Mercedes-Benz S-Klasse Testberichte
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2007
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Summe aller Bewertungen
- Fahreigenschaften:
- Fahrkomfort:
- Platzangebot:
- Zuverlässigkeit:
Pro & Kontra
Vorteile
- Komfort und Platz at it\'s best
- Motor, Fahrwerk, Ausstattung, Qualität, Optik
- kann nicht Alles aufgezählt werden. Ein Dahingleiten.
Nachteile / Kritik
- Gene einer Schiffsschaukel sind nicht zu leugnen
- Preis
- fällt mir nichts ein
Tests und Erfahrungsberichte
-
Ein Schiff wird kommen
Pro:
Komfort und Platz at it\'s best
Kontra:
Gene einer Schiffsschaukel sind nicht zu leugnen
Empfehlung:
Ja
Hallo liebe Yopi-Leser und Fremdlinge, heute möchte ich auch noch ein Auto vorstellen, ein S-Klasse Mercedes der Baureihe 220L wird das Thema sein, genauer gesagt ein S 400 CDI L.
Den Bericht gab es in ursprünglicher Fassung auch schon bei Ciao, ich habe ihn allerdings ergänzt und überarbeitet.
Und vorweg, für alle Schnellklicker und Leute, die davon überzeugt sind, über ein Auto dürfte man erst nach mindestens 5 Jahren Erfahrung und 100.000 km schreiben... bitte einmal abwerten und weiterklicken, Ihr seid hier falsch.
Für die, die keine Romane mögen, hier eine Kurzbewertung:- Karosserie:
+ vorn wie hinten sehr großzügige
Die S-Klasse stand mir 2003 gut sechs Wochen zur Verfügung, in dieser Zeit lief er knapp 12.000 km bei uns.
Mit diesem Bericht schließe ich auch die Reihe der Oberklasse Diesel ab, mit Audi A8 TDI über BMW 740d, den Mercedes jetzt und den Phaeton TDI habe ich alle aktuell auf dem Markt erhältlichen Oberklasse Diesel in meinen Berichten, mag jemand vergleichen, das Bewertungsschema ist bei mir einheitlich.
Preise und Ausstattung
Nun denn, sehen wir uns das Fahrzeug also zuerst einmal näher an, das ich hier vorstelle. Der S 400 CDI L wurde von mir nicht bestellt, sondern nur gefahren, dementsprechend werte ich auch wieder die Nützlichkeit der Sonderausstattung nach meinem subjektiven Schema (++ = ein MUSS, + = macht Sinn, - = nicht nötig, -- = rausgeworfenes Geld):- S 400 CDI L 85.608,00 Euro
- Metallic-Lackierung Perlitgrau metallic 1.073,00 Euro (++)
- Leder Nappa Royalblau 1.049,80 Euro (++)
- Holzausführung Wurzelnuß 394,40 Euro (-)
- Klimaanlage im Fond 1.218,00 Euro (-)
- Schiebe-Hebedach elektr. Glasausführung 1.299,20 Euro (++)
- Garagentoröffner im Innenspiegel 255,20 Euro (+)
- Heckdeckelfernschließung 533,60 Euro (--)
- Keyless-Go 1.183,20 Euro (--)
- Parktronik 765,60 Euro (++)
- Scheibenwaschanlage beheizt 191,40 Euro (++)
- Servoschließung für Türen 632,20 Euro (--)
- Multifunktionslenkrad beheizt 290,00 Euro (-)
- Dachantenne 0,00 Euro (++)
- CD-Wechsler im Kofferraum 458,20 Euro (+)
- COMAND APS 2.088,00 Euro (++)
- Sound-System 1.113,60 Euro (-)
- Bi-Xenon-Scheinwerfer 928,00 Euro (++)
- Einbruch- und Diebstahl-Warnanlage m. Abschleppschutz 307,40 Euro (-)
- Feuerlöscher montiert 116,00 Euro (++)
- Innenraumabsicherung mit Abschleppschutz 185,60 Euro (--)
- Fondeinzelsitze u. Kopfstützen elektr. verstellbar 3.665,60 Euro (+)
- Komfortsitze vorn inkl. Belüftung 742,40 Euro (-)
- Multikontursitz links vorne 545,20 Euro (++)
Gesamtpreis ab Werk zzgl. Überführung inkl. 16 % MwSt. 104.643,60 Euro
Preise Stand Januar 2004
Für S-Klasse Verhältnisse haben wir hier einen nur "durchschnittlich" ausgestatteten S 400 vor uns, es ist ohne große Probleme möglich, noch mal 20.000 Euro mehr für das Auto auszugeben.
