Pro:
vielfältige Möglichkeiten
Kontra:
teilweise sehr steil
Empfehlung:
Ja
Hallo yopis,
die Sonne lacht am frühen Morgen, und da können wir eine etwas schwierigere Tour planen.
Wir wandern hinauf zur höchsten Stahlgitterbrücke Deutschlands; der 107 Meter hohen
Müngstener Brücke.
===Treffpunkt Solingen- Parkplatz Müngsten
Achtung bei schönen Wetter sind diese nicht immer ausreichend, weil alle in den neu geschaffenen
Müngstener Brücke "flanieren" wollen.
===Anfahrt: ===PKW: A46 Abf. Sonnborner Kreuz (31) auf L74 in Richtung Solingen/ Remscheid,
am Ende links auf die B229 Richtung Remscheid ( nicht Richtung Müngstener Brücke) einbiegen, das
ist der neu angelegte Parkplatz. Von dort führt ein Fußweg (ca. 7 min), zum Brückenpark, die Einfahrt
mit dem PKW in den Brückenweg ist nicht mehr möglich.
===Mit der Bahn: ===Regionalzug RB 47 bis Bahnhof-Schaberg.
===Mit dem Bus: === Es fährt ein Remscheider Bus zum Brückenpark, sowie ein Bus der Solinger
Verkehrsbetriebe, allerdings nur stündlich und am Wochenende sowie feiertags.
===Verpflegung: ===eine Trinkflasche wäre sinnvoll.
Gehzeit: 2,5-3 Std
Es ist festes Schuhwerk erforderlich, und eignet sich für Wanderer die gut zu Fuss sind.
Die Route habe ich auch deswegen ausgewählt, weil sie eine interessante Wanderung für
Hobbyfotografen ist, die sich für technische Denkmäler interessieren.
Also dann geht es los. Um nicht die Strasse zu überqueren, weil es nicht ungefährlich ist,nehmen wir
den Weg Richtung Müngsten, und halten uns dann links.
Der kleine Weg an der Wupper entlang ist sehr schön, und manchmal sieht man auch Kanuten.
Wasser gab es hier mehr als genug. Die Wupper mit ihren zahlreichen Zu- Nebenflüssen begründete
einst den Reichtum der Region.Sie trieb die zahlreichen Wasserräder an, mit deren Kraft gewebt,
geschmiedet, geschliffen wurde. Die Freiheit Burg und der Talraum um Müngsten waren frühe Zentren
der Industrie.
Daher hat Müngsten auch seinen Namen.Aus dem rechts liegenden Tale mündet hier der Morsbach
in die Wupper, auch Mundstein (ähnlich Angermund, Roermund, u.a). Aus Mundstein, Mündungstein,
Mungsthausen wurde Müngsten.
Wir wollen nicht direkt in den neu geschaffenen Müngstener Brückenpark, da wird unsere Tour
ausklingen.Jetzt liegt ersteinmal Stück Weg vor uns.Wir halten uns links, und gehen in Richtung Wald,
dort wo das Einfahrtsverbotschild ist.Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, und wir wählen den
"Erlebnisweg Morsbach". Über die Bezeichnung Erlebnisweg haben wir schon oft geschmunzelt. Es
bedeutet im Grunde nur, das irgendwo ein paar Steine als Kunst liegen oder durch Tafel interessante
Dinge erklärt werden.
Tief Luft geholt, den Vögel ein wenig gelauscht folgt der Weg steil bergauf. Auf der rechten Seite lädt
uns eine Sitzgruppe aus Steinen zum Verschnaufen ein. Doch nicht zulange, da wir noch einiges vor uns
haben.
Es folgt ein Biegung, wir halten uns jedoch weiter geradeaus, und können nach dem "Erlebnisweg
Morsbach" richten. Praktisch ist, das im Zuge der Regionale 2006 die Wanderzeichen erneuert wurden,
und der Wanderer ihnen sehr gut ,wie z.B dem R, der für Rundweg steht, folgen. Das macht die Sache
etwas leichter,unsere vollständige Route ist allerdings nicht immer ausgezeichnet.
Immer höher geht es, und wenn wir hinunterschauen, können wir durch die Bäume eine Strasse sehen.
Und heute sehen wir sogar ein Reh. An der Stelle steht ein witziges Teil mitten im Wald: ein Thron aus
Stein. Der Grund liegt gegenüber.Dort steht eine hundertfünfzigjährige alte Buche, die majestätische
Kollsbuche.
