Pro:
erstklassige Darsteller, exzellenter Spannungsaufbau, düstere Atmosphäre
Kontra:
etwas langatmiges Ende, Kevin Bacon nicht immer überzeugend
Empfehlung:
Ja
Nachdem der Film nun bei der Oscar-Verleihung mit zwei Oscars für Sean Penn und Tim Robbins ausgezeichnet worden ist, dachte sich wohl das Cinemaxx, dass es die rechte Zeit wäre, den bisher so unbemerkten Film wieder aufleben zu lassen. Diese Gelegenheit konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so bin ich mit einiger Verspätung doch noch in den Genuss von Mystic River gekommen.
** Inhalt
Der Film beginnt mit drei kleinen Jungen, die auf einer Straße Baseball spielen und ihren Ball in ein Gulliloch versenken und sich somit eine andere Beschäftigung suchen müssen. Der Anführer der Jungs, der kleine rothaarige Jimmy, zerreißt eine Absperrung und schreibt seinen Namen in noch nicht getrockneten Zement. Anschließend verewigt auch Sean seinen Namen auf dem Bürgersteig. Als aber Dave seinen Namen schreiben will, kommt er nur bis zum zweiten Buchstaben, dann nämlich fährt ein Auto vor und ein Mann mit einer Polizeidienstmarke steigt aus und hält den drei Jungs vor, dass sie öffentliches Eigentum zerstört haben. Er fragt die drei, wo sie wohnen und befiehlt Dave, in seinen Wagen zu steigen. Er gibt vor, Dave zu seiner Mutter zu bringen und ihr dort von dieser Tat zu erzählen, doch Dave wird nicht zu seiner Mutter gefahren. Die beiden Männer im Auto sperren ihn vier Tage lang in einen Keller und misshandeln und vergewaltigen ihn dort.
25 Jahre später leben die drei einst kleinen Jungs ihr eigenes Leben. Dave (Tim Robbis) ist Vater eines kleinen Sohnes, mit dem er Baseball in den Straßen spielt. Sein Leben ist
seit seiner Entführung zerstört, dennoch versucht er, mit seiner Frau Celeste und seinem Sohn Michael ein einigermaßen normales Leben zu führen. Jimmy (Sean Penn) ist zum zweiten Mal verheiratet, er besitzt einen kleinen Laden, in dem auch seine neunzehnjährige Tochter Katie arbeitet, die er über alles liebt. Doch nachdem sie einen Abend mit ihren beiden besten Freundinnen zusammen verbracht hat, erscheint sie nicht zur Erstkommunion ihrer kleinen Schwester. Was ist passiert?
In der gleichen Nacht, in der Katie verschwindet, kommt Dave schwer verletzt nach Hause. Es ist drei Uhr nachts, als er seiner Frau erklärt, er wäre auf offener Straße überfallen worden und musste sich gegen einen Angreifer mit Messer wehren, den er anschließend womöglich umgebracht hat. Doch davon steht später gar nichts in der Zeitung. Was hat Dave tatsächlich in besagter Nacht gemacht?
Sean (Kevin Bacon) arbeitet inzwischen als Polizist und untersucht zusammen mit seinem
Partner Whitey (Lawrence Fishburne) einen Tatort. Die beiden sind zu einem blutigen Auto
gerufen worden und suchen nun nach der Fahrerin des Wagens. Als sie das tote Mädchen
finden, ist Sean entsetzt, denn es handelt sich um Katie, die Tochter seines einst guten
Freundes Jimmy, der auch schon unterwegs zum Tatort ist, um herauszufinden, was mit
seiner Tochter geschehen ist.
Was ist passiert in jener Nacht?
** Cast & Crew
Sean Penn: Jimmy Marcus
Tim Robbins: Dave Boyle
Kevin Bacon: Sean Devine
Laurence Fishburne: Whitey Powers
Marcia Gay Harden: Celeste Boyle
Laura Linney: Annabeth Marcus
Regie & Musik: Clint Eastwood
Produzent: Bruce Berman
Basiert auf dem Buch von Dennis Lehane
Genre: Drama
Länge: 137 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Offizielle Filmhomepage:
http://mysticrivermovie.warnerbros.com/index.php?deeplink=epk_downloads
** Kritik
Hätte Mystic River bei der letzten Oscarverleihung nicht zwei der begeehrten Trophäen eingeheimst, so wäre ich sicherlich nicht so schnell in den Genuss gekommen, mir den Film anzuschauen, aber nun bin ich froh, dass das Cinemaxx den Film wieder sein Programm aufgenommen hat. So skeptisch ich vorher auch gewesen bin, umso begeisterter bin ich nun von diesem Film.
Mystic River lebt zu allererst von seinen erstklassigen Schauspielern und da mag ich an
erster Stelle Tim Robbins erwähnen, der meiner Meinung nach völlig zurecht seinen Oscar
erhalten hat. So sehr ich auch Ken Watanabe (Der letzte Samurai) die Auszeichnung gegönnt
hätte, aber Tim Robbins spielt den Dave Boyle mit einer solchen Überzeugung, dass seine
Leistung nicht hoch genug einzuschätzen ist. Dave Boyle ist auf der einen Seite ein sehr
undurchsichtiger Charakter, da dem Zuschauer nicht klar ist, was er wirklich in der Nacht von Katies Tod gemacht hat und da immer unklar bleibt, wie Dave seine Entführung verarbeitet hat, aber auf der anderen Seite fliegt ihm auch sämtliches Mitleid zu, da er der schwache und misshandelte Mann ist, dem seine Jugend genommen worden ist. Boyle wird im Laufe des Filmes immer verwirrter, er rückt immer mehr in das Zentrum der Ermittlungen und wird dadurch immer verdächtiger, gleichzeitig wird Boyle auch immer verzweifelter, da er mit seinem Leben nicht mehr klarkommt und selbst seine Frau Angst vor ihm bekommt. Mich hat Tim Robbins durchweg überzeugt, sodass ich ihn trotz seiner "Nebenrolle" zuerst erwähnen wollte.
Neben Robbins ausgezeichnet wurde auch Sean Penn für seine Hauptrolle in diesem Film, die meiner Meinung nach nicht wesentlich größer war als die Rolle des Dave Boyle, aber Jimmy war nunmal der Anführer der Jungs und er ist der Vater der ermordeten Katie. Penn passt
in die Rolle des Jimmy Markum wie die "Faust aufs Auge", denn Markum ist der starke Typ mit krimineller Vergangenheit, die man Penn unbesehen abnimmt. Sein Wutausbruch Sean
gegenüber, als dieser ihn nicht zu seiner toten Tochter durchlässt, wirkt sehr realistisch, aber später gibt es dann doch ein paar Situationen, in denen man sich als Zuschauer mehr Verzweiflung in seiner Mimik gewünscht hätte. Jimmys Tochter ist ermordet worden, aber Hass dem Mörder gegenüber und Trauer sind manchmal nur wenig bemerkbar und auch der Tränenausbruch auf der Veranda konnte mich nicht ganz überzeugen. In den Szenen, in denen Jimmy seine starke Seite zeigt, ist Penn die perfekte Besetzung für Jimmy Markum, aber manchmal hätte der Rolle ein wenig mehr Schwäche und Trauer ganz gut getan.
Kevin Bacon war für mich der schwächste Darsteller, da seinem Gesicht nur selten Gefühlsregungen anzusehen waren. Auch Sean Devine hat persönliche Probleme, denn seine
Frau hat ihn sechs Monate zuvor verlassen, ruft ihn zwar regelmäßig an, aber spricht dann am Telefon kein Wort, doch auch bei den wortlosen Telefonaten mit seiner Frau bleibt Kevin Bacon recht cool, ein wenig mehr Ausdruck hätte ich mir da schon gewünscht.
Ein Lob muss man dagegen Clint Eastwood aussprechen für seine erstklassige Regiearbeit
und auch den interessanten Soundtrack, der den Film nur ganz dezent untermalt und größtenteils im Hintergrund bleibt. Der Film wirkt somit eher durch Schauspieler und Atmosphäre denn durch aufdringliche Musik, die die Dialoge in den Hintergrund drängen könnte. Der Film beginnt mit einem Blick auf den "Mystic River", der erst in einer der Schlussszenen namentlich erwähnt wird, erst dann fährt die Kamera hinunter in die Straße, in der die Jungs Baseball spielen. Der Film ist größtenteils recht düster, so spielen
viele Szenen im Dunkeln, was perfekt zum Inhalt des Filmes passt. Eastwood lässt seinen
Darstellern viel Raum, in dem sie sich entfalten können, hier gibt es keine Spezialeffekte oder Actionelemente, die die Schauspieler nebensächlich erscheinen lassen.
Etwas merkwürdig ist mir die Besetzung der kleinen Jungs aufgefallen, denn dort war Sean der dunkelhaarige Junge, während Jimmy rothaarig und sommersprossig war. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der dunkelhaarige Junge den Jimmy spielt, da er Sean Penn wesentlich ähnlicher sah, während der rothaarige Junge besser in die Rolle des Sean Devine gepasst hätte. Dem kleinen Dave konnte man abnehmen, dass er sich später zu einem Tim Robbins entwickelt hätte, aber ich glaube kaum, dass Sean Penn einmal ein kleiner rothaariger Junge gewesen ist. Doch das nur am Rande.
Der Film baut immer mehr Spannung auf, der Zuschauer fragt sich die ganze Zeit, was Dave Boyle bloß zu verbergen hat und was er in der Mordnacht tatsächlich getan hat. In den ersten eineinhalb Stunden schaut man dementsprechend kein einziges Mal auf die Uhr. In verschiedenen Handlungssträngen zeigt der Film einmal, wie Jimmy mit dem Tod seiner Tochter umgeht und gleichzeitig versucht, ihren Mörder zu finden, in einem anderen Handlungsstrang arbeiten Sean Devine und sein Partner gleichzeitig ebenfalls am Mordfall,
wobei immer mehr Verdachtsmomente auf Dave als Mörder hinweisen, während Sean nicht
wahrhaben will, dass sein Freund eine solche Tat begangen haben könnte. Die Situation spitzt sich immer mehr zu und an einem Punkt ist dem Zuschauer auch klar, worauf der Film hinauslaufen wird, etwa 30 bis 45 Minuten vor Filmende konnte der Film keine andere Wendung mehr nehmen. Dies fand ich etwas schade, denn ich hätte mir das Ende etwas
undurchsichtiger gewünscht, wo doch vorher so exzellent die Spannung aufgebaut worden ist.
Darüberhinaus zog sich das Ende lang wie Kaugummi, denn nachdem der Mord an Katie
aufgeklärt war, dauerte der Film noch endlos (so zumindest wirkte es) an, ohne dass etwas Wesentliches passiert ist. Meiner Meinung nach hätte der Film mit einem Knall enden können, was wesentlich effektvoller gewesen wäre und auch dann hätte nichts gefehlt. Die Aufklärung des Mordes fand ich ebenfalls nicht wirklich zufriedenstellend, da mir das Mordmotiv nicht klar geworden ist. Aber das sind alles nur kleine Kritikpunkte.
** Fazit
Insgesamt kann ich vor Clint Eastwood und seinen erstklassigen Hauptdarstellern nur den Hut ziehen. Mystic River war zwar sicherlich kein Kassenschlager, aber dafür ein umso beeindruckenderer Film. Mystic River lebt von seinen überzeugenden Schauspielern und der
spannenden Geschichte, die sich immer mehr zuspitzt, bis sich an einem Punkt sämtliche
Spannung in einem Moment auflöst und der Film am Ende leider nur noch vor sich hinplätschert. Insgesamt vergebe ich 4 Punkte, da mich der Film und die Schauspieler (allen voran Tim Robbins) stark beeindruckt haben, dennoch muss ich einen Stern abziehen, weil ich das Ende zu langweilig fand und ich mir von der oscarprämierten Leistung von Sean Penn noch ein klein wenig mehr versprochen hätte. Dennoch ist der Film absolut empfehlenswert! weiterlesen schließen
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