Pro:
Interessante Wien-Kenntnisse
Kontra:
Langweilig, zu skurril und absurd, nicht lustig
Empfehlung:
Nein
Ich weiss nicht, wie lange ich an diesem Buch gelesen habe, aber es muss sehr lange her sein, dass ich es begonnen habe. Das Buch ist nämlich sowas von langweilig und schlecht, dass es mir ein Greul war, weiter zu lesen, was ich aber nun doch etappenweise getan habe und nun endlich mit dem Buch fertig bin. *freu*
-------INHALT:-------
John, der Ich-Erzähler, erzählt in diesem Buch die sehr skurrile Geschichte seiner Familie. Sein Vater lernt seine Mutter in einem Hotel kennen. Die beiden verlieben sich in einander und kaufen vom Bären-Dresseur Freud einen Bären, der fortan die Geschichte der Familie begleiten sollte. Vater und Mutter bekommen fünf Kinder: Egg, Lilly, Franny, Frank und eben John.
Das Familienoberhaupt kommt irgendwann auf die Idee, in einem verschlafenen Nest in New Hampshire aus einer geschlossenen Mädchenschule ein Hotel zu machen. In dieses verschlafene Städtchen wird zwar niemand reisen wollen, aber das Hotel soll die Menschen beherbergen, die in diese Stadt reisen müssen, z.B. die Eltern der Football-Teams, die gegen das heimische Team spielen müssen.
Natürlich wird das erste Hotel New Hampshire ein totaler Flop, was u.a. an der Stadt liegt, die wirklich niemand besuchen möchte. Zum anderen liegt es daran, dass der Vater der Familie keine Ahnung von der Gastronomie hat. Trotzdem beschließt die Familie, ein weiteres Hotel in Wien zu eröffnen, als sie per Brief vom Bärendompteur Freud davon in Kenntnis gesetzt werden, dass er dort ein Hotel eröffnen möchte.
Aber auch über diesem Hotel scheint ein Fluch zu lasten. Zum einen kommen Mutter und Söhnchen Egg beim Flug von den USA nach Wien ums Leben, zum anderen wohnen im zweiten Hotel New Hampshire im dritten Stock Terroristen, die eifrig an etwas zu bauen scheinen... Zum anderen wohnen im 2. Stock Prostituierte. Nun gilt es, die Prostituierten und die Terroristen irgendwie von den eigentlichen Hotelgästen fernzuhalten.
Aber auch innerhalb der Familie gibt es einige Ereignisse. So wird Franny noch in den USA von Footballspielern vergewaltigt, Sohn John verliebt sich in seine Schwester Franny und Töchterchen Lilly leidet unter ihrer sehr geringen Körpergröße. Außerdem ist da ja noch Sohn Frank, der schwul ist und bevorzugt mit Schaufensterpuppen schläft...
-------DER AUTOR:-------
John Winslow Irving wurde am 2. März 1942 in Exeter, New Hampshire, in den USA geboren. Bereits mit 14 Jahren begann er zu schreiben und wusste dann mit 19 Jahren, dass er Romanautor werden wollte.
Er studierte daraufhin in New Hampshire und am Institute for European Studies in Wien. 1968 wurde sein erstes Buch "Lasst die Bären los!" veröffentlicht, das er, inspiriert durch Günter Grass' "Blechtrommel", schrieb. 1987 schaffte Irving dann mit seinem Roman "Garp und wie er die Welt sah" den Durchbruch.
Mittlerweile wurden viele seiner Bücher, u.a. mit Stars wie Jim Carrey und Jodie Foster, verfilmt und seit Anfang des Jahres ist Irvings neuestes Werk "Die vierte Hand" im Handel erhältlich und ist auch wieder ein großer kommerzieller Erfolg geworden, was John Irving seiner großen Fangemeinde zu verdanken hat.
-------COVER:-------
Wie alle Cover des Diogenes-Verlages ist auch dieses sehr schlicht. Die dominierende Farbe ist Weiss. Man sieht im oberen Drittel des Covers eine Zeichnung: Ein männliches Wesen (nicht zu erkennen, ob alt oder jung) geht vor einem großen Bären. Darunter steht in großen, schwarzen Lettern "John Irving" und darunter wiederrum "Das Hotel New Hampshire".