Zur Ehrenrettung von Mercedes kann man aber festhalten, das heutzutage die Serienausstattung der S-Klasse schon weitgehend komplett ist, wirkliche MUSS Zutaten, um einen vernünftigen Wiederverkauf zu gewährleisten, sind im Grunde nur noch Metallic-Lack, Leder, die Parkdistanz-Kontrolle, Navigation und Xenon Licht. Ein Schiebedach im Grunde auch noch, der Rest der erstrebenswerten Goodies des Alltagsleben sind serienmäßig verbaut.
Wobei, obwohl es bei den Vierzylinder-Dieseln in der Zwischenzeit zumindest bestellbar ist, beim Diesel-Flagschiff des Konzern gibt es den Rußpartikelfilter weder gegen Geld noch gute Worte... auch hier ein Armutszeugnis deutscher Ingenieurskunst.
Und zurückblickend betrachtet ist das heutige Preisniveau durchaus erschreckend, ich kenne aus persönlicher Erfahrung alle bisher verkauften S-Klasse Modelle, vom W108 über den W116 und den W126 bis zum W140... beim 126er war es noch problemlos möglich, für 100.000 DM ein wirklich satt ausgestattetes Auto zu bewegen... und ernsthaft hat kaum einer der potentiellen Interessenten gegenüber 1991 sein Gehalt heute satt verdoppelt. Kein Wunder also, das der Verkauf von Oberklasse Fahrzeugen auf niedrigerem Niveau liegt als noch vor zehn Jahren.
Wie sieht er denn aus?
Karosserie
Das Design der aktuellen S-Klasse ist wohltuend schlicht, gerade auch verglichen mit dem unmittelbaren Vorgänger W140, der noch im dezenten Panzer-Outfit auf der Straße stand.
Von allen zur Zeit angebotenen Oberklasse Limousinen wirkt die S-Klasse am wenigstens "dick" und protzig, jemandem wie mir, der den Nerz lieber nach innen trägt, gefällt so etwas.
Leider fehlt auch die Abgrenzung zu den kleineren Baureihen fast ganz, von vorne könnte man die S-Klasse leicht mit einer C-Klasse verwechseln, in der Silhouette mit einer E-Klasse und von hinten gleichen sich Mercedes-Modelle traditionell eh sehr stark.
Der Understatement Faktor ist also hoch und wird im Grunde nur noch vom VW Phaeton übertroffen.
Sachlich läßt sich der Karosse auch kaum etwas vorwerfen, selbst kritischster Betrachtung hält sie im Detail stand. Kein Detail wirkt billig oder lieblos, auch die sechs Jahre Bauzeit lassen das Auto nicht alt wirken.
Die S-Klasse zeigt auch noch am ehesten Mercedes Tugenden, zwar fallen die Türen nicht mehr so panzerartig ins Schloß wie bei den Vorgängern, aber es wird doch eine deutliche Distanz zu den kleineren Baureihen spürbar.
Ich persönlich empfinde solch ein Gefühl der Solidität als sehr wichtig, in diesen Preisklassen möchte man wissen, wofür man das ganze Geld investiert hat.
Der Innenraum
Bedingt durch die Farbkombination im hier vorgestellten Fahrzeug befiel mich zuerst einmal gelindes Schaudern beim ersten Betrachten.
