Die Geduld der Spinne (Taschenbuch) / Jonathan Nasaw Testberichte
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Pro & Kontra
Vorteile
- Thriller - super Spannend - gut geschrieben - Situationen gut umschrieben - Schockersituationen - Man erfährt auch noch viel über DIS
- Spannung bis zur letzten Seite, nur was für hartgesottene Krimi-leser
- extrem fesselnd 2 sehr gute Hauptfiguren (Maxwell, Irene) interessantes Thema Sogwirkung
- spannend, informativ in Bezug auf DIS, gut geschrieben
- Spannender Thriller, fesselnd und auf den Punkt gebracht
Nachteile / Kritik
- Für manch einen eher abstoßend, wegen der Gewalt und - Sexlinie
- viele medizienische Begriffe, nix für schwache Nerven
- Ed Pender ist langweilig
- teilweise sehr brutal und grausam
- Nicht sehr viel
Tests und Erfahrungsberichte
-
Ein Mann mit vielen Gesichtern
4Pro:
- extrem fesselnd - 2 sehr gute Hauptfiguren (Maxwell, Irene) - interessantes Thema - Sogwirkung
Kontra:
- Ed Pender ist langweilig
Empfehlung:
Nein
Die Ähnlichkeit zum „Schweigen der Lämmer“ ist zumindest bis zu einem gewissen Grad groß, in „Die Geduld der Spinne“ (Originaltitel: „The girls he adored“) von Jonathan Nasaw. Zur Erinnerung: Hannibal Lecter ist ja der bitterböse aber zugleich auch irgendwie faszinierende psychopathische Mörder aus „Das Schweigen der Lämmer“ (in der Verfilmung brillant gespielt von Anthony Hopkins), ... (dargestellt von einer auch sehr starken Jodie Foster) seine Gegenspielerin. Wenn jemand versucht, einen solchen Erfolg, eine solche dichte Atmosphäre, das Gänsehautgefühl zu wiederholen, dann kann das ja eigentlich nur schief gehen! Oder? Ob es Jonathan Nasaw (dessen Verlag in kurzen Inhaltsbeschreibung übrigens tatsächlich auf Lecter anspielt) gelingt, ähnlich zu fesseln, dazu nun mehr.
Inhaltsverzeichnis:
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1. Der Autor: Jonathan Nasaw
2. Ort und Zeit der Handlung
3. Was ist eine multiple Persönlichkeit?
4. Die Hauptfiguren
***a) Ulysses Christopher Maxwell
***b) Irene Cogan
***c) Ed Lee Pender
5. Die Handlung
6. Themen
***a) Maxwells gespaltene Persönlichkeit
***b) Therapie
7. Handlungsstränge
8. Die Übersetzung
9. Vergleich mit „Schweigen der Lämmer“
10. Zielgruppe
11. Daten zum Buch
12. Pro & Contra
13. Fazit
1. Der Autor: Jonathan Nasaw
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Erst nachdem ich nun das Buch komplett gelesen habe, „beschäftige“ ich mich damit, wer es geschrieben hat – und bin erstaunt. Denn ich stelle fest, dass „The girls he adored“ / „Die Geduld der Spinne“ Nasaws Erstlingsroman ist. Ob die Überraschung positiver oder negativer Art ist, dazu gibt es im Laufe dieses Berichts mehr zu lesen. Viel mehr erfährt man IN dem Buch nicht über den Autor – nur soviel, dass er in Pacific Grove, Kalifornien lebt. Auch auf den Seiten seiner Verlage gibt der Schriftsteller nicht viel mehr über sich preis. Da ist nur ein Foto bei Heyne. Spontan würde ich dazu sagen: Er schaut aus wie ein gut situierter, Harley Fahrer in fortgeschrittenem Alter. Mag sein, dass das ein Klischee ist. Seine Haare scheinen (auf dem schwarz-weiß Bild) angegraut zu sein, er hat Geheimratsecken und einen ebenfalls angegrauten quasi-Vollbart (der Bart ist oval gestuzt). Und er trägt Jeansjacke und T-Shirt sowie eine Sonnenbrille.
Abgesehen von dieser rein optischen Geschichte finde ich nur noch etwas zu seiner Arbeit als Autor: Er hat insgesamt drei Romane geschrieben, in denen der FBI-Agent Ed Lee Pender eine Rolle spielt. Nach „Die Geduld der Spinne“ waren das „Angstspiel“ („Fear Itself“, 2003) und „Seelenesser“ („Twenty-Seven Bones“, 2004). Außerdem gibt es von Nasaw die so genannte „James-Whistler-Reihe“ mit bislang offenbar nur zwei Büchern: „Blutdurst“ („The World on blood“) und „Reich der Schatten“ („Shadows“). Erstaunlicherweise widersprechen sich die Angaben in der „Die Geduld der Spinne“-Ausgabe und im Internet (Wikipedia). Denn bei Wiki heißt es, dass die Whistler-Romane aus den Jahren 1996 und 1997 im Original stammen. Damit wären sie – anders als es in dem mir vorliegenden Buch aus dem Heyne-Verlag heißt - VOR „Die Geduld der Spinne“ entstanden.
2. Ort und Zeit der Handlung
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Der Hauptteil der Geschichte spielt im Juli 1999 in den USA. Die Hauptzeitspanne sind ganze acht Tage. Der genaue Schauplatz ist hier eigentlich nicht weiter wichtig, zumal der auch wechselt. In Rückblenden schaut Nasaw bzw. seine Hauptfigur Ulyssess Christopher Maxwell auch auf die Vergangenheit. Und zu guter letzt spielt der Epilog ein Jahr nach den eigentlichen Ereignissen.
3. Was ist eine multiple Persönlichkeit?
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Mal jemand anders zu sein – fast jeder hatte diesen Wunsch irgendwann schon einmal. Doch wenn tatsächlich mehrere Persönlichkeiten in einem Menschen stecken, dann handelt es sich oft um eine psychische Erkrankung, man spricht auch von Schizophrenie. In den westlichen Industriestaaten ist offenbar ein Prozent der Menschen davon betroffen. Zu den ersten Symptomen gehören Angst und Ratlosigkeit, die dann zu inhaltlichen Denkstörungen führen können, zu Wahrnehmungsstörungen und Wahnideen. Es kann zu Gereiztheit kommen, der oder die Betroffene hat ihren oder seinen eigenen Körper nicht unter Kontrolle, zieht sich von den Mitmenschen zurück, wirkt autistisch und kann nicht mehr zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden. Erstaunlich finde ich die Tatsache, dass Schizophrenie erblich sein soll. Denn häufig haben Laien (gerade aus Romanen oder Spielfilmen) den Eindruck gewonnen, dass Persönlichkeitsspaltungen häufig dadurch entstehen, dass der oder die Betroffene schwere Kindheitserlebnisse (wie sexuellen Missbrauch) verarbeiten will.
Durch moderne Medikamente (Neuroleptika) soll Schizophrenie heutzutage in den meisten Fällen, dazu führen, dass der Patient ein weitgehend normales Leben (sowohl privat als auch beruflich) führen kann.
4. Die Hauptfiguren
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Es ist sehr positiv, dass sich Nasaw insgesamt in seiner Handlung auf drei Figuren konzentriert. Die allergrößte Rolle in der Geschichte hat Ulysses Christopher Maxwell.
***a) Ulysses Christopher Maxwell
Ulysses Christopher Maxwell ist ein zierlicher kleiner Mann, etwa Ende 20, einer mit einem hübschen Gesicht, einer mit Charme. Und er ist ein mehrfacher Mörder. Was auf den ersten Blick einfach und klar wirkt, ist in der Wirklichkeit nicht ganz so leicht.
Denn Maxwell hat eine multiple Persönlichkeit. Da ist zum einen Max. Er scheint die anderen (im Roman werden sie die „alters“ genannt) im Griff zu haben, ist intelligent, handelt überaus kalkuliert, kann aber auch sehr brutal werden. Schon als einzelne Person wäre Max wohl ein Mensch, den man nicht unbedingt kennen möchte. Einige seiner alters sind aber noch schlimmer, andere harmloser.
Christopher ist der Charmeur unter den Persönlichkeiten des Ulysses Christopher Maxwell. Er hat eine sehr sympathische Ausstrahlung, wirkt überaus charmant, ist einfühlsam, ist möglicherweise als einziger der alters von Maxwell zu Liebe fähig. Im Gegensatz zu Max wäre Christopher wohl am ehesten ein „Mensch“ den mögen könnte.
Ulysses heißt der ursprüngliche Charakter (kann man ja auch daran erkennen, dass er der erste Teil des Namens ist). Allerdings wirkt er weniger selbständig (als Max) und wird oft von den alters als „Useless“/nutzlos in Anspielung an seinen Namen Ulysses bezeichnet. Darum hat Max ihn auch zurück gedrängt.
Lyssy ist ein fünfjähriger Junge und der Ursprung dieses gespaltenen Charakters. Er wurde von seinen Eltern im Alter von fünf Jahren – so sagt er jedenfalls – erstmals sexuell missbraucht. Lyssy ist unsicher, ängstlich, lispelt. Max versucht sein jüngeres Ich zu schützen.
Auch (mindestens) ein weiblicher alter steckt im Körper von Ulysses Christopher Maxwell. Sie heißt Alicea, übernahm später ebenfalls zum Schutz von Lyssy die Rolle des missbrauchten Kindes.
Mose heißt ein weiteres Ich. Er ist eine Art Zentralspeicher für alle Persönlichkeiten und hat ein fotografisches Gedächtnis.
Und dann ist da noch Kinch, der Schlächter unter den alters. Er ist kalt, brutal, ein Mörder, der es braucht, andere aufzuschlitzen und seine Opfer bis zu Unkenntlichkeit zu zerstückeln.
Ich habe jetzt sieben der zahlreichen Persönlichkeiten aufgezählt, die wichtigsten sieben, wie ich meine. Wenn man den Roman verfolgt, werden noch ein paar weitere erwähnt, die meiner Meinung nach aber eine kleinere Rolle spielen und deren Erwähnung hier nur zu Verwirrung führen würde. Insgesamt ist dieser multiple Charakter schon auch faszinierend. Denn man kann nicht unbedingt wissen, welcher der alters als nächstes ans Tageslicht kommt. Man weiß nicht, wie er so geworden ist, wie er ist. Und ab und an könnte man auch vermuten, dass Ulysses Christopher Maxwell gar nicht gestört ist sondern nur äußerst kalkuliert den Anschein erwecken will, um so gezielt seine Mitmenschen in die Irre zu führen.
***b) Irene Cogan
Sie ist eine attraktive Frau von Anfang 40, sie ist Psychologin, sie ist Witwe. Mit diesen wenigen Worten ist Irene schon recht gut charakterisiert, aber vielleicht noch nicht ganz ausreichend. Denn Irene ist Fachfrau auf dem Gebiet der Schizophrenie. Entsprechend schwingt bei ihr eine Mischung aus beruflicher Faszination mit, als sie Max (und nach und nach seine alters) kennen lernt. Doch sie merkt auch, dass es für sie ein Spiel mit dem Feuer ist.
Man merkt aber auch, dass Irene nach dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren relativ auf sich allein gestellt ist. Sie hat zwar Freunde – z.B. eine andere Psychologin – widmet sich aber vor allem ihrem Beruf.
Das Gute an der Figur Irene Cogan ist wahrscheinlich, dass man mit ihr diese Mischung aus Interesse und Abscheu für Ulysses Christopher Maxwell teilt und sie so im Laufe der „Therapie“ vielleicht sogar stellvertretend für den Leser die Geschichte des Mannes mit den vielen Persönlichkeiten erfragt.
***c) Ed Lee Pender
Für mich ist Ed Lee Pender – oder auch E.L. Pender – die uninteressanteste der drei Hauptfiguren. Er ist zwar F.B.I. Agent (was ja grundsätzlich spannend sein könnte), aber ein abgehalfterter Agent, dessen Chef ständig versucht ist, ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Pender gilt als der schlechtgekleidetste F.B.I. Mann, ist groß, aber auch übergewichtig und steht kurz vor der (Früh-)Rente. Bei manchen solchen Ermittlertypen schwingt ja eine Portion Witz oder Cleverness mit, die den Charakter dann doch interessant macht. Nasaw hat Pender nichts dergleichen „verpasst“, er wirkt einfach nur etwas tapsig (= unbeholfen). Um so mehr wundert es mich, dass Nasaw diese schwächste Figur des Romans zur Hauptfigur von (mindestens) zwei weiteren Romanen gemacht hat ... Der größte Fehler des Autors dabei ist wohl, dass Pender in „Die Geduld der Spinne“ recht eindimensional wirkt. Nasaw hat ihn nur grob skizziert, ihm keinen wirklichen Charakter verpasst. Man hat den Eindruck, dass man es mit einer flachen Persönlichkeit zu tun hat, nicht mit einer Figur mit Ecken und Kanten.
5. Die Handlung
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Irene wird ins Gefängnis gerufen, um ein Gutachten über einen unbekannten Häftling zu stellen. Der schlanke, drahtige junge Mann wirkt auf sie zwar sofort charmant, er weigert sich aber, ihr seinen richtigen, seinen vollen Namen zu sagen – sie soll ihn nur Max nennen. Zunächst ist sich Irene als Psychologin unsicher, ob der Gefangene tatsächlich eine gespaltene Persönlichkeit hat, doch im Laufe der Sitzung scheint ihr immer mehr darauf hinzuweisen. Unheimlich wird es ihr, als der Mann Nähe sucht, z.B. sich von ihr eine Locke aus dem Gesicht streichen lässt, sie um eine Zigarette bittet oder sie schließlich beim Vornamen nennt (den sie ihm gegenüber nicht erwähnt hatte). Auffallend sind für sie Max Hände, die statt Lebens- und anderen Linien glatt wirken – und tatsächlich wurde hier wohl Haut transplantiert.
Max wurde bei einer Verkehrskontrolle aufgefallen – er hatte eine rote Ampel überfahren. Als sich ihm eine Polizistin nähern will, sieht sie, dass jemand/er seiner Beifahrerin, einer rotblonde Frau, den Bauch aufgeschnitten hat. Und der Mann hinter dem Steuer greift auch die Polizistin an, sticht ihr ein Messer durchs Gesicht. Die Verstärkung, die die Ermittlerin gerufen hatte, schafft es, den Angreifer zu überwältigen und zu verhaften.
Als F.B.I. Agent E.L. Pender von dem Fall erfährt, wittert er gleich einen Serienmörder. Denn seit Jahren waren immer wieder rotblonde Frauen verschwunden, meistens welche, die allein lebten und plötzlich einen neuen Freund/Partner hatten, von dem sie aber in ihrem Umfeld nichts näheres erzählen wollten bzw. durften. Doch während man im F.B.I. im allgemeinen glaubt, dass es sich um Einzelfälle handelt, glaubt Pender einen Täter zu erkennen, der immer wieder auf die gleiche Weise arbeitet. Er lässt sich in Max Zelle einschleusen – als angeblicher Mithäftling. Doch Max gelingt es, zu entkommen.
Als erstes sucht er bei der Polizistin, die ihn angehalten hatte und die aus seiner Sicht Schuld an seiner Verhaftung war, „Zuflucht“. Er vergewaltigt sie, teilweise als der zärtliche Liebhaber Christopher, dann als der von Erektionsstörungen geplagte Max und schließlich tötet das brutale alter Kinch die junge Frau und ihre Lebensgefährtin auf schlimmste Weise: Er zerstückelt die Unterkörper der Frauen.
Es kommt, wie es kommen muss, als nächstes zieht es Max zu Irene. Er lauert ihr und ihrer Freundin beim Joggen auf, verschleppt beide, lässt aber schließlich die Freundin weitgehend unverletzt frei. Auf seiner weiteren Flucht tötet er einen älteren Mann und eine junge Frau.
An dieser Stelle ist es noch relativ früh im Roman. Wer noch ganz viel Spannung möchte, sollte wahrscheinlich erst beim nächsten Punkt, bei 6., weiter lesen. Wer noch etwas mehr wissen möchte, kann gerne sofort hier und jetzt weiter schauen.
Max bringt Irene zu einem abgelegenen Haus, das von einem Elektrozaun umschlossen ist und in dem eine Frau in einem hoch geschlossenen Seidenkleid und mit Mundschutz wohnt. Schnell erkennt Irene, dass die Fremde schwere Verbrennungen hat.
Im Wald beginnt Irene auf Max Wunsch mit Therapiesitzungen und lernt so seine alters und seine Entwicklung kennen: Lyssy erzählt davon, wie er mit 5 Jahren vergewaltigt wurde – von den eigenen Eltern und später, in einer Art Orgie, auch von „Freunden“ seiner Eltern. Zu der Zeit hatte Alicea die Rolle des Opfers übernommen. Mit 9 Jahren tauchte Max das erste Mal auf, beendete eine der Vergewaltigungen, sorgte dafür, dass seine Eltern wegen Missbrauchs ins Gefängnis kamen. Als sie auf Kaution wieder frei gelassen wurden, erschießt der Vater zunächst die Mutter und dann sich selbst. Ulysses Christopher Maxwell kommt bei seiner Lehrerin Miss Julia Miller, einer rotblonden Frau Ende 20 unter. Sie gibt ihm Geborgenheit, aber daraus entwickelt sich auch schnell ein Verhältnis. Nach mehreren Jahren jedoch verlobt sich Miss Miller mit einem anderen Lehrer, Max platzt der Kragen, sein brutales alter Kinch ermordet den Mann, er reißt Kerzen herunter, Miss Millers Körper steht in Flammen, mit bloßen Händen versucht er sie zu löschen. Doch Miss Miller ist aufs schwerste entstellt und auch Max kann seine Hände erst nach Hauttransplantationen wieder gebrauchen.
Ein Jahr später – nachdem sie diverse Operationen hinter sich hat – holt Miss Miller Max wieder zu sich. Als sich dessen Alter Christopher in eine junge (ebenfalls rot-blonde) Frau verliebt, wird Miss Miller eifersüchtig und erschlägt ihre vermeintliche Rivalin.
6. Die Themen
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***a) Maxwells gespaltene Persönlichkeit
Wie schon erwähnt: Maxwells Fall scheint das, was sicher viele landläufig als typisches Beispiel einer gespaltenen Persönlichkeit sehen würden: Er scheint als Schutz, weil er als kleiner Junge Lyssy den Missbrauch durch seine Eltern nicht verkraften kann, sich andere Persönlichkeiten zuzulegen. Diese nehmen Rollen für bestimmte Lebensbereiche ein, um das Überleben möglichst geschickt zu organisieren. Grundsätzlich schafft es der Autor Jonathan Nasaw, im Verlauf seiner Schilderung eine Faszination für dieses Phänomen zu erzeugen. Als Leser fragt man sich, wie es wohl dazu gekommen ist, dass sich die einzelnen Persönlichkeiten heraus gebildet haben, man fragt sich, welcher der verschiedenen alters sich als nächstes meldet und was er tun wird. Andererseits gibt es immer wieder Momente, in denen man auch daran zweifeln kann, dass es sich bei Max wirklich um eine gespaltene Persönlichkeit handelt, denn zu sehr hat er die anderen alters im Griff, schafft es, sie nur zu einem bewusst kalkulierten Zeitpunkt zum Vorschein kommen zu lassen. Und er schafft es auch, sein Umfeld zu täuschen, indem er so tut, als sei beispielsweise Christopher da. Doch in Wirklichkeit ist es Max, der den sanften Christopher nur imitiert.
***b) Therapie
Ich habe mir sagen lassen, dass es in den USA relativ normal ist, zum Psychologen zu gehen, auch wenn man dort nur seine ganz alltäglichen Sorgen aus dem Job oder ein paar (eher banale) private Streitigkeiten besprechen möchte. Ich bin einerseits skeptisch, was Psychologen angeht, denke, dass es in solchen, eher kleinen Problemfällen, sicher auch reicht, wenn man mit guten Freunden oder anderen nahe stehenden Menschen spricht, die einen besser kennen, die Situation direkter einschätzen können und wirklich auch persönlich helfen wollen.
Schizophrenie ist im Gegensatz dazu sicher nichts, was man mit dem normalen Menschenverstand, mit Gesprächen unter Freunden, behandeln kann, speziell wenn sie so ausgeprägt ist wie hier. Die Therapie, die Irene Cogan mit Ulysses Christopher Maxwell durchzuführen versucht, kommt nicht wirklich zu einem Ende: Denn er (bzw. seine Persönlichkeiten) erzählen zwar von der Vergangenheit. Und dadurch wird auch für den Leser einiges an Zusammenhängen Stück für Stück klar, z.B., wie und warum es zum Verschwinden von mehr als zehn rotblonden Frauen kam.
Zeitweise scheint es, als könnte es Irene gelingen, einen der harmlosen alters ihres Patienten, nämlich Christopher, mehr Gewicht zu verleihen und damit vielleicht auch die Gefährlichkeit des Mannes zu durchbrechen. Doch der spielt sein eigenes Spiel und will sich von Irene nicht lenken lassen.
Die „Therapie“, die Gespräche zwischen Maxwell und Irene in ihrem improvisierten „Sitzungsraum“ haben eine besondere Spannung. Sie sorgen dafür, dass der Roman an Sog gewinnt.
7. Die Handlungsstränge
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Gut finde ich, dass Nasaw mit seinen Handlungssträngen dicht an den Hauptfiguren bleibt, in den Handlungssträngen spielt fast immer einer der drei wichtigsten Charaktere eine Rolle. Das sorgt dafür, dass der Lesefluss gewahrt bleibt. Allerdings muss ich hier auch Einschränkungen machen. Da speziell Ulysses Christopher Maxwell eine sehr vielschichtige Figur ist, sind die Passagen mit ihm sehr spannend. Irene Cogan ist zwar als Charakter nicht ganz so komplex. Doch die Tatsache, dass sie als Psychologin einerseits stellvertretend für den Leser immer mehr über Max erfährt und andererseits dabei auch selber in Gefahr gerät, macht auch sie sehr interessant.
Weniger spannend ist aus meiner Sicht dagegen der Pender-Handlungsstrang. Das liegt zum einen daran, dass ich die Figur an sich sehr blass finde. Er ist abgehalftert und langweilig und hat für mich nicht einmal in seiner Schrulligkeit etwas Reizvolles. Dadurch waren für mich die (glücklicherweise immer kürzer werdenden) Parts von Pender die Bremser im Lesefluss. Dadurch erhöhte sich zwar die Spannung. Und am Ende war auch Pender Teil der spannenden Passagen. Dennoch hätte ich auf ihn und auf seine Parts recht gerne verzichtet.
8. Die Übersetzung
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Wer meine Berichte kennt, weiß: Ich schreibe viel über Romane in der Originalsprache. Das hat für mich mehrere Vorteile: Meist gibt es die englischsprachige Ausgabe früher, sie ist oft preisgünstiger und ich halte mich – das ist der wohl wichtigste Grund- auf dem Laufenden was meine Englischkenntnisse angeht.
„Die Geduld der Spinne“ war für mich eine Leihgabe von einer Kollegin. Daher also dieses Mal eine deutsche Übersetzung. Sie stammt von Jochen Stremmel. Anfangs war ich bei ein paar Ausdrücken irritiert. Sie müssen wohl Stremmels eher persönlichem Wortschatz entstammen, denn sie scheinen mir keine Entsprechung zu englischsprachigen Ausdrücken. Ein Beispiel: „... trotz der auf ihren Wagen erblühten Röte“. Es gibt zwar im Englischen den Ausdruck „blush“. Der bedeutet aber rot werden, meinetwegen auch erröten, aber die „erblühte Röte“ ist doch reichlich blumig. Mit der Zeit, so habe ich den Eindruck, werden Stremmels Stilblüten dann aber weniger – oder ich habe mich an sie gewöhnt. Insgesamt lässt sich die Übersetzung sehr flüssig lesen – wenn man mal von den Pender-Passagen absieht, was aber wohl eher an der Vorlage von Nasaw liegt als an deren Übersetzung.
9. Vergleich mit „Schweigen der Lämmer“
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1989 hat Thoams Harris seinen Erfolgsroman „Das Schweigen der Lämmer“ (Original „The Silence of the Lams“) veröffentlicht, also rund 10 Jahre vor Nasaws Geschichte. Beide Autoren schreiben von einem Serienmörder, der (trotz seiner Brutalität) auf gewisse Weise faszinierend und auf jeden Fall auch clever wirkt. In beiden Fällen gibt es einen weiblichen Gegenpart. Beim Schweigen der Lämmer ist das Clarice Starling, eine F.B.I. Agentin, bei Nasaw ist es ja die Psychologin Irene Cogan. In beiden Fällen lebt die Geschichte auch von den Spannungen zwischen dem männlichen Psychopathen und der weiblichen „Guten“. Denn auch die Frauen schaffen es dank ihrer Intelligenz, dem männlichen Gegenpart Paroli zu bieten.
In beiden Romanen gibt es eine Sogwirkung. Allerdings schreibt Nasaw (glücklicherweise) nicht eins zu eins die Vorlage von Harris nach. Denn das wäre zu einfallslos und langweilig. Sicher ist es schwer, den Maßstab, den Harris gesetzt hat, zu erreichen. Zumal die Verfilmung von „Das Schweigen der Lämmer“ fünf Oscars gewann (unter anderem für den besten Film, den besten Hauptdarsteller (Hopkins), die beste Hauptdarstellerin) Foster) Trotzdem tritt Nasaw mit seiner Geschichte auf durchaus beachtliche Weise in die Fußstapfen von Harris und es gelingt ihm eine Mischung aus Fazination und Schaudern zu schaffen.
10. Zielgruppe
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Man muss natürlich Spannung mögen, man darf keine schwachen Nerven haben. Wenn das der Fall ist, dann ist „Die Geduld der Spinne“ sowohl ein Roman für Männer als auch für Frauen. Das liegt unter anderem einen daran, dass sowohl männliche wie eine weibliche Hauptfigur vorhanden sind/ist. Das liegt aber auch an der Spannung.
11. Daten zum Buch
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Jonathan Nasaw – Die Geduld der Spinne, Heyne Verlag Taschenbuch 06/2005, ISBN 3-453-43124-3, 400 Seiten, 7,95 Euro Übersetzung Jochen Stremmel
Original: „The girls he adored“, 2001.
Die Ausgabe aus dem Heyne Verlag ist einerseits sehr gut, was den Druck angeht. Allerdings fällt die Ausgabe mit ihren nur 400 Seiten auch (durch das wahrscheinlich bessere Papier) deutlich dicker aus als die englischsprachigen Taschenbücher, die ich zuletzt gelesen hatte und die gut 100 Seiten länger waren. Schlecht dagegen ist an dem Heyne-Nasaw-Roman, dass sich das Cover relativ schnell auflöst: Es scheint mit einer sehr dünnen Folie beschichtet, die sich ablöst.
12. Pro & Contra
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Pro
- extrem fesselnd
- 2 sehr gute Hauptfiguren (Maxwell, Irene)
- interessantes Thema
- Sogwirkung
Contra
- Ed Pender ist langweilig!
13. Fazit
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Ich habe zuletzt einige Romane gelesen, die einen recht guten Sog hatten und mich gefesselt haben. Doch Nasaw mit „Die Geduld der Spinne“ hatte insgesamt wohl den allergrößten Lesefluss für mich. Das liegt vor allem an der Haupt-Hauptfigur Ulysses Christopher Maxwell. Obwohl der der Böse ist und obwohl das von Anfang an klar ist, übt dieser Charakter eine Faszination auf mich aus, gerade weil er als multiple Persönlichkeit sehr vielschichtig ist. Auch Irene als Psychologin, die stellvertretend für den Leser der Entwicklung von Maxwell auf die Spur kommt, hat ihren Reiz.
Leider gibt es aber auch eine wirkliche Schwachstelle, Pender. Dessen Charakter ist für mich extrem blass. Mich wundert es sehr, dass Nasaw ihn auch zur Hauptfigur weiterer Romane gemacht hat. Denn er ist „Schuld“ dass ich für das an sich sehr gute Buch „Die Geduld der Spinne“ einen Stern abziehe, den Roman aber mit vier Sternen natürlich empfehle. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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sigrid9979, 20.10.2008, 22:24 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Wünsche einen guten Start in die neue Woche , lg Sigi
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Hannibals Konkurrent: Wehe den Rotblonden!
Pro:
spannend, bizarr, solide recherchierte Psychologie & FBI-Szene, sinnlich, mitfühlend, humorvoll
Kontra:
stellenweise doziert das Buch
Empfehlung:
Ja
"Die Geduld der Spinne" vereint Elemente aus "Das Schweigen der Lämmer" und "...denn zum Küssen sind sie da", doch der Serienkiller selbst könnte direkt aus der Psychiatrie entsprungen sein: Er besitzt eine multiple Persönlichkeit, die sich in Sekundenschnelle ändern kann. Der Verführer hat es auf Frauen mit nur einem besonderen Merkmal abgesehen: eine bestimmte Haarfarbe...
Der Autor
Jonathan Nasaw lebt nach Angaben des Verlags in Pacific Grove, also dort, wo auch ein Abschnitt der Romanhandlung spielt: an der kalifornischen Pazifikküste südlich von San Francisco. "Die Geduld der Spinne" ist sein erster Roman. Die Detailkenntnisse aus dem Leben eines alt gewordenen FBI-Agenten im Außendienst und der Humor, mit dem er diese Figur zeichnet, lassen vermuten, dass Nasaw möglicherweise selbst einmal beim FBI war.
Handlung
Als die Psychotherapeutin Dr. Irene Cogan, 41, das erste Gespräch mit dem Häftling führt, ahnt sie noch nicht, was sich daraus entwickeln wird. Er hat bei einer Verkehrskontrolle die Polizeibeamtin ohne Vorwarnung mit einem Messer gestochen, kurz zuvor aber noch seiner 18-jährigen Beifahrerin den Bauch aufgeschlitzt. Offenbar ist mit einem solchen Mann nicht gut Kirschen essen. Irene ist sehr vorsichtig.
Der Häftling ist äußerst charmant: Das ist die Persönlichkeit, die sich "Christopher" nennt, der Verführer. Dann gibt es da noch den kleinen Jungen, der sich "Lyssy" nennt und den Irene sehr gut hypnotisieren kann, um mehr zu erfahren. Das Kommando hat aber "Max", ein ziemlich kämpferischer und verschlagener Typ. Irene ahnt noch nichts von der Existenz anderer Persönlichkeiten im System, das den Körper von Ulysses Christopher Maxwell III bewohnt: Da sind Ish, Mose, Alicea und der gefährlichste von allen: Kinch, der Metzger. Noch denkt Irene, was für ein wunderbares Beispiel von dissoziierter (gespaltener) Persönlichkeit sie hier vor sich hat. Darüber würde sie gerne bald einen DIS-Fachartikel schreiben. Ihre Kollegen würden vor Neid erblassen. Das hat die Wissenschaft noch nicht gesehen.
Doch auch das FBI ist in Gestalt von Edgar Lee Pender hinter "Max" her, den er "Casey" nennt. Er verdächtigt Max sehr stark, der Serienmörder zu sein, der seit Jahren Frauen verführt, so dass sie mit ihm "durchbrennen", bis er sich ihrer entledigt. Alle Frauen haben ein Merkmal gemeinsam: ihr schönes rotblondes Haar.
Als Pender sich mit "Max" in eine gemeinsame Zelle sperren lässt, um ihn auszuhorchen, ist Max viel zu schlau für ihn: Er überwältigt Pender in Nullkommanix, öffnet die Zellentür, tötet einen Vollzugsbeamten und entkommt in ein nahes Versteck. Dort wartet er, bis sich die erste Panik der Polizei gelegt hat und macht sich dann ganz methodisch an die Arbeit.
Dr. Irene Cogan hat keine Chance, sich zu wehren, als Max sie und ihre Freundin Barbara überfällt. Auch Irene hat rotblondes Haar, nur etwas getönt. Und dafür gibt es in Oregon einen Abnehmer, der bereits ungeduldig auf die nächste Lieferung wartet.
Wird es Irene gelingen, den multiplen Verstand ihres Entführers zu heilen, bevor er sie umbringt? Kann Agent Pender das Versteck des Killers rechtzeitig aufspüren?
Mein Eindruck
Jonathan Nasaw ist kein neuer Thomas Harris, aber er hat von ihm und James Patterson schon einiges abgeguckt. Von Patterson stammt die Einteilung in kurze Kapitel von maximal 4-5 Seiten sowie das Motiv des "Casanova", der seine Mädchen entführt (aus "...denn zum Küssen sind sie da"). Von Harris hat Nasaw die Methode, erst einmal gründliche Recherche über das besondere Merkmal des Killers durchzuführen, bevor er darüber schreibt. Dieses Können allein ist es, was Nasaws Thriller ein wenig über den Durchschnitt hinausragen lässt. (Harris' Bücher befinden sich natürlich auch in Max' umfangreicher Bibliothek.)
Wir werden eingehend nicht nur mit der Welt von Dr. Cogan vertraut gemacht, sondern auch mit ihrer Spezialität: den multiplen DIS*-Persönlichkeiten. Darüber hat der Psychologe Daniel Keyes bereits gute Romane wie "Die fünfte Sally" und "Die Leben des Billy Milligan" geschrieben, doch verschwanden sie im Ghetto der Science Fiction-Ecken diverser Verlage. Bei Theodore Sturgeon ("More than human", 1953) war die multiple Persönlichkeit noch auf telepathischem Wege zustandegekommen und von positiver Natur. DIS-Killer sind noch selten in der Thrillerliteratur, ganz einfach deswegen, weil das ein kompliziertes Krankheitsbild ist, das hohe Anforderungen an die Darstellungsfähigkeit des Autors stellt.
Nun, soviel ist gewiss: Nasaw hat seine Hausaufgaben gemacht. Max ist uns so unheimlich und angsteinflößend, dass er durchaus einem Mutanten gleichkommt, was seine Gefährlichkeit, Anpassungs- und Überlebensfähigkeit angeht. Zum Glück hat "Max" nicht alle Persönlichkeiten, die sogenannten "alters", unter Kontrolle. Es kommt immer wieder zu Chaos, Fehlern und Ausrutschern, bei denen er sich eine Blöße gibt. Diese kann Irene manchmal nutzen. Aber ihr Job ist genauso, als wolle man eine wildgewordene Kobra beschwören.
Agent E. L. Pender ist ein ganz anderes Kaliber. Der massige Kerl in den späten Fünfzigern steht kurz vor seiner Pensionierung (auf die er pfeift), hat Freunde weiter oben und vor nichts Angst, vor allem nicht dann, wenn es darum geht, "Casey" zur Strecke zu bringen. Aber Irene Cogan aufzuspüren und zu retten, führt auch den schlauen Pender an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Daher endet das Buch in einem langen, spannenden Showdown, indem weitere Geheimnisse aufgedeckt werden. Selbst die allerletzte Zeile verpasst dem Leser noch so etwas wie einen kleinen Elektroschock.
Pender ist auch die einzige Figur, die so etwas wie Humor einbringt: es ist ein lakonischer Sarkasmus, mit dem er seine Arbeit und seine Kollegen betrachtet, die sich allesamt besser dünken als er. Dann aber gibt es noch witzige Aspekte bei seinen Recherchen. So etwa die Prostituierte in Dallas, die zwar eine waschechte Amerikanerin ist, aber einen auf kleine, geile Vietnamesin macht, um es den Kriegsveteranen, ihre Freier, recht zu machen. Da ist Big Nig, der Zweimetermann, der von Max fertiggemacht wurde. Aber es gibt auch Buckley, der mit Leberkrebs im Endstadium im Hospital liegt. Er gibt Pender den entscheidenden Tipp auf "Caseys" Identität. Bei Buckley vergießt selbst der hartgesottene Pender ein paar Tränen. In Pender hat sich der Autor wohl am meisten selbst eingebracht.
Unterm Strich
"Strawberry Blonds forever" wäre ebenfalls ein passender Titel, aber leider ist er schon vergeben: So heißt ein Haarfärbemittel im Buch. Und wer da nicht an den Beatles-Song denkt, ist selber schuld. Dies ist nur ein kleines Beispiel für die humorvolleren Aspekte eines Buches, das doch den Leser und vor allem die LeserIN in die dunkelsten Ecken des Grauens führen dürfte.
Im Kielwasser von Thomas Harris, J. Deaver und James Patterson segelnd, bietet Nasaw solide Spannung, psychologischer Bizarrerie, FBI-Action und eine Art makabrer Erotik, das die meisten Thrillerwünsche erfüllt werden. Eine Anfängerschwäche hat das Buch dennoch: An manchen Stellen doziert es, seitenlang. Das Fachwissen ist zwar notwendig, aber sollte eigentlich in erzählende Prosa eingebettet bzw. umgesetzt sein. Das kann Nasaw sicherlich noch besser.
Fazit daher: vier von fünf Thriller-Sternen.
Michael Matzer (c) 2003ff
Info: The girls he adored, 2001; Heyne 07/2003, München; 400 Seiten, EU 12,00, aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb; ISBN 3-453-87008-5
*DIS: Dissoziiertes Identitätssyndrom, eigentlich eine falsche Übersetzung, denn dissoziiert (aufgespalten) ist nicht das Syndrom, sondern die Identität.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2004-07-29 14:13:14 mit dem Titel Hannibals Konkurrent: Wehe den Rotblonden!
"Die Geduld der Spinne" vereint Elemente aus "Das Schweigen der Lämmer" und "...denn zum Küssen sind sie da", doch der Serienkiller selbst könnte direkt aus der Psychiatrie entsprungen sein: Er besitzt eine multiple Persönlichkeit, die sich in Sekundenschnelle ändern kann. Der Verführer hat es auf Frauen mit nur einem besonderen Merkmal abgesehen: eine bestimmte Haarfarbe...
Der Autor
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Jonathan Nasaw lebt nach Angaben des Verlags in Pacific Grove, also dort, wo auch ein Abschnitt der Romanhandlung spielt: an der kalifornischen Pazifikküste südlich von San Francisco. "Die Geduld der Spinne" ist sein erster Roman. Die Detailkenntnisse aus dem Leben eines alt gewordenen FBI-Agenten im Außendienst und der Humor, mit dem er diese Figur zeichnet, lassen vermuten, dass Nasaw möglicherweise selbst einmal beim FBI war.
Handlung
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Als die Psychotherapeutin Dr. Irene Cogan, 41, das erste Gespräch mit dem Häftling führt, ahnt sie noch nicht, was sich daraus entwickeln wird. Er hat bei einer Verkehrskontrolle die Polizeibeamtin ohne Vorwarnung mit einem Messer gestochen, kurz zuvor aber noch seiner 18-jährigen Beifahrerin den Bauch aufgeschlitzt. Offenbar ist mit einem solchen Mann nicht gut Kirschen essen. Irene ist sehr vorsichtig.
Der Häftling ist äußerst charmant: Das ist die Persönlichkeit, die sich "Christopher" nennt, der Verführer. Dann gibt es da noch den kleinen Jungen, der sich "Lyssy" nennt und den Irene sehr gut hypnotisieren kann, um mehr zu erfahren. Das Kommando hat aber "Max", ein ziemlich kämpferischer und verschlagener Typ. Irene ahnt noch nichts von der Existenz anderer Persönlichkeiten im System, das den Körper von Ulysses Christopher Maxwell III bewohnt: Da sind Ish, Mose, Alicea und der gefährlichste von allen: Kinch, der Metzger. Noch denkt Irene, was für ein wunderbares Beispiel von dissoziierter (gespaltener) Persönlichkeit sie hier vor sich hat. Darüber würde sie gerne bald einen DIS-Fachartikel schreiben. Ihre Kollegen würden vor Neid erblassen. Das hat die Wissenschaft noch nicht gesehen.
Doch auch das FBI ist in Gestalt von Edgar Lee Pender hinter "Max" her, den er "Casey" nennt. Er verdächtigt Max sehr stark, der Serienmörder zu sein, der seit Jahren Frauen verführt, so dass sie mit ihm "durchbrennen", bis er sich ihrer entledigt. Alle Frauen haben ein Merkmal gemeinsam: ihr schönes rotblondes Haar.
Als Pender sich mit "Max" in eine gemeinsame Zelle sperren lässt, um ihn auszuhorchen, ist Max viel zu schlau für ihn: Er überwältigt Pender in Nullkommanix, öffnet die Zellentür, tötet einen Vollzugsbeamten und entkommt in ein nahes Versteck. Dort wartet er, bis sich die erste Panik der Polizei gelegt hat und macht sich dann ganz methodisch an die Arbeit.
Dr. Irene Cogan hat keine Chance, sich zu wehren, als Max sie und ihre Freundin Barbara überfällt. Auch Irene hat rotblondes Haar, nur etwas getönt. Und dafür gibt es in Oregon einen Abnehmer, der bereits ungeduldig auf die nächste Lieferung wartet.
Wird es Irene gelingen, den multiplen Verstand ihres Entführers zu heilen, bevor er sie umbringt? Kann Agent Pender das Versteck des Killers rechtzeitig aufspüren?
Mein Eindruck
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Jonathan Nasaw ist kein neuer Thomas Harris, aber er hat von ihm und James Patterson schon einiges abgeguckt. Von Patterson stammt die Einteilung in kurze Kapitel von maximal 4-5 Seiten sowie das Motiv des "Casanova", der seine Mädchen entführt (aus "...denn zum Küssen sind sie da"). Von Harris hat Nasaw die Methode, erst einmal gründliche Recherche über das besondere Merkmal des Killers durchzuführen, bevor er darüber schreibt. Dieses Können allein ist es, was Nasaws Thriller ein wenig über den Durchschnitt hinausragen lässt. (Harris' Bücher befinden sich natürlich auch in Max' umfangreicher Bibliothek.)
Wir werden eingehend nicht nur mit der Welt von Dr. Cogan vertraut gemacht, sondern auch mit ihrer Spezialität: den multiplen DIS*-Persönlichkeiten. Darüber hat der Psychologe Daniel Keyes bereits gute Romane wie "Die fünfte Sally" und "Die Leben des Billy Milligan" geschrieben, doch verschwanden sie im Ghetto der Science Fiction-Ecken diverser Verlage. Bei Theodore Sturgeon ("More than human", 1953) war die multiple Persönlichkeit noch auf telepathischem Wege zustandegekommen und von positiver Natur. DIS-Killer sind noch selten in der Thrillerliteratur, ganz einfach deswegen, weil das ein kompliziertes Krankheitsbild ist, das hohe Anforderungen an die Darstellungsfähigkeit des Autors stellt.
Nun, soviel ist gewiss: Nasaw hat seine Hausaufgaben gemacht. Max ist uns so unheimlich und angsteinflößend, dass er durchaus einem Mutanten gleichkommt, was seine Gefährlichkeit, Anpassungs- und Überlebensfähigkeit angeht. Zum Glück hat "Max" nicht alle Persönlichkeiten, die sogenannten "alters", unter Kontrolle. Es kommt immer wieder zu Chaos, Fehlern und Ausrutschern, bei denen er sich eine Blöße gibt. Diese kann Irene manchmal nutzen. Aber ihr Job ist genauso, als wolle man eine wildgewordene Kobra beschwören.
Agent E. L. Pender ist ein ganz anderes Kaliber. Der massige Kerl in den späten Fünfzigern steht kurz vor seiner Pensionierung (auf die er pfeift), hat Freunde weiter oben und vor nichts Angst, vor allem nicht dann, wenn es darum geht, "Casey" zur Strecke zu bringen. Aber Irene Cogan aufzuspüren und zu retten, führt auch den schlauen Pender an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Daher endet das Buch in einem langen, spannenden Showdown, indem weitere Geheimnisse aufgedeckt werden. Selbst die allerletzte Zeile verpasst dem Leser noch so etwas wie einen kleinen Elektroschock.
Pender ist auch die einzige Figur, die so etwas wie Humor einbringt: es ist ein lakonischer Sarkasmus, mit dem er seine Arbeit und seine Kollegen betrachtet, die sich allesamt besser dünken als er. Dann aber gibt es noch witzige Aspekte bei seinen Recherchen. So etwa die Prostituierte in Dallas, die zwar eine waschechte Amerikanerin ist, aber einen auf kleine, geile Vietnamesin macht, um es den Kriegsveteranen, ihre Freier, recht zu machen. Da ist Big Nig, der Zweimetermann, der von Max fertiggemacht wurde. Aber es gibt auch Buckley, der mit Leberkrebs im Endstadium im Hospital liegt. Er gibt Pender den entscheidenden Tipp auf "Caseys" Identität. Bei Buckley vergießt selbst der hartgesottene Pender ein paar Tränen. In Pender hat sich der Autor wohl am meisten selbst eingebracht.
Unterm Strich
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"Strawberry Blonds forever" wäre ebenfalls ein passender Titel, aber leider ist er schon vergeben: So heißt ein Haarfärbemittel im Buch. Und wer da nicht an den Beatles-Song denkt, ist selber schuld. Dies ist nur ein kleines Beispiel für die humorvolleren Aspekte eines Buches, das doch den Leser und vor allem die LeserIN in die dunkelsten Ecken des Grauens führen dürfte.
Im Kielwasser von Thomas Harris, J. Deaver und James Patterson segelnd, bietet Nasaw solide Spannung, psychologischer Bizarrerie, FBI-Action und eine Art makabrer Erotik, das die meisten Thrillerwünsche erfüllt werden. Eine Anfängerschwäche hat das Buch dennoch: An manchen Stellen doziert es, seitenlang. Das Fachwissen ist zwar notwendig, aber sollte eigentlich in erzählende Prosa eingebettet bzw. umgesetzt sein. Das kann Nasaw sicherlich noch besser.
Michael Matzer (c) 2004ff
Info: The girls he adored, 2001; Heyne 07/2003, München; 400 Seiten, EU 12,00, aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb; ISBN 3-453-87008-5
*DIS: Dissoziiertes Identitätssyndrom, eigentlich eine falsche Übersetzung, denn dissoziiert (aufgespalten) ist nicht das Syndrom, sondern die Identität. weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
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catmother, 09.08.2004, 22:38 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Den Nasaw muß ich mir wirklich mal vornehmen.
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