Pro:
Modeaspekte müssen hinter dem medizinisch Notwendigen zurück stehen.
Kontra:
Mir ist keine Alternative bekannt
Empfehlung:
Ja
2003 zwangen mich die Folgen einer Thrombose zum Tragen von Kompressionsstrümpfen. Bereits in der Klinik wurden mir von einer Mitarbeiterin eines Sanitätshauses Kompressionsstrümpfe "angepasst". Verzweifelt suchte mein Therapeut nach erfolgter Lymphdrainage nach dem Etikett im Strumpf für "Links" bzw. "Rechts" und ich bekam erste Zweifel an einer optimalen Versorgung.
Nachdem das Ödem am rechten Bein zwei Monate nach Klinik Entlassung noch gewaltig war, kam ich in die Feldbergklinik in St. Blasien (Spezialklinik). Dort wurden meine Strümpfe als völlig unzureichend bewertet (keine Maßstrümpfe und viel zu kurz).Der Teil am Oberschenkel rutschte bei längerem Laufen trotz Haftband über das Knie.
In einem "Pflichtseminar" informierte das in der Klinik vertretene Sanitätshaus über die möglichen Materialien und Stricktechniken.
Als "non plus ultra" wurde die "Flachstricktechnik" angepriesen. Neben einem besonders kräftigen Material bietet dies die Möglichkeit, dem Strumpf einen schrägen Abschluß von der Hüfte zum Schritt zu geben und ihn optimal an die Beinform anzupassen. Als typisches Zeichen weist der Strumpf eine Längsnaht auf, die allerdings beim Tragen nicht stört. Durch das als "derb" zu bezeichnende Material drängt sich hinsichtlich des Tragekomforts der Vergleich mit einer Rüstung auf.
Als "Newcomer" in Sachen Kompressionsstrümpfe folgte ich bei Erstbestrumpfung dem Rat, Strümpfe nicht mit geschlossenem Fuß zu nehmen. Da hier die Zehen frei bleiben versprach ich mir ein leichteres Anziehen der Strümpfe. Hierfür wird aus glattem, seidigen Material (gleitet gut) eine Art "Pantoffel" mitgeliefert, mit dem man in den Strumpf schlüpft und den "Pantoffel" dann vorne an der Zehenöffnung wieder heraus zieht. Nachteilig für mich erwies sich, daß das Abschlußband des Strumpfes nach mehrstündigem Tragen Schmerzen an der kleinen Zehe verursachte. Darüber hinaus entwickelte sich eine Routine beim Anziehen der Strümpfe, die solche und ähnliche Hilfsmittel überflüssig macht. Ein weiteres Anziehhilfsmittel für Strümpfe mit geschlossenem Fuß wurde mir vom Sanitätshaus in der Spezialklinik verkauft. Es handelt sich um eine Plastikfolie, die auf der Beinrückseite mit einer Plastikschnur durch Ösen - ähnlich einem Schuh - verschnürt wird. Sitzt der Strumpf am Fuß so wird die Schnur und anschliessend die Folie herausgezogen.
Das sinnvollste und relativ preiswerte Hilfsmittel sind weiche Gummihandschuhe mit gerippten Fingern und gerippter Handfläche aus der Apotheke oder auch aus dem Sanitätshaus. Sie machen das Anziehen der Strümpe zum Kinderspiel und vor allem sie schonen die Strümpfe selbst. Den Hinweis hierzu erhielt ich von Therapeuten in der Spezialklinik.
Zwei Paar Strümpfe pro Jahr soll eine verbindliche Regel sein. Ich selbst habe alle Quartal ein Rezept bekommen und wer täglich und nicht nur sporadisch Kompressionsstrümpfe tragen muß, ist froh, wenn ein Paar auch nach drei monatiger Nutzung noch über ausreichende Kompression verfügt, damit sie ihrem Zweck gerecht werden und im Wechsel verwendet werden können.
Die Strümpfe gibt es in drei (soweit mir bekannt) Kompressionsklassen, wobei Klasse II als üblich gilt.
Anfang Sept. 2005 musste ich erneut in die Klinik. Diesmal mit Thrombose im linken Bein. Waren es 2003 fünf Wochen Klinikaufenthalt, waren es diesmal dank Fallpauschale nur 10 Tage. Wieder wurde mir die Notwendigkeit neuer Kompressionsstrümpfe eröffnet. Wieder kam jemand von einem Sanitätshaus und erklärte zu meinem Verlangen auf Maßstrümpfe
daß eine Zuzahlung von 29.- € zu den 10.- € Rezeptgebühr fällig werden. Aufgrund meines Hinweises, die letzten Strümpfe vor ca. 3 Monaten nur mit Rezeptgebühr erhalten zu haben wurde erklärt, ich könne auch einen "Kassenstrumpf" ohne Zuzahlung haben. Das mir vorgelegte Muster hatte im Oberschenkelbereich einen "Netzeinsatz". Da in diesem Bereich dann keine Kompression zu erreichen war, ließ ich mich zur Zuzahlungsvariante überreden.
Laut Klinikbericht wurde ich "bestrumpft" ( mit meinen 3 Monate alten Strümpfen) entlassen da das Sanitätshaus nicht fristgerecht geliefert hatte. Nach weiteren zehn Tagen, in denen ich ohne meine Strümpfe unbestrumpft geblieben wäre, erhielt ich von der Klinik die Telefonnummer des Sanitätshauses. Angeblich hat das Sanitätshaus meine Maßstrümpfe gerade erhalten und würde sie mir zusenden. Die Abnahme der Strümpfe lehnte ich ab. Besorgte mir von meinem Arzt ein Rezept auf Maßstrümpfe, ging zur Apotheke und ließ die Maße nehmen. Drei Tage später hatte ich meine "Kassenstrümpfe" für 10.- € Rezeptgebühr in hervorragender Qualität.
Fazit meiner Erfahrungen: Die Strümpfe aus den Sanitätshäusern ( vier Paar) waren mindere Qualität, wo "rechts" bzw. "links" ebenso wie die korrekte Länge der Strümpfe eine unbedeutende Rolle spielten. Ausschlag gebend erscheint mir nachträglich die sofortige Verfügbarkeit durch Griff ins Regal mit "gemittelten" Werten. Selbst die "Flachgestrickten" aus dem Sanitätshaus der Spezialklinik sind mangelhaft. Was ich als Laie als besonderen Vorzug ansah, nämlich zwei Haftbänder pro Strumpf, erklärten mir Fachleute als "Flickschusterei" mit der versucht wurde, zu kurz geratene Strümpfe der erforderlichen Länge nahe zu bringen.
Anders die Strümpfe (inzwischen 4 Paar) aus zwei verschiedenen Apotheken. Diese haben einwandfreien Sitz und sind von hervorragender Qualität und auch als "Kassenstrumpf" ohne Zuzahlung.
Das ständige Tragen der Strümpfe tagsüber trocknet die Haut aus. Hautpflege über Nacht ist dringend erforderlich. weiterlesen schließen
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