Alles ist blau in blau, mag sein, das es Menschen gibt, deren Geschmack damit getroffen wird, auf mich wirkt so etwas in erster Linie mal abschreckend. Nur unterbrochen vom schon traditionellen Wurzelnußholz, präsentiert sich alles in verschiedenen Blautönen, gerade beim Lenkrad sieht es nur noch schwerstens billig aus, in einem Daihatsu oder einem Hyundai würde man so etwas eher tolerieren.
Abgesehen von den Farben stimmt aber zumindest die Funktionalität, trotz der wirklich umfangreichen Ausstattung sollte es auch einem Laien gelingen, sich auf Anhieb zurechtzufinden. Spielchen wie ein winziger Automatikwählhebel am Lenkrad (siehe BMW Siebener) glänzen durch Abwesenheit, alles folgt dem seit Jahrzehnten gewohnten Mercedes-Benz Bedienschema.
Eine Abweichung stellen lediglich die Instrumente dar, hier wurde versucht mittels einer Durchlichttechnik (ähnlich Lexus... da hätte man sich aber ansehen können, wie man das richtig macht!) ein neues Layout zu schaffen. Zwar stimmt die Anzahl der Instrumente und alles bleibt intuitiv erfaßbar, aber wieso z.B. ein Drehzahlmesser nicht mehr rund ist sondern einem seltsamen Dreiviertelkreis folgen muß, das bleibt ein Geheimnis der Entwickler.
Leicht unverständlich und ein wenig unverschämt erscheint die Politik von Mercedes, für das Navigationssystem Command APS einen saftigen Aufpreis zu verlangen, ist der Monitor in der Mittelkonsole doch zwischenzeitlich Teil der Serienausstattung. Auch wenn das Funktionieren der Navigation oft eine Frage des persönlichen Glücks des Besitzers zu sein scheint, ist diese Funktion heutzutage bei einem Fahrzeug der Oberklasse einfach ein Muß.
Trotz Modellpflege und neuer Gestaltung immer noch nicht wieder auf dem Niveau der Preisklasse erscheinen manche Schalter, die Bedieneinheit der Klimasteuerung macht einen ausgesprochen billigen Eindruck.
Dafür hat Mercedes andere Funktionen zwischenzeitlich bestens im Griff, die durch die Lenkradtasten aufrufbaren Funktionen sind vorbildlich gelöst und erschließen sich weitgehend intuitiv.
Ein heutzutage immer wichtigeres Thema ist dabei Multimedia im Fahrzeug, das im Testwagen verbaute Sound-System ist dabei nicht mehr auf der Höhe der Zeit, da bieten andere Hersteller zwischenzeitlich deutlich mehr fürs Geld.
Weitergehende Luxusausrüstung, wie z.b. Klapptische an den Vordersitzen oder auch eine Kühlbox in der hinteren Mittelarmlehne fehlen dem Testwagen, für den Einsatzzweck als Chauffeurlimousine sollte man über diese Zutaten nachdenken.
Platzverhältnisse
Üppig. Sowohl vorne als auch hinten wird vier Mitfahrern echter Raumkomfort geboten, gerade in Verbindung mit den separat elektrischen verstellbaren Einzelsitzen im Fond ergibt sich auch dort ein wirklich sehr angenehmer Aufenthaltsort.
Wenn nicht ständig Erwachsene auf den Rücksitzen mitreisen, ist auch die Variante mit kurzem Radstand von den Platzverhältnissen her völlig ausreichend.
Das Kofferraumvolumen entspricht mit 500 Litern dem Klassenstandard, ein optional erhältlicher Skisack ermöglicht auch den Transport längerer Gegenstände.
Die Sitze
Hier kommt zunächst mal ein Aspekt ins Spiel, der sicher verhindert, daß ich jemals in Versuchung kommen sollte, solch ein Auto zu kaufen, nämlich die Qualität der Sitzanlage.
Ist die Verstellung noch mercedestypisch (und wirklich vorbildlich) perfekt gelöst, hapert es am Rest gewaltig.
Schmale Hemden wie ich finden trotz üppiger Verstellmöglichkeiten partout keinen Halt, es drängt sich immer der Eindruck auf, hier eher im Fernsehsessel als in einem Auto Platz zu nehmen.
