Pro:
humorvoll,provokant,tragisch
Kontra:
nicht nach jedem Geschmack
Empfehlung:
Ja
Ich habe beschlossen diesmal meine Eindrücke zum Film Muxmäuschenstill zu schildern.
Dies mehrere Gründe.
Zum einen finde ich diesen recht witzig und zum anderen werden hier gesellschaftliche Defizite sehr deutlich, die ruhig einmal angesprochen werden sollten.
Mir ist klar ,das viele Menschen meine Einschätzung nicht teilen werden.
Ich habe den Film mehrfach mit den unterschiedlichsten Menschen gesehen. Einige lachten sich regelrecht schlapp, aber es gab genauso viele, wenn nicht sogar noch mehr, die empört, schockiert oder angewidert waren.
Für diese Haltung bringe ich durchaus Verständnis auf, denn es ist eine Frage aus welcher Perspektive man diesen Film betrachtet und welche Aspekte für einen persönlich wichtig und interessant erscheinen.
Wenn ein Film es schafft Reaktionen des Betrachters zu erzeugen, egal ob negativ oder positiv, dann hat ein Film das erreicht was er meiner Meinung nach primär erreichen sollte.
Ein Film der für Gesprächsstoff sorgt kann so schlecht sich sein.
Wie gesagt, es gibt viele die diesen Film nicht mögen, was nach vollziehbar sein kann.
Dies passiert allerdings auch nur dann, wenn man ihn zu erstnimmt.
Im Wesentlichen zeigt der Film die Gefahren, die von einem gewaltbereiten Dogmatiker ausgehen können und das auf eine recht satirische Art und Weise.
Mux hat den kühnen Plan und beabsichtigt Verantwortungsgefühl und Gemeinsinn innerhalb der Gesellschaft wiederherstellen.
Er versucht seine Mitmenschen zu erziehen, indem er diese bei Alltagsvergehen stellt, demütigt, abfilmt und auf diverse Weisen bestraft.
Mux widmet sein Leben der Wiederherstellung der Ordnung im Alltag und der damit einhergehenden Disziplinierung seiner Mitmenschen. Als selbst ernannter Sheriff deckt er Regelverstöße auf und ahndet diese an Ort und Stelle konsquent.
Jagd auf Vergewaltiger, Schwimmbadpinkler, Ladendiebe und sonstige Straftäter.
Der Weltverbesserer Mux ist stets auf der Suche nach dem Bösen.
Willkürlich bestraft der ehemalige Philosphiestudent Täterinnen und Täter und setzt sich dabei über die grundlegenden Prinzipien des Rechtsstaats hinweg.
Mux jagt Straftäter jeglicher Art. Schon morgens steht er mit dem Richtmikrofon auf dem Balkon und überprüft, ob seine Nachbarn nicht gerade wieder geklautes Zeug verkaufen.
Später begibt er sich in Bus und Bahn, um Schwarzfahrer zu enttarnen oder er stoppt Raser auf der Landstraße.
Graffiti-Sprayern sprüht er mit ihrer eigenen Farbdose ins Gesicht und einen inkontinenten Studenten stellt er mit einem "Ich habe ins Becken gepinkelt"-Schild an den Beckenrand.
Mit solchen Methoden will er die gefürchtete Rückfallquote gering halten.
Das alles macht er rein aus der Motivation, die Welt verbessern zu wollen, reich wird er dabei nicht - er hält sich selbst allerdings für ein Genie und nennt sich in einem Atemzug mit Goethe und Schiller.
Der vormalige Philosophiestudent Mux hat die Nase voll vom verantwortungslosen Gebaren seiner Mitmenschen.
Er beschließt - zumindest in seinem Umkreis - selbst Bagatelldelikte wie achtlos weggeworfene Kippen oder Bei-Rot-über-die-Ampel-Gehen nicht mehr ungestraft durchgehen zu lassen.
Bewaffnet und begleitet vom Langzeitarbeitslosen Gerd Grabowski, der seinen Feldzug mit der Kamera filmt, nimmt der selbsternannte Ordnungshüter den Kampf für die Gerechtigkeit auf.
Gerd erinnert ihn an seinen Hund. Vermutlich weil Gerd so treu und ergeben ist wie sein verstorbener Hund.
Später wird Gerd sogar unter der Hundedecke nächtigen. Fortan trott er neben seinem Chef, wird stummer Zeuge, filmt die Erfolge des Duos.
Als er die attraktive junge Kellnerin Kira kennenlernt, scheint sich daraus bald eine echte Liebe zu entwickeln.
Doch die Beziehung scheitert letztendlich an Mux' endlosen Moralpredigten gegenüber seiner Freundin.
Die Darstellerin der Kira darf ausgesprochen gut aussehen und auch wenn sie nur wenige Auftritte hat.
Ihre Blicke sagen stets eine Menge aus, was sie denkt und fühlt, ist ihr oft von den Augen abzulesen.
In Kira verliebt er sich Hals über Kopf, doch mangelnde Erfahrung und etwas weltfremde Ansichten bringen ihn in schwere innerliche Konflikte.
Mux ist Idealist und liebt die Menschen.
Doch sie sind schwach und brauchen Führung, und deshalb kämpft Mux schon mal mit harten Bandagen - für die Tugenden Respekt und Verantwortungsbewußtsein.
Bagatelldelikte gibt es nicht. Schwimmbadpinkler oder bleiche Schwarzfahrer, die an jeder Haltestelle von ihren Bild-Zeitungen hochschrecken - das ist seine Klientel, die nimmt er sich richtig zur Brust.
Denen soll klar werden, daß sie nicht besser als Päderasten und Vergewaltiger sind, weil schon mit der kleinsten Nachlässigkeit das Fundament unseres Zusammenlebens erodiert.
Er geht soweit, von den Missetätern sogar eine Aufwandsentschädigung zu verlangen.
Wer nicht spurt, wem der Blick auf Mux' Pistole nicht ausreicht, der bekommt Tränengas ins Gesicht gesprüht.
Manch einer zahlt auch mit dem Leben.
Wie etwa der junge Sprayer, dem Mux den Sprühlack in die Augen sprüht.
Der erblindete Junge läuft in einen Nahverkehrszug, der um diese Zeit eigentlich gar nicht fahren dürfte.
Folglich trägt die Schuld am Tod des Opfers der Nahverkehr!
In seiner Selbsteinschätzung ist Mux das Abbild des edlen Ritters zu Pferde.
Mux selbst durchaus ein Mann von Geist und Ästhetik, der sein eigenes Verhalten reflektiert und an einem ernstgemeinten Manifest zur deutschen Gesellschaft arbeitet.
Als Weltverbesserer von heute hat Mux Unternehmergeist und macht aus seiner Mission einen florierenden Kleinbetrieb.
Mit der Zeit kann Mux ein bundesweit operierendes, medienwirksames Unternehmen aufbauen und zahlreiche Mitarbeiter einstellen. Aus der fixen Ideen eines selbst ernannten Ordnungshüters wird nach und nach eine populistische Bewegung.
Doch mit der fanatischen Verfolgung seiner Ideale macht Mux sich am Ende selbst zum Mörder: er erschießt Kira, nachdem er sie auf ihrer Geburtstagsfeier bei einer sexuellen Handlung mit einem anderen ertappt hat.
Der darauffolgende Selbstmordversuch misslingt.
Er vergräbt Kiras Leiche zusammen mit Gerd im Wald, gibt die Leitung des Berliner Standortes an einen Kollegen ab und flüchtet mit Gerd Hals über Kopf nach Italien. Dort verunglückt Mux tödlich, als er versucht, sich auf der Landstraße einem Temposünder in den Weg zu stellen
Der Film wird größtenteils locker und mit viel bösem Witz erzählt; Mux erweist sich hierbei selbst, bei aller Problematik seiner Figur, als passender Erzähler, wortgewandt und voller Understatement.
Der Film zeigt einen unbeschwerten Blick auf den realen sozialen Zustand der Bundesrepublik und die sinnlosen Versuche in ihr (durch einen, der auch von einer Verbesserung der Nation träumt), durch eine idealistische äußere Kontroll- und Bekehrungswut ein richtiges Leben ins falsche zu bringen.
Der anfänglich sympathische Rächer mutiert zum selbstgefälligen Psychopathen.
Er lässt die Welt an seinem ätzenden Hass teilhaben, verhöhnt die New Economy und erschießt aus Eifersucht seine Freundin. "Muxmäuschenstill"ist das brillante Psychogramm eines unbestechlichen, rigorosen Ausputzers, dessen Idealismus faschistische Züge annimmt.
Hierbei geht es um das Nachzeichnen von Verführungskraft einer schillernden Persönlichkeit, von Mechanismen der Manipulation. Noch der toleranteste Zuschauer wird wenigstens bei ein paar der bestraften Personentypen innerlich mit-triumphieren.
Die Palette reicht von zusammengeschlagenen Vergewaltigern über Autobahnraser, die bald ohne Lenkrad dastehen, bis zu Hundebesitzern, die von Mux als Wiederholungstäter erwischt werden und nun den Straßen-Kot ihrer Vierbeiner auflecken müssen
Straftäter werden zu lasch bestraft - so lautet das ziemlich einheilige Credo der deutschen Bevölkerung.
Diesem Thema nimmt sich die Satire "Muxmäuschenstill" auf ihre ganz eigene Weise an.
Nicht Hollywood-Produktionen kopieren sollte doch die Devise sein, sondern etwas mit ganz eigenem Stil machen, das seine Zuschauer stets überrascht. "Muxmäuschenstill" ist kein Film für Zartbesaitete, seine Thematik packt er mit der Brechstange an, doch die Schockebene hält sich mit der komischen Seite gut die Waage - Unterhaltung auf hohem Niveau. "Muxmäuschenstill" ist ein interessantes Experiment.
Auch die Zutaten, die satirischen, lustigen Ideen sowie die Schockelemente sind im richtigen Verhältnis zueinander angesiedelt. Ein deutscher Film, der den Zuschauer zum Nachdenken anregt über sein Thema, die Bestrafung von Straffälligen und es außerdem schafft, seine herrliche Idee in einen guten Film umzusetzten.
Der schöne Titel "Muxmäuschenstill" ist übrigens interessant in den Film eingebunden, alles andere als still ist jedoch der Soundtrack, der mit einer Mischung aus ruhigen Klängen und technoartigem Sound aufwartet. Das ist stets ausgesprochen stimmig und hört sich außerdem als Musik an sich fabelhaft an.
Das Weltbild von Mux scheint auf Sinn und Verantwortung zu basieren, alles hört sich sehr nach der Philosophie Kants an, die auch in Buchform auf dem Nachttisch von Herrn Mux liegt.
Ist sein Weg also vernünftig? Ja und nein. Mit der Zeit wird klar, dass ihm seine klaren moralischen Werte und Vorstellungen vom Leben menschlich ziemlich viele Probleme bereiten.
Außerdem wird er mit der Zeit langsam aber sicher auch zum Straftäter und seine Bestrafungen sind oder gehen stark in Richtung Folter.
Wie bei Satiren üblich ist es oft die Entscheidung des Zuschauers, ob er geschockt auf die Leinwand starren oder sich vor Lachen schütteln will.
Doch manchmal ist das Amüsieren dann auch gänzlich unmöglich und die Bestrafung zu krass, um für Belustigung zu sorgen.
dennoch ist der film in meinen Augen ein absolutes Meisterwerk.
Ich möchte den Kritikern dieses Film nicht widersprechen,wenn sie behaupten Mux sei hochgradig therapiebedürftig.
Dies mag der Fall sein.Letztlich ist das aber nicht der entscheidene Punkt.
Mux ist unzufrieden mit dieser Welt
Er bemängelt das die Helden unserer Zeit nicht mehr Kant oder Schiller, sondern Dieter Bohlen oder Michael Schumacher sind.
Das ist mehr als verständlich wie ich glaube.
Darüberhinaus erkennt Mux das das zwischenmenscliche Miteinander nicht so verläuft,wie es verlaufen sollte oder könnte. Verantwortungslpsigkeit,Gleichgültigkeit und dergleichen nehmen heutzutage immer mehr zu. Seine Methoden sind nicht akzeptabel oder zumindes fragwürgig. weiterlesen schließen
Bewerten / Kommentar schreiben