Pro:
für die einen ALLES
Kontra:
für die anderen auch ALLES
Empfehlung:
Ja
>>> BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE - SOLOALBUM<<<
Es war 1999 als ich das erste Mal den Namen Stuckrad-Barre vernahm. Es war während meiner Ausbildung, zu der Zeit als der sogenannte Handyboom seinen Höhepunkt erreicht hatte. Wir hatten ein Promotionteam von E-Plus (Ja, die mit: Ist denn heut schon Weihnachten.) bei uns. Na ja, Team wäre übertrieben. Es war nur eine hübsche blonde 22jährige ;-)...
Jedenfalls war sie großer Stuckrad-Barre Fan (und Rio Reiser noch dazu!) und erzählte mir was von Remix und Soloalbum. Klang für mich unwichtig und schien es auch. Sie ging und damit auch der Name Stuckrad-Barre.
Einige Zeit später sah ich eben jenen Typen wieder. Auf MTV, wo er Lesungen hielt und über Musik palaverte. Und wieder ging der Name dahin... Bis ich vor einigen Wochen etwas über einen Kinofilm hörte, in dem Nora Tschirner mitspielt (Diese Süsse berlinernde Dame von MTV!). Der Film heißt "Soloalbum" und ist eine Buchverfilmung von Benjamin von Stuckrad-Barre. Da war er wieder! Der Name! Und diesmal blieb er auch! Und nicht nur er, sondern auch der Wunsch, jetzt endlich mal zu erfahren, was an diesem Popliteraten so besonders sein soll!
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ZUM BUCH
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Also sagte ich mir: Jetzt oder nie! Ich muß das Buch lesen, bevor der Film im Kino läuft. Gesagt und getan! Und das ist dabei heraus gekommen ...
"Der Scheiß ist ja, das man zu Oasis fast gar nicht tanzen kann. Bloß immer trinken!" (Seite 164)
Zwei Sätze, die schon einiges vom Inhalt des Buches sagen. Es geht um Musik, es geht um Alkohol und es geht um eine Frau, die der Grund dafür zu sein scheint.
Katharina hat den Protagonisten unseres Buches verlassen. Und das ist der Moment, sich in Selbstzweifel und Selbsthass zu ertränken, weil SIE ja die einzig wahre ist und es keine bessere geben wird als SIE. Was hilft da besser als sich zurückzuziehen und Musik zu hören ... Oasis um genauer zu sein ... die Band, die das singt, was ER fühlt???? Was hilft da mehr als sich zu besaufen, zuzudröhnen und durch Verdrängung vom depressiven Zustand abzulenken???? Was hilft überhaupt, wenn nicht, sich in die Arbeit als Musikjournalist zu stürzen und zu vergessen???? ... Es gebe vielleicht andere Mittel, aber die scheint unser Protagonist nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen! Genauso wenig, wie das Chaos in seinem Leben, das ständig pleite sein, die notorischen Versuche, SIE zurückzugewinnen, natürlich ohne Erfolg.
Wird ER es überstehen??? Oder wird ER in einer "Champagne Supernova" an Alkoholvergiftung sterben??? Und interessiert UNS das eigentlich???
"Don't go away"
... ist einer der wenigen Oasis-Titel, die nicht als Überschrift eines Kapitels dienen. Dafür war wahrscheinlich das Buch mit seinen 244 Seiten einfach zu kurz.
"Soloalbum" ist aufgebaut wie ein Album (Vinyl wohlgemerkt!) in A- und B-Seite! "Soloalbum" als Titel ist auch die Kernaussage des Inhalts! "Soloalbum" ist anders und doch nicht neu! "Soloalbum" fasziniert oder schreckt ab! Und alles hängt mit IHM zusammen, dem Ich-Erzähler, dem Verlassenen, dem Depressiven, dem bemitleidenswerten Häufchen Elend!
Doch gerade am letzten scheiden sich die Geister. Ist der "Held" (der durchaus autobiografische Ähnlichkeiten mit dem Verfasser hat) wirklich bemitleidenswert??? Oder hat er es ganz einfach verdient, in diesem Zustand dahin zu vegetieren??? Immerhin interessiert er sich einen Dreck für seine Umgebung (und wenn doch, sind es meist belanglose Dinge, über die er sich Gedanken macht); für seine Wohnung schon gleich gar nicht; für seine (eher wenigen) Freunde selten und für den ganzen Rest der Welt nur sporadisch! Nur eines will er: SIE zurückbekommen, seine Katharina, über die man aber, trotz der endlos erscheinenden Liebe, so gut wie gar nichts erfährt ... die aber das ganze Buch über stets präsent ist, in den Gedanken und Gefühlen von IHM.
"Bring it on down"
... gehört auch zu den wenigen Oasis-Songs, die nicht als Überschrift herhielten, für "Soloalbum" ... ein Buch, das so einfach zu lesen ist! So einfach, wie auch der Schreibstil, den Stuckrad-Barre an den Tag legt. Einfach und schnörkellos, als würde er es geradewegs so aufschreiben, wie er es denkt. Was er vielleicht auch getan hat! Und daran scheiden sich wiederum die Geister! Denn für viele wirkt der Schreibstil ungewohnt, oft vulgär, selten einfach nur böse, manchmal aber auch unverständlich! Bei "viele" denke ich an diejenigen, die sich nicht um das tatsächliche Alter des Protagonisten von "Soloalbum" bewegen, das sich so bei Mitte Zwanzig einpendelt. Für die Älteren (um die 50) wohl zu "modern" (obwohl auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen, wie uns der Text auf dem Buchrücken beweist!), für die ganz jungen zu unverständlich ... für den ganzen Rest entweder ein Abziehbild oder ein Antibild seiner Selbst!
"Hello"
... sucht man auch vergeblich als Überschrift eines der 28 Kapitel von "Soloalbum". Einem Buch, das mich in die Gedankenwelt eines Ich-Erzählers hineinzieht. Der so denkt, wie so viele andere auch in diesem Alter! Der so lebt, wie einige auch in diesem Alter! Der so fühlt und leidet, wie schon fast jeder in diesem Alter! Und der so verloren scheint, wie einige wenige auch in diesem Alter! Und der trotz des im ganzen Buch ständig erzeugten Bildes eines Dreckskerls, der es nicht anders verdient hat, ab und an ein wenig Mitleid und Sympathie erzeugen kann, gerade weil er so ist!
Stuckrad-Barre (und das fällt auf) ist ein hervorragender Beobachter. Was die oft haarklein beschriebenen Charaktereigenschaften der auftretenden Personen im Buch betrifft, aber auch die Erläuterung so alltäglicher Dinge wie Essen und Shoppen im CD-Laden oder das simple Bahnfahren zeigen. Und hier stößt man zwangsläufig wieder auf autobiografische Verarbeitungen und fragt sich ernsthaft, ob der Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre vielleicht auch einmal so ein A...loch war, wie der Charakter des Buches. Und falls JA, dann hat er doch gut die Kurve gekratzt!
"Up in the sky"
... verliert sich im Nirvana der nicht erwähnten Oasis-Lieder!
Und so offen wie der Himmel, so offen ist das Ende des Buches! Der Held verläßt den Ort der Traurigkeit, den Ort der Depression, den Ort der Handlung, nämlich Hamburg. Und zieht um! In eine neue Wohnung. In eines neues Leben??? Auf jeden Fall in eine neue Stadt, München. So endet "Soloalbum", ohne richtigen Abschluß, ohne Happy End. Vielleicht auch ohne irgendeine Erkenntnis??? ... außer der einen: Oasis bleibt für die Ewigkeit (wenn auch nur auf Vinyl), doch die Liebe scheint vergänglich!
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DER AUTOR
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Benjamin von Stuckrad-Barre wurde am 27. Januar 1975 geboren. Er war das 4. Kind einer Pastorenfamilie aus Bremen (Hallelujah) und lebt heute in Berlin. 1995-1996 arbeitete er als Redakteur für den "Rolling Stone", bis 1997 als Productmanager bei der Plattenfirma MotorMusic. Nebenher arbeitet er journalistisch für verschiedene Zeitungen, wie die "FAZ", "Die Woche" oder "Stern". Zwischenzeitlich hatte er ein Intermezzo beim Musiksender MTV und schrieb (oder schreibt?) er für die "Harald Schmidt Show".
Seine bekanntesten Werke sind neben "Soloalbum", "Livealbum" und "Blackbox".
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FAKTEN
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TITEL
Soloalbum
AUTOR
Benjamin von Stuckrad-Barre
VERLAG
Goldmann Verlag (www.goldmann-verlag.de). Die Abbildung oben zeigt noch die Originalausgabe, erschienen im Kiepheuer & Witsch Verlag (wird allerdings nicht mehr aufgelegt). Meine Ausgabe erschien 2002 und ist schlicht in Weiß- und Gelbtönen gehalten.
LESEPROBE
...Was ich aber immer mal wieder gerne klaue (das ist ziemlich risikolos, da es nicht piepen kann, und gewiß auch straffrei bleibt), sind die sogenannten "Lagerfachkarten"- also diese überall anders beschrifteten (optimal zum Sammeln!) Plastikscheiben, die die Pet Shop Boys von zum Beispiel Robert Palmer zwar ordnend trennen, jedoch nicht annähernd dem Coolness-Graben zwischen beiden Künstlern Rechnung zu tragen vermögen (hinter den Pet Shop Boys zumeist: Tom Petty; vor ihnen fast immer ein gewisser Ray Peterson, irgendwann kaufe ich mal aus Spaß eine CD von Ray Peterson, der nervt nun wirklich schon jahrelang). Ich bin zwar der Meinung, das Ocean Colour Scene eine eher verzichtbare (dabei gewiss nicht schlechte) Band ist, aber seit die hinter Oasis stehen, ist mir viel wohler, als dort dauernd auf (das ist mir schon passiert!) Uwe Ochsenknecht, Sinead O'Connor oder Mike Oldfield zu stoßen. Da kriegt man sonst gleich so schlechte Laune.
Aus reinem Interesse, ach Quatsch, aus purer Bosheit erkundige ich mich, wie viele Kuschelrock-Sampler es inzwischen gibt. Die Frau an der Kasse sagt: - Ich glaube 17, aber es kommt bald ein neuer.
Ich sage der Frau, das ich den dann noch abwarte und mich darauf freue, ob denn wieder Phil Collins dabei ist und Rod Stewart. Sie glaubt schon. Ich glaube auch. Vor dem Haushaltswarenladen, der "tausend praktische Dinge" bereithält, nur gar nichts, was für mich praktisch wäre, plärrt ein festgeketteter Fernseher. Alfred Biolek kocht in seiner Küche, um sein Buch zu verhökern und neuerdings sogar auch Gläser, und zwar "Original" (also die aus der Sendung?). Und die Leute kaufen den Schund in solchen Mengen, daß der Laden sogar einen eigenen Biolek-Tisch eingerichtet hat. Bald werden sie auch Nickelbrillen verkaufen und vielleicht auch Bio-Tonnen oder Bio-Sphären, wer weiß... (Seite 50-51)
PREIS
7,90 Euro für die Taschenbuchausgabe (ISBN 3-442-45203-1)
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FAZIT
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Eine klassische Tragödie!!??? (Wie es der Buchrücken assoziiert.) Anscheinend schon! Eben das typische: von der Liebe Verlassener ertränkt sich im Liebeskummer. Aber halt sehr modern und doch so unspektakulär erzählt. Was an sich langweilig klingt, wird durch Stuckrad-Barres Art der Beschreibung zum Lesevergnügen. Sofern man sich auf einen heruntergekommenen Dreckskerl wie unseren Ich-Erzähler einstellen kann oder überhaupt will. Und sofern man irgendwo ganz tief drin einen gewissen guten Menschen in ihm entdeckt, der sich nur nicht so oft zu erkennen gibt.
Drum bleibt das Urteil: Selber lesen scheint die einzig wahre Methode zu sein. Denn mit Stuckrad Barres Werken ist es nicht anders wie mit Oasis! Die einen lieben sie, die anderen hassen sie! Es gibt nur "Black or white" (was definitv KEIN Oasis Song ist!) ...
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MEHR
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ÜBER BENJAMIN VON STUCKRAD-BARRE
www.stuckrad-barre.de
Seine Homepage. Sehr eigenwilliges Design und auch sehr eigenwilliger Inhalt. Wie halt alles von ihm! weiterlesen schließen
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