-------ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-------
Autor: John Irving
Titel: Das Hotel New Hampshire
Verlag: Diogenes Verlag
Erschienen: 1982
Seiten: 597
Preis: 11,90 €
-------KOMMENTAR:-------
Wie man schon anhand der Überschrift und der kleinen Einführung sehen kann, werde ich dieses Buch gaaanz hinten in meinem Büchgerregal verschwinden lassen und nie wieder ansehen. Ich habe es mir gekauft, weil ich viel Gutes über das Buch im Speziellen und den Autor im Allgemeinen gehört und gelesen habe. Außerdem waren auch große Zeitungen begeistert ("Irrsinnig komisch, meisterhaft erzählt..." sagt die New York Times). Ich finde das Buch aber einfach nur schlecht, weil ich wirklich kaum etwas zu Schmunzeln hatte. Die vielen Szenen, die lustig sein sollen, sind einfach viel zu weit hergeholt, unrealistisch und zu skurril, als das ich lachen könnte. Hinzu kommen noch einige tragische Ereignisse (Tod der Mutter und des Sohnes, Frannys Vergewaltigung), die alles andere als komisch sind.
Hinzu kommt auch noch, dass die einzelnen Geschichten, die erzählt werden, viel zu lang sind. Das ein Kapitel über 50 Seiten lang ist, ist bei "Das Hotel New Hampshire" keine Seltenheit. Das wäre ja auch nicht schlimm - im Gegenteil - aber die behandelten Ereignisse sind meist einfach nur läppisch, lächerlich und/oder an den Haaren herbeigezogen.
Das John Irving ein Faible für recht anrüchige Themen hat, war bekannt, wogegen ich auch nichts habe. Wenn man hier oder da mal liest, wie zwei Menschen (meinetwegen auch drei) Sex haben, ist das ja okay. Aber es hört bei mir spätestens auf, wenn hier Männlein und Weiblein so oft hintereinander Sex haben, dass ihre Geschlechtsteile bluten und auf Tage danach schmerzen, nur um sich vergessen zu können und sich nicht mehr zu lieben. Desweiteren halte ich es für - vorsichtig ausgedrück - etwas seltsam, wenn John in sehr zartem Alter ausgerechnet von einer Prostituierten entjungfert wird. Ist die Frau pervers, dass sie mit kleinen Jungs Sex hat? Also das alles geht mir persönlich dann doch etwas zu weit.
Außerdem finde ich es aber auch noch fatal, wenn der schwule Frank immer mit einer Schaufensterpuppe im Bett liegt. Gut, zu der Zeit, in der die Geschichte spielt, hatte man es sicher als Homosexueller noch schwerer als heute, aber sich auf diese Art darüber lustig zu machen, oder die Homosexualität zumindest so darzustellen, halte ich für schwachsinnig, aber vielleicht hat fatal. Bei solchen Beschreibungen von Homosexuellen (es ist offenkundig, dass die Schaufensterpuppe in Franks Bett und seine Homosexualität in einem kausalen Zusammenhang stehen) muss man sich nicht wundern, wenn weiter Ressentiments entstehen und bleiben. Wenn man soetwas liest, ist es doch klar, dass einige denken werden, Schwule müssen pervers sein!
Nach so viel Negativem aber auch mal etwas Positives: John Irving kann dank seiner Zeit in Wien und dem Lesen von vielen Büchern viele Insiderkenntnisse vorweisen, die er in dem Buch auch geschickt einbaut. Sei es nun die Lebensweise in Wien, die Gecshichte Wiens o.ä. Diese Teile des Buches waren sogar relativ interessant zu lesen, was leider nicht soooo oft vorkam.
-------FAZIT:-------
Ich habe dieses Buch gelesen und werde nie wieder etwas von Irving lesen. Das Buch war so skurril, dass ich nun erstmal genug davon habe und mich wieder anderen Autoren zuwenden kann. Wer allerdings ein skurriles, lustiges Buch mit Niveau lesen möchte, dem empfehle ich "Johannisnacht" von Uwe Timm. Der Autor ist zwar lange nicht so bekannt, wie John Irving, meines Erachtens nach aber literarisch sowie von den erzählten Geschichten her um einiges besser!!! weiterlesen schließen
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