Etwas wie Sportsitze ist für den S 400 CDI nicht zu haben (geht bei der S-Klasse nur beim S55 AMG und beim S 65, da allerdings serienmäßig), also bleibt nur der ziemlich haltlose Seriensitz.
Beim Testfahrzeug war eine so genannte "fahrdynamische Multikonturlehne" zumindest beim Fahrer verbaut, ein Luftkammersystem, das den jeweils in Kurven einwirkenden Fliehkräften entgegenwirken soll. Wer jemals den Seitenhalt und die Stabilität eines wirklich guten Sportsitzes erleben durfte, wird fortan auf Spielereien dieser Art gerne verzichten, gefühlsmäßig bleibt die Aufblasautomatik immer genau den entscheidenden Sekundenbruchteil hinter der Realität zurück, um eine wirkliche Hilfe zu sein.
Dazu dann der Aspekt "Komfortsitze", was in erster Linie eine Sitzbelüftung beinhaltet. Ich persönlich mag dann lieber von vornherein atmungsaktive Bezüge und kann auf Spielereien dieser Art getrost verzichten.
Generell empfiehlt es sich wohl, als S-Klasse Fahrer wenn nicht von großer, dann doch von stabiler Statur zu sein, in Verbindung mit dem glatten Mercedes-Benz Leder ergibt sich jedenfalls erst dann etwas wie Halt, wenn man die Riesenbreite des Sitzes auch ausfüllt.
Hinten sitzt es sich vergleichsweise dazu sehr gut, egal ob Seitenhalt, Sitztiefe oder Kontur der Rückenlehne, im Vergleich zu anderen Fondsitzen wird hier wirklich extrem guter Sitzkomfort geboten.
Material – Verarbeitung - Haptik
Die reine Verarbeitungsqualität gehorcht auch hohen Ansprüchen, die Auswahl der verwendeten Materialien dagegen absolut nicht.
Selbst das gegenüber dem Serienleder aufpreispflichtige Nappaleder des Testfahrzeugs wirkt viel eher wie Kunstleder als einem Naturprodukt auch nur nahe zu kommen. In einem Taxi mag so etwas angemessen sein, wie man Leder auch tatsächlich so verarbeitet, das es einen angenehmen Eindruck hinterläßt, das machen alle Mitbewerber vor.
Leider machen die verbauten Kunststoffe, zumindest im hier zu erlebenden "blauen Salon" auch keinen wirklich hochwertigen Eindruck. Extrem unverständlich, wenn man ältere Mercedes S-Klassen kennt, wo man auf den ersten Blick und auf das erste Anfassen ganz klar wußte, das man jetzt an der Spitze des Automobilsbaus angelangt war.
Die Technik
Der Motor
Wie im schon vorgestellten E 400 CDI kommt auch hier wieder der hauseigene V8-Diesel zum Einsatz.
Abgesehen vom Rußfilter findet sich Dieseltechnik auf der Höhe der Zeit, angefangen von der CommonRail Einspritzung über Turbolader mit variabler Turbinenschaufelgeometrie bis hin zum 4-Ventil Zylinderkopf (in den Benzinern tut immer noch 3-Ventil Technik ihren Dienst) ist alles so, wie es die Mitbewerber vormachen.
Angepaßt wurde zwischenzeitlich auch die Steuerungselektronik, wodurch der S 400 jetzt genau wie der E 400 CDI jetzt 260 PS abgibt, beeindruckender als die Leistung ist jedoch immer noch das maximale Drehmoment von 560 Nm, das bereits ab 1.700 U/min voll versammelt sein soll.
Die Kraftübertragung
Angeblockt an den Motor findet sich die altbewährte Mercedes-Benz eigene 5-Stufen Automatik. Im Vergleich zur Konkurrenz technisch nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, dort werden in der gleichen Klasse meist bereits 6 Fahrstufen und auch Wandlerüberbrückung in den unteren Fahrstufen geboten. Die hauseigene neue Siebengangautomatik bleibt bisher ausschließlich dem E500/S350/S500 Benziner vorbehalten.
Angetrieben werden konventionell die Hinterräder, Allrad ist bei Mercedes nicht in Kombination mit Diesel lieferbar.
Fahrwerk
Vorne gibt es eine Vier-Lenker Achse, wobei nur unten Dreieickslenker zum Einsatz kommen. Hinten gibt es die seit fast 15 Jahren bewährte Raumlenkerkonstruktion.
Serienmäßig wird in der S-Klasse mit Luft gefedert (inklusive Niveauregulierung an beiden Achsen), die optionale Active-Body-Control, die als Wankverminderer dienen soll, ist im Testwagen nicht verbaut.
Vorne wie hinten gibt es Scheibenbremsen, nicht ganz so üppig dimensioniert, wie es die Mitbewerber vormachen und damit naturgemäß erhöhtem Verschleiß ausgesetzt.
Serienmäßig rollt der S 400 auf 16" Rädern mit 225/60 R 16 Bereifung vom Band, nicht gerade üppig anbetracht der Fahrzeugklasse.
Traditionell Mercedes-like gibt es eine Fußfeststellbremse statt einer Handbremse... wers mag.
Das Leergewicht gibt Mercedes mit 2.010 kg an, in Verbindung mit der Sonderausstattung im Testwagen dürfte sich eher ein Wert um die 2.150kg ergeben. Die Gewichtsverteilung ist dank des schweren Diesels nicht sehr glücklich, nur 43% des Gewichts lasten auf der Hinterachse.
Fahren wir endlich!
Dank Keyless-Go brauchen wir nur die Chipkarte in der Tasche zu haben, die Türen öffnen sich so auf einfachen Zug.
Gestartet wird per Knopfdruck oben im Automatikwählhebel, der Großdiesel meldet sich leise, aber doch deutlich dieselig zu Wort.
Die Hand fällt von alleine auf den Automatikwählhebel, an dieser Stelle vielen Dank an die Verantwortlichen, die diese Tradition beibehalten haben.
Die Größe des Fahrzeugs verliert dank PDC vorne und hinten ihren Schrecken, erstaunlich handlich läßt sich das mehr als fünf Meter lange Schiff dirigieren. Die Übersichtlichkeit läßt naturgemäß ein wenig zu wünschen über, gerade nach vorn läßt sich die S-Klasse nicht gut abschätzen.
Einmal in Fahrt gewinnt jedoch Wohlfühlen gleich die überhand, dank Druck von unten und einer Schaltstrategie der Automatik, die den Motor auch bei niedrigen Drehzahlen sein Drehmoment entfalten läßt, ohne gleich zurückzuschalten, bewegt man sich erstaunlich leichtfüßig in der Stadt.
Lediglich beim Fast-Stehenbleiben, z.B. im rechts-vor links Verkehr, gönnt sich der Triebstrang hin und wieder eine Gedenksekunde, wüßte man aber nicht, wie leichtfüßig die Mitbewerber dieser Klasse, allen voran Audi A8 und BMW 740d in solchen Situationen reagieren, fiele es nicht negativ auf.
Gönnen wir dem S 400 CDI sein natürliches Revier, die Autobahn.
Hier ist die Fahrt von großer Mühelosigkeit geprägt, die Abstimmung der Antriebseinheit erscheint fast perfekt.
Ganz ohne Streß ergeben sich hohe Reisedurchschnitte, mein Wohlfühltempo pendelt sich bei Tacho 200 ein, leider reagiert die S-Klasse recht empfindlich auf Seitenwind. In Verbindung mit der recht schmalen Serienbereifung ergibt sich allerdings eine recht geringe Empfindlichkeit auf Längsrillen (Spurrillen), mal ein positiver Aspekt der geringen Breite.
Ein wenig vermißt habe ich den Abstandsregeltempomaten, der mir aus dem E 400 CDI in angenehmer Erinnerung war. Ein "normaler" Tempomat ist allerdings serienmäßig, auf der Autobahn ein gern genutztes Extra.
Am Ende meiner Tagesetappe stand wie so oft die Bergstrecke zu meinem Wohnort. Auf dieser strecke hab ich dem S 400 dann sofort die Freundschaft gekündigt, versucht man diese Strecke mit Passagieren auf der Rückbank, kann man das Entstehen von Seekrankheit im Zeitraffer beobachten.
Das Schiff wankt durch die Kurven, das es eine Art hat, das ESP regelt verzweifelt schon lange, bevor es was zu regeln gäbe, kurz gesagt: das Auto erstickt jedwede sportliche Ambition schon im Ansatz.
Die Lenkung zeigt in solchen Situationen auch Schwächen, sie verhärtet bei schnellen Richtungswechseln recht unschön.
Artgerecht gehalten, als purer Reisegleiter, überzeugt der S400 CDI jedoch. Selbst mir dem aufpreispflichtigen ABC-Fahrwerk ergibt sich immer noch kein sportliches Fahrgefühl, jedoch werden die Wankbewegungen recht ordentlich ausgebügelt. Im Vergleich zum BMW 740d und zum Audi A8 TDI ergibt sich jedenfalls ein vergleichsweise träges Handling und sehr ausgeprägte Karosseriebewegungen, nebenbei auch nichts, was das Wohlbefinden der Fondpassagiere wirklich fördert.
Ein Stück weit verliert der S 400 CDI auch beim Bremsen. Zwar stimmt das Pedalgefühl (im Gegensatz zur E-Klasse), die absolute Leistung der Bremse ist aber nicht gerade sehr überzeugend. Dazu ist der Druckpunkt nicht besonders deutlich, gerade leichte Bremsungen geraten leicht zur Ruckelei.
Das Thema ruckeln ist auch dem Triebstrang nicht ganz fremd, in einer Tempo 30 Zone fühlt man sich mitunter ein wenig an Bonanza Zeiten aus den 80ziger Jahren erinnert.
Komfort
Hier haben wir DAS Metier der S-Klasse.
Auch grobes Geläuf bügelt die Luftfederung glatt, wären die Karosseriebewegungen (z.B. Nachschwingen) nicht, wäre das wohl die Spitze des Automobilbaus.
Dazu kommen extrem geringe Innengeräusche, selbst bei deutlich mehr als 200 km/h ist eine gepflegte Unterhaltung möglich.
Die Klimatisierung ist, zumindest mit der optionalen Klimaanlage für den Fond, sehr gelungen. Nicht ganz auf dem Niveau des Phaetons wird für alle Passagiere weitgehend zugfrei eine konstante Temperatur geboten. Lediglich direkte Sonneneinstrahlung verursacht die Klimasteuerung manches Mal zum Entfachen eines kleinen Eissturm auf den jeweiligen Sitzplatz und fordert so einen kurzen manuellen Eingriff.
Zuverlässigkeit
Allein die Tatsache, daß ich hier ein Extra-Kapitel zum Thema bringe, sollte dem geneigten Leser zum Nachdenken gereichen.
War eine Mercedes-S-Klasse in früheren Jahren fast immer ein sicherer Garant für das 100%tige Erreichen des Ziels, hat sich da das Bild gewandelt.
Überließ Mercedes-Benz früher anderen Herstellern den Einsatz von viel Elektronik im Auto, ist es heute umgekehrt. In vielen Bereichen regelt Elektronik heute den modernen Mercedes.
Mit welchem Ergebnis? Einem traurigen. In den sechs Wochen, in denen ich das Auto hatte, bin ich einmal auf freier Strecke liegen geblieben (nebenbei, der Mercedes Mobilitäts-Service ist exzellent, keine 30min Wartezeit auf den Servicemann, Lösung in 5 min), einmal verweigerte das Auto morgens seinen Dienst, dazu gab es noch einen unfreiwilligen Werkstattaufenthalt nach Ausfall des kompletten Command-Systems.
Was ist das?
Richtig, ein Armutszeugnis für Mercedes. Sagte man früher BMW die sprichwörtliche Unzuverlässigkeit nach, zeugen heute sehr viele unzufriedene Mercedes Kunden von nachlassender Sorgfalt des Herstellers.
Kosten
Hier ergibt sich ein sehr zwiespältiges Bild, das der S 400 CDI mit seinen Klassengenossen teilt.
So überzeugt der Verbrauch, mit 10 Litern Diesel auf 100km ist man schon zügig unterwegs. Vollgas fordert gut 14.5l/100km, ruhig gerollt schafft man auch die 8l Marke.
Aber Verbrauch ist nicht alles. Die Versicherungstypklassen von Haftpflicht Typklasse 23, Teilkasko alt/neu 40/32 und Vollkasko alt/neu 37/31 zeigen ganz deutlich, das wir in der Oberklasse sind. Dazu addieren sich 617,60 Steuern im Jahr.
Die Werkstattkosten sind mercedestypisch recht human, eine kleine Inspektion kostet in der Regel nicht mehr als 180 Euro, eine große schlägt mit rund 400-450 Euro zu Buche. Allerdings verschleißen die vergleichsweise schmalen Reifen recht schnell, auch Bremsbeläge läßt sich eine S-Klasse gut schmecken.
In Sachen Wiederverkauf leidet auch der S 400 CDI L stark unter seiner Klasse, für Geschäftsleute macht es keinen Sinn, solche ein Auto gebraucht zu beschaffen, da es steuerlich wie ein Neuwagen behandelt wird. Und Privatleute können sich den Unterhalt nur selten leisten, unterm Strich ergibt sich ein Wertverlust, der zwar innerhalb seiner Klasse akzeptabel, im Vergleich zu erschwinglicheren Mercedes-Typen oder auch dem SL jedoch hoch zu nennen ist.
Trotz des relativ sparsamen Diesels ergeben sich unterm Strich also typische Oberklasse-Betriebskosten, man muß sich den sparsamen Diesel tatsächlich erst einmal leisten können.
Fazit
Das fällt mir mal wieder nicht besonders leicht, das Auto besitzt ja durchaus seine unbestrittenen Qualitäten.
Gehen wir von 5 Sternen im Maximum aus, verliert der S 400 CDI einen für die Materialanmutung im Innenraum.
Den nächsten wird er los, weil sein Triebstrang im Vergleich zu den Mitbewerbern nicht mehr ganz an der Spitze mitfährt und weil die Bremsen zu wünschen über lassen.
Und einen weiteren Stern kostet die mangelnde Zuverlässigkeit, leider kein Einzelfall, wie Berichte in diversen Foren und auch in Fachzeitschriften belegen.
Am Ende bleiben dann noch zwei Sterne über.
Und eine Empfehlung?
Kann ich trotzdem aussprechen, nur eine etwas untypische.
In der Hand eines Chauffeurs oder im Besitz eines Ruheständlers, wo dem Auto große Vorsorge und nicht zu viele Kilometer abgefordert werden, wird er glücklich machen.
Allen anderen Interessenten in dieser Fahrzeugklasse kann ich nur empfehlen, sich mal die Mitbewerber genauer anzusehen.
Wie immer an dieser Stelle sind mir Kommentare, Kritik und Wünsche, was Ihr im Bericht vermißt, sehr willkommen!
Und für die, die nie genug bekommen: bei http://www.autotestnet.de/s400_cdi.php findet Ihr den Test noch ausführlicher, natürlich auch mit vielen Bildern.Kommentare & Bewertungen
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plötzlichpapa, 22.04.2005, 12:14 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
ein Verantwortlicher von Daimler Crysler Deinen sehr guten Bericht mal durch. Das würde denen helfen.
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Demir, 17.02.2005, 15:02 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
...jetzt werde ich nur noch von dem Auto träumen.. :))
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marion_b, 11.01.2005, 14:56 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Und was war dieser Bericht? Aus der ausführlichen Fassung kann man dann wohl ein Buch drucken? *g* LG, Marion
- Karosserie:
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