Man vermutet das diese Buche eine Grenze zwischen, oder ein Weg nach Ehringhausen im Eschbachtal
war.Das feuchte, kühle Morsbachtal war einst mit dichten Laubwald zugewachsen und erfreute das Herz
des Jägers.Als das Tal besiedelt wurde, rodetet man immer größere Waldflächen. Die Eiche lieferte Balken
für die Fachwerkbauten, die Buche Holz zum Heizen, Backen und Brauen sowie Holzkohle für die frühe
Industrie.In den karger werdenden Wäldern trieben Bauer ihre Schweine.Im 17 Jh waren die Hänge kahl.
1852 kaufte die Stadt Remscheid die verkommenen Waldflächen, und forstete sie wieder auf.
Noch eine Weile geht es die Anhöhe rauf, und nun können wir uns entscheiden: entweder wir folgen
weiterhin dem Erlebnisweg Morsbach, oder wandern nach rechts weiter. Wir nehmen die zweite Möglichkeit,
denn hoch zur Brücke ist ein wirklich interessanter Weg.
Das bedeutet auch das wir die Wanderzeichen eine Weile verlassen, der Weg geht nun zwei, drei Kilometer
schnurstracks gerade aus.
Von weitem hört der Wanderer den Zug über die Brücke fahren. Wir erreichen den ersten Aussichtpunkt,
um auf die Brücke zu schauen. Die Sonne scheint durch die Stahlbalken, und wir sehen einen halben Rundbogen.
Das besondere an den Rundbögen ist das man hier erstmalig im 19.Jh das System des Dreigelenkbogens
verliess, und einen gelenklosen also starren Bogen einbaute.
Bevor es zu technisch wird, folgen wir wieder dem R, das plötzlich wieder auftaucht. Wir kommen an eine
Gabelung,und wer müde geworden ist kann dem `R` weiterfolgen, und gelangt wieder nach unten.
Unsere Füße wollen noch, und so schreiten wir weiter gerade aus. Dieser Weg ist nicht gut ausgezeichnet,
erst später sieht man eine A9 , wenn der Wanderer von der anderen Seite kommt.
Persönlich finde ich diese Route am schönsten, weil man öfters einen Blick auf die Brücke hat.
Durch den Wald schimmern die ersten Häusern, und wir befinden uns nun im Remscheider Ortsteil Küppelstein.
Wir bleiben auf der Brücke stehen, und werfen einen Blick auf die Gleise, und sehen den oberen Teil der
Müngstener Brücke.
Die Müngstener Brücke wurde zwischen 1894 und 1897 in der Zeit des Kaiserreich gebaut. Am
03.07.1897 überquerte die erste Lokomotive die Wupper in über 100 Metern Höhe! Zwei Jahre nach der
offiziellen Einweihung der Kaiser-Wilhelm Brücke, die nach Wilhlem I.benannt wurde, besuchte Kaiser
Wilhlem II. sie. Eine Gedenktafel erinnert heute noch daran.
Und es gibt eine wunderbare Legende das ein "goldener Niet" in die Brücke geschlagen wurde, den bisher
noch nie jemand gefunden hat.5000 Tonnen Stahl und Eisen wurden verbaut, darunter 1,1 Tonnen Schrauben
und Nieten.Eine für damalige Zeit technische Meisterleistung.
Deshalb habe ich den Weg gewählt. Bevor uns der Brücke nähern, lassen wir uns auf das atemberaubende
Landschaftbild wirken.Wir schlagen uns nach rechts in die Wiese, und hier sehen wir das vertraute A9 Zeichen.
Wir gehen ein Stück den Wiesenweg gerade aus.
Jetzt sind wir direkt an den Gleisen.Die Fotoliebhaber würden nun am liebsten auf die Brücke gehen, doch das
ist verboten.Da hier halbstündlich die Züge verkehren,besteht größte Lebensgefahr. Wir lassen es lieber, und gehen
die Böschung an den Gleisen entlang, und kommen unter einem steineren Bogen heraus. Der Wanderer hat hier
einen wuchtigen Blick auf die Brücke.
Leseprobe aus dem "Auf alten Wegen um die Müngstener Brücke":
"Hier lassen wir uns von der gewaltigen Eisenbahnkonstruktion aus der Nähe beeindrucken.
