens. Schon gar nicht, als sich der Mörder in eine unglücklich verheiratete Frau verliebt. Die Krankenschwester Vera Miller eröffnet ihm eine rosige Zukunft voller Hoffnung - dumm nur, dass sie noch verheiratet ist. Da erhält er einen Brief: Entweder 10.000 Gulden oder die Wahrheit fliegt auf.
Ganz cool zahlt der Mörder erst einmal, dann bringt er den Boten des Erpressergeldes um, den er für den wirklichen Erpresser hält. Unglücklicherweise handelt es sich bei diesem Handlanger um Kommissar van Veeterens Sohn Erich. Der Kommissar, die Hauptfigur zahlreicher Nesser-Krimis, ist untröstlich und strebt nach Rache. Leider tappt die örtliche Polizeitruppe vorerst völlig im Dunkeln.
Der Mörder ahnt noch nicht, dass seine Feiheit noch zwei anderen Menschen den Tod bringen und sein eigenes Leben zugrunde richten wird. Denn wenige Tage nach Erichs Tod erreicht ihn ein zweiter Brief des Erpressers: Er verlangt nun 200.000 Gulden für sein Schweigen. Die folgende Kurzschlusshandlung wird dem Mörder schließlich zum Verhängnis (obwohl 120 Seiten vergehen müssen, bis das Buch endet).
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°
Der Originaltitel des Romans lautet "Carambole", zu deutsch etwa "Karambolage". Damit ist nicht etwa ein Verkehrsunfall gemeint, sondern das Spielprinzip beim Billard. Stößt man eine Kugel an, trifft man auch andere damit - und so weiter. Genauso ergeht es dem Mörder mit seinen Morden. Was zunächst noch als Unfall abgetan werden konnte, führt durch die Erpressung zum ersten vorsätzlichen Mord. Um sich zu schützen, ist der nächste Mord nötig und so weiter - Karambolage.
Auch Notwendigkeit? Der Mörder fasst es so auf, dadurch wird er zu einer tragischen Figur, ungefähr wie Schillers "Wallenstein", das Opfer politischer Mächte und Machinationen. Zunächst fällt es uns schwer, den Mörder als Opfer zu sehen, und doch stimmt es.
Natürlich sind auch die Toten und ihre Angehörigen Opfer. Kritisch wird es jedoch, als Kommissar Van Veeteren, der große alte Mann, auf Rache für den Mord an seinem Sohn sinnt, also selbst Täter wird. Gerechtigkeit, Justiz und Recht - diese Begriffe geraten nun ins Zwielicht. An welchem Punkt beginnt ein Opfer, zum Täter zu werden - und umgekehrt? Diese Frage könnte als zentrales Thema dieses Buches betrachtet werden.
Natürlich erzählt Nesser noch viel mehr. Von den Hoffnungen des Mörders, den Ahnungslosigkeiten und abstrusen Ideen der Schnüffler, von ahnungslos-überraschten Zeugen, von Erich van Veeterens ungeborenem Kind. Offenbar dreht sich die Handlung wie ein Wirbelwind des Leids spiralförmig auf einen Punkt am Abgrund zu. Man kann sich dem Verdacht nicht entziehen, dass solches Geschehen in vielen Städten der Welt tägliche Routine ist, ob uns dies gefällt oder nicht. Was aber würde uns davor schützen? Liebe, Glaube, Hoffnung? All dies kommt unter die Räder und ist doch das einzige, das dagegen hilft: Menschlichkeit.
Dass Nesser ein ausgezeichneter Erzähler ist, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Er verrät nur das Nötigste, charakterisiert seine Figuren aufs genaueste, ohne zu schwafeln, und führt die Handlung mit bedacht auf eine überraschende Konsequenz hin. Kurzum: beste Krimitradition. Bei Nesser bsteht hohe Suchtgefahr.
Das einzige, was mich störte, waren die grauen, trostlosen Tage, die man in diesem Buch ständig vorgesetzt bekommt. Nun ja: Im November lebt keiner im Norden in einem Rosengarten. Und es gibt ja immer noch andere Bücher, die sonniger sind.
Der Autor
°°°°°°°°°°
Hakan Nesser, jahrgang 1950, ist einer der interessantesten Krimiautoren Schwedens. Dort gilt er als der unumstrittene Star des Genres, wohl neben Mankell. Seine Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, würden vielfach übersetzt und bereits verfilmt. Er lebt in Uppsala.
Alle seine Bücher erscheinen bei BTB, einer Tochter des Random House-Bertelsmann-Konzerns.
Taschenbücher:
. Die Frau mit dem Muttermal.
. Das grobmaschige Netz.
. Das falsche Urteil.
. Das vierte Opfer.
Hardcover:
. Münsters Fall.
. Der Kommissar und das Schweigen.
- Der Tote am Strand (besprochen:-)
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Carambole, 1999; BTB 2001, 72628, München; 320 Seiten, DM 18,00, aus dem Schwedischen übertragen von Gabriele Haefs; ISBN 3-442-72628-X
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-15 23:04:28 mit dem Titel Niven/Pournelle/Flynn: *Gefallene Engel*: Zukunftsvision der SF-Kultautoren
Larry Niven/Jerry Pournelle sind bereits ein altgedientes Gespann von Hard-SF-Autoren und haben daher eine große Fangemeinde. Da sie die Fans auf den Conventions, kurz Cons genannt, treffen, sind sie ihnen sozusagen brüderlich zugetan. "Gefallene Engel" könnte sehr gut den Fans gewidmet sein, denn es ist ein wahres Loblied auf ihre Tugenden.
Handlung
°°°°°°°°
In einem der nächsten zwei Jahrhunderte suchen zwei große Unglücke die Erde – und vor allem die glorreichen USA – heim: die längst prophezeite Eiszeit und das Regime der Öko-Bürokraten, der Grünen. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß sie letztere für das größere Unglück halten. Eine Eiszeit ist etwas Natürliches, und so ein rechter (!) Amerikaner kann damit zurechtkommen, auch wenn es hart wird. Aber ideologisch verblendete Technikfeinde wie die Grünen verhindern, daß die technischen Mittel entwickelt werden, um mit den Unbilden der Natur fertigzuwerden.
In dieser Zeit der vorrückenden Gletscher – sie haben bereits Minneapolis und Winnipeg umschlossen – fügt es sich, daß die Bewohner der im Orbit schwebenden Habitate einen Stickstoffsammler ausschicken und dieses Raumgefährt von den Luftabwehrrakten der Grünen abgeschossen wird. Man läßt sich eben nicht so einfach die Atmosphäre klauen! Die "Engel", wie sie von den SF-Fans in Mnneapolis genannt werden, notlanden auf einem nahen Gletscher. Sofort starten die Fans, wiewohl sonst im Verborgenen wirkend, eine Rettungsaktion, immer die Entdeckung durch die reaktionären Polizeistreitkräfte fürchtend. "Raphael" und "Gabriel", so tauft man die beiden Piloten des Fliegers, finden ihren Weg so in eine geheime Convention der SF-Bruderschaft. Hier lernen sie nicht nur Muskeltraining und Yoga kennen, sondern auch ein paar schräge regierungsfeindliche Vögel. Den Autoren macht es sichtlich Spaß, die Szene zu schildern. Aber auch die Gegenseite kommt zu Wort, und eine clevere Frau von der Luftwaffenpolizei ist den Engeln auf den Fersen.
Der Rest des Buches dreht sich darum, die beiden gefallenen Engel wieder nach Hause zu schicken, denn ihre schwache Konstitution hält die irdische Schwerkraft trotz allen Trainings nicht aus. Ihr Rückweg führt quer durch die Staaten zu Museumsstücken an Ex-Raketen und zu einer experimentellen Rakete in der Mojave-Wüste. Dort laufen schließlich alle Handlungsfäden zusammen, auch die der zahlreichen Verfolger. Es müssen ungefähr alle SF-Fans, die Los Angeles aufzubieten hat – bestimmt nicht wenige! – mitgeholfen haben, um die Rakete mit allem Nötigen zu versorgen, die die Engel in den Orbit zurückbringen soll: Treibstoff, Proviant, aber auch lebende Kulturen für die Habitate, sogar Hühner. Natürlich gelingt der Start erst, als bereits alles verloren scheint. Da machen die Autoren ihrem Ruf als Profis alle Ehre.
Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°
Wer sich auf die Sympathie der Autoren für SF-Fans einläßt und mit ihrer Kritik an den Grünen zurechtkommt, der findet an diesem hübsch und pfiffig erzählten Garn sein wahres Vergnügen. So ganz nebenbei flechten die Autoren etliche Kritikpunkte ein, was die Technikfeinlichkeit und übertriebene Vorsicht anbelangt. Bezüge werden sogar zu Bradburys "Fahrenheit 451" hergestellt: Liest der gemeine Science-Fiction-Fan überhaupt politisch korrekte Literatur? Oder ist er nicht doch reif für die "Umerziehung"? An solchen Stellen bleibt dem Leser dann das Lachen im Halse stecken.
Michael Matzer ©2000ff
Info: Fallen angels, 1991; Heyne, 1998, 525 Seiten, DM 16,90, aus dem US-Englischen von Walter Brumm weiterlesen schließen -
-
Lolita - Padophile Gedankenwelt
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Vladimir Nabokov brachte LOLITA 1955 heraus. Schon damals erregte das Buch enormes Aufsehen, weil es sich mit einem sehr brisanten Thema beschäftigt, der Pädophilie Zwei mal wurde es verfilmt, ich habe allerdings keine der Verfilmungen sehen können was natürlich den Vorteil hatte das ich völlig unvorbereitet und frei von Vorurteilen war.
Wir tauchen in die Gedankenwelt eines über 40jährigen ein und Erfahren seine Liebe zu einer 12, später dann 13jährigen.
Der Protagonist Humpert Humpert ( wie er sich selbst nennt) erzählt und die Geschichte von Anfang an. Er beginnt als er selber noch ein pubertierender kleines Spross war, er liebte damals die kleine Annabal die seine erste große Liebe war und er selber sieht sie als Vorbild und Ursache der späteren Ereignisse. Annabel stirbt, und das löst in Humpert Humpert einen derartigen Schock aus das er Gefühlsmäßig in der Haut eines 14jährigen hängen bleibt. Umso älter er wird m so mehr spürt er selber wie etwas nicht stimmt. Sein Interesse an erwachsenen Frauen ist quasi nicht vorhanden, statt dessen faszinieren ihn kleine frühreife Kindfrauen, Nympchen , wie er sie nennt, Mädchen zwischen 9 und-13 Jahren. Irgendwann beschließt er zu heiraten um vielleicht durch die Macht der Gewohnheit seinen seltsamen Trieben zu entkommen. Allerdings verschlägt es ihm immer wieder zu Nymphenartigen Prostituierten bei denen er doch immer wieder den starken trieb verspürt. Als seine Frau ihn wegen eines anderen verlässt nutz er die Gelegenheit und will sein Leben komplett verändern und wandert nach Amerika aus.
Auf der Suche nach einer Bleibe trifft er auf das heruntergekommene Haus von Charlotte Haze und ihrer 12jährigen Tochter Dorores. In Dolores findet er SEINE Lolita. Es gelingt ihm trotz seiner immer stärker werdenden Liebe und die dementsprechenden Triebe diese vor beiden geheim zu halten. Wie der Zufall es will verliebt sich Charlotte in ihren Untermieter und er packt die Chance beim Schopf bei Lolita zu bleiben solange er will, und heiratet ihre Mutter. Als Charlotte aus Neugierde in seinen Sachen herumstöbert findet sie seine Tagebuchaufzeichnungen und somit sein schreckliches Geheimnis. Charlotte konfrontiert Humpert mit dem Entdeckten und ist dermaßen schockiert über die kaltblütigkeit ihres Ehegatten das sie einfach aus dem Haus rennt..
Sie übersieht auf der Straße das herannahende Auto, welches sie mit voller Wucht erfasst!
Nun hatte Humpert Humpert seine Lolita für sich ganz alleine. ER holte sie aus dem Ferienlager ab in dem sie sich gerade befand und es begann ein irrsinnige Fahrt quer durch ganz Amerika.
Wann und wie die beiden zu einem Liebespaar werden? Wie sich ihre Beziehung zueinander entwickelt! Welche Schicksalsschläge insgesamt noch auf sie warten , verrate ich euch natürlich nicht, denn schließlich möchte ich euch dieses brillante Werk ja empfehlen zu lesen.
MEINE MEINUNG
Zu Geschichte....
Das es sich hier um ein Reizthema handelt dürfte wohl klar sein. Erstaunlich wie intensiv und detailliert Nabokov die Gedankengänge des Humpert Humpert beschreibt. Er schafft es das man ihn vielleicht ein bisschen versteht, das gelesene zwar immer noch verurteilt aber dennoch sich in ihn hineinversetzen kann. Ob die Geschichte glaubhaft ist oder nicht sein mal dahin gestellt, darum geht’s es vornehmlich auch gar nicht. Was einzig und allein wichtig scheint ist die Auslebung der Liebe, die Selbstzweifel( wenn er denn mal welche hat), den Umgang mit dem herannahenden Ende der lolitahaftigkeit von Dolores, den Umgang mit seinen Trieben!
Zur Schreibweise...
Faszinierend ist die wundervolle Schreibweise, der Darstellung der Liebe, der Sehnsüchte, der Triebe. Ein so abstoßendes Thema mit soviel Hingabe und Leidenschaft zu schreiben machen dieses Werk quasi vollkommen. Natürlich liegt der Gedanke das Nabokov selber vielleicht solche Träume hat sehr nah. Keiner weiß es, und wenn es nicht so ist hat er uns genau diese Illusion in einer sehr perfekten Form gegeben.
DER AUTOR
Vladimir Nabokov wird 1899 in St. Petersburg geboren. Nach der Oktoberrevolution flieht er nach England mit seiner Familie. Er veröffentlichte zunächst unter dem Pseudonym W. Sirin.Er verstarb 1977 in Lausanne.
FACTS
Vadimir Nabokov / Lolita
Alle seine Werke sind im Rororo Verlag als Taschenbuch erhältlich .
8,90€
ISBN:3-499-22543-3
527 Seiten
FAZIT
Keinesfalls sollte man sich von dem eigentlich ekelhaften Thema abschrecken lassen. Das Buch ist derart sensibel geschrieben das jeder mit Humperts keinen Welt Einklang findet. Sicherlich ist es erschreckend, furchtbar, unglaublich...aber dennoch sollte man dieses Thema wohl nicht ignorieren da es wohl auch heute aktuell ist wie eh und je. Ich kann und werde dieses Buch mit voller Punktezahl weiterempfehlen an alle die die gerne etwas anspruchsvollere Literatur zum Nachdenken lesen.
Viele Grüße Nikolina weiterlesen schließen -
Findus beißt Petterson (Sven Nordqvist: Wie Findus zu Petterson kam)
03.11.2002, 02:14 Uhr von
LeaofRafiki
Ich lebe mit acht Katzen (2 blaue Somali-Mädchen, 1 Somali-variant Kastrat, 1 Aby-variant-Mädchen...Pro:
Der bezaberndste aller Petterson-und-Findus-Bände
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
Vor ein paar Tagen war es soweit. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und nachdem ich ihn mir schon ein paar mal mit wie bei Kindern unterm Weihnachtsbaum leuchtenden Augen angesehen hatte, landete für € 12,00 ein Buch in meinem Einkaufwagen, und trieb die eh schon hohe Rechnung im Bioladen noch weiter in die Höhe, da ich weder Geburtstag noch Nikolaus oder gar Weihnachten abwarten wollte...
Was ist das für ein Buch, das mich so faszinierte?
Eigentlich ist es ja ein Kinderbuch. Und uneigentlich ist es ein Bilderbuch, daß Erwachsene wie Kinder gleichermaßen zu faszinieren vermag.
Eigentlich ist es ja der letzte Band, aber uneigentlich der erste, aus der Reihe über den alten Petterson und seinen Kater Findus, wird in ihm doch endlich das Geheimnis gelüftet, wie die beiden zusammen kamen.
Ein Rückblick also gewissermaßen - und so ist das Buch auch aufgebaut.
Zu Anfang sehen wir Petterson Kreuzworträtsel lösend an Küchentisch, auf dem Schoß einen frechen Kater, der ihn am Bart zupft und bittet, ihm die Geschichte zu erzählen, wie er verschwunden war als er klein war. Und die begann damit wie Findus zu Petterson kam...
Petterson lebte ganz mutterseelenallein, von seinen Hühnern mal abgesehen, die aber keine echten Gesprächspartner waren, in einem kleinen Haus auf dem Land.
Eines Tages bekam er Besuch von seiner Nachbarin Beda Andersson, die ihm rät, sich eine Frau zuzulegen, aber das lehnt Petterson aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ab, aber eine Katze vielleicht...
Die Woche darauf bringt ihm die gute Frau einen Karton mit.
„Was ist das?", fragte der Alte und las, was auf dem Karton stand. „Findus grüne Erbsen" stand darauf. Im Karton piepste es.
Petterson öffnete ihn, und dort, auf einem grün gestreiften Stück Stoff, stand ein Katzenjunges. Es sah Petterson in die Augen und piepste.
„Hej, Findus grüneErbsen", sagte Petterson, und er hatte ein Gefühl, wie wenn man an einem Sommermorgen das Rollo hochzieht und das warme Sonnenlicht strömt herein."
So muß Liebe auf den ersten Blick sein!
Als ich die Seite umblätterte, fühlte ich mich um Jahre zurückversetzt. Zwei über alle vier Backen strahlende alte Leutchen, Petterson entzückt und Beda Andersson überglücklich, daß ihr die Überraschung gelungen ist, in der Mitte Findus Katzenkind, halb so groß nur wie Pettersons Hand, sich um diese krallend und ihn feste in den Finger beißend...
„Petterson tippte in das flaumige Fell und Findus schloß blitzschnell seine Krallen um Pettersons Finger und biß hinen.
„Aua, der beißt ja", sagte Petterson lächelnd und ließ ihn weiter beißen. Dann sah er die alte Andersson besorgt an.
„Krieg er nicht Sehnsucht nach seiner Mama?"
„Vielleicht ein paar Tage, aber dann vergißt er sie. Du mußt dich um ihn kümmern und seine neue Mama werden."
„Mama...", sagte Petterson ein bißchen dümmlich und sah glücklich das beißende Katzenjunge an."
Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, Petterson hat endlich jemanden zum Reden, auch wenn Findus ihm nur piepsend antwortet, und er setzt seinen Ehrgeiz darein, Findus das Sprechen beizubringen. Jeden Tag spricht er mit ihm, erzählt ihm Geschichten und liest ihm aus der Zeitung vor, bis eines Tages...
Ja, bis eines Tages Findus, der wie alle nicht nur kleinen, aber alle neugierigen Katzen immer genau über das drüber läuft, was sein Mensch gerade lesen will, und in der Zeitung unter seinen Pfoten das Bild eines Clowns in gestreiften Hosen entdeckt.
„So eine Hose will ich auch haben", sagte Findus.
Petterson starrte ihn an. Das waren die ersten Worte, die der Kater gesprochen hatte.
„Die kriegst du", sagte der Alte. „Ich näh dir sofort eine Hose."
Und während er den Nähkasten hervorholte, lächelte er glücklich vor sich hin. Was für einen wunderbaren Kater er doch bekommen hatte!
Findus Katzenkind sieht ab da so aus, wie wir ihn aus all den anderen Büchern kennen... Ein getigerter Kater gekleidet in eine grün-gestreifte Hose mit einem Hosenträger und einem kleinen grünen Käppi.
Mehr will ich nun auch gar nicht verraten. Findus erkundet im folgenden das Haus und später die Umgebung, jedes Bild ein wundervolles Suchbild voller skurriler Einzelheiten. Er verschwindet und wird wiedergefunden und das letzte Bild ist eineVariation des ersten:
Am Ende sehen wir Petterson Kreuzworträtsel lösend an Küchentisch, auf dem Schoß einen glücklich im Schlaf lächelnden Kater...
Dieses Buch finde ich das bezauberndeste aller Petterson-und-Findus-Bände, ist hier Findus doch mehr Katze als in den anderen.
Sven Nordqvist hat auf wunderbare Weise gezeichnet, wie ein kleines Katzenkind die Welt erkundet, was er anstellt, welche Streiche er spielt, wie er seinen Menschen zum Spielen auffordert (indem er dem noch im Bette liegenden Petterson morgens auf den Bauch hopst und auf ihm herumhüpft, mit seinem großen Zeh kämpft oder ihn mit einer Fliegenpatsche ärgert), mal läuft er wie eine richtige Katze auf allen Vieren, strolcht durch Gerümpel und Unterholz, mal wie ein Mensch auf zwei Beinen, oder sitzt wie ein Kleinkind im Hochstuhl, das seinen Brei löffelt. - Mal ganz abgesehen von all den anderen skurrilen Einfällen, die Sven Nordqvist zeichnerisch umsetzt, wie z.B. Pettersons Brille im Glas (statt Gebiß) auf dem Nachtschränkchen, das wie ein Ofen auf Skiern aussieht, oder das Gemälde über der Küchenbank, auf dem die Kühe ihr eigenes Leben leben (bei Sonnenaufgang stehen sie alle dicht zusammen auf der Weide, bei vollem Sonnenschein laufen sie fröhlich herum und in der Nacht sind sie alle verschwunden und haben einem Elch Platz gemacht).
Immer aber ist er schon als Katzenkind der typische Findus, den man nur lieb haben kann.
Sven Nordqvist: „Wie Findus zu Petterson kam"
Oetinger Verlag 2002
ISBN 3-7891-6916-1
© LeaofRafiki 02.11.2002
***************************************************
ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Ich poste meine Berichte lieber selber und unter gleichem Nick regelmäßig bei Ciao, häufig bei Dooyoo und doch wieder Yopi, ab und an bei talkon, seltener bei Ecomments und Griasdi, und so gut wie gar nicht mehr bei Hitwin *grins* weiterlesen schließen -
Westbam vs. Grandmaster Theodore: Ralf Niemczyck - From Skratch
17.09.2002, 15:04 Uhr von
DieEine
34 Jahre bin ich alt, Klappe aufreißen ist eines meiner Lieblingshobbys.So richtig viel über mich...Pro:
13,90 Euro
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Wenn man sich längere Zeit mit einer Musikrichtung intensiv befasst, dann kommt man irgendwann auch auf die Idee, sich dort als DJ zu versuchen. Bei mir ist das zumindest der Fall und um meine "DJ-Karriere" zu fördern, bekam ich letztens das DJ-Handbuch "From Skratch" aus dem KiWi-Verlag geschenkt.
Schon das recht schlichte Cover in weiss mit roter Schrift und einem DJ at work mit 7 Armen haben mich sehr angesprochen, so dass ich das Buch gleich aufgeschlagen und angefangen zu lesen hab.
"From Skratch" von Ralf Niemczyck und Torsten Schmidt ist sehr schön in mehrere Kapitel und Unterkapitel aufgeteilt.
Bei "Sounds & Geschichte" erzählen verschiedene DJ ihre Geschichte und ihre Sicht zu der Musik, für die sie leben und mit der sie ihr Geld verdienen.
Sehr gut gefallen hat mir hier, dass DJ verschiedener Musikrichtungen zu Wort kommen, wie zum Beispiel der Dub- und Reggea-DJ David, Rodigan, der Erfinder des Scratches Grandwizard Theodore, der Techno-DJ Westbam und einige mehr.
Im Kapitel "Technik & Skills" geht es um Technik und Skills. So gut es eben theoretisch in einem Buch geht, werden die verschiedenen Arbeitsgeräte des DJ beschrieben und erklärt. Selbst für absolute Technik-Nullen wie mich, ist das alles sehr verständlich und erstaunlicherweise auch sehr interessant. Es geht bei diesen Tutorials um Akkustik, Klang und Wahrnehmung, um Schallplatten und Nadeln, um Regler am Mischpult, wie man sein Equipment anschliesst und natürlich werden auch die ersten Scratch-Übungen sehr schön mit Bildern von den X-Ecutioners und den Invisibl Skratch Piklz erklärt.
Einige Sachen wusste ich zwar schon, aber es ist immer ein schönes Gefühl, wenn man feststellt, dass man nie auslernt und dass es immer Neues, Interessantes auszuprobieren gibt.
Im letzten Kapitel, Recht & Geschäft, geht es um all das, was ein DJ beachten muss. Fast alle Lieder, die ein DJ für Tapes oder Platten benutzt sind urheberrechtlich geschützt und müssen vom Künstler bzw. vom Label oder Rechte-Inhaber freigegeben werden. Auch beim Auflegen muss die GEMA bezahlt werden, man muss viele Dinge bei Vertragsabschluss beachten etc.
All das ist für mich zwar absolut unwichtig, da ich nicht vorhabe jemals professionell zu werden, aber es ist auf jeden Fall interessant zu lesen, was für Hürden und Stolpersteine es so gibt und was man wirklich alles beachten müsste, wenn man sein Können in der Öffentlichkeit präsentieren wollte.
Interessant ist für mich auch der Blick in die Zukunft, wo die ganze Internet-Musikdownloaderei unter die Lupe genommen wird. Ich bin ja ohnehin gegen MP3 und war dankbar für dieses Unterkapitel, da es mich in meiner Meinung bestärkt hat und mir ein paar neue Argumentationsimpulse gegeben hat.
Im Anschluss an die ausführlichen Kapitel gibt es noch die für ein solches Buch üblichen Features wie Tracklisten, Glossar, weiterführende Bücherlisten, Danksagungen und Register.
Insgesamt hat das Buch 335 hochinteressante Seiten, die es alle Wert sind gelesen zu werden.
Die Geschichten der DJ sind übrigens nicht nur für DJs oder angehende DJs interessant sondern eigentlich für jeden, der sich für Musik interessiert. Dabei kommt es auch nicht drauf an, zu welcher Musikrichtung man sich besonders bekennt. Wenn man open minded ist, findet man an jeder DJ-Story Gefallen.
Wer also mal ein Geschenk für einen Musik-Fan sucht, liegt mit diesem Buch für 13,90 Euro goldrichtig. weiterlesen schließen -
Noll Ingrid - Die Apothekerin
Pro:
geistreich, temporeich, kuzweilig
Kontra:
mir fällt nichts ein
Empfehlung:
Nein
Ich kannte von Ingrid Noll schon die "Häupter meiner Lieben", fand das Buch auch recht amüsant, aber ein wenig abgehoben. Die Apothekerin ist in gleichem Stil geschrieben aber, weil abgemildert, erschreckend realistisch.
1.) Handlung
2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
3.) Das Buch
4.) Der Autor
5.) Links
6.) Fazit
1.) Handlung
==========
Hella Moormann, von Beruf Apothekerin liegt im Krankenhaus. Vor lauter Langeweile beginnt sie ihrer Bettnachbarin Frau Hirte, einer ältlichen Jungfer, ihre Lebensgeschichte zu erzählen. Hella ist der Meinung das Frau Hirte ihr überhaupt nicht richtig zuhört und erzählt in ihren vermeintlichen nächtlichen Monologen auch Dinge die besser niemand erfahren sollte. Hella hält dies für eine Art Therapie die nichts kostet.
Schon sehr früh lernt sie daß die elterliche Liebe nur durch Leistung erkauft werden kann und versucht den Vorstellungen der Eltern in jeder Weise zu entsprechen. Ihr leistungsorientiertes Verhalten in der Schule macht sie nicht gerade beliebt bei ihren Mitschülern und sie ist häufiges Ziel ihrer Streiche und Hänseleien.
Als sie beginnt sich für Männer zu interessieren tut sie es in einer Form die ihrem Vater fast das Herz bricht, sie interessiert sich nur für Männer denen es noch schlechter geht als ihr. Genauso wie sie früher ihren Puppen die Beine verdreht hat um sie dann später zu verarzten sucht sie sich kranke Männerseelen um sie zu heilen. Mit der Zeit legt sie sich eine ansehnliche Sammlung von Junkies, Depressiven, chronisch Kranken, geretteten Selbstmördern und tätowierten Ex-Knackies zu.
Aber eigentlich träumt sie davon ein Familie zu gründen mit Kind und einem zuverlässigen, seriösen Partner. Hella ist mittlerweile 35 Jahre alt, arbeitet in einer Apotheke und schreibt an ihrer Doktorarbeit, da lernt sie bei einem Autokauf Levin kennen, einen Studenten der Zahnmedizin der trotz seines nicht einfachen Lebens nicht gleich kriminell geworden ist oder zu saufen und zu fixen angefangen hat, glaubt Hella! Eine gewisse Unreife und Oberflächlichkeit fällt ihr zwar auf aber Lewin ist schließlich 7 Jahre jünger als Hella da kann man so was schon einmal in Kauf nehmen.
Der vermeintliche Heiratskandidat entpuppt sich aber immer mehr als kriminelles, skrupelloses und geldgieriges Schwein. Lewin, der unter chronischem Geldmangel leidet, macht Hella schließlich zur Mitwisserin an einem Mord an seinem schwerreichen Großvater. Der Großvater, ein mürrischer alter Mann, kennt aber den fiesen Charakter seines Enkels. Er vererbt Hella den Löwenanteil seines Vermögens unter der Bedingung das sie und Lewin heiraten.
Hella geht nach einigen Bedenken und ausgiebigen Schmeicheleien von Lewin auf die Sache ein. Die Beiden ziehen, nach einer Renovierung, in die Villa des Großvaters ein, allerdings wohnt da noch Margot, die ehemalige Haushälterin von Opa Graber. Hella Mohrmann muß nun erfahren daß Margot eine alte Schulfreundin von Levin ist und ihr Mann Dieter ein Freund von Levin. Dieter ist damals, nach einem mißlungen Drogendeal praktisch für Lewin in den Knast gegangen, deshalb ist Lewin Dieter etwas schuldig. Nicht das Lewin irgendwelche Ehrgefühle hat, aber er hat panische Angst vor dem gewalttätigen und unberechenbaren Dieter.
Das Ende vom Lied, oder Leid für Hella, ist das am Ende alle vier unter einem Dach wohnen. Als Hella bemerkt das Lewin und Margot ein Verhältnis haben läßt sie sich mit Dieter ein, der ihr eigentlich gar nicht so schlimm erscheint wie von Lewin geschildert.
Hella wird schwanger und ist sich nicht sicher von wem das Kind ist, sie fühlt sich zwar zuerst zu Dieter hingezogen aber das ändert sich als der cholerische, gemeingefährliche Charakter von Dieter allzu offenbar wird.
Wer glaubt es gäbe keine Steigerung dieser Story mehr der kennt Ingrid Noll nicht, ich verspreche der geneigte Leser wird nicht enttäuscht werden.
Nur soviel: es kommt immer alles schlimmer als man denkt.
2.) Gedanken und Bemerkungen zum Buch
===============================
Das hat Spaß gemacht!!
==================
Ich gebe es ja zu, als Vielleser habe ich vielleicht zu hohe Ansprüche an die Romane die ich lese, oder besser konsumiere, aber meine Empfindungen sind wenigstens nicht durch ein Literatur orientiertes Studium beeinflußt. ich bin Maschinenbauingenieur. Ich finde das Buch einfach genial, zuerst einmal, ganz wichtig läßt sich das Buch sehr flüssig lesen, keine Längen, nichts. Die leise Ironie die hinter jedem Wort steckt spricht mich sehr an. Ingrid Noll zeichnet, in jedem ihrer Romane, ein ausgezeichnetes und differenziertes Psychogramm ihrer Protagonisten und konstruiert daraus die vermeintlich absurdesten Situationen. Gleichzeitig spielt sie aber auch mit ihren Lesern, man ergreift sehr schnell Partei für die Mörderinnen in ihren Romanen und findet ihre Handlungen nur recht und billig. Sie versteht es sehr geschickt alle herkömmlichen Moralvorstellungen auf den Kopf zustellen und zwingt einem dadurch nachzudenken über den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit.
Wenn wir gerade von, vermeintlich, absurden Situationen sprechen. Ich kenne viele Geschichten ( nur als plakatives Beispiel ) von Männern die ihre Frauen demütigen, krankenhausreifschlagen und nach Strich und Faden betrügen. Die Frauen wehren sich zwar, mit Polizeiaktionen, Frauenhaus, Freunden, Eltern, Sozialämtern. Aber am Ende sind sie doch wieder mit diesen Typen zusammen
Wenn wir solche Geschichten hören erscheinen sie uns absurd, aber nur weil wir sie objektiv beurteilen, wir sind aber keine Individuen die jederzeit ihre Objektivität parat haben. Ich schweife ab, ich halte die Apothekerin für ein realistisches Buch und kann mir vorstellen daß die beschriebenen Szenarien durchaus real sind.
Ich habe in meinem Leben auch schon die unmöglichsten Sachen erlebt, wenn ich die aufschreiben würde, dann würde mir jedermann den Vorwurf machen, das gibt es doch gar nicht, so blöd kann man doch nicht sein, jeder vernünftige Mensch hätte doch sofort........STOP es ist ein Unterschied ob man in einer Sache `drinsteckt oder sie nur von außen betrachtet.
Orginalton Ingrid Noll
=================
Obwohl in ihren Romanen sich oft Frauen durch geschickt arrangierte Morde von Männern befreien, möchte Ingrid Noll sich nicht als Männerfeindin verstanden wissen. Sie sagt: "Ich mag Männer, schließlich habe ich selber einen."
3.) Das Buch
=============
Autorin: Ingrid Noll
Titel: Die Apothekerin
ISBN: 3 257 22930 5
Seiten: TB hat ca. 250 Seiten
Preis: Taschenbuch 8,90 EURO; gebundene Ausgabe 19,90 EURO; zum Zeitpunkt des Berichtes waren einige gebrauchte Bücher ab 1,45 EURO bei Amazon verfügbar.
4.) Die Autorin
================
Ingrid Noll wurde am 29.12.1935 in Shanghai geboren und kam 1949 mit Eltern und Geschwistern nach Deutschland. Sie begann erst im Alter von 55 Jahren zu schreiben, ihr erster Kriminalroman DER HAHN IST TOT wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen positiv aufgenommen.
weitere Bücher
===============
Die Häupter meiner Lieben
Der Hahn ist tot
Kalt ist der Abendhauch
Skrupellose Fische
5.) Links
==========
http://ourworld.compuserve.com/homepages/karr_wehner/noll.htm => Biographie, kurzes Interview mit Ingrid Noll, alle Werke
6.) Fazit
=========
leider nur ein Zitat von der unter Links erwähnten Homepage aber diese Worte erfassen am ehesten die Essenz des Werkes
>>In ihren Krimis, die sich bislang nie an dem Muster des klassischen Kriminalromans orientieren, erzählt Ingrid Noll in einem klaren, nur scheinbar unkomplizierten Stil Alltagsgeschichten, die den latenten Wahnsinn hinter der Fassade solider Kleinbürgerlichkeit aufdecken.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-17 01:06:27 mit dem Titel Noll Ingrid - Die Häupter meiner Lieben
Irgendwie hat Ingrid Noll, mit ihren Romanen, ein neues Genre innerhalb der Kriminalliteratur geschaffen. Ihre symphatischen Mörderinnen muß man einfach gerne haben.
1.) Handlung
2.) Was gefällt mir an den Geschichten von Ingrid Noll
3.) Die Autorin
4.) Das Buch
5.) Links
6.) Fazit
1.) Handlung
========
Ich versuche, beim Schreiben einer Buchbesprechung, immer das Interesse am Buch zu wecken. Bei manchen Büchern, glaube ich, erreiche ich das durch eine echte Inhaltsangabe, bei anderen verdirbt man dem Leser den Spaß am Buch wenn man zu sehr ins Detail geht, dieses Buch lebt von der langsam fortschreitenden Entwicklung der Handlung, deshalb will ich nicht zuviel verraten.
Cora und Maya sind schon seit ihrer Schulzeit recht gute Freundinnen. Cora ist die Künstlerinn mit einem starken Hang zum Morbiden und gesegnet mit vermögenden und verständnisvollen Eltern, also eine "Tochter aus gutem Hause". Maya wächst eher in ärmlichen Verhältnissen auf, ohne Vater und von ihrer Mutter mißachtet und drangsaliert.
Moral und Konventionen sind für das, auch äußerlich, ungleiche Paar Fremdwörter, beim Diebstahl einer sehr wertvollen Schale aus einem Museum wird schon in ihrer frühesten Jugend sehr deutlich was beide eint und trennt. während für Cora die unmoralischen und kriminellen Handlungen eher einen intellektuellen Reiz haben, begründet sich die Befriedigung für Maya eher auf die Demütigungen die Sie als Kind erfahren mußte.
Maja erzählt: Zitat: >> Ich stahl damals Hausschlüssel, Pässe und Lehrerbrillen, um sie wegzuwerfen; L'art pour l'art. Erst Jahre später habe ich gestohlene Gegenstände behalten.<<
Maja ist zu Besuch bei Cora in deren Elternhaus: Zitat: >> Verwundert folgte ich ihr in den Garten. Barfüßig und im Nachthemd stakste sie zwischen feuchten Blumenrabatten herum und zerschnitt fette Nacktschnecken mit einer Rosenschere. Hingerissen beobachtete sie, wie sich der quellende Schleim ins Gras ergoß. Mir wurde übel.<<
Cora heiratet schließlich einen reichen älteren Playboy mit dem sie sich in einer alten Villa in der Toscana niederläßt. Maya ist inzwischen auch verheiratet und hat ein kleines Kind, als sie es bei ihrem langweiligen Ehemann nicht mehr aushält findet sie Unterschlupf in Italien bei Cora. Cora und ihre Haushälterin Emilia sind ganz vernarrt in Bela die kleine Tochter von Maya. Maya fühlt sich sehr wohl in Italien, Cora und sie sind endlich wieder zusammen und die ältere Emilie entwickelt sich zur mütterlichen Freundin der Beiden.
Aber ihr Glück währt nicht all zulange, eines Tages taucht Mayas trunksüchtiger Vater, der sich nie um sie gekümmert hat, in der Villa auf. Mit dem Auftauchen von Mayas Vater verändert sich auch das Trinkverhalten von Henning, Coras Mann und die Frauen meiden des öfteren das Haus um nicht ständig den zwei sinnlos besoffenen Männern zu begegnen.
Die Situation im Haus wird immer unerträglicher, aber die Freundinnen wußten sich schon in ihrer Schulzeit selber zu helfen und mit unangenehmen Situationen fertig zu werden. Als sich dann eine gute Gelegenheit bietet bereinigen sie die Situation auf ihre eigene, spezielle Weise.
Bis die drei Freundinnen endlich ihr Glück in der Toscana genießen können, sind noch einige Abenteuer zu bestehen und lästige Hindernisse, wie z.B. allzu neugierige Liebhaber zu beseitigen. Mit bewährten Methoden und einer guten Portion Kaltblütigkeit verteidigen sie erfolgreich ihr kleines Glück in der alten, von Cora inzwischen liebevoll renovierten, Villa in Italien wobei mit der Zeit lästig gewordene Eindringlinge in die Landschaftsgestaltung rund ums Haus mit integriert werden.
2.) Was gefällt mir an den Geschichten von Ingrid Noll ?
=======================================
Der Roman läßt sich sehr flüssig lesen, die Geschichte hat keine Längen und ist temporeich erzählt. Die Autorin überrascht alle naselang mit ungewöhnlichen Einfällen. Bei aller Dynamik der Geschichte versäumt es die Autorin dennoch nicht ihren Figuren ein differenziertes Profil zu geben. Typisch für die Autorin scheint zu sein daß sie die Kindheitstraumen der Protagonistinnen und ihre Auswirkung auf das Handeln als Erwachsene aufzeigt. Ihre Heldinnen sind immer Opfer die aus der Defensive heraus, praktisch aus Selbstverteidigung agieren und reagieren. Das macht sie symphatisch und man findet ihre Handlungen nur recht und billig, sehr subtil im Hinblick auf die Taten der Hauptpersonen, klasse gemacht von Frau Noll.
Was ich als sehr gelungen empfinde ist die Darstellung der Freundschaft zwischen den 3 unterschiedlichen Frauen, dank der sehr guten Beschreibung kann man die Zuneigung der Freundinnen untereinander sehr gut nachvollziehen.
Es gibt verschiedene Zutaten die einen Roman für mich interessant machen, wobei die Betonung hier auf Roman liegt. Eine gut erzählte Geschichte gibt mir immer die Möglichkeit die Handlungen und Reaktionen der beteiligten Personen, aufgrund ihres beschriebenen Persönlichkeitsprofiles nachzuempfinden, idealer weise schafft es der Autor daß ich eine Beziehung, egal welcher Art, positiv oder negativ, zu den handelnden Personen aufbauen kann. Ingrid Noll gelingt das in ihren Erzählungen mühelos, nochmals großes Kompliment an eine außergewöhnliche Autorin.
Obwohl das gar nicht so ihre Absicht ist bringen mich ihre Geschichten immer wieder dazu erlernte? Moralvorstellungen in Frage zu stellen. Solange ihre Heldinnen nicht angegriffen werden sind sie ja höflich, nett und friedlich, wenn sie sich alles, was ihnen angetan wird gefallen ließen dann wäre das doch sehr ungerecht. Viel Stoff zum Nachdenken.
3.) Die Autorin
===========
Ingrid Noll wurde am 29.12.1935 in Shanghai geboren und kam 1949 mit Eltern und Geschwistern nach Deutschland. Sie begann erst im Alter von 55 Jahren zu schreiben, ihr erster Kriminalroman DER HAHN IST TOT wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen positiv aufgenommen.
weitere Bücher
===============
Die Häupter meiner Lieben
Der Hahn ist tot
Kalt ist der Abendhauch
Skrupellose Fische
4.) Das Buch
=============
Autorin: Ingrid Noll
Titel: Die Häupter meiner Lieben
ISBN: 3-257-22726-4
Seiten: TB hat ca. 280 Seiten
Preis: Taschenbuch 8,90 EURO;
5.) Links
==========
http://ourworld.compuserve.com/homepages/karr_wehner/noll.htm => Biographie, kurzes Interview mit Ingrid Noll, alle Werke
6.) Fazit
====
Eine kurzweilige, temporeiche und geistreiche Kriminalstory gewürzt mit einem ordentlichen Schuß schwarzen Humor und einer Prise Ironie. Die Geschichte hebt sich mit ihrer intelligenten und überraschenden Handlung erfreulich vom 08-15-Einheitsbrei der üblichen Kriminalstorys ab.
© by Araxas - 16.09.02 weiterlesen schließen -
Wenn schon Krimi, dann mit Humor...
10.09.2002, 22:44 Uhr von
suwesmile
Ich liebe Gummibärchen, gelungene Kurzgeschichten, Humor, Ironie. Ich mag neues, interessantes un...Pro:
Krimi mit Humor
Kontra:
nix
Empfehlung:
Nein
"Du kannst mir so ziemlich alles zu lesen geben," sagte ich meiner Freundin, "aber bitte keine Krimis! Das ist nicht mein Ding." So meine Aussage vor einigen Jahren. Gott, wann war das? Will ich mich noch daran erinnern? Nein! Meine Freundin legte mir ans Herz "Der Hahn ist tot" zu lesen.
Da ich mich immer noch sträubte, lag es an einem meiner Geburtstage auf dem Gabentisch. Von Natur aus bin ich neugierig, so nahm ich es zur Hand und legte es nicht mehr aus derselbigen bis ich es durch hatte. Klasse! Das war etwas für mich! Diese Art von Krimis gefällt mir. Sie haben die für mich nötige Portion an Humor. Ich möchte sagen: Ironie.
Die Geschichte:
Eine Frau, im gemeinen Sinn von gewöhnlich als "graue Maus" einzustufen, die nun, da sie per Zufall einem Mann begegnet, den sie postum für d e n Mann erklärt, der ihr bestimmt ist. Zwar hat sie mit ihm noch kein Wort gesprochen, geschweige denn e r sie zur Kenntnis genommen, aber sie zieht los, um das zu ändern. Sie beobachtet ihn heimlich, beobachtet, dass er Streit mit seiner Frau hat ( wie unangenehm, dass er bereits vergeben ist) und stolpert in Situationen, die permanent Leichen fordert. Anfangs noch unbeabsichtigt, befindet sie sich irgendwann in ihrem Element. Sie "verfolgt" den armen Witold (wer hat sich nur diesen Namen ausgedacht? Herrlich!) und nach mehreren "Unfällen" kriegt sie ihn auch. Wenn auch gaaaaaanz anders, als vermutet. Ich mag gar nicht so ins Detail gehen, weil das zuviel vorweg nehmen würde.
Was soll ich sagen? Inzwischen habe ich so einige Bücher von Ingrid Noll in meinem Bücherregal stehen. Sie sind alle lesenswert. Doch "Der Hahn ist tot" ist für mich das allerbeste von ihrer Reihe.
Preis? Und wieder ein Taschenbuch von 14,90 DM, sprich knapp 8 Euro, die sich absolut lohnen! weiterlesen schließen -
Liz Nickles : Für jetzt und alle Ewigkeit
29.08.2002, 16:58 Uhr von
white_rose
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden. Sorry für das Foto, aber mein ...Pro:
Zum Heulen schön
Kontra:
?????
Empfehlung:
Nein
Dieses Buch habe ich neulich bei meiner Schwester entdeckt. Es war gerade wunderschönes Wetter draußen. Also habe ich mir dieses Buch geschnappt und es mir draußen gemütlich gemacht.
Das Buch war das Taschenbuch des Monats im Mai 2001.
Zur Autorin:
Liz Nickles lebt in Los Angeles, wo sie sehr erfolgreich in der Werbebranche und als Beraterin großer Unterhaltungsfirmen tätig ist. Von einer großen Frauenzeitschrift wurde sie zu einer der zehn Topfrauen des Jahres gewählt. Sie hat bereits mehrere Drehbücher und Romane geschrieben.
Der Roman wurde von Angela Nescerry aus dem amerikanischen übersetzt.
Das Buch hat siebzehn Kapitel auf 206 Seiten und ist im Heyne Verlag erschienen.
Erzählt wird die Geschichte der 20-jährigen College-Absolventin Nicki McBain. Sie hat gerade ihren College-Abschluss in der Tasche. Sie möchte Anwältin werden und hat bereits einen Praktikumsplatz bei einer renommierten Kanzlei. Sie hält die Abschlussrede ihres Jahrgangs, als sie plötzlich ohnmächtig wird. Sie wird sofort in ein Krankenhaus gebracht. Dort erfährt sie, dass sie nur noch wenige Monate zu leben hat. Sie hat einen inoperablen Gehirntumor. Sie beschließt die noch verbleibende Zeit richtig zu leben, anstatt im Krankenhaus zu bleiben. Sie plant mit ihren besten Freunden Emily und Eric, sowie ihrem Freund Tim eine Kreuzfahrt durch die Ägäis. Tim beschließt jedoch nicht mitzufahren, da er von der ganzen Situation überfordert ist. Nickis Eltern ist gar nicht wohl dabei, dass ihre Tochter sich nicht behandeln lässt.
Auf der Kreuzfahrt passiert das, womit Nicki am wenigsten gerechnet hat: Sie verliebt sich in den Bordfotografen Michael. Zuerst sträubt sie sich gegen ihre Gefühle, da sie sich ja amüsieren wollte, aber ihre Gefühle gewinnen schließlich. Die beiden verbringen wunderschöne Tage zusammen und Nicki fühlt sich das erste Mal richtig geliebt. Sie weigert sich aber Michael die Wahrheit über ihren Zustand zu verraten, da sie Angst hat, dass er genauso reagiert wie Tim.
Doch dann passiert das unvermeidbare und Nickis Zustand verschlechtert sich dramatisch. Sie verliert ihre Sehkraft. Emily, Eric und Nicki verlassen sofort das Boot, um Nicki ins Krankenhaus zu bringen. Michael, der inzwischen wegen seines Verhältnisses zu einer Passagierin vom Kapitän gefeuert wurde, holt sie noch ein. Nicki möchte aber nicht, dass er sie so sieht und sagt ihm, dass es aus ist. Michael geht verletzt zurück nach England und Nicki nach Chicago. Die Ärzte bekommen die Schwellung im Gehirn in den Griff, so dass Nicki wenigstens wieder sehen kann. Bei einem Spaziergang trifft sie Tim, der ein schlechtes Gewissen hat. Er hat von Michael erfahren und Nicki erzählt ihm, dass sie ihn immer noch vermisst.
Abends kommt Tim zum Essen vorbei und bringt jemanden mit: Michael. Er hat ihn angerufen und ihm erzählt, dass Nicki ihn liebt, und er ist gekommen.
Nicki ist glücklich, aber sie weiß auch, dass sie ihm die Wahrheit erzählen muss. Er überredet sie noch einmal zu einem Arzt zu gehen, aber der kann die Diagnose auch nur bestätigen.
Eines Tages überrascht Michael Nicki mit einem Ring und fragt sie, ob sie ihn heiraten würde. Die beiden heiraten noch am selben Tag, in genau dem Kleid, dass Nicki sich immer gewünscht hat. Sie ziehen zusammen in ein Loft. Dort sind sie glücklich, bis Nickis Zustand sich wieder verschlechtert. Michael bleibt bis zum Schluss bei ihr.
Dieses Buch ist aus Nickis Sicht geschrieben. Ihre Gefühle und Gedanken werden genau beschrieben, so dass man sich in sie hineinversetzten kann und mit ihr leidet.
Das Buch ist ein Muss für alle, die traurige und romantische Geschichten lieben. Und traurig ist es wirklich. Ich glaube ich habe noch bei keinem Buch so viele Tränen vergossen, wie bei diesem hier.
Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, ich würde es auf jeden Fall immer wieder lesen. weiterlesen schließen -
Das Delta der Venus Anäis Nin
21.08.2002, 18:52 Uhr von
Skander
43 Jahre alt verheiratet 1 Kind. Mein grösstes Hobby is meine Freundin Paula Ich veröffentlich...Pro:
offene Sprache
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Dies ist das schönste und direkteste erotische Buch, das je von einer Frau geschrieben worden ist. Was es zum Doppelten Genuß macht ist seine Sprache: Delikat geschmeidig, direkt und sinnlich.
So schreibt die New York Times über das Buch.
Dieses Buch gab die Autorin 35 Jahre nachdem sie es geschrieben hatte frei, kurz vor ihrem Tod. Es entstand aus dem Tagebuch der Autorin.
>>>>Vorwort<<<<
Das Vorwort beschreibt die Entstehung der Schriften. Verrät ein wenig über den Auftraggeber und Henry Miller, mit dem dieAutorin einige Zeit zusammen war, und der aufgefordert worden war für 100 Dollar im Monat an einen reichen Sammler erotische Schriften zu liefern.
>>>>Postskriptum<<<<
Anäis Nin beschreibt die Sprache der Erotik, erstmals von einer Frau und nicht nach männlichen Vorstellungen.
>>>>Elena<<<<
Die Erlebnisse der Autorin mit Pierre einem Musiker, dem sie auf einer Reise begegnet nachdem sie fasziniert Lady Chatterley gelesen hatte. Ausserdem beschreibt sie ihre erste Liebe Miguel und dessen Vorliebe für Knaben. Er liebt Elena findet aber nur in der körpelichen Vereinigung mit Männern seine sexuelle Befriedigung. Er kommt schwer mit dieser Veranlagung zurecht und offenbart Elena seine Ängste.
Sie lernt Donald kennen, den Geliebten von Miguel, der ihn als erster wie eine Frau nimmt. Sie erkennt schnell seine andere Seite und beginnt mit ihm ein Verhältnis. Dabei erzählt er Elena über seine Beziehung und seinen Sex mit Miguel.
Pierre kehrt eines Tages nach Paris zurück. Sie kommt wieder mit ihm zusammen, aber die Beziehung gestaltet sich etwas problematisch.
In dieser Zeit lernt sie Leila kennen, eine selbstbewusste Frau, und deren Lebenspartnerin Mary. Sie fühlt sich stark zu ihr hingezogen. In einer Opiumhöhle kommen sie sich näher. Sie verlieren sich jedoch wieder aus den Augen. Erst später treffen sie sich wieder in einem Cafe. Zusammen mit der Hure Bijou erleben sie zu Dritt extatische Stunden.
>>>>Der Ungarische Abenteuerer<<<<
Wegen seines Auftretens und der Baron genannt. Er verführt vorwiegend reiche Frauen und bringt deren Geld durch. Er lernt eine brasilianische Tänzerin kennen , die Männer auf Wunsch während ihrer Darbietung mit dem Mund befriedigt,und ihre Schamlippen mit Lippenstift nachzieht, verliebt sich in sie und heiratet sie. Er zerbricht dann später an der Liebe zu seinen 2 Töchtern.
>>>>Mathilde<<<<
Eine der Geliebten des Barones mit animalischer Anziehungskraft auf die Männerwelt. Beschrieben wird ihr Liebesleben mit verschiedenen Liebhabern die sie meist gemeinsam empfängt. Beinahe wird sie zum Opfer eines ihrer Geliebten mit einer üblen Neigung.
>>>>Das Internat<<<<
Die Geschichte spielt in Brasilien in einem strengen Jesuiteninternat und die Verführungsversuche eines Paters.Am Ende wird dessen Lieblingsschüler und Ziel seiner Begierde von den Mitschülern vergewaltigt.
>>>>Der Ring<<<<
Liebesgeschichte eines Indios und einer Peruanerin die von ihrer Familie nicht geduldet wird. Nach anschliessender Flucht wird ein interessantes Liebesspiel beschrieben.
>>>>Mallorca<<<<
Beschreibt eine schöne Liebesscene am Strand und im Meer von Maallorca und die Entjungferung von Maria.
>>>>Künstler und Modelle<<<<
Ein Bildhauer erzählt seinem Model während der Arbeit erotische Geschichten. In einem Cafe erzählt ein Modell für Unterwäsche ihre Erlebnisse, inspiriert von einem Bild in dem Cafe, welches die Vereinigung einer Frau mit zwei Männern zeigt. Einen empfängt sie in ihrer Vagina den anderen in ihrem Mund.
>>>>Lilith>>>>
Lillith ist frigide und versucht diesen Zustand mit allen mögliche Hilfsmitteln zu ändern. Zunächst denkt sie ihr Mann hätte ihr spanische Fliege in ein Getränk getan und phantasiert im Kino.
>>>>Marianne<<<<
Erotische Erzählung über eine Malerin und ihr männliches Model. Dieser errigiert nur wenn sie ihn beim Malen bewundernd betrachtet.
>>>>Die verschleierte Frau<<<<
In einer Bar sieht George eine faszinierende verschleierte Frau. Diese enteilt ihm bevor er sie ansprechen kann. Später macht ihm ein Mann ein sehr verführerisches Angebot.
>>>>Der Baske und Bijou<<<<
Bijou taucht schon vorher an anderer Stelle in diesem Buch auf. Sie befriedigt vorwiegend den Mutterkomplex ihrer Kunden: Sie verkörpert alles was Lust und Extase ist. Eine ihrer besonderen Fähigkeiten liegt darin mit einem Blik auf die noch geschlossene Hose abschätzen zu können, wie schwer und wie gross der Inhalt ist.
Am meisten beeindruckte Madame Bijou der Aufmarsch eines schottischen Regiments, wissend dass nichts unter dem Kilt getragen wird. Während des vVorbeimarsches des Regimentes simmuliert sie eine Ohnmacht am Strassenrand um besser sehen zu können.
Der Baske lernt Bijou kennen, als seine Stammdame im Hurenhaus besetzt ist. Er bittet die Madame zusehen zu dürfen und erlebt Bijou, wie sie beobachtet von Kunden ihrer Partnerin Viviane mit einem umgeschnallten Godemiche Freude bereitet.Er tritt dann hinter dem Vorhang hervor und bietet dem zusehenden Kundenpaar an, die Rolle des Mannes selbst zu übernehmen.Während er in Vivian eindringt, dringt Bijou mit dem Godemiche von hinten in seinen Po ein.
Der Baske und seine Erlebnisse mit der Hure Bijou sind vielfältig und hemmungslos. Erlebnisse zu mehreren, Voyeurismus im Bordell und die Rasur der Vulva von Bijou durch den Basken während mehrere Männer zuschauten.
Schön beschrieben ist auch die Scene einer Hypnosesitzung, bei der Bijou so tut als sei sie wirklich eingeschlafen und das Tun des Hypnotiseurs bei vollem Bewusstsein geniesst. Dieser ist Afrikaner und tanzt später für Bijou und ihre Freundinnen Elena und Leila, nackt, was in einer wilden extatischen Orgie endet.
Auch eine schöne Scene mit Leila wird beschrieben, eine Episode mit lustvollen Schmerzen.
>>>>Pierre<<<<
Pierre , Elenas Liebhaber und seine Erfahrungen. Schön wird die Geschichte eines Jungen beschrieben und sein erstes Erlebnis mit einer erwachsenen Frau.
Ein Erlebnis des jungen Pierre wird auch geschildert, wie er von der Freundin seiner Mutter verführt und mit der Hand befriedigt wird.
Auch die Geschichte von Pierre und Martha ist wirlich lesenswert und hocherotisch.
>>>>Manuel<<<<
Liebe Geschichte über den Exhibitionisten Manuel, der eine Gleichgesinnte findet.
>>>>Linda<<<<
Linda und ihre Erlebnisse auf eine ganz speziellen Party mit Maskierung. Sie fängt an auf den Strich zu gehen und schildert besondere Erlebnisse.
>>>>Marcel<<<<
Extatische Erlebnisse mit Marcel.
Die Autorin hat eine unglaubliche Fähigkeit die Dinge sehr direkt beim Namen zu nennen ohne dabei in irgendeiner Weise wirklich obszön oder pornografisch zu wirken. Ihre Beschreibung der verschiedensten erotischen Erlebnisse, Vereinigungen, zu zweit, zu mehreren, gleichgeschlechtlich, jede nur erdenkbare Form auch SM und Fetischismus wirkt sogar fast prosaisch und verliert doch nicht seine erregende Wirkung auf den Leser. Ich denke niemand der dieses Buch liest kann sich der faszinierenden Beschreibung der Geschlechtsteile von Mann und Frau , ihre Beschreibung der äusserlichen Veränderung während der verschiedenen Stufen der Lust entziehen.In ihrem Buch verschiebt Anäis Nin alle vorher gekannten Grenzen. Dies Buch beschreibt nicht nur Erlebnisse und Fantasien, es regt die Fantasie beim Leser an, zwingt ihn sich den lustvollen, teilweise extatischen Geschehnissen beim Lesen ganz hinzugeben, als wäre er inmitten der Geschichte. So manche Geschichte weckt Begehrlichkeiten, die man vorher selbst an sich gar nicht kannte. Das liegt an der Fähigkeit der Autorin die Dinge sehr ausdrucksstark und doch einfühlsam zu beschreiben.
Meine Lieblingsfigur in diesem Buch ist Bijou, eine Hure und Bordellbesitzerin, die ihr Berufsleben durch orgiastische Erlebnisse mit frauen, Männern und Paaren ergänzt und viele Fantasien extatisch auslebt. Ein tolles Buch , da zu lesen mir viel Freude gemacht hat und zugegebener Massen sehr erotisierend auf mich wirkte.Ich denke viele Leser würden gern einigen der Charaktere folgen und deren Beschreibung von wahren Orgien nachleben. Einige behalten es als Fantasie. andere leben es aus. Das bleibt dem Leser oder der Leserin überlassen, oder der Fantasie des Autors.
Auch die Beschreibung gleichgeschlechtlicher Erlebnisse ist sehr gut liebevoll und hocherotisch gelungen und weit entfernt davon abstoßend zu wirken.
Die wirklich bildhafte Beschreibung lässt vermuten, dass es sich zum Teil wirklich um tatsächlich Erlebtes der Autorin handelt.
Ich besitze die gebundene Fassung deren Preis ich nicht mehr nennen kann, da ich dieses Buch schon sehr lange besitze. Eine Anschaffung wird sich sicher lohnen, da es dieses Buch auch in Taschenbuchformat gibt. 321 Seiten Lust und Erregung und ein paar Anregungen für sich selbst entschädigen für den Preis.
Paralell dazu empfehle ich die Bücher von H. Miller.
Das Buch erschien 1977 und ist eine Lizenzausgabe des Deutschen Bücherbundes. weiterlesen schließen -
Abenteuerlich und realistisch grausam
05.08.2002, 13:08 Uhr von
dreamweb
*Momentan im Home-Office* - Derzeit schreibe ich für Yopi, Ciao, Mymeinung und X-Zine. Liebe Grüß...Pro:
spannend, realistisch, aus verschiedenen Sichten
Kontra:
grausam
Empfehlung:
Nein
Die Meuterei auf der Bounty besteht aus zwei Büchern. Das erste Buch "Schiff ohne Hafen" habe ich hier schon beschrieben. Jetzt geht es mir um Buch zwei, das den Überlebenskampf sowohl der Gruppe um Kaptain Bligh als auch um das Schicksal der Gruppe um Christian Fletcher beschreibt, um Meer ohne Grenzen.
INHALT
Das nur 158 Seiten fassende Buch "Meer ohne Grenzen" ist hier in zwei Teile unterteilt. In Teil eins geht es um die abenteuerliche Reise von Kaptain Bligh und die Männer, die sich mit ihm auf der Barkasse befinden. In Teil zwei geht es um Christian Fletcher und seine Mitmeuterer.
Erstes Buch:
Die Geschichte dieses Buches wird aus Sicht des unbeteiligten Schiffsarztes Thomas Ledward geschildert. Er ist einer der Männer, die von der Meuterei völlig überrascht wurden und Kapitain Bligh freiwillig auf die kleine Barkasse folgten. Einige der Männer auf der Barkasse allerdings kamen nicht freiwillig an Bord, sondern weil sie die Meuterer nicht auf dem Schiff haben wollten. So kommt es, dass hier eine bunt gemischte Mannschaft mit Bligh das Schicksal der auf dem Meer Ausgesetzten teilt.
Sehr genau und mit allen Gefahren und Abenteuern, die das Meer und die von "Wilden" bewohnten Inseln mit sich bringen, wird hier die lange und beschwerliche Reise der 19 Menschen geschildert. Dabei sieht man die gesamten Erlebnisse wie in "Schiff ohne Hafen" auch aus Sicht eines neutralen Beobachters. Neutral eigentlich nur, was die Betrachtungsweise von Bligh und die Meuterei angeht. Denn ansonsten ist auch der Schiffsarzt natürlich von den Strapazen der Reise betroffen.
Hier geht es darum, wie eine kleine Gruppe von Männern unter Führung eines sehr bestimmten Mannes mit teilweise rigorosen Methoden das Unmögliche schafft. Denn die Chance, dass die ausgesetzten Männer jemals ihre Heimat wiedersehen werden, ist sehr gering. Man ist nur mit sehr wenig Lebensmitteln und fast keinen Waffen ausgestatte. Und nicht alle Insulanern sind den weißen Menschen gut gesonnen. So kommen neben Sonne, Stürmen und Nahrungsmangel auch kriegerische Insulaner dazu und all dieses hilft nicht gerade, dass die Männer ihre Heimat wiedersehen....
Zweites Buch:
In diesen 96 Seiten wird auf das Schicksal von Christian Fletcher und der anderen Meuterer eingegangen, die nach ihrem Besuch auf Tahiti zusammen mit einigen Eingeborenen, hauptsächlich aber den Eingeborenenfrauen, sich auf die Suche nach einer neuen Heimat machen. Sie finden dann auch eine abgelenge und lassen sich dort nieder - in der Hoffnung, dass sie nie entdeckt werden.
In diesem Buch geht es um 25 Personen, darunter neun Weiße. Man erlebt mit, wie die Menschen diese für sie zur neuen Heimat werdenden Insel erreichen und wie sich dann auch ihr Leben entwickelt. Und im Verlauf des Buches werden zahlreiche Konflikte geschildert, denn die Weißen halten sich (wie meistens) für etwas besseres und die Insulaner entwickeln sich nach und nach zu ihren Sklaven. Und da auch diese Menschen ihre Wünsche und Interessen haben, entwickelt sich hier nicht alles zum Guten...
MEINUNG
Auch hier ist es wohl besser, auf beide Buchteile einzeln einzugehen. Denn beide Bücher schildern zwar das Schicksal von Menschen im Überlebenskampf. Aber sie weichen schon aufgrund ihrer Handlung sehr voneinander ab.
Erstes Buch:
Das Buch ist sehr spannend und mitreißend geschrieben. Man kann sich mit der Person des Arztes identifizieren und was die Gruppe erlebt, das ist sehr gut nachvollziehbar. Die Menschen sind hier keine Übermenschen und trotzdem erfährt man hier, wie bzw. wieso es die Gruppe überhaupt schaffen konnte, ihre Heimat zu erreichen. Jedenfalls fast alle schaffen das. Sowohl die Strapazen auf der See als auch der Überlebenskampf bei kurzen Aufenthalten der Inseln sind gut vorstellbar und mich wundert, dass das noch nicht so verfilmt wurde. Jedenfalls kenne ich keine Verfilmung dieser Reise der "Verlorenen" in der kleinen Barkasse. Der harte Kaptain Bligh dominiert auch hier, allerdings wird es auch verständlich, da man alles aus Ledwards Sicht miterlebt. Und so schlimm Bligh auch in gewisser Sicht ist, nur durch seine Hörte und geforderte Disziplin kommen die Männer oft mit dem Leben davon. Men erlebt hier mit, warum dieser oft so hassenswerte Mann auch durchaus Bewundernswert ist, so seltsam dem Leser das jetzt vielleicht vorkommt.
Zweites Buch:
Das zweite Buch kann ich durchaus als ziemlich happig beschreiben. So viel Gewaltakte, Konflikte und Mord werden sonst nirgends geschildert. Insbesondere ist das für mich schlimm, weil das Buch ja der Wahrheit sehr nahe kommen soll. Denn diese Meuterei hat tatsächlich stattgefunden und man weiß ja auch heute, wo sich Fletchers Nachkommen befinden.
Die Geschichte hier ist leider sehr gut nachvollziehbar und wirkt sehr reell. Man bemerkt als Leser direkt auch die Dinge, die hier unweigerlich passieren müssen. Denn wo Anfangs die Weißen noch partnerschaftlich zu den Insulanern sind, da sie auch von ihnen abhängen. So entwickelt sich das dann, wie man es ja von den ersten Weißen in solchen Gebieten gewohnt ist. Die Meuterei, obwohl sie ja die Gejagten sind, halten sich als Engländer für so eine Art Herrenvolk und die Insulaner sind für sie nur niedere Menschen. Das zeigt sich bei einigen auch im Umgang mit den Frauen. Und der Mangel an Frauen gegenüber den Männern ist es auch neben der Besitzsucht der Meuterer, was den tödlichen Konflikt dann auslöst.
Daneben bekommt man noch einen guten Eindruck, wie eine Gesellschaft (so klein sie auch ist) verkommt, nur weil sich hier Menschen (vorwiegend die Meuterer) zu sehr dem Alkohol zuwenden.
Teilweise kam mir bei den Schilderungen, wie sich einige der Männer zu abartigen Monstern entwickeln, doch das Schaudern. Leid getan haben mir ganz ehrlich nur die Insulaner. Denn man erlebt hier mit, wie sich die Frauen doch den weißen Männern zuwenden und diese als ihr Volk betrachten. Und wie sie dann diejenigen sind, die auf "hinterhältigste" Weise dafür sorgen, dass eben nur noch eine der streitenden Gruppen überlebt. Und wer das ist, das weiß ja Jedermann, der schon von der Meuterei auf der Bounty gehört hat und sich ein wenig Gedanken über die Nachkommen gemacht hat.
Trotzdem möchte ich hier nicht detaillierter eingehen. Das Buch ist sehr spannend und wer mehr über alles wissen möchte, der sollte es sich auch durchlesen. Denn auch hier kommt keine Verfilmung dem Nahe, was hier geschildert wurde.
GESAMT
Insgesamt kann ich nur sagen, dass sämtliche Filme ein Mischmasch bzw. Auszug aus beiden Büchern der Meuterei auf der Bounty ist und keiner der Filme, die ich gesehen habe, diesen beiden harten Büchern auch nur nahekam. Die Filme sind meistens auf bestimmte Persönlichkeiten betont und lassen viele Dinge aus, obwohl diese sehr wichtig sind.
Meer ohne Hafen, also Teil zwei der Meuterei, ist um vieles grausamer und härter als Teil eins - Schiff ohne Hafen. Und leider verhalten sich die Menschen auch sehr negativ menschlich, gerade in dem Teil, in dem es um die Meuterer geht. Hier werden die Schwächen der Menschen gezeigt, die aus einer Trauminsel eine Hölle machen. Beide Teile sind allerdings sehr gut zu lesen und durchgängig spannend. Und wie auch in Meer ohne Hafen gehen die beiden Autoren hier auch auf die Insulaner ein. Das Buch rundet die Geschichte von Schiff ohne Hafen ab und man sollte hier beide Teile der Meuterei lesen. Denn dann erfährt man die Dinge aus verschiedenen Perspektiven und aller drei Gruppen. Derjenigen, die auf Tahiti bleiben, derjenigen, die mit Bligh auf der Barkasse ausgesetzt werden und derjenigen, die sich unter Führung von Christian Fletcher auf eine einsame Insel flüchten.
DATEN:
Titel: Meuterei auf der Bounty Teil II - Meer ohne Grenzen
Autoren: Ch.B. Nordhoff und J.N. Hall
Seiten: 158
Art: Gebundenes Buch, Abenteuerroman
Geeignet: Jugendliche und Erwachsene
FAZIT
Meer ohne Grenzen ist ein sehr packender, aber auch sehr grausamer Roman, der die Meuterei auf der Bounty abrundet. Man erfährt hier alles übe den Überlebenskampf der Ausgesetzten aber auch über den grausamen Verlauf der Geschichte der Meuterer und der sie begleitenden Insulaner. Auch dieses Buch ist sehr gut, aber wesentlich härter als Schiff ohne Hafen.
Ich hoffe, ich konnte hiermit auch Fragen beantworten, die bei meiner Schilderung von Schiff ohne Hafen aufgetreten sind. Sofern nicht, dann einfach im Kommentar genauer nachfragen.
Liebe Grüße - Miara weiterlesen schließen -
Die Frau hinter der Maske
22.07.2002, 00:06 Uhr von
bigmanu
Ein herzlicher Hallo an alle meine Leser!Ich heiße eigentlich Manuela, bin 39 Jahre alt und seit ...Pro:
sinnlich, erregend, direkte Sprache
Kontra:
nix
Empfehlung:
Nein
Heute möchte ich euch einmal eines meiner absoluten Lieblingsbücher vorstellen. Gekauft habe ich dieses Buch, wie so viele, mehr zufällig, weil es ein Angebot war, und ein historischer Roman. Da kann Manu dann nicht wiederstehen, und muss einfach zuschlagen. Die Rede ist von dem ersten Buch, das ich von Diana Norma gelesen habe, „Das Geheimnis der Maske“.
Gekauft habe ich diesen historischen Roman beim Bertelsmann, dort wurde er damals für 10,00 DM als Schnäppchen angeboten. Es gibt das Taschenbuch aber auch schon für 9,95 Euro zu kaufen, kann ja nicht jeder ein Schnäppchen machen *ggg*. Es hat die ISBN Nr. 3596141990 und ist als Taschenbuch im Fischerverlag erschienen. Mit seinen 765 Seiten ist beschäftigt es den Leser doch einige Zeit, wobei ich sagen muss, ich habe dieses Buch in kürzester Zeit verschlungen. Es hat mich einfach in seinen Bann geschlagen und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Und ich habe mir auch alle weiteren Bücher dieser Schriftstellerin gekauft, weil mir das eine so gut gefallen hat.
Doch jetzt einmal eine Beschreibung des Inhaltes von „Das Geheimnis der Maske“. Vielleicht kann ich ja den einen oder anderen von euch neugierig machen :o)
Die Hauptfigur dieses historischen Romans, der in London, 1664, beginnt heißt Penitence (zu deutsch Buße) Hurd. Sie ist eine 18jährige Puritanerin, die aus ihrer Heimat Amerika geflohen ist. Dort wohnte sie mit ihrer Mutter und den Großeltern auf einer Farm, wo sie ziemlich freudlos und ohne Liebe ihre Kindheit verbracht hat. Ihre einzigen Freunde waren die dort ansässigen Indianer. Schon von Kindheit an stottert Penitence, und muss deshalb einiges an Spöttelein und unangenehme Maßnahmen ihrer Großmutter ertragen, vor allem weil sie in der Sprache der Indianer (sie spricht sie fließend) nicht stottert. Als ihre Familie bei einem Feuer ums Leben kommt, bleibt Penitence allein zurück. Doch als der angeblich mildtätige Reverend Block sich, unter dem Mantel der Frömmigkeit, an ihr vergreifen will, flüchtet sie zu den Indianern. Doch die Gemeinde der Puritaner fordert ihre Rückkehr, angeblich ist sie eine Hexe und verantwortlich für das Feuer, das ihre Familie ums Leben gebracht hat. Ihr gelingt, mit Hilfe der Indianer, die Flucht, und sie landet auf einem Schiff nach London. Dort scheint eine Verwandte von Ihr zu leben, da die Adresse einer Margaret Hughes,The Rookery, St.-Giles-in-the-Field, London in den noch erhaltenen Unterlagen Penitence´s Großvaters zu finden waren.
Also macht sich Penitence auf die Suche als sie in London angekommen ist. Doch die angegebene Adresse befindet sich in einem verrufenen Viertel in London, das Haus stellt sich als eine Art Edelbordell heraus. Die Besitzerin, einfach „Ihre Ladyschaft“ genannt, teilt ihr mit, ihre Tante wäre tot. Trotzdem nimmt sie Penitence dort auf, allerdings soll sie nur die Näharbeiten im Cock-and-Pie erledigen, was, in Anbetracht des Gewerbes das Ihre Ladyschaft betreibt doch recht großzügig ist.
Mit Widerwillen bleibt Penitence im Cock-and-Pie, eine kleine stotternde Tugendwächterin, die sich nur schwer an das Gewerbe der Mitbewohner und an ihre Ladyschaft gewöhnen kann. Sie näht für die dort lebenden Huren und lernt diese besser kennen, versucht gar, sie mit frommen Sprüchen zu bekehren. Dafür weihen diese sie in die Geheimnisse ihres Gewerbes ein. Penitence versucht andere Arbeit zu finden, aber ohne Erfolg. Hier lernt Penitence auch den Schauspieler Henry King kennen, der sie davor bewahrt ihrer Stiefel beraubt zu werden.
Doch dann hält die Pest ihren Einzug in London, und auch das Cock-and-Pie ist betroffen. Alle Häuser mit Pestkranken werden von außen mitsamt ihren Einwohnern geschlossen, bis 40 Tage kein Pestopfer mehr herausgetragen wird. Im Cock-and-Pie sterben fast alle, bis aus Penitence und die Hure Dorinda. Als Ihre Ladyschaft stirbt, stellt sich heraus, das sie die Mutter von Penitence gewesen ist, die gesuchte Margaret Hughes. Die hatte ein Kind (Penitence) von einem Katholiken erwartet, der aber im Bürgerkrieg gefallen war, bevor er die Mutter heiraten konnte. Die scheinheiligen Eltern von Margaret hatte dieser das Kind genommen, waren nach Amerika ausgewandert und hatten sie in ihrer „Sünde“ zurückgelassen.
Aus lauter Langeweile, während sie im Pesthaus eingeschlossen sind, beschäftigt sich der Schauspieler Henry King mit Penitence um sie vom Stottern zu heilen. Er benutzt dazu die Werke von Shakespeare und hat nach anfänglichen Misserfolgen auch Erfolg damit. Nachdem Penitence eine Maske aufgesetzt hat, fühlt sie sich als ein anderer Mensch, und es gelingt ihr ohne Stottern zu sprechen. Sie führen sogar eine Art Vorstellung zwischen den Häusern auf, um einem eingeschlossenen Kind die Flucht zu ermöglichen. Als die Pest, auch die Vermieterin von Henry King erwischt und die Verzweiflung beide übermannt, verbringen sie eine Liebesnacht zusammen, der leider für Penitence die Ernüchterung folgt. Henry King merkt nicht das sie noch Jungfrau war, hält sie für eine Hure und verlässt sie. Penitence bleibt verbittert zurück.
Nach dem Ende der Pest betreibt sie im Cock-and-Pie eine illegale Druckerei um sie und Dorinda und den Sohn, den sie von Henry King bekommt, zu ernähren. Doch sie landet im Schuldgefängnis, weil sie die Hypotheken die Ihre Ladyschaft aufgenommen hatte, nicht mehr bezahlen kann. Durch sexuelle Gefälligkeiten, die sie einem Wärter erweist, kommt sie in eine bessere Zelle und lernt dort die Stückeschreiberin Aphra Behn kennen. Durch einen Gönner von Aphra kann sie ihre Schulden bezahlen und beide werden aus dem Gefängnis entlassen. Alle zusammen, und noch einige andere Gestrandete wohnen sie im Cock-and-Pie, und Penitence gelingt es, als Schauspielerin in einem Theater des Königs unter zu kommen.
Langsam wird Penitence ein Star an diesem Theater und kommt so zu einigem Wohlstand. Doch der Preis dieser kleinen Unabhängigkeit sind die lauernden Höflinge, welche die Schauspielerinnen belagern und bedrängen. Nach einer Zurückweisung von Penitence rächt sich einer von diesen an ihr, worauf hin Penitence sich entschließt ihre scheinbare Freiheit aufzugeben und die Geliebte des mächtigen Prinz Rupert vom Rhein zu werden. Es folgen einige ruhige Jahre, in denen sie mit Rupert zusammen lebt. Er schenkt ihr das Geburtshaus ihres Vaters in nach Somerset, sie ihm eine Tochter.
Doch als ein Freund von Rupert auftaucht, kommt wieder Unruhe in Penitence´s Leben. Es handelt sich dabei um den Viscount Severn and Thames, den Penitence unter dem Namen Henry King kennt und der der Vater ihres Sohnes Benedikt ist. Er ist verbittert und war durch die Schuld des Königs eine Jahre lang in einem Kerker in Frankreich. Jetzt möchte er Prinz Rupert die Königswürde anbieten, da der amtierende König und sein Nachfolger zu sehr mit dem Katholismus liebäugeln. Doch dieser lehnt ab, und Henry King verschwindet wieder aus Penitence´s Leben.
Nach Ruperts Tod zieht sich Penitence auf ihr Haus in Somerset zurück und wird Gutsbetreiberin und achtbare Frau. Doch in den Wirren von Revolutionen und Gegenrevolutionen der Wigs und der Torys kommt auch Penitence´s Leben ins Schleudern. Sie und ihr Sohn Benedikt geraten durch das Wüten des Oberrichters Jeffrey in Gefahr, und dann tritt Herny King wieder in ihr Leben. Wird es noch ein Happy End geben? Einfach das Buch kaufen und lesen :o)))
Wie schon oben erwähnt, bin ich von diesem Buch einfach begeistert. Ich habe es schon einige Male gelesen, und es fasziniert mich immer noch. Man glaubt förmlich mit dabei zu sein, so plastisch schildert die Autorin die Vorkommnisse wie Pest, Gefängnis, Armut und Krieg sowie die Erfolge auf der Bühne und das Theaterleben im 17. Jahrhundert. Sehr realistisch werden hier die Zustände in der Zeit der Restauration und der Pest geschildert, und wie die Menschen diese erlebt haben.
Eine meiner Lieblingsszenen in diesem Buch ist die, in welcher Penitence und Henry Kind während der Pest ihr kleines Theaterstück von Haus zu Haus aufführen, um so die Flucht eines Kindes zu decken. Schrecklich sind die Schilderungen, wie nach der Niedergeschlagenen Rebellion die Gefangenen verurteilt und hingerichtet werden. Schrecklich vor allem, da es sich hier um Tatsachen handelt und dies wirklich so geschehen ist.
Ich konnte mich sehr gut mit Penitence identifizieren und habe mit ihr gelitten. Eine Frau, die versucht in einer Zeit ihre Unabhängigkeit zu erlangen, in der dies für eine Frau einfach unmöglich war. Sie muss Kompromisse schließen um sich und ihre Kinder am Leben zu erhalten. Und die Mittel die sie verwendet, sind alle andere als moralisch, was ihr von Henry Kind angekreidet wird. Wichtig auch ihre Erfahrung mit der Maske und die Heilung vom Stottern. Nur dadurch, das sie sich als eine andere Person sieht, hört sich auf zu stottern. Später setzt sie dann nur noch eine imaginäre Maske auf, aber der Erfolg ist derselbe.
Ich kann nur jedem Liebhaber (oder Liebhaberin) von historischen Bücher empfehlen, dieses Buch einmal zu lesen. Es ist gut geschrieben und bietet auch einige Details die mich sehr interessiert haben. Ich empfand es zu keiner Zeit als langweilig oder langatmig und habe die 764 Seiten förmlich verschlungen. Wie ich schon erwähnte, eines meiner Lieblingsbücher, das auch nach mehrmaligen Lesen nicht langweilig wird.
Deshalb von mir auch alle fünf Sterne und eine hundertprozentige Weiterempfehlung an Euch. Einfach mal kaufen, es lohnt sich wirklich.
Gruss von Eurer BigManu
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-21 22:06:01 mit dem Titel Manu erhitzt ihr einsames kaltes Bett ;o)))
Am Freitag musste ich doch tatsächlich einmal eine Nacht alleine, ohne meinen Männe zubringen. Das kommt bei uns so gut wie nie vor, aber diesmal hatte er sich bei seiner Mutter eingemietet, da ein Geburtstag anstand und ich die Kinder hüten musste. Zwar waren wir auch bis 9.30 Uhr auf der Feier, aber dann mussten die Kinder einfach ins Bett, und ich damit auch nach Hause.
Was macht Frau dann so alleine zu Hause? Genau, erst einmal schöne lange am Computer sitzen und in aller Ruhe durchs Internet surfen. Daneben eine kleine Leckerei und ein Glas Wein, so kann man den Abend genießen. Doch irgendwann hatte ich auch dazu keine Lust mehr, und beschloss, mir ein gutes Buch aus dem Regal zu nehmen. Zufälligerweise blieb mein Blick dann in der Erotikabteilung meiner Bücher hängen, und ich zog ein Buch heraus, das ich schon jahrelang nicht mehr gelesen hatte. Dieses Buch hatte ich in der Anfangszeit meiner Beziehung mit meinem jetzigen Mann gekauft, und wir haben es dann zusammen im Bett gelesen und uns davon anregen lassen. Ach ja, da kamen auf einmal Erinnerungen bei mir hoch.
Bei dem Buch handelt es sich um „Das Delta der Venus“ von Anais Nin, das ich mir vor gut 13 Jahren für 9,80 DM als Taschenbuch gekauft habe. Heute kann man es unter der ISBN-Nr. 3426621606 für 7,90 Euro in jedem Buchladen als Taschenbuch bestellen und dann 330 Seiten lang Erotik pur genießen.
Sehr interessant finde ich die Geschichte dieses Buches, die im Vorwort kurz Erläutert wird. Im Jahre 1940 waren Anais Nin und Henry Miller ständig abgebrannt. Deshalb nehmen sie das Angebot eines unbekannten Sammlers an, und schreiben erotische Geschichten für einen Dollar pro Seite. Anais Nin hat diese Geschichten 35 Jahre lang unter Verschluß gehalten, und sie erst kurz vor ihrem Tod zur Veröffentlichung frei gegeben. Im Vorwort dieses Buches wird auch ihre Neugierde auf diesen unbekannten Sammler dargestellt, und auch ihr Widerwille, Erotik auf Bestellung zu liefern, die noch dazu ohne Gefühle oder andere Geschichten dargestellt werden soll, sondern sich nur auf den puren Sex beschränken sollte. Allerdings ist das bei den Geschichten in dem Buch „Das Delta der Venus“ nicht so. Hier wird sehr wohl über die Gefühle und Gedanken der handelnden Personen berichtet.
Die erste Geschichte heißt „Elena“, und erzählt von Elena und ihrem Geliebten Pierre. Die beiden lernen sich zufällig kennen, und verbringen 10 Tage voller Lust und Leidenschaft zusammen, bevor Pierre sie wegen eines angeblichen Auftrages verlässt. Dann erzählt die Autorin von Elenas Beziehung zu ihrem Cousin und Jugendliebe, der zu Elenas Bedauern aber homosexuell ist. Die beiden treffen sich wieder, und Elena lernt Miguel´s Geliebten kennen, der ihr sehr ähnlich ist. Doch dann kommt Pierre zurück, und Elena gleitet wieder in eine Beziehung zu ihm die immer wilder wird, sie sind geradezu besessen voneinander. Doch Elena entfernt sich gefühlsmäßig wieder von Pierre, und fängt gleichzeitig eine Beziehung zu Leila, einer schönen und selbstbewussten Frau an und lässt sich auch mit der Hure Bijou ein, die auch von Pierre begehrt wird. Nebenbei treibt sie es auch wieder mit Pierre, und der Leser erfährt einiges aus der Vergangenheit von Pierre und Elena. Die sexuellen Begegnungen werden sehr detailliert und sehr anregend beschrieben, es macht wirklich Lust, dieses zu lesen. Nach 101 Seiten ist Schluss mit der Geschichte von Elena, doch sie und die anderen Personen begegnen dem Leser in einigen anderen Geschichten dieses Buches wieder.
Die nächste Geschichte ist nur kurz, und erzählt von einem gutaussehenden ungarischen Abenteurer und seinen wechselnden Beziehungen. Sogar vor seinen Töchtern macht er nicht halt. Diese Geschichte hat mir ehrlich gesagt weniger gefallen. Interessanter ist da schon die Geschichte von der Hure Mathilde, die nur knapp einem Mörder entgeht, der zwanghaft davon besessen ist, seine Freuen zu „erweitern“. Die Geschichte „Das Internat“ ist ebenfalls nur kurz, und berichtet von einen Knabeninternat, und einem Priester, der durch seine Schützlinge erregt wird.
Es folgen noch einige Kurzgeschichten, unterbrochen von einigen, die etwas länger gestaltet sind. In der Geschichte „Der Baske und Bijou“ finden wir dann auch die Gestalten aus der ersten Geschichte wie Elena, Pierre und Leila wieder. Und dem älteren Pierre wird sogar noch eine eigene Geschichte gewidmet. Und am Schluss gibt es noch ein Postskriptum der Autorin, mit ein paar erklärenden Worten. So erklärt sie hier, das sie diese Erotika veröffentlicht hat, weil sie die ersten Schritte einer Frau auf einem Gebiet waren, das ansonsten den Männern vorbehalten war.
Ich habe dieses Buch einmal mehr mit sehr viel Freude gelesen, und es hat mich wie immer angeregt, obwohl ich ja leider allein war. Hier wird Sinnlichkeit und Sexualität ohne Tabus aber in einer direkten und sinnlichen Sprache beschrieben, so das nichts abstoßend wirkt. Auch meinem Mann hat dieses Buch sehr gut gefallen, wir haben es ja früher immer zusammen gelesen und uns davon inspirieren lassen. Es geht in diesem Buch nicht um Romantik, sondern um Lust und Leidenschaft, und die Befriedigung der menschlichen Triebe. Als „poetisch und pornographisch, sinnlich und sensibel“ wurde es von Henry Miller beschrieben, und dem kann ich mich nur anschließen.
Einige der Kurzgeschichten haben mir ausnehmend gut gefallen, andere weniger gut. Am besten haben mir die Geschichten um Elena, Pierre, Bijou, Leila und den Basken gefallen. Davon hätte ich noch mehr lesen können. Ich habe mir das Buch Freitag Nacht ganz durchgelesen, hatte ja auch nichts anderes zu tun so allein im kalten Bett *ggg*. Schade nur, das meine sexuellen Gelüste in dieser Nacht nicht mehr befriedigt wurden, aber es gibt ja noch genug Nächte, und das Buch ist auf meinem Nachtisch liegen geblieben. Mein Mann hat mich dann auch recht fragend angeschaut, als er am Samstag nach Hause kam und es gesehen hat. „Vielleicht hätte ich mir doch ein Taxi nehmen sollen“ sagte er nur, und schaute mich vielsagend an :o)))
Mein Fazit:
Ich kann „Das Delta der Venus“ nur jedem weiterempfehlen, der anregende und sinnliche Erotika lesen möchte, und der sich auch nicht an einer direkten Sprache stört. Ich empfinde die meisten Geschichten in diesem Buch als anregend und auch erregend und sie eignen sich auch gut als Einstimmung für eine heiße Liebesnacht. Gegenseitig vorgelesen können sie die Stimmung wirklich anheizen, und ich denke, dieses Buch ist auch bestens als Geschenk für den Partner oder Partnerin geeignet. Von mir auf jeden Fall eine hundertprozentige Empfehlung und natürlich alle fünf Sterne. „Das Delta der Venus“ ist mittlerweile ein Klassiker der erotischen Literatur, den man gelesen haben sollte, zu seinem eigenen Vergnügen ;o)))
Gruss von Eurer BigManu weiterlesen schließen
Informationen
Die Erfahrungsberichte in den einzelnen Kategorien stellen keine Meinungsäußerung der Yopi GmbH dar, sondern geben ausschließlich die Ansicht des jeweiligen Verfassers wieder. Beachten Sie weiter, dass bei Medikamenten außerdem gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Bewerten / Kommentar schreiben