Der erste Gerüstpfeiler ist der kürzeste der Müngstener Brücke, und man hat ihn wegen der größeren Steifigkeit
einen sogenannten A-Bock eingebaut, der bis unter der Obergurt (Schienenhöhe) liegt auf den Pfeilerenden auf
(dies auch auf der Remscheider Seite).
Durch den A-Bock werden die in Brückenlängsrichtung wirkenden Horizontalkräfte (Bremskräfte) in die
Pfeilerfundamente abgeleitet. - In den Jahren 1953/54 erhielten die genannten Steinfundamente durch mächtige
Betonaufsätze Verstärkung, um mit höheren Geschwindigkeiten über die Brücke fahren zu können. - Der gleiche
Effekt wird durch die Bogenführung erreicht, die in der oberen Hälfte eine Parabel beschriebt, sich in der unteren
Hälfte aber als Gerade fortsetzt, wodurch die Horizontalkräfte (Bremskräfte) über die starre Kämpferlagerung
ebenfalls die gewaltigen Steinfundamente abgeleitet werden."
Puh, genug. Übrigens sind mit den alten Wegen Hohlwege gemeint, wo der Stahl transportiert wurde. Wie? Zu
Fuß und auf den Rücken. Nun geht es langsam bergab, und wir geniessen die verschiedenen Blickwinkel auf
die Brücke.Der Weg ist ein bisschen holprig, und wir stossen wieder auf A9. Da wir nun ein wenig müde werden,
wollen wir in den Brückenpark und halten uns dafür links,obwohl es kein Zeichen gibt. Keine Sorge, das ist schon
richtig, es ist ein kurzes Zwischenstück, das bergab geht.Siehe da, auf dem gegenüberliegenden Baum verkündet
ein R, das wir wieder auf dem Rundwanderweg sind.
Wir gelangen an einer Gabelung, und haben die Möglichkeit nach links Richtung Solingen-Schloß-Burg zugehen,
doch das ist für die Tour zu weit, sodass wir nach rechts gehen.
In diese Richtung, können wir auch zur neugeschaffenen Wupperfähre gelangen. Mit Muskelkraft überqueren wir
die Wupper, und sind direkt im Brückenpark.Leider habe ich noch nicht herausgefunden, wie und wann sie fährt.
Jetzt wird es nicht mehr schwierig,wir halten uns immer rechts und folgen dem Rundweg.Wir kommen nach zwei
Kilometern an einen weiteren Aussichtspunkt: den Diederichstempel. Der in Remscheid geborene Diederichs,
war Lehrer und besaß als Schuldirektor in der Schweiz eine Privatschule. Im Alter vermögend und unverheiratet,
lebte er in Bonn. Während des Baues der MüngstenerBrücke erwanderte er seine bergische Heimat und faßte
den Entschluß, seinen Mitbürgern Aussichtstempel in Müngsten und Burg zu schenken.
Vielleicht seid ihr ein bisschen verwirrt, das Remscheid erwähnt wird.Die Lösung ist das es ein großes Waldgebiet
ist, und ein Teil zu Remscheid , und ein Teil zu Solingen gehört. Deswegen hatte die Regionale das Dreieck gewählt,
für das Städtedreieick Solingen,Remscheid und Wuppertal.
Gleich ist es geschafft, noch ein Kehre, und danach geht es links hinunter zum Ausgangspunkt.Wir wollen jedoch
noch nicht zum Auto, sondern wenden uns nach links in den neu geschaffenen Müngstener Brückenpark
Hier enstanden neu gestaltene Ufer-und Auenzone, die zum Wasser abfallenden Abschnitte laden mit kleinen
Klippen, und Wiesen zum Verschnaufen ein. Plattformen und "Balkone" am und über dem Flußufer bieten einen
Ausblick auf einen der schönsten Teile der Wupper und eine Schwebefähre setzt Besucher per Muskelkraft zum
anderen Ufer hinüber. Von hier könnt ihr viele Wanderungen starten, die auch nicht so anstrengend sind.
Die Discothek "Exit wurde gerade an die Lebenshilfe verkauft, und es soll wieder eine Gastwirtschaft betrieben
werden. Keine Sorge,wir bekommen doch eine Kleinigkeit zwischen die Zähne, nämlich im Cafecontainer der
Lebenshilfe.
Vielen Dank fürs Lesen und Bewerten.
Eure Clarinetta
(wird auch in ciao erscheinen) weiterlesen